Die Demokratische Partei (, kurz PD) ist eine Partei im italienischen Mitte-links-Spektrum. Sie hat eine sozialdemokratische, linksliberale und christlich-soziale Ausrichtung. Auf europäischer Ebene ist sie Vollmitglied der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE). Im Europäischen Parlament (EP) ist sie Mitglied der S&D-Fraktion. Bei den letzten Europawahlen erhielt sie 2009 21 EP-Mandate, 2014 31 EP-Mandate, 2019 19 EP-Mandate und 2024 21 EP-Mandate.

International ist sie Mitglied der Progressiven Allianz. Parteivorsitzende ist seit dem 12. März 2023 Elly Schlein. Sie wurde bei der PD-Basiswahl am 26. Februar 2023 als erste Frau in dieses Amt gewählt.

Geschichte Vorläufer Als frühester gedanklicher Vorläufer der Demokratischen Partei wird oft der „Historische Kompromiss“ der 1970er Jahre genannt. Dieser beinhaltete die Idee, dass Kommunistische Partei (PCI) und Christdemokraten (DC) ihren ideologischen Konflikt überwinden und zum Wohle des Landes zusammenarbeiten sollten. Tatsächlich tolerierte die PCI von Juli 1976 bis März 1979 eine DC-Regierung (Kabinette Andreotti II und IV); eine wirkliche Koalition kam aber nicht zustande. Damals wandte sich die PCI als Vertreterin des Eurokommunismus von einem revolutionären Kurs ab, arrangierte sich mit der parlamentarischen Demokratie, der EU-Mitgliedschaft und schließlich sogar der NATO-Mitgliedschaft Italiens. Die meisten Gründungsmitglieder des PD, die bereits vor 1991 politisch aktiv waren, begannen ihre Karriere entweder beim PCI oder bei der DC. Der PD kann insofern als ein Partei gewordener „Historischer Kompromiss“ von Post-Kommunisten und -Christdemokraten bezeichnet werden.Hartmut Ullrich: Das politische System Italiens. In: Wolfgang Ismayr: Die politischen Systeme Westeuropas. 4. Auflage, VS Verlag, Wiesbaden 2009, S. 643–712, S. 681.John Foot: Modern Italy. 2. Auflage, Palgrave Macmillan, Basingstoke (Hamps)/New York 2014, Kapitel 4 Politics, Abschnitt The Democratic Party („Partito Democratico“, PD), 2007–.

Anfang der 1990er Jahre (nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, den Revolutionen von 1989, dem Zerfall des Ostblocks und der Sowjetunion) änderte sich die Parteienlandschaft in Italien stark: Die PCI beschloss eine endgültige Abkehr vom Kommunismus, benannte sich in Partito Democratico della Sinistra (PDS; Demokratische Linkspartei) um und nahm eine sozialdemokratische Ausrichtung an. Die zuvor dominante DC sowie ihre sozialdemokratischen und liberalen Koalitionspartner (PSI, PSDI, PRI, PLI) wurden vom Korruptionsskandal Tangentopoli schwer erschüttert und „implodierten“. Aus dem Rumpf der DC ging der Partito Popolare Italiano (PPI) hervor, bei dem nach mehreren Abspaltungen vor allem der linke Flügel der Christdemokraten verblieb.

Als unmittelbarer Vorläufer des PD kann das Parteienbündnis L’Ulivo bezeichnet werden, zu dem sich PDS, PPI und eine Vielzahl kleinerer Parteien des Mitte-links-Spektrums 1996 unter Führung des Wirtschaftsprofessors und späteren EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi zusammenschlossen und das bis 2001 die Regierung stellte. Der PDS und kleinere linke Parteien fusionierten 1998 zu den Democratici di Sinistra (DS; Linksdemokraten). Arturo Parisi, Vorsitzender von I Democratici, einer sozialliberalen Partei von Prodi-Unterstützern innerhalb von L’Ulivo, schlug Anfang 2000 den Linksdemokraten eine Fusion zu einer großen Mitte-links-Partei vor, was dort jedoch noch auf Ablehnung stieß.Michele Simone: Il Primo Congresso dei Democratici di Sinistra. In: La Civiltà cattolica, Heft 3591, 5. Februar 2000, S. 280–289, auf S. 285, 287. I Democratici und PPI gingen 2001 in der Partei Democrazia è Libertà – La Margherita auf.

Der DS-Abgeordnete Michele Salvati (* 1937) rief im April 2003 in Zeitungsartikeln zur Gründung eines Partito Democratico als Sammelpartei des Mitte-links-Spektrums auf.Michele Salvati: Appello per il Partito democratico. In: Il Foglio, 10. April 2003.Derselbe: Perché voglio il Partito democratico. In: La Repubblica, 15. April 2003. Linksdemokraten und La Margherita setzten das L’Ulivo-Bündnis bis zur Gründung des PD 2007 fort und intensivierten es noch, indem sie zur Europawahl 2004 und den Parlamentswahlen 2006 mit einer gemeinsamen L’Ulivo-Liste antraten. Nach fünf Jahren der Opposition gegen Silvio Berlusconi und seine Mitte-rechts-Koalition (Kabinette Berlusconi II und III) war das Mitte-links-Bündnis ab 2006 wieder an der Regierung. Es bildete das Kabinett Prodi II (Mai 2006 bis Mai 2008), an dem die L’Ulivo-Parteien DS und Margherita maßgeblich beteiligt waren.

Gründung als Sammelpartei des italienischen Mitte-links-Lagers Am 23. Mai 2007 wurde ein 45-köpfiges Gründungskomitee der Demokratischen Partei gebildet. Diesem gehörten vorwiegend Politiker der Democratici di Sinistra (DS) und La Margherita an, aber auch Marco Follini von der Kleinpartei Italia di Mezzo (einer Abspaltung von der christdemokratischen UDC), der Regionalpräsident der Abruzzen Ottaviano Del Turco von der Alleanza dei Riformisti (Abspaltung von der SDI), sowie der zuvor parteilose Journalist Gad Lerner, der Gründer der Slow-Food-Bewegung Carlo Petrini und Tullia Zevi von der Union der jüdischen Gemeinden Italiens. Neben den genannten Parteien schlossen sich auch die Gruppierungen Movimento Repubblicani Europei, Partito Democratico Meridionale, Progetto Sardegna, Socialisti Liberali per il Partito Democratico, und Repubblicani Democratici der neuen Partei an.

Als Gründungsdatum wurde der 14. Oktober 2007 festgelegt. Um den ersten Parteivorsitzenden (Segretario) zu bestimmen, hielt der PD an diesem Tag eine Urwahl ab, die für alle italienischen Bürger – nicht nur Parteimitglieder – offen war und an der sich nach Angabe der Organisatoren 3,5 Millionen Wähler beteiligten. Dabei setzte sich der römische Bürgermeister Walter Veltroni (ehemals DS) mit 75,8 % gegen Rosy Bindi (12,9 %) und Enrico Letta (11,1 %), beides ehemalige Christdemokraten aus der Margherita-Partei, sowie drei weitere Kandidaten durch. Die Unterstützergruppen der Kandidaten trennten sich dabei nicht entlang der Linien der Vorgängerparteien: So unterstützten auch zahlreiche ehemalige Margherita-Mitglieder Veltroni, während Letta auch Unterstützer aus der vormaligen DS hatte.

Die offizielle Gründungsversammlung (Assemblea Costituente) wählte am 27. Oktober 2007 in Mailand schließlich Romano Prodi in das repräsentative Amt des Parteipräsidenten (Presidente) und Dario Franceschini zum stellvertretenden Parteivorsitzenden. Auch auf Regional- und Provinzebene wurden im November und Dezember 2007 die Führungsgremien der Partei erstmals mittels Basiswahlen (primarie) bestimmt.

Wahlniederlagen bei den Parlaments- und Regionalwahlen 2008 und 2009 mini|PD-Wahlkampfveranstaltung in Trient mit Spitzenkandidat Walter Veltroni anlässlich der Parlamentswahlen 2008 Nachdem Romano Prodi im Januar 2008 als amtierender Ministerpräsident seine parlamentarische Mehrheit verloren hatte, kam es im April 2008 zu vorgezogenen Parlamentswahlen, bei denen der Partito Democratico mit Walter Veltroni als Spitzenkandidat antrat.Veltroni: «Da soli anche al Senato» La Repubblica, 6. Februar 2008 Das erweiterte Mitte-links-Bündnis bildeten dabei die Partei Italia dei Valori und Kandidaten des Partito Radicale, die auf der Liste des PD kandidierten. Die Parteien der äußeren Linken (Kommunisten, Grüne und die aus dem linken Flügel der DS entstandene Sinistra Democratica) sammelten sich bei diesen Wahlen unter dem Bündnissymbol La Sinistra – L’Arcobaleno („Regenbogen-Linke“). Sie schafften den Einzug ins Parlament nicht.Intesa nella notte, dai radicali sì a Veltroni Corriere della Sera, 21. Februar 2008 Die Koalition des PD konnte nicht zuletzt aufgrund des Ausschlusses der „Regenbogen-Linken“ nur 37,5 % der Stimmen auf sich vereinen; der PD kam alleine auf 33,2 %, während Silvio Berlusconis Koalition die Wahl klar gewann.Il Cavaliere gibt sich geläutert, Spiegel Online, 15. April 2008

Auch bei den Regionalwahlen in Friaul-Julisch Venetien musste die Demokratische Partei im selben Jahr eine empfindliche Wahlschlappe einstecken und das Amt des Regionalpräsidenten an Berlusconis Popolo della Libertà abgeben. Es folgten weitere Niederlagen bei den Regionalwahlen in den Abruzzen im Dezember 2008, sowie bei den Regionalwahlen im Februar 2009 auf Sardinien, woraufhin Walter Veltroni seinen Rücktritt als Parteivorsitzender erklärte.Italiens Oppositionsführer tritt zurück Veltronis bisheriger Stellvertreter Dario Franceschini übernahm in der Folge interimsmäßig die Führung der Partei.Corriere della Sera, 21. Februar 2009

In Opposition zur Regierung Berlusconi IV und Unterstützung der Übergangsregierung Monti Am 25. Oktober 2009 nutzte der PD erneut den Modus der Urabstimmung zur Wahl einer neuen Parteiführung, wobei sich der ehemalige Minister der Prodi-Regierung, Pier Luigi Bersani, unter den rund 3 Millionen Wählern mit absoluter Mehrheit durchsetzte. Gleichzeitig führte Bersanis Wahl zu ersten internen Spaltungstendenzen, wobei sich u. a. der ehemalige Margherita-Exponent Francesco Rutelli aus dem PD zurückzog und unter dem Namen Alleanza per l’Italia eine neue, stärker zur Mitte orientierte Kleinpartei ins Leben rief. Unter der Führung Bersanis suchte der PD allerdings ebenso verstärkt den Kontakt zu jenen Zentrumsparteien, die während der laufenden Legislaturperiode aus der Regierungskoalition um Ministerpräsident Silvio Berlusconi ausgetreten waren. Nach dem endgültigen Kollaps der vierten Berlusconiregierung im November 2011 unterstützte der PD die kurzfristig gebildete Technokratenregierung unter Mario Monti, um sich gleichzeitig auf anstehende Neuwahlen vorzubereiten.

Bescheidener Erfolg bei den Parlamentswahlen 2013 und Große Koalition unter Letta Im Dezember 2012 konnte sich Pier Luigi Bersani erneut bei Basiswahlen (diesmal zur Nominierung des Spitzenkandidaten für die anstehenden Parlamentswahlen) gegen parteiinterne Gegenkandidaten (vor allem gegen den jungen Hoffnungsträger Matteo Renzi) durchsetzen. Bersani führte den PD in einen knapp dreimonatigen Wahlkampf anlässlich der kurzfristig anberaumten Parlamentswahlen vom Februar 2013.

Am Wahlwochenende konnte der PD im Bündnis mit der Linksgruppierung Sinistra Ecologia Libertà zwar die absolute Mandatsmehrheit in der Abgeordnetenkammer und eine relative Mehrheit im Senat erreichen; die Partei blieb mit rund 25 % der Wählerstimmen aber hinter ihrem Ergebnis von 2008 und den positiven Wahlprognosen zurück, die Bersani zuvor einen sicheren Sieg vorausgesagt hatten. Vor allem die junge Protestbewegung MoVimento 5 Stelle hatte vormalige PD-Wähler erfolgreich abwerben können.

In den zwei Folgemonaten verliefen Bersanis Konsultationen zur Bildung einer Regierung erfolglos. Als es dem PD im April 2013 schließlich nicht gelang, bei der Wahl des Staatspräsidenten für zwei Kandidaten aus dem eigenen Lager (Franco Marini, anschließend Romano Prodi) die erforderliche Stimmenmehrheit bei der entscheidenden Abstimmung zu gewährleisten, kündigte Bersani seinen Rücktritt vom Amt des Parteivorsitzenden an. Am 11. Mai 2013 wählten die Delegierten des Parteitages mit 85,8 % den CGIL-Gewerkschafter Guglielmo Epifani zum interimistischen Parteivorsitzenden. Epifani führte die Partei bis zu der für den 8. Dezember 2013 anberaumten Urabstimmung zur Wahl eines neuen Parteivorsitzenden an.