mini|268px|Österreichische Nationalmannschaft aus dem Jahre 1958 – Bild zeigt 2. Reihe stehend v. l.: Walter Horak, Ernst Happel, Karl Koller, Alfred Körner, Paul Halla, Walter Schleger; 1. Reihe hockend v. l.: Helmut Senekowitsch, Gerhard Hanappi, Rudolf Szanwald, Franz Swoboda und Johann Buzek Ernst Franz Hermann Happel (* 29. November 1925 in Wien; † 14. November 1992 in Innsbruck) war ein österreichischer Fußballspieler und -trainer. Als Spieler erreichte der Verteidiger unter anderem den 3. Platz bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz und wurde zum Publikumsliebling bei Rapid. Seine größten Erfolge feierte Ernst Happel allerdings als Trainer in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Österreich. Aufgrund seiner eigenwilligen Art wurde Happel häufig als „Grantler“ bezeichnet. Er trainierte von Jänner 1992 bis zu seinem Tod im November 1992 die österreichische Nationalmannschaft.

Ernst Happel als Verteidiger mini|Gedenktafel für Ernst Happel im Ernst-Happel-Stadion Der Beginn in Hütteldorf Ernst Happel wurde als uneheliches Kind der aus Böhmen stammenden Karoline Nechyba (* 30. September 1905 in Wien-Rudolfsheim; † 23. Jänner 1969 in Wien-Penzing)Taufbuch Wien-15., Rudolfsheim, tom. VII, fol. 331 (Faksimile), abgerufen am 19. Dezember 2024 geboren. Ein Jahr nach seiner Geburt heiratete die Mutter am 28. Dezember 1926 in Wien-RudolfsheimTrauungsbuch Wien-15., Rudolfsheim, tom. 1926, fol. 170 (Faksimile), abgerufen am 19. Dezember 2024 den 1,95 m großen und stämmigen Gewichtheber Franz Josef Happel (* 13. Februar 1904 in Wiener Neudorf; † 28. März 1963 in Wien-Alsergrund),Taufbuch Wiener Neudorf, tom. XII, fol. 57 (Faksimile), abgerufen am 19. Dezember 2024 der in der Thurngasse im neunten Bezirk den Salzburgerhof, ein großes Wirtshaus mit Garten, führte und der Ernst als Stiefsohn annahm.ERNST HAPPEL – Zur Erinnerung und im Gedenken, abgerufen am 19. Dezember 2024 Seinen leiblichen Vater soll Ernst Happel nie kennengelernt haben. Das Gasthaus wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch von der Familie Happel betrieben. Die Mutter war bereits davor im gleichen Metier tätig und betrieb nahe der Mollardschule in der Gfrornergasse eine Gaststätte. Es war keine glückliche Zeit, die wiederum 1939 in einer rechtskräftigen Scheidung des Ehepaares Happel endete. Ab seinem vierten Lebensjahr wuchs er bei der böhmischen Großmutter in Wien-Breitensee auf, zu der er im Gegensatz zu seinen Eltern Zuneigung entwickelte.Clemens Zavarsky: 25. Todestag. Happel: Wo der ewige Grantler streichelweich war. In: Krone.at. 12. November 2017, abgerufen am 28. Dezember 2022. Die aus Jemnice stammende Großmutter – der Großvater stammte aus Prosenická Lhota – betrieb zu dieser Zeit am Meiselmarkt im 15. Wiener Gemeindebezirk, auf der Schmelz, einen Obst-, Würstel- und Gemüsestand. Die Mutter heiratete nach der Scheidung ein zweites Mal.

Ernst Happel spielte in der Jugendmannschaft von Rapid Wien, bei der er unter anderem von Richard Kuthan und Leopold Nitsch trainiert wurde. Während des Zweiten Weltkrieges rückte er 1942 erstmals in die Kampfmannschaft auf. Mit Erreichen des 18. Lebensjahres wurde er aber in die Wehrmacht eingezogen, was ihn an die Ostfront nach Weißrussland führte.

Nach Kriegsende wurde er bald Stammspieler bei Rapid. Unter Kapitän Franz Binder wurde Happel 1946 erstmals Meister und Cupsieger, nachdem man im Finale die Vienna mit 2:1 besiegt hatte. Happel hatte damit die beiden ersten Wettbewerbe im Nachkriegsösterreich gewonnen. Der Zuspruch zu Rapid in dieser Zeit war sehr groß – durchschnittlich 800.000 Zuschauer wollten den Verein pro Saison sehen.

Ernst Happel wurde bald zum Publikumsliebling und begeisterte durch seine Souveränität als Stopper – aus dieser Position ging später der Libero hervor –, durch sein Ballgefühl, sein geschicktes Tackling und ob seiner taktischen Reife. Von Freunden und Fans wurde er bald „Aschyl“ gerufen, in Anlehnung an einen türkischen Schauspieler, dem er zum Verwechseln ähnlich sah. Seine spielerischen Qualitäten brachten Ernst Happel zudem den Beinamen „der Zauberer“ ein. Seinen ersten Einsatz im Nationalteam hatte Ernst Happel am 14. September 1947, als Österreich seinen „Erzrivalen“ Ungarn mit 4:3 besiegte. Von diesem Zeitpunkt an hatte Happel einen Stammplatz (österreichisch: Fixleiberl) bei Trainer Walter Nausch. Nachdem sich der Verteidiger 1947 mit dem Vizemeistertitel knapp hinter der Wacker zufrieden hatte geben müssen, holte er mit Rapid in der Folgesaison wiederum den Titel vor den Meidlingern. Zum 50. Geburtstag des Vereins ging es im Anschluss an die Saison nach Brasilien,Rio de Janeiro, Brazil, Immigration Cards (mit einem Foto Happels aus den 1940er Jahren), abgerufen am 19. Dezember 2024 wo unter anderem CR Vasco da Gama, CR Flamengo und der São Paulo FC die Gegner waren. Man versuchte, das brasilianische Spielsystem nach Hütteldorf zu übernehmen, und auch Ernst Happel verbesserte seine technischen Fähigkeiten.

Sieg im Zentropapokal Die Spielsaison 1950/51 bildet einen weiteren Höhepunkt in der Zeit Ernst Happels bei den Grün-Weißen. Die Rapid-Mannschaft, verstärkt durch den Zugang von Gerhard Hanappi, dominierte die Meisterschaft klar. Man feierte unter anderem ein 11:2 gegen den LASK, schlug Sturm mit 12:1 und besiegte die Vienna mit 9:0. Schließlich wurde die Mannschaft souverän Meister. Insgesamt erzielten die Hütteldorfer 133 Tore in nur 24 Meisterschaftsspielen. Das ergibt einen Schnitt von 5,54 Toren pro Spiel. 1951 blieb Ernst Happel jedoch nicht nur auf nationaler Ebene erfolgreich; in diesem Jahr kam es außerdem zur Wiederbelebung des Mitropapokals, der 1951 unter dem Namen „Zentropacup“ abgehalten wurde. Der Rapidler qualifizierte sich mit einem 5:0-Sieg gegen Lazio Rom für das Finale, wo er mit der Mannschaft im rein österreichischen Duell gegen die Wacker antrat. Die Meidlinger kontrollierten das Spiel, Rapid musste zweimal zum 1:1 und 2:2 ausgleichen. Das entscheidende Siegtor zum 3:2 für Rapid erzielte Ernst Happel in der 90. Spielminute. Mit dem Sieg im Zentropacup feierte der Verteidiger seinen ersten – Rapid gleichzeitig seinen letzten – großen internationalen Titelgewinn.

Weltmeisterschaft in der Schweiz Ernst Happel fuhr 1954 mit der Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft in der Schweiz, nachdem man zuvor in der Qualifikation Portugal mit 9:1 besiegt hatte. Der Zug machte auf dem Weg zum Quartier bei Zürich in Innsbruck Halt, wo die Mannschaft ein Trainingsspiel gegen eine Auswahl der Arlbergliga durchführen sollte. Das Team ging mit 14:0 in Führung, sodass es dem Verteidiger Happel etwas langweilig wurde. Er schnappte sich den Ball, drehte sich um und schoss seinem Spezi Walter Zeman ein Eigentor aus zwanzig Metern. In: Arbeiter-Zeitung.at. 9. Juni 1954, S. 8. Abgerufen am 28. Dezember 2022. Die beiden hatten auf dem Platz ständig Auseinandersetzungen, blieben allerdings zeitlebens enge Freunde. Bei der Weltmeisterschaft zog Happel mit der Nationalmannschaft nach einem 1:0 über Schottland und einem 5:0-Kantersieg über die Tschechoslowakei in das Viertelfinale ein, wo man auf den Gastgeber traf.

Das trefferreichste Spiel in der Geschichte von Fußball-Weltmeisterschaften, die „Hitzeschlacht von Lausanne“, entschied Österreich mit 7:5 für sich. Österreichs Torhüter Kurt Schmied erlitt bereits zu Beginn des Spieles einen Sonnenstich, durfte jedoch nicht ausgewechselt werden. So gingen die Schweizer vor knapp 50.000 heimischen Fans rasch mit 3:0 in Führung. Kurt Schmied wurde indes von Masseur Pepi Ulrich mit zugeworfenen Schwämmen gekühlt. Ulrich stellte sich hinter das österreichische Tor und begann damit, den sich in einem tranceähnlichen Zustand befindlichen Kurt Schmied bei jedem Angriff zu dirigieren. Das österreichische Team suchte bald nach der schweizerischen Führung die Flucht nach vorne und lag zehn Minuten später selbst mit 5:3 in Front. Das Spiel, in dem Österreich auch noch einen Elfmeter verschoss, gewann das Team von Ernst Happel schließlich mit 7:5 und stieg zum zweiten Mal in der Geschichte in ein Halbfinale einer Weltmeisterschaft auf. Ernst Happel verlor allerdings auch in diesem Match seinen Spielwitz nicht. Beim Stande von 6:5 für Österreich stoppte er einen Ball mit seinem Hintern und gab ihn so weiter, was fast zum 6:6-Ausgleich für die Schweiz geführt hätte.

Bei der 6:1-Niederlage im Halbfinale gegen die BR Deutschland spielte Ernst Happel eine tragische Rolle. Er hatte den deutschen Teamspielern bei ihren einstudierten Standardsituationen nichts entgegenzusetzen, sodass man ihm und dem Tormann Walter Zeman nach dem Spiel vorwarf, von den Deutschen bestochen worden zu sein. Österreich gewann zwar das kleine Finale um Platz 3 gegen den damals amtierenden Weltmeister Uruguay, aber Ernst Happel und Walter Zeman waren über die Bestechungsvorwürfe so erbost, dass sie bei der Heimfahrt bereits vor dem feierlichen Empfang der Weltmeisterschafts-Dritten in Wien ausstiegen und über drei Jahre lang nicht mehr für die österreichische Nationalmannschaft spielten.

Wechsel nach Paris und die Rückkehr zu Rapid Nach unzähligen Gerüchten, die um Ernst Happel und einen möglichen Wechsel ins Ausland in Wien kursierten, verließ er 1954 tatsächlich die Hütteldorfer und ging zu RC Paris. Bereits 1956 kehrte der Verteidiger an seine alte Wirkungsstätte zurück und spielte mit Rapid einige Jahre lang erfolgreich im Europapokal der Landesmeister. 1956 trafen die Grün-Weißen auf Real Madrid, die damals beste Mannschaft Europas. 1956 bis 1960 gewannen die Spanier alle fünf Europapokalwettbewerbe, doch 1956 erwies sich Happels Klub fast als Stolperstein. Nachdem die Wiener das Hinspiel in Spanien mit 2:4 überstanden hatten, führten die Rapidler beim Rückspiel in Wien dank eines Hattricks des Verteidigers Ernst Happel, der nur selten so viele Tore in einer ganzen Meisterschaftssaison erzielte, bereits 3:0. Die Spanier erzielten jedoch noch das 1:3, sodass ein drittes Spiel ausgetragen werden musste. Damals gab es noch keine Auswärtstorregel, ansonsten wäre Rapid weitergekommen. Das Recht auf die Platzwahl für das Entscheidungsspiel wurde von Rapid verkauft, sodass es vor 90.000 spanischen Fans in Madrid stattfand. Rapid verlor chancenlos 2:0.

In der Europacupsaison 1958 traf Ernst Happel mit Rapid auf den AC Milan. Nach einem 1:4 in Mailand drohte ein Debakel. Doch in Wien ging Rapid schon nach wenigen Minuten 1:0 in Führung. Die Italiener glichen zwar früh wieder aus, doch nach 78 Minuten war das Hinspielresultat egalisiert. Dem AC Milan gelang erneut ein Treffer zum 2:4. Kurz vor Spielende erzielte Gerhard Hanappi jedoch das 5:2, sodass es wie schon im Vorjahr zu einem Entscheidungsspiel kam. Dieses Mal fand das Spiel auf neutralem Boden in Zürich statt. Rapid hatte Pech und musste ab der 13. Minute mit zehn Mann weiterspielen, da sich Lambert Lenzinger verletzt hatte. Auswechslungen waren damals noch nicht erlaubt. Die Mannschaft kämpfte, musste sich letztendlich aber 2:4 geschlagen geben, nachdem Ernst Happel sogar der zwischenzeitliche Ausgleich in Unterzahl gelungen war.

Weltmeisterschaft in Schweden und Karriereende als Aktiver