Stefan Haenni (* 4. August 1958 in Thun) ist ein Schweizer Maler und Schriftsteller.
Leben Stefan Haenni wuchs zusammen mit drei Geschwistern als Burger von Strättligen in Thun auf. Seine Eltern waren der Berufsschullehrer und Lokalhistoriker Louis Hänni (1927 – 2019) und die Damenschneiderin Johanna Hänni Lüthi (1926 – 2023). Stefan Haenni erwarb nach den obligatorischen Schulen am staatlichen Lehrer- und Lehrerinnenseminar Spiez das Primarlehrerdiplom. Anschliessend besuchte er die Schule für Gestaltung in Bern bei Urs Brunner, Walter Kretz und Kurt Wirth. Haenni wurde als Nachfolger von Arthur Loosli Lehrer am Gymnasium Thun und studierte danach an den Universitäten Bern und Freiburg i. Üe. Kunstgeschichte bei Eduard Hüttinger, Entwicklungspsychologie bei August Flammer und Pädagogik bei Hans Aebli. Sein Studium beendete Haenni mit einer Doktorarbeit über das von Fritz Oser begründete MotilitätsmodellStefan Haenni: Das Motilitätsmodell. Eine empirische Studie zum Kunstunterricht der Maturitätsschulen. Unveröffentlichte Dissertation. Universität Fribourg. 1995. an der philosophisch-historischen Fakultät Freiburg. Darin untersuchte er die bewegende (motile) Kraft positiver Emotionen im Kontext des bildnerischen Gestaltens an Maturitätsschulen.
Haenni war Gründungsmitglied der Schweizer Künstlergruppe «Projekt Querschnitt»,A. Dietrich: Nach Moskau – Mit Bildern im Koffer, mit Bildern im Kopf. In: Tages-Anzeiger. 6. Juni 1990. die von 1989 bis 1992 bestand. Während dieser Zeit entfaltete die Gruppe eine rege, europäische Ausstellungstätigkeit, die unter anderem auch in die damalige DDR und UdSSR führte. Zahlreiche Studienreisen in den Orient haben Haennis malerisches Werk ab 1990 massgeblich beeinflusst, nachdem er mit Unterstützung von Pro Helvetia und des eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) einen ersten Gastaufenthalt in Kairo verbrachte.
Seit 2009 betätigt sich Haenni zudem als Schriftsteller. Er hat bisher sechs Kriminalromane mit Lokalkolorit und historischen Bezügen sowie zahlreiche Krimi-Kurzgeschichten in Anthologien geschrieben und veröffentlicht. Er ist Mitglied im Krimi Schweiz – Verein für schweizerische Kriminalliteratur.krimischweiz.org
Haenni lebte in Bern und Oberhofen am Thunersee und kehrte 2009 in seine Geburtsstadt Thun zurück.
Werk Malerei Haennis künstlerisches Schaffen, das 1978 seinen Anfang nahm, erstreckte sich in den 1980er Jahren auch auf die Porträtmalerei. So entstanden u. a. Bildnisse der Schriftsteller Nagib Machfus, Christoph Geiser und Walter Vogt, des Historikers Edgar Bonjour, der Künstlerin Meret Oppenheim sowie der Berner Rockband Züri West. Wichtig für Haennis künstlerischen Werdegang sind die stetige Auseinandersetzung mit den Werken von David Salle und Sigmar Polke sowie die persönlichen Begegnungen mit Meret Oppenheim 1982 bis 1985 in Bern und Not Vital ab 1989 in New York und der Schweiz. Haenni verbindet auf flächig angelegten Farbfeldern Motive in malerischen, zeichnerischen und collagierten Überlagerungen.
Das zentrale Thema der modernen Orientalistik fand Haenni nach einer Ägyptenreise 1990. Es entstanden in der Folge umfangreiche Werkgruppen wie die Bilder zum West-östlichen Divan von Goethe, die Serie der Monde Arabe und Lawrence of Arabia – die neuen Bilder zum alten Film.
Bildnerische Arbeiten von Stefan Haennisikart.ch befinden sich u. a. in der Sammlung des Kunstmuseums Thunkunstmuseumthun.ch der Kunstsammlung Steffisburg, des Schweizerischen Literaturarchives in Bern, des Staatsarchives des Kantons Basel-Stadt, des Berner Inselspitals,Arnalda Paggi: Kunstsammlung Inselspital Bern. Bern 2008, S. 39, 57, 162, 179, 261. der UBS, der Berner Kantonalbank sowie in zahlreichen Privatsammlungen wie beispielsweise der Kunstsammlung Hans & Marlis Suter Steffisburg, dem Hotel Allegro im Kursaal Bern oder der Ernst & Young Bern.
Ab 2013 spielt das runde Format, der Tondo, in Haennis malerischem Werk eine bedeutende Rolle.Steffan Biffiger: Stefan Haenni – Tondi, edition KHT, 2024 Thun. Figürlich-gegenständliche Motive machen schrittweise der orientalischen Ornamentik Platz und führen schliesslich zu ungegenständlich-abstrakten Bildlösungen.
Kriminalliteratur miniatur|Der Thuner Narr Fulehung als Hauptperson in Haennis Krimi Narrentod Haenni verfasste fünf Kriminalromane um den Thuner Privatdetektiv Hanspeter Feller (Gmeiner-Verlag). Die drei ersten Romane Narrentod, Brahmsrösi und Scherbenhaufen bilden die Thuner Krimitrilogie, bei der der Hofnarr Karls des Kühnen als Fulehung, Johannes Brahms mit der Thuner Sonate oder Heinrich von Kleist mit dem Zerbrochnen Krug im Zentrum der Geschehen stehen. Der Kriminalroman Tellspielopfer handelt von einem Raubmord im Areal der Tellspiele Interlaken.
Der letzte Feller-Krimi Berner Bärendreck erzählt die Geschichte eines Berner Patriziers, der wegen eines Gemäldes von Ferdinand Hodler in Schwierigkeiten gerät.
Zudem veröffentlichte Haenni 2021 mit Todlerone 24 kriminalistische Kurzgeschichten, die mehrheitlich im Berner Oberland verortet sind. Mit der Anthologie Zürihegel erweiterte er 2022 den mörderischen Radius ins Zürcher Oberland. Die Kurzgeschichten zeichnen sich oftmals durch ihren humoristisch-makabren Charakter aus, thematisieren neben blutigen Morden auch harmlosere Vergehen und spielen mehrheitlich in den Wintermonaten. mini|Eisenbahnunglück bei Münchenstein Im zeitgeschichtlichen Kriminalroman Eiffels Schuld (2023) schildert Haenni das grösste Eisenbahnunglück der Schweiz, das 1891 durch den Einsturz der von Gustave Eiffel konstruierten Eisenbahnbrücke bei Münchenstein verursacht wurde, und er erzählt die Geschichte einer Überlebenden, die durch die tragischen Ereignisse auf die Spur eines hinterhältigen Verbrechens stiess.
Grafische Auftragsarbeiten 150px|rechts|Bildseite Offizielle Sondermünze 2011 Berner Zibelemärit der Schweizerischen Nationalbank, (Swissmint). Bimetall, Nennwert CHF 10.-swissmint.chListe der Schweizer 10-Franken-Gedenkmünzen Grafikblatt (Litho) 1991, für die Kunstgesellschaft Thun. Grafikblatt (Litho) 1995, für die Börse Basel. Grafikblatt (Mischtechnik) 2015 für die Thuner Kadetten.https://www.bing.com/images/search?q=url:https%3A%2F%2Fwww.kadetten-thun.ch%2Ftkv%2Fkunstblatt&form=rc2irp&first=1 Buchillustrationen (Federzeichnungen) Strättligen, Louis Hänni, Schaer Verlag, Thun 1984/1997. Pin Drei Engel 1994, für Galerie Martin Krebs, Bern. Wandbild anderWand – anderLand, 1996, Bern.
Druckgrafik 1976 bis 2008 Das druckgraphische Werk von Stefan Haenni entsteht während rund dreissig Jahren parallel zu seiner Malerei und übernimmt dadurch eine begleitende Rolle. Oftmals stehen die Grafiken in direkter motivischer Verwandtschaft zu den Tafelbildern. In den Anfängen erprobt Haenni vor allem den Schnur-, Relief- und Linoldruck. Er widmet sich mit herzförmigen Verflechtungen dem Thema der Irrungen und Wirrungen der Liebe und gestaltet mit siebzehn Jahren den Entwurf seines Grabsteins. Besonders die Linoldrucke lassen zu dieser Zeit einen expressiven Gestaltungswillen erkennen. 1978 wagt er auch erste Lithographien in schwungvoller Symbolik, die er anschliessend in der Jahresausstellung der Berner Oberländer Künstler im Kunstmuseums Thun ausstellt. Eine Reise nach Norwegen und die Begegnung mit den Originalwerken von Edvard Munch hinterlassen sichtbare Spuren im Schaffen.
An der Schule für Gestaltung in Bern erlernt Haenni anfangs der 80er Jahre die verschiedenen Techniken der Radierung (Kaltnadel, Aquatinta, Vernis Mou und Aquatinta au sucre auch als Reservage bekannt). Es dominieren morbiden Motive wie das einer Selbstverbrennung, einer endlos scheinende Flüchtlingskolonne oder einer Enthauptung.
Ab den 90er Jahren gewinnen unter technischem Gesichtspunkt Siebdruck und Lithografie die Oberhand. Es entstehen Blätter in Zusammenarbeit mit der Druckerei Casserini in Thun, später auch mit den Druckern Richi Steffen in Langenthal, mit Ernst Hanke in Ringgenberg oder Tom Blaess in Bern. Die Tristesse ist inzwischen aus dem Werk verschwunden. Das lithografische Œuvre leuchtet mehrheitlich in kräftigen Farben wie bei den Rosenbildern des „Rosariums Haenni“ von 2001 oder den warmtonigen Orientmotiven von 2008. Dazwischen überraschen Siebdrucke in barock anmutender Gestaltung, mit sinnlichen Porträts oder erotischen Motiven.
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1984: «Stefan Haenni», Galerie Wendeltreppe, Schloss Schadau, Thun 1988: «Vernissage ohne Bilder», Galerie am Kreis, Bern 1989: «People and Portraits», Swiss Institute Contemporary Art,swissinstitute.net New York 1991: «Stefan Haenni», Mashrabia Gallery, Kairo 1997: «Neue Bilder aus Ägypten», Galerie Martin Krebs, Bern 2006: «Vom Niesen zu den Pyramiden», Galerie Martin Krebs, Bern 2008: «Orient und Okzident», Villa Schüpbach, Kunstsammlung Steffisburg 2013: «Dazzling, Neue Bilder und Tondos», Galerie Martin Krebs, Bern 2018: «Printemps oriental», Galerie Hodler, Thun
Gruppenausstellungen 1979 und 1985: Weihnachtsausstellung, Kunstmuseum Thun 1989: «Auftakt» (Projekt Querschnitt), Dampfzentrale, Bern 1990: «Projekt Querschnitt», Kinomuseum Moskau 1991: «Querschnitt – Junge Kunst aus dem Kanton Bern». Kunsthalle Erfurt 1991: «Projekt Querschnitt», Freiraum Helmkestrasse, Hannover 1991: «Querschnitt – die Grafikmappe», Weisser Saal, Kunstmuseum Bern 1992: «Querschnitt ist tot – es lebe der Querschnitt», Kunstmuseum Thun 1995: «Mannsbilder – Frauenzimmer», Sylvie Fleury, David Hockney, Stefan Haenni u. a. Galerie Martin Krebs, Bern 1997: «Am Anfang war das Bild», Stefan Haenni, Ben Vautier, Manon (Künstlerin), Beat Zoderer u. a. Kunstmuseum Olten 1999: «Konnex Kairo», Stefan Haenni, Claude Sandoz, Not Vital u. a. Kunstmuseum Thunkunstmuseumthun.ch 2015: «United Colors», Jim Avignon, Stefan Haenni, Teruko Yokoi, Shirana Shahbazi u. a. Galerie Martin Krebs, Bern
Publikationen Kriminalromane Narrentod. Fellers erster Fall. Gmeiner, Messkirch 2009, ISBN 978-3-89977-799-4. Brahmsrösi. Fellers zweiter Fall. Gmeiner, Messkirch 2010, ISBN 978-3-8392-1036-9. Scherbenhaufen. Fellers dritter Fall. Gmeiner, Messkirch 2011, ISBN 978-3-8392-1193-9. Berner Bärendreck. Fellers vierter Fall. Gmeiner, Messkirch 2019, ISBN 978-3-8392-2484-7.jungfrauzeitung.ch Tellspielopfer. Fellers fünfter Fall. Gmeiner, Messkirch 2020, ISBN 978-3-8392-2594-3.bernerzeitung.chjungfrauzeitung.chderbund.ch Eiffels Schuld – Das grösste Eisenbahnunglück der Schweiz. Gmeiner, Messkirch 2023, ISBN 978-3-8392-0477-1.
Kurzgeschichten (Auswahl) Mittun. In: Paul Ott (Hrsg.): Zürich, Ausfahrt Mord. Gmeiner-Verlag, Messkirch 2011, ISBN 978-3-8392-1137-3. Fondue finale. In: T. Pütz (Hrsg.): Stollen, Schnee und Sensemann. Knaur, 2014, ISBN 978-3-426-51609-6. Im Schwebesarg. In: E. Modick (Hrsg.): Türchen, Tod und Tannenbaum. Knaur, 2015, ISBN 978-3-426-51815-1. Tod in Gstaad. In: I. Spanier (Hrsg.): Plätzchen, Punsch und Psychokiller. Knaur, 2016, ISBN 978-3-426-51962-2. Der feldgrüne Nikolaus. In: G. Frank (Hrsg.): Makronen, Mistel, Meuchelmord. Knaur, 2018, ISBN 978-3-426-52355-1. Lawinenwinter. In: M. Beck (Hrsg.): Rentier, Raubmord, Rauschgoldengel. Knaur, 2020, ISBN 978-3-426-52651-4. Todlerone − 24 Winterkrimis. Gmeiner, Messkirch 2020, ISBN 978-3-8392-2763-3. Der Schöne aus Boskoop. In: P. Ott, B. Saladin (Hrsg.): MordsSchweiz. Gmeiner, Messkirch 2021, ISBN 978-3-8392-0061-2. Zürihegel – 20 Winterkrimis. Gmeiner, Messkirch 2022, ISBN 978-3-8392-0319-4. Das Weihnachtspaket. In: M. Kunz (Hrsg.): Mehr Mord im Chalet. Atlantis, Zürich 2023, ISBN 978-3-7152-5515-6. Ewiges Eis. In: P. Ott, B. Saladin (Hrsg.): Müseli, Mord und Matterhorn. Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2025, ISBN 978-3-8392-0894-6 Der missbrauchte Adventskalender. In: M. Kunz (Hrsg.): Das letzte Fondue. Atlantis, Zürich 2025, ISBN 978-3-7152-7576-5.
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