mini|Marktplatz von Klingenthal mini|Blick auf das Zentrum mini|Die Stadt vom Aschberg aus gesehen Klingenthal, bis 2007 Klingenthal/Sa. (vogtländisch Klingedool), ist eine Große Kreisstadt im Südosten des sächsischen Vogtlandkreises. Sie befindet sich im Musikwinkel im Naturpark Erzgebirge/Vogtland. Die Stadt erlangte Bekanntheit durch den Musikinstrumentenbau sowie als Wintersport- und Ferienort im Vogtland.

Geographie

Klingenthal liegt unmittelbar an der Grenze zu Tschechien, unweit von Kraslice (Graslitz) sowie am Fuße des Aschbergs (). Die mit 10,5 km langgestreckte Stadt ist von Nadelwald (vorwiegend Fichten) umgeben. Klingenthal befindet sich im Südosten des sächsischen Teils des historischen Vogtlands, gehört aber bezüglich des Naturraums zum Westerzgebirge. Das Stadtgebiet liegt im Naturpark Erzgebirge/Vogtland.

Durch Klingenthal fließen die Brunndöbra und die Zwota. Beide vereinigen sich an der deutsch-tschechischen Grenze zum Grenzfluss Zwotau, der in Tschechien als Svatava in die Eger mündet.

Wichtige Berge um Klingenthal: Kiel (942 m) Aschberg (Kamenáč, 936 m) Schwarzberg (802 m) Bleiberg (Olověný vrch, 802 m)

Stadtgliederung Die Stadt Klingenthal besteht aus drei Ortsteilen, von denen Mühlleiten und Zwota eine Funktion als Ortsteil mit eigenem Ortschaftsrat erfüllen.Hauptsatzung der Stadt Klingenthal, § 14. Fassung vom 27. Oktober 2020 (PDF; 146 kB). Ortsteile Gemeindeteile / Gemarkungen Bemerkungen Klingenthal Klingenthal: mit Döhlerwald, Huth, Kriegberg (heute: Körnerberg/Friedensberg), Quittenbach und Unterklingenthal, Brunndöbra (mit Mittelberg), Sachsenberg-Georgenthal (bestehend aus Sachsenberg: Obersachsenberg und Untersachsenberg sowie Georgenthal mit Aschberg und Steindöbra) Mühlleithen (seit 1. April 1992) Mühlleithen, Winselburg Zwota (seit 1. Januar 2013) Oberzwota, Zwota (mit Zechenbach) 1998: gesetzlich verordnete Vereinbarung zur Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Klingenthal (erfüllende Gemeinde), Vorlage bis 30. September 1999 bei der RABFreistaat Sachsen: Gemeindegebietsreformgesetz Südwestsachsen §§ 8 und 42 vom 28. Oktober 1998. In: SächsGVBl. 1998 Nr. 20, S. 568, online auf www.revosax.sachsen.de

Nachbargemeinden

Geschichte mini|Erste Erwähnung Klingenthals im Kirchenbuch Schöneck mini|Anzeige der Sächsischen Revolver-Orchestrion-Fabrik F.O. Glass aus dem Jahr 1904 mini|Karte von Klingenthal und Umgebung (um 1921) An der Zwota nahe der böhmischen Grenze wurde ab 1591 von Sebastian Köppel ein Hammerwerk errichtet, um die nahen Vorkommen an Eisenerz sowie die weitläufigen Wälder der Region zu nutzen. Am 1. Februar 1602 erfolgte dann auch die erste Erwähnung des Namens „Höllhammer“ im Kirchenbuch der Stadt Schöneck. Es lebten zu dieser Zeit dort Hammerschmiede, Bergleute und Köhler. Bergbau wurde vor allem im Bereich von Brunndöbra und im Tal des Dürrenbachs betrieben.Der Bergbau um Klingenthal im Buch „Sächsischer Erzbergbau“ 1628 brannte das Hammerwerk ab. Es wurde bis auf das Hammergut nicht wieder aufgebaut.

In der Mitte des 17. Jahrhunderts führten böhmische Exulanten, die im Zuge der Gegenreformation auswanderten, den Geigenbau in Klingenthal ein. Von 1657 bis 1718 gehörte die Gegend zum albertinischen Sekundogeniturfürstentum Sachsen-Zeitz. 1716 fand die Gründung einer Geigenmacherinnung statt. Ende des 18. Jahrhunderts folgte die Einführung der Bogenmacherei, der Saitenmacherei und der Fertigung von Holz- und Blechblasinstrumenten in Klingenthal. Im Jahre 1829 kamen die Mundharmonikaproduktion und die Holzkammfertigung dazu, 1852 die Herstellung der Handharmonika, des späteren Akkordeons. Klingenthal wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Weltzentrum der Harmonikaproduktion. Die älteren Zweige des Musikinstrumentengewerbes wurden durch die Harmonikainstrumente weitgehend verdrängt. Seit 1875 hat Klingenthal einen Bahnanschluss.

Klingenthal lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Voigtsberg.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 74 f. Ab 1856 war der Ort Verwaltungssitz des Gerichtsamts Klingenthal. Im Jahr 1875 kam der Ort zur Amtshauptmannschaft Auerbach. 1916 wurde die Schmalspurbahn Klingenthal–Sachsenberg-Georgenthal eröffnet. Sie war die kürzeste und zudem einzige elektrisch betriebene sächsische Schmalspurbahn.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden im Keller des Rathauses und auf dem Gelände der ehemaligen Bräckleinscheune im April und Mai 1933 politische NS-Gegner misshandelt und danach in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Das zu ihrer Erinnerung errichtete Ehrenmal wurde 1994 gegen den Widerstand von Angehörigen Verfolgter abgerissen. 2016 wurde auf Initiative der VVN-BdA Vogtland im Rathaus ein „Raum der Erinnerung“ eingerichtet, in dem an die ersten Klingenthaler Opfer des Faschismus erinnert wird.

Das Stadtrecht erhielt Klingenthal am 1. Oktober 1919. Am 25. Juli 1952 wurde aus Teilen der früheren Kreise Auerbach und Oelsnitz der Kreis Klingenthal im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt) gebildet, der 1990 als sächsischer Landkreis Klingenthal fortgeführt wurde. Seit 1996 gehört Klingenthal zum Vogtlandkreis, dessen Verwaltungssitz Plauen ist. Im Unterschied zum elsässischen Klingenthal lautete der offizielle Name der Stadt bis zum 31. Januar 2007 Klingenthal/Sa. Mit Beschluss 377 (veröffentlicht im Amtsblatt der Stadt vom 9. Februar 2007) wurde der Zusatz Sa. gestrichen, die Stadt heißt nach diesem Beschluss seither nur noch Klingenthal. Seit 2019 hat sie den Status einer Großen Kreisstadt.

Die Eigenarten der Gebirgslandschaft haben den Wintersport seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Klingenthal heimisch werden lassen. Die Leistungen der Klingenthaler Skisportler haben den Ort und das Niveau des nordischen Skisportes international mitbestimmt. Nach der Jahrtausendwende wurde mehrfach der Skisprung-Weltcup in Klingenthal ausgetragen. Klingenthal war bis 2010 staatlich anerkannter Erholungsort.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Änderung der Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 Sächsisches Kurortegesetz (SächsKurG) vom 25. Oktober 2006 (SächsABl. S. 1012) auf: revosax.sachsen.de2010 kein Erholungsort mehr, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 13. Mai 2010 (SächsABl. S. 817) auf: revosax.sachsen.de

Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden Brunndöbra und Sachsenberg-Georgenthal (mit Obersachsenberg, Untersachsenberg und Georgenthal) nach Klingenthal eingemeindet. Am 1. April 1992 kam Mühlleithen hinzu, am 1. Januar 2013 schließlich Zwota.

Einwohnerentwicklung 1910 lag Klingenthal unter den 69 Kommunen der Amtshauptmannschaft Auerbach auf Rang 6 der Einwohnerstatistik. Der sprunghafte Anstieg der Einwohnerzahl im Jahre 1950 ist auf die Eingemeindung von Brunndöbra und Sachsenberg-Georgenthal zurückzuführen. Zu DDR-Zeiten war die Einwohnerzahl der stark industrialisierten Stadt bereits wieder rückläufig. Der wirtschaftliche Niedergang nach der politischen Wende begünstigte diesen Vorgang. Ein weiterer Faktor, der diese Entwicklung begünstigt, ist die Verfügbarkeit preisgünstiger Arbeit aus Tschechien, das seit 2001 per Straßen- und Eisenbahngrenzübergang mit der Stadt verbunden ist. Im Zuge der allmählichen Annäherung der Lohnniveaus der Tschechischen Republik und Deutschlands könnte sich dieser Effekt allerdings zusehends abschwächen.

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember): 1834 bis 1946 1834: 1.577 1871: 2.563 1890: 4.755 1910: 6.158 1925: 6.471 1933: 6.491 1946: 6.652 *1950 bis 1999 1950: 17.399 ** 1960: 15.497 1971: 14.062 1981: 13.364 1984: 13.369 1998: 10.471 1999: 10.2032000 bis 2010 2000: 9.999 2001: 9.769 2002: 9.500 2003: 9.315 2004: 9.116 2007: 8.674 2008: 8.575 2010: 8.2682012 bis 2022 2012: 9.167 2013: 9.078 2015: 8.783 2018: 8.365 2022: 7.764Atlas Sächsischer Kommunalindikatoren | Klingenthal, Stadt. Fassung vom 1. Januar 2023 (PDF; 658 kB). * 29. Oktober     ** 31. August

Politik

Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 15 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:Stadt Klingenthal: Der Stadtrat CDU: 5 Sitze Pro Klingenthal – meine Stadt e. V. (Pro): 5 Sitze AfD: 1 Sitz (drei Sitze bleiben mangels Kandidaten unbesetzt) Freie Wählergemeinschaft Klingenthal (FWG): 3 Sitze FDP: 1 Sitz +letzte StadtratswahlenWahlvorschlag202420192014Sitzein % Sitzein %Sitzein %CDU528,5739,4945,1pro Klingenthal – meine Stadt e. V.525,6633,2523,7AfD122,6––––Freie Wählergemeinschaft Klingenthal316,3527,5318,5FDP17,0––––SPD––––19,0PBC–––––3,7Wahlbeteiligung64,0 %57,6 % 43,6 %

Bürgermeister mini|hochkant|Judith Sandner (2024) Bis März 2010 war Reiner Schneidenbach (CDU) Bürgermeister von Klingenthal, ab April 2010 hatte Enrico Bräunig (SPD) dieses Amt inne. Er wurde zum 31. Dezember 2012 in den Ruhestand verabschiedet. Bei der ersten Sitzung des Stadtrats am 10. Januar 2013 wurde die Hauptamtsleiterin Inge Schneider zur Amtsverweserin bestimmt, die die Geschäfte des Bürgermeisters bis zu dessen Neuwahl übernahm. Die Bürgermeisterwahl fand am 24. März 2013 statt. Bei dieser Wahl setzte sich der bisherige Bürgermeister von Zwota, Thomas Hennig (damals parteilos, später der CDU beigetreten) durch. Auf ihn entfielen 97,59 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 50,2 %. Mit der Erklärung zur Großen Kreisstadt wurde Bürgermeister Thomas Hennig am 8. August 2019 zum Oberbürgermeister. Mit seinem Amtsantritt als Landrat des Vogtlandkreises am 15. August 2022 wurde das Oberbürgermeisteramt vakant. Die dafür erforderliche Neuwahl fand am 27. November statt. Judith Sandner von den Freien Wählern erhielt 92,6 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 31,2 %.Thorald Meisel: Judith Sandner mit 92,6 Prozent zur Oberbürgermeisterin von Klingenthal gewählt. Mitteilung der Freien Presse vom 27. November 2022. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Judith Yvonne SandnerFWG92,02020Thomas HennigCDU99,2201397,52010Enrico BräunigBräunig47,62006Reiner SchneidenbachCDU50,9

Wappen, Flagge und Dienstsiegel

Städtepartnerschaften Klingenthal unterhält Städtepartnerschaften mit: Kraslice (Graslitz), Tschechien, seit 1952 Neuenrade, Nordrhein-Westfalen, seit 1990 Castelfidardo, Italien seit Mai 2003

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Rundkirche „Zum Friedefürsten“ mini|Jugendherberge Klingenthal, dahinter der „Otto Hermann Böhm Turm“ mini|hochkant=1.5|Vogtland Arena

Museen und Freilandanlagen Musik- und Wintersportmuseum Klingenthal Arboretum „An der Braunleithe“ des Forstbezirks Adorf (im Ortsteil Brunndöbra, an der Forststraße)Arboretum „An der Braunleithe“ auf arboreten.de Tierpark Klingenthal auf der Richard-Wagner-Höhe (1963 eröffnet)Tierpark Klingenthal auf der Website von Klingenthal Harmonikamuseum Zwota im ehemaligen Schulgebäude Akkordeon-Schaumanufaktur – seit 1. Januar 2011 geschlossen

Musik Stadtorchester Klingenthal 1866 e. V. BrassSocks e. V. Kirchenkonzerte in der Rundkirche Zum Friedefürsten Internationaler Akkordeonwettbewerb Männerchor Goldbergchor Akkordeonorchester Klingenthal e. V. Posaunen- und Kirchenchöre der einzelnen Kirchgemeinden Mundharmonika-Live Festival

Religionen und Kirchen Evangelisch-lutherische Kirchen: Stadtkirche Zum Friedefürsten (erbaut 1736–1737) Lutherkirche, Brunndöbra (erbaut 1909) Kirche St. Johannis, Sachsenberg-Georgenthal (erbaut 1872) Römisch-katholische Kirche: Kirche Maria Rosenkranz Königin (erbaut 1872) Brüderbewegung (Freikirche)

Bauwerke Großschanze an der Vogtland Arena Jugendherberge Klingenthal