Die 260. Infanterie-Division war ein Großverband der deutschen Wehrmacht der als Division der 4. Welle am 26. August 1939 in Ludwigsburg aufgestellt wurde. Im Verlauf der Operation Bagration, dem sowjetischen Großangriff gegen die Heeresgruppe Mitte im Sommer 1944, wurde die Division im Kessel von Minsk vernichtet.
Geschichte Aufstellung Im Zeitraum vom 26. August bis zum 1. September 1939 wurde die 260. Infanterie-Division während des Mobilmachungsabschnittes 1939/40 als Division der 4. Aufstellungswelle in Ludwigsburg aufgestellt. Die Division zählte zu diesem Zeitpunkt 491 Offiziere, 99 Beamte, 2.165 Unteroffiziere und 12.264 Soldaten und hatte damit eine Gesamtstärke von 15.019 Mann.
Der aus Ulm stammende Generalleutnant Hans Schmidt wurde der erste Kommandeur dieses württembergischen Großverbandes. Sein Tagesbefehl vom 1. September 1939 zur Kommandoübernahme lautete wie folgt:
Polenfeldzug Während des Überfalls auf Polen zwischen dem 1. und 9. September 1939 verlegte die Division auf den Truppenübungsplatz Münsingen. Der Kommandeur erhielt am 8. September 1939 beim Armeeoberkommando 7 in Calw die Verlegungsbefehle für seine Division.
Verlegung an den Oberrhein Frankreich hatte dem Deutschen Reich am 3. September den Krieg erklärt. Die 260. Infanterie-Division wurde am 9. und 10. September 1939 an die Westfront befohlen und marschierte dorthin ab. Bis zum 19. April 1940 lag die Division in Stellung am Oberrhein beiderseits der Orte Müllheim und Neuenburg am Rhein. Der Divisionsgefechtsstand befand sich in Badenweiler. Es wurden Stellungsausbau und Spähtruppunternehmen betrieben.
Bei einem französischen Feuerüberfall bei Neuenburg auf Stellungen des II. Bataillons, Infanterie-Regiment 470 am 8. Januar 1940 fiel der Arbeitsmann Eberle einer Baueinheit durch Kopfschuss. Er war der erste Gefallene der Division.
Ab dem 20. April 1940 wurde die Division für vier Wochen im Operationsgebiet der Westfront verwendet. Man betrieb Ausbildung im Raum Villingen, Nachtmärsche nach Tübingen und Eisenbahnverladung nach Reutlingen, Metzingen und Kirchentellinsfurt. In Reutlingen waren Teile des Divisionsstabes in der Ypernkaserne untergebracht. Ende April wechselte die Unterstellung zur 2. Armee, gemeinsam mit der 298. und 162. Infanterie-Division bildete die Division das XXXXII. Armeekorps.
Vom 21. bis 23. April wurden die Einheiten in der Eifel (bei Erdorf und Bitburg) ausgeladen.
Westfeldzug Am Morgen des 10. Mai, am ersten Tag des Westfeldzugs, marschierten sie bei Dasburg in Luxemburg ein, das an diesem Tag vollständig besetzt wurde. Es folgte der Vormarsch durch Luxemburg über Dasburg – Clerf (23.–25. Mai) – Allerborn. Der Verband marschierte durch Belgien über Graide – Our – Louette St.Pierre – Willerzie. Das Königreich Belgien kapitulierte am 28. Mai 1940. Die 260. Infanterie-Division hielt vor dem Maasübergang bei Monthermé und wurde zunächst dem XIII. Armeekorps als Korpsreserve unterstellt.
Am 30. Mai 1940 wurde die 260. Infanterie-Division der 12. Armee und dem XIII. Armeekorps unterstellt. Damit änderte sich die Stoßrichtung von Westen nach Süden. Am 31. Mai 1940 wurde per Divisionsbefehl das Kennzeichnen aller Fahrzeuge mit einem eigenen Erkennungszeichen angeordnet. Dies erschien notwendig, wenn mehrere Divisionen z. B. die gleichen Marschstraßen benutzten. Das Wappen wurde das „Hörnle“, eine Abwandlung der Hirschgeweihe im Wappenzeichen des ehemaligen Königreiches Württemberg.
Frankreichfeldzug Am 1. Juni 1940 begann der Aufmarsch nördlich der Aisne. Die Division überschritt die Maas bei Monthermé. Der Divisionsgefechtsstand befand sich im Schloss Arnicourt nahe der Stadt Lonny. Der Übergang über die Aisne wurde bei Rethel vorbereitet. Das Artillerie-Regiment 260 (ohne die II. Abteilung) und das Pionier-Bataillon 653 wurden der 17. Infanterie-Division zur Unterstützung des Angriffs und zur Schaffung des Brückenkopfes bei Château-Porcien nahe Rethel unterstellt.
Die II./AR 260 war der ebenfalls in diesem Raum eingesetzten 21. Infanterie-Division unterstellt. Die Soldaten kämpften mit der Hitze, es gab wenig Wasser, dafür aber Wein, Sekt und Champagner in großen Mengen. Zwischen dem 9. und 13. Juni 1940 fand die Durchbruchsschlacht durch die französische Aisne-Front statt. Die Division hatte große Verluste zu beklagen. Ein gewaltsamer Aisne-Übergang bei Château-Porcien und Rethel wurde am 9. Juni 1940 erzwungen. Die Aufklärungsabteilung 260 kämpfte um Machault und erzwang den Durchbruch am Suippeabschnitt.
Ab Mitte Juni 1940 nahm die Division an Verfolgungskämpfen durch die Champagne teil: von Givry und Revigny über den Rhein-Marne-Kanal, beiderseits des Saônetales über das Plateau von Langres nach Dijon (Nuits St.Georges – Beaune – Chagny). Am 21. Juni fand eine Parade mit Vorbeimarsch am Divisionskommandeur in Dijon statt, am 22. Juni wurde der Waffenstillstand offiziell verkündet.
Besatzungstruppe Frankreich Ende Juni besetzte die Division die Stadt Dijon. Sie war mit der Sicherung der Demarkationslinie von Bourbon-Lancy an der Loire über Paray-le-Monial am Canal du Centre – Montchanin – Chalon-sur-Saône – Chaussin beauftragt. Der Divisionsgefechtsstand befand sich im Château de la Verrerie in Le Creusot. Am 30. Juni wurde die Division dem XXV. Armeekorps unterstellt.
Die Division wurde bis 11. September 1940 als Besatzungstruppe in Frankreich im Raum Belfort (Divisionsgefechtsstand in der alten Festung) – Montbéliard – Delle (an der Schweizer Grenze) – Morvillars eingesetzt. In dieser Zeit wurde die Division ständig in Übung gehalten. Am 24. August wurde die 260. Infanterie-Division dem XVIII Armeekorps unterstellt.
Seit dem 12. September 1940 war man mit der Sicherung der Demarkationslinie beauftragt und als Besatzungstruppe im Raum Le Creusot – Autun eingesetzt. Es wurde ständig Ausbildung der Truppen durchgeführt. Durch die zahlreichen Gefechtsübungen in Gebieten mit Bewuchs erhielt die Division den Spitznamen „Heckenschleicher-Division“. Am 14. September 1940 fand die Unterstellung unter das XXXXV. Armeekorps statt. Am 15. Oktober 1940 vollzog sich erneuter Unterstellungswechsel: das XXVII. Armeekorps wurde übergeordnete Dienststelle.
Unternehmen Barbarossa 1941 Ab dem 4. Mai 1941 war Urlaubssperre befohlen, am 22. Juni traf dann ein Funkspruch beim Armeeoberkommando 1 ein: „Die 260. Infanterie-Division wird an die Ostfront verlegt.“ An diesem schicksalhaften Tag begann das „Unternehmen Barbarossa“ – der deutsche Einmarsch in die Sowjetunion. Zwischen dem 30. Juni und dem 3. Juli wurde die 260. Infanterie-Division aus dem Raum Le Creusot abtransportiert und die 215. Infanterie-Division übernahm den Abschnitt. Per Eisenbahn fuhren die Einheiten von Frankreich über Deutschland nach Polen. Die Ausladung fand in Mordy statt, nahe der Stadt Siedlce. Anschließend erfolgte der Marsch an die sowjetische Grenze nördlich von Brest-Litowsk.
Es folgte die Unterstellung unter das XXXV. Armeekorps. Dann begann der Vorstoß in Richtung Beresina. Eilmärsche von 50 bis 70 Kilometer täglich über Baranowitschi bis hart westlich Bobruisk (Beresina) folgten; der Verband wurde südlich Bobruisk eingesetzt. Teile der Division (III. / Infanterie-Regiment 470) wurden auf LKW verladen und zur Partisanenbekämpfung bei Lubany transportiert. Am 13. Juli wurde die Division dem XXXXIII. Armeekorps unterstellt. Damit war sie Verbindungsglied zwischen den Heeresgruppen Mitte und Süd.
Im Zeitraum vom 19. Juli bis 8. August kam es zu schwersten Abwehr- und Angriffskämpfen südlich der Stadt Bobruisk. Bei den harten und blutigen Gefechten am 24. Juli um die Ortschaften Romanischtsche und Ugly wurden 51 angreifende gegnerische Panzer abgeschossen. Die Verluste der Division betrugen 92 Tote und 510 Verwundete.
Ab dem 9. August stieß die Division auf von Pionieren errichteten Pontonbrücken über die Beresina südlich Bobruisk in Richtung Slobin vor. Linker Nachbar war die 267. Infanterie-Division, die 134. Infanterie-Division folgte der Hörnledivision. Südlich von Slobin am Dnepr wurde nach harter Schlacht ein Brückenkopf gebildet. Am 18. August wurde die Division dem XIII. Armeekorps unterstellt.
Bis Ende August fanden Verfolgungskämpfe über Gomel bis hin zur Desna statt. Die 260. Infanterie-Division stieß über die Ortschaften Gorodnya – Dubrovnoye – Tschernisch bis Kisselewka an der Desna vor, die aus überwiegend Holzhäusern bestehende Stadt Gomel wurde bei diesen Kämpfen restlos zerstört. Die Division marschierte dort am 22. August ein, am 28. August überschritt sie die Grenze zur Ukraine.
Ab dem 24. August begann der Angriff des XIII. Armeekorps nach Süden mit 3 Divisionen. Generalleutnant Schmidt befahl, in der Nacht zum 1. September einen Übergang über die Desna beiderseits Kisselewka (ostwärts Tschernigow) zu erzwingen. Das Infanterie-Regiment 470, später verstärkt durch Teile des Infanterie-Regiments 480, bildete beiderseits Wibli einen Brückenkopf. Am 1. September begann auch der Kampf um die Stadt Tschernigow.
Am 2. September lag starkes sowjetisches Artilleriefeuer auf Wibli. Die Lage stabilisierte sich erst am 3. September. Sowjetische Truppen griffen den Brückenkopf 15-mal an und wurden jedes Mal zurückgeworfen. Am 5. September zogen sich die Truppen der 5. Sowjetarmee zurück. An diesem Tag war die Hörnledivision dem XXXXIII. Armeekorps unterstellt.
Schlacht um Kiew 1941 Bis zum 12. September ereigneten sich Verfolgungskämpfe und endeten im Kessel der Schlacht um Kiew. Am 12. September wurde die Division dem XIII. Armeekorps unterstellt. Die Kämpfe der vergangenen Tage kosteten die Division über 4.000 personelle Ausfälle (darunter 515 Tote) und 600 Pferde. Am 9. September erreichten die Division Janowka, ein kleines Örtchen südlich von Tschernigow. Hier befand sich der südlichste Ort des Vormarsches.
Am 14. September marschierte die umgruppierte 260. Infanterie-Division über Tschernigow und Starodub (22. September) in den Raum südostwärts von Roslawl. Generalleutnant Schmidt erhielt am 23. September in Unecha das Ritterkreuz verliehen.
Am 26. September kündigte der erste Frost den Winter an. Zwischen dem 28. September und dem 3. Oktober stellte sich die Division zum Durchbruch durch die Stalin-Linie auf. Im Norden fand zunächst die Abwehrschlacht bei Jelnja statt, anschließend folgten der Durchbruch durch die obere Desna-Stellung und die Bildung eines Brückenkopfes bei Star Chotmirowka.
Am 2. Oktober begann das Unternehmen Taifun, die Schlacht um Moskau. Im Zeitraum vom 3. bis zum 11. Oktober stieß man über Bolwa und Ugra, der Flugplatz Worotynsk wurde erreicht. Am 8. Oktober wurde die 260. Infanterie-Division der 4. Armee unterstellt. Die Division erhielt den Befehl zum Sturm auf die Oka-Brücken südlich von Kaluga.
Am 11. Oktober meldete die Division die Einnahme der 90.000 Einwohner zählenden Stadt. Die 17. Infanterie-Division drang nach mehrtägigem Kampf von Westen ein. Das Infanterie-Regiment 470 brach (nach zweimaligem Oka-Übergang innerhalb von 24 Stunden) von Süden ein. An der Oka-Brücke am Südrand von Kaluga reichten sich Soldaten der 7. / Infanterie-Regiment 21 und Infanterie-Regiment 470 die Hände.
Ab Mitte Oktober begann der Vorstoß gegen Moskau über Anaschuja (Divisionsgefechtsstand 17. Oktober), Ssaschkino (hier gab es einen nächtlichen Angriff auf Teile des Infanterie-Regiments 470) und Petrischtschewa. Danach folgte ein Abdrehen der Einheiten nach Südosten und Zurückwerfen der sowjetischen Kräfte über die Oka beiderseits Aleksin.
Die 52. Infanterie-Division löste die 260er ab, die in den Bereitstellungsraum beiderseits Gosteschewo (Ablösung durch 17. Infanterie-Division) zum Angriff über die Protwa abmarschierte. Der rechter Nachbar war hier die 52. Infanterie-Division, linker Nachbar die 137. Infanterie-Division.
Es wurde ein Brückenkopf beiderseits Kremjonki (Kremenki) gebildet. Am 13. Oktober setzte die Schlammperiode ein, die ein Vorwärtskommen beinahe unmöglich machte.
Beschuss durch eigene Artillerie