Die Andreasvorstadt ist eine der historischen Vorstädte und ein heutiger Stadtteil Erfurts.
Sie liegt nördlich der Altstadt vor dem Andreastor und erstreckt sich zwischen der Hannoverschen Straße (ehemalige Bundesstraße 4) und der Gera (im Süden auch darüber hinaus bis zur Magdeburger Allee) vom Andreastor im Süden bis zur Riethstraße im Norden. Mitten durch den Stadtteil verläuft die Nordhäuser Straße als wichtige Verkehrsachse. Sie ist die flächenkleinste, aber einwohnerstärkste der Erfurter Vorstädte mit 15.556 Einwohnern (31. Dezember 2010) auf einer Fläche von 2,85 km². Der Großteil der Bevölkerung, etwa 13.000 Einwohner, konzentriert sich im südlichen Drittel der Andreasvorstadt, das durch eine sehr hohe Bevölkerungsdichte gekennzeichnet ist. Vorherrschende Struktur sind hier planvoll angelegte Straßenzüge aus Mietshäusern, die etwa zwischen 1880 und 1910 errichtet wurden. Der nördliche Teil der Andreasvorstadt ist hingegen nicht von Wohnbebauung geprägt, wenngleich es Straßen mit Eigenheimen gibt. Große Flächen nehmen hier der Campus der Universität Erfurt, der Nordpark und das Klinikum Erfurt ein.
Die Andreasvorstadt ist ein vergleichsweise junger Stadtteil mit Ansätzen von studentischer Prägung. Ihr Name leitet sich vom Andreastor und dieser wiederum von der Andreaskirche nach dem heiligen Andreas ab.
Geografie Die Andreasvorstadt grenzt nördlich an die Erfurter Altstadt an und ist jener Teil des ehemaligen Erfurter Stadtgebiets zwischen der befestigten Stadt im Süden, Marbach im Westen, Gispersleben im Norden und Ilversgehofen im Osten. Nach der heutigen Definition der Stadtteilgrenzen liegen folgende Stadtteile an der Andreasvorstadt an: Gispersleben am Grenzweg im Norden, der Berliner Platz und das Rieth als Plattenbaugebiete im Nordosten, Ilversgehofen an der Gera im Osten, die Johannesvorstadt an der Magdeburger Allee im Südosten, die Altstadt am Stadtring im Süden, die Brühlervorstadt an der Heinrichstraße im Südwesten und Marbach an der Hannoverschen Straße im Westen.
Das Gelände ist größtenteils flach und teilweise auch hügelig. Die Gera am Ostrand ist der wichtigste Wasserlauf in der Andreasvorstadt, daneben fließt auch die Schmale Gera durch das Mühlenviertel im Osten der Andreasvorstadt. Außerdem laufen der Gera von Westen mehrere kleine Täler wie etwa das Borntal zu. Der Abbruch der Alacher Höhe zum Tal der Gera ist in der Andreasvorstadt deutlich wahrnehmbar. Am sichtbarsten ist er in Form der Auenschanze zwischen Baumerstraße oben und Auenstraße unten mit einem Höhenunterschied von etwa 25 Metern. Auch in einigen Straßennamen (Bergstraße, Treppenstraße) spiegelt sich das Geländeprofil der Andreasvorstadt wider. Der höchste Punkt ist das Binderslebener Knie ganz im Südwesten mit etwa 220 Metern, der niedrigste die Gera an der Radrennbahn im Norden mit etwa 180 Metern.
Früher wurde die Fläche der Andreasvorstadt landwirtschaftlich genutzt, ehe ab 1873 die Bebauung begann. Heute ist der Großteil der 2,84 km² bebaut, außerdem existiert mit dem Nordpark an der Gera die größte innerstädtische Grünfläche Erfurts. Am westlichen Rand der Andreasvorstadt an der Hannoverschen Straße gibt es auch noch Freiflächen, die landwirtschaftlich genutzt werden, allerdings dehnt sich hier die Bebauung zunehmend aus.
Viertel Viertel(nicht offiziell)Blockgruppen. In: erfurt.de, abgerufen am 24. November 2017 (PDF; 3,5 MB).(offiziell)Fläche (km²)Satellitenmessung mit Google Earth, dabei kann es zu geringen Abweichungen (<3%) kommenEinwohner (2000) (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 41/1. Ausgabe: April 2001), S. 45. In: erfurt.de, abgerufen am 24. November 2017 (PDF; 1,3 MB).Einwohner (2007) (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 64. Ausgabe: Juli 2008), S. 52. In: erfurt.de, abgerufen am 24. November 2017 (PDF; 937 kB).Einwohner (2015) (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 96. Ausgabe: November 2016), S. 56 ff. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 3,9 MB).BevölkerungsdichteEinfamilienhaussiedlungenAugsburger Straße + Heinrich-Hübschmann-Ring4110,4783034761.013Hungerbachsiedlung, Universität [Studentenwohnheime],Klinikum, Nordpark4121,031.0561.6022.2042.140Auenviertel421 + 422 + 4240,283.5314.1014.43615.843Mühlenviertel423 + 4250,202.4812.7943.23116.155Blumenviertel431 + 4320,592.4112.6103.1115.273Borntalviertel433 + 434 + 4350,273.6423.5423.55613.170 mini|Bebauung am Gutenbergplatz mit Blick durch die Albrechtstraße im Borntalviertel mini|Mietshäuser aus den 1920er-Jahren in der Reinthalerstraße im Borntalviertel mini|Altneubauten im Borntalviertel mini|Häuser an der Veilchenstraße im Blumenviertel mini|Neue Einfamilienhäuser im Universitätsgarten (Blumenviertel) mini|Früher Genossenschaftswohnungsbau aus der Zeit um 1900 an der Karlstraße im Auenviertel mini|Wohnhäuser am Storchmühlenweg im Mühlenviertel mini|Blick in den Waidmühlenweg im Mühlenviertel mini|Eingang der Universität mit Audimax mini|Die ehemalige Bauschule, heute Fachbereich Architektur der FH mini|Das Gutenberggymnasium mini|Die Lutherschule mini|Das Lutherdenkmal an der Schule mini|Das Rosa-Luxemburg-Denkmal am Talknoten mini|Die Radrennbahn im Andreasried mini|Der Nordpark
Borntalviertel Ganz im Südwesten der Andreasvorstadt liegt das Borntalviertel. Es wird etwa von der Heinrichstraße im Westen, dem Borntalweg im Norden, der Biereyestraße im Osten und der Binderslebener Landstraße im Süden begrenzt. Das Borntalviertel entstand im Wesentlichen in drei Bauphasen. Ganz im Osten, zwischen Blumenstraße und Gutenbergplatz befinden sich drei Häuserblöcke mit der für die Erfurter Vorstädte typischen Bebauung aus viergeschossigen Mietshäusern aus der Zeit zwischen etwa 1880 und 1910 mit historistischem Fassadendekor. In einer zweiten Bauphase zwischen 1920 und 1940 entstand der mittlere Teil des Borntalviertels zwischen Gutenbergplatz und Stolzestraße sowie die Bebauung auf der Südseite der Gutenbergstraße, ebenfalls im Geschosswohnungsbau in Formen der zeittypischen Architektur, einer Mischung aus der Formensprache des Bauhauses und des Heimatschutzstils. Meist wurden hier aber nur noch drei Geschosse gebaut und größere Gärten hinter den Häusern angelegt, um die Wohnsituation zu verbessern. Als Bauherr waren hier verschiedene Wohnungsbaugenossenschaften tätig. Der westliche Teil des Borntalviertels bis an die Heinrichstraße wurde erst in den 1950er/60er-Jahren bebaut. Hier entstanden die DDR-typischen Altneubauten, errichtet durch die Erfurter Wohnungsbaugenossenschaft Borntal.
Im Borntalviertel befindet sich die Gutenberg-Schule am Gutenbergplatz, die 1909 errichtet wurde und seit 1991 als Gymnasium genutzt wird. Bekannt wurde sie durch den Amoklauf von Erfurt am 26. April 2002. Danach wurde es geschlossen, bis 2005 saniert und seitdem wieder genutzt. Am Eingang befindet sich eine Gedenkstätte für die 17 Todesopfer des Amoklaufs. Weitere Bildungseinrichtungen im Viertel sind der Moritzkindergarten und der Fröbelkindergarten. Der Fußballverein des Viertels ist der FC Borntal Erfurt, der 1950 gegründet wurde und zeitweise in der DDR-Bezirksliga (3. Liga) spielte.Jens Traut: . In: fc-borntal-erfurt.de, abgerufen am 24. November 2017 (Geschichte des FC Borntal Erfurt).
Seinen Namen hat das Borntalviertel vom Borntal, an dessen südlichem Hang hin zum Petersberg das Viertel liegt. Das fruchtbare Borntal wurde als Flurname bereits 1456 das erste Mal erwähnt und diente den Gärtnereien von N.L. Chrestensen zur Blumensamenzucht.Walter Blaha u. a.: Erfurter Straßennamen in ihrer historischen Entwicklung. Erfurt 1992, S. 38.
Blumenviertel Nördlich an das Borntalviertel schließt sich das Blumenviertel an. Es erstreckt sich zwischen der Blumenstraße im Südwesten und der Nordhäuser Straße im Nordosten. Auch das Blumenviertel entstand in mehreren Bauphasen. Der älteste Teil von der Bergstraße bis zur Veilchenstraße entstand zwischen 1880 und 1910, einzelne Häuser auch etwas danach und umfasst die typischen viergeschossigen Mietshäuser. An der Mühlhäuser Straße liegen teilweise auch kleinere Gebäude aus der ersten Zeit der vorstädtischen Bebauung unmittelbar nach 1873. In den 1920er/30er-Jahren entstand die Bebauung auf der Nordseite der Veilchenstraße mit einzeln stehenden Mietshäusern. Es folgte in den 1950er/1960er-Jahren eine Bebauung mit Altneubauten zwischen der Blumenstraße, der Veilchenstraße und der Mühlhäuser Straße. Seit 2008 entsteht auf der verbliebenen Freifläche zwischen der Veilchenstraße im Süden und der Universität im Norden eine neue Einfamilienhaussiedlung mit dem Namen Universitätsgarten, wofür eine Kleingartenanlage am Amploniusweg abgerissen wurde. Im Westen des Blumenviertels an der Dahlienstraße liegt die Kleingartenanlage Sankt Andreas, während sich im Norden des Blumenviertels sogar noch einige landwirtschaftliche Nutzflächen (Futterwiesen) befinden.
Am Ende der Blumenstraße liegt die Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Schule, eine Grundschule mit Hort. Sie wurde zu DDR-Zeiten als Plattenbau errichtet und ist seit 1999 Europaschule mit erweitertem Fremdsprachenunterricht. Seinen Namen hat das Blumenviertel davon, dass die meisten Straßen hier nach Blumenarten benannt sind, um an die Tradition der Blumensamenzucht in dieser Gegend anzuknüpfen.
Auenviertel Östlich an die Nordhäuser Straße knüpft ein weiteres Altbauviertel, das Auenviertel, an. Es erstreckt sich von ihr im Westen bis an die Gera im Osten, die Moritzwallstraße/Schlüterstraße im Süden und die Baumerstraße/Karlstraße im Norden. Auffällig ist hier die Auenschanze, ein Hügelvorsprung, der aus militärischen Gründen aufgeschüttet wurde und heute die Topografie des Viertels bestimmt. So besteht zwischen der Baumerstraße und der benachbarten Auenstraße teilweise ein Höhenunterschied von knapp 25 Metern, der durch zwei Treppen (Treppenstraße und Oskarstraße) überwunden wird.
Die Bebauung des Viertels ist relativ homogen und entstand zwischen 1880 und 1910 in Form von viergeschossigen Mietshäusern in geschlossenen Quartieren. In den Innenhöfen dieser Viertel befanden sich jedoch keine weiteren Wohnhäuser. Früher wurden sie für Kleingewerbe (Werkstätten, Ställe usw.) genutzt, während heute einige dieser Hintergebäude abgerissen und zu Grünflächen umgewandelt sind. Die Quartiere im Bereich der Karlstraße entstanden bereits um 1900 durch Baugenossenschaften, woran seit 1911 ein Denkmal für Ferdinand Schmidt, den ersten Vorsitzenden der Baugenossenschaft, in der Karlstraße erinnert. Die Bebauung auf der Ostseite der Adalbertstraße entstand erst von 1920 bis 1922.Mark Escherich: Städtische Selbstbilder und bauliche Repräsentation. Architektur und Städtebau in Erfurt 1918–1933 (= Erfurter Studien zur Kunst- und Baugeschichte. Bd. 5 [fälschlich als Bd. 4 bezeichnet]). Lukas-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86732-062-7, S. 85, (Zugl.: Weimar, Bauhausuniv., Diss., 2008). Im Auenviertel wurden in den 1970er-Jahren großflächig Altbauten saniert, um den Wohnraummangel in Erfurt abzumildern. Dabei wurden die Fassaden entstuckt, sodass man diese Gebäude heute noch an ihren glatten, unverzierten Fassaden erkennen kann. 2012/2013 entsteht auf der Brachfläche zwischen Adalbert- und Waldemarstraße der Wohnkomplex „Auenhöfe“ nach einem Entwurf der Weimarer Architektin Anke Schettler. Zur Adalbertstraße werden drei- und viergeschossige Mietshäuser errichtet, dahinter entstehen bis an die Gera vier Reihen von Einfamilien-Stadthäusern.Ulrike Hendan: Spatenstich an der Gera in Erfurt. In: Thüringer Allgemeine. 7. März 2012, abgerufen am 24. November 2017.
Das Auenviertel war 2007 das am dichtesten besiedelte Viertel Erfurts. Zwar ist die Bebauung prinzipiell nicht dichter als in vergleichbaren Vierteln Erfurts, allerdings gibt es im Auenviertel praktisch keine größeren Freiflächen.