Die Brühlervorstadt ist eine der historischen Vorstädte Erfurts und zugleich einer der Stadtteile der thüringischen Landeshauptstadt.

Sie umfasst im Osten einen kleinen Teil der Altstadt sowie im Westen die vor dem ehemaligen Brühlertor gelegenen Gebiete. Anders als die meisten Stadtteile Erfurts ist die Brühlervorstadt, besonders im westlichen Teil, von aufgelockerter Bebauung geprägt, vor allem von Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäusern sowie von kleineren Mietshäusern. Daneben treten großbürgerliche Villenviertel an der Gera um die Alfred-Hess-Straße, außerdem im Königsviertel und den altstädtischen Teilen auch Straßen mit den typischen großen Mietshäusern. Heute ist die Brühlervorstadt nach Immobilienpreisen der teuerste Stadtteil Erfurts und auch in der öffentlichen Wahrnehmung gilt besonders der südliche Teil als bürgerlich-vornehmes Viertel.

Neben der Altstadt und der Löbervorstadt nimmt die Brühlervorstadt auch zahlreiche Funktionen für die ganze Stadt und Region wahr. So befinden sich hier wichtige Institutionen wie das Theater, die Landesbank, der Egapark, das Deutsche Gartenbaumuseum auf der Zitadelle Cyriaksburg und der Hauptfriedhof. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung liegen die Messe Erfurt, der Kinderkanal und das Landesfunkhaus des MDR nicht in der Brühlervorstadt, sondern bereits auf den zu Hochheim gehörenden Flächen an der Gothaer Straße.

Der Name der Brühlervorstadt leitet sich vom Brühl, einem Gebiet, das zur Altstadt gehörte, ab. Auch in vielen anderen Städten wie im nahen Gotha, in Weimar oder in Leipzig gibt es ein Brühl, wobei es sich wie auch in Erfurt um eine feuchte Fläche in der Flussaue handelte.

Geografie Die Brühlervorstadt ist der westliche Teil der ursprünglich zu Erfurt gehörenden Flur. Anders als die übrigen Erfurter Vorstädte umfasst sie jedoch auch einen Teil der historischen Altstadt innerhalb der Stadtbefestigung, nämlich die Gebiete des Brühls und um den Dalbergsweg. Diese waren zwar seit dem 15. Jahrhundert von der äußeren Stadtmauer mit eingeschlossen, wurden jedoch nicht dicht bebaut. Bis zum 19. Jahrhundert blieben sie durch Mühlen und Obstgärten geprägt. Erst im 19. Jahrhundert wurden diese Flächen dann dicht bebaut. Es entstanden größere Mietshäuser im klassizistischen Stil, die dem Gebiet eher ein vorstädtisches, denn ein altstädtisches Bild gaben. Außerdem lag an der Brühler Straße schon im Mittelalter eine erste Vorstadt Erfurts, die eine selbstständige Gemeinde bildete und aufgrund ihrer Nähe zum Domberg eine erzbischöfliche Siedlung war, die später in die Stadt integriert wurde. Aus diesen historischen Besonderheiten ergab sich die Zuordnung zur Brühlervorstadt.

Angrenzende Stadtteile sind die Andreasvorstadt im Nordosten, die Altstadt im Osten und die Löbervorstadt im Südosten. Außerdem grenzen einige heute zu Erfurt gehörende Dörfer an die Brühlervorstadt an: Hochheim im Süden, Schmira im Südwesten, Bindersleben im Westen, Salomonsborn im Nordwesten und Marbach im Norden.

Das Gelände der Brühlervorstadt ist hügelig. Im Südosten liegt das Tal der Gera und im Nordwesten die Alacher Höhe. Dazwischen befinden sich mehrere kleine Täler und Hügelzüge. Direkt an das Tal der Gera angrenzend liegt der Cyriaksberg mit der gleichnamigen Festung und der Gothaer Straße, gefolgt vom Tal, in dem der Brühler Hohlweg verläuft. Nördlich schließt sich hieran der Brühler Herrenberg an, über den die Binderslebener Landstraße verläuft. Dieser fällt nach Norden zum Langen Graben ab, der das Wasser aus der Peterborn-Quelle zur Zitadelle Petersberg leitete. Auch im nördlichen, unbebauten Teil der Brühlervorstadt befinden sich kleine Täler wie das Raintal und das Hungerbachtal.

Das Tal der Gera liegt in etwa 200 Metern Höhe, auch die Hannoversche Straße im äußersten Nordosten der Brühlervorstadt liegt in dieser Höhe. Die Festung Cyriaksburg liegt demgegenüber bereits in etwa 250 Metern Höhe und das Ende der Gothaer Straße in der Brühlervorstadt in etwa 260 Metern Höhe. Das nördlich davon gelegene Tal am Brühler Hohlweg befindet sich in 230 Metern Höhe und östlich des Flughafens auf den Ausläufern der Alacher Höhe liegt der höchste Punkt der Brühlervorstadt in etwa 300 Metern Höhe.

Die Fläche der Brühlervorstadt außerhalb der Stadtbefestigung wurde bis 1873 landwirtschaftlich genutzt, insbesondere durch die zahlreichen Erfurter Gärtnereien. Auch eine militärische Nutzung war damals durch die Zitadelle Cyriaksburg gegeben. Nach 1873 durften auch Flächen außerhalb der Stadtmauern bebaut werden, was sich zunächst im Süden der Brühlervorstadt und im Königsviertel abspielte. Nach dem Ersten Weltkrieg begann der Bau von Eigenheimen im westlichen Teil der Brühlervorstadt, der bis in die jüngste Zeit anhält. Galt früher vor allem die durch günstige Windrichtungen saubere Luft am Westrand der Stadt als vorteilhaft, ist es heute vor allem die landschaftlich reizvolle Lage im hügeligen Gelände.

Viertel Viertel(nicht offiziell) Blockgruppen. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 3,5 MB).(offiziell) Fläche (km²)Satellitenmessung mit Google Earth, dabei kann es zu geringen Abweichungen (<3 %) kommen. Einwohner (2000) (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 41/1. Ausgabe: April 2001), S. 51. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 1,3 MB). Einwohner (2007) (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 64. Ausgabe: Juli 2008), S. 52. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 937 kB). Einwohner (2015) (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 96. Ausgabe: November 2016), S. 56 ff. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 3,9 MB). BevölkerungsdichteGärten (Gartenanlagen zwischen Blumenstraße und Binderslebener Landstraße)311 + 3121,48160161152103Peterbornsiedlung, Nibelungenweg, Hauptfriedhof3132,13978973973457Gartenstadt Langer Graben(Binderslebener Landstraße – Heinrichstraße – Blumenstraße – Kleinbahn)3140,331.1861.1771.1513.488Cyriaksiedlung3150,87588662585672Brühler Herrenberg(Binderslebener Landstraße – Heinrichstraße – Gothaer Straße – Kleinbahn)3160,391.2941.2771.2583.226Königsviertel(Heinrichstraße – Rudolfstraße – Binderslebener Landstraße)3210,101.1591.2511.27812.780Brühl(Rudolfstraße – Lauentor – Holzheienstraße – Lutherstraße – Walkmühlstraße – Bonifaciusstraße)3220,461.7832.2353.3617.307Cyriaksburg(Gothaer Straße – Bonifaciusstraße – Thomas-Müntzer-Straße – Gera – Cyriaksburg)3230,651.2571.3771.5452.377Dalbergsweg(Lutherstraße – Puschkinstraße – Bahn – Pförtchen – Thomas-Müntzer-Straße – Wilhelm-Külz-Straße)3240,221.3281.6701.8918.595Steigerstraße(zwischen Gera und Bahntrasse)3250,361.1461.2151.5394.275 mini|Theater Erfurt mini|An der Gustav-Adolf-Straße zwischen Cyriaksburg und Dalbergsweg mini|Mehrfamilienwohnhaus an der Steigerstraße mini|Ecke Steigerstraße / Milchinselstraße mini|Villa Cyriakstraße 39 mini|Villa an der Alfred-Hess-Straße mini|Gebäude im Stil des Neuen Bauens der 1920er Jahre an der Cyriakstraße mini|Neues Einfamilienhaus an der Reichartstraße

Gärten in der Brühlerflur Der nördliche Teil der Brühlervorstadt wird durch weitläufige Gartenanlagen eingenommen. In der Vergangenheit waren hier vor allem die großen Erfurter Gärtnereien ansässig, die im Wirtschaftsleben der Stadt eine bedeutende Rolle spielten und darüber hinaus den Ruf Erfurts als Blumenstadt prägten. Besonders die Saatgutproduktion war von großer Bedeutung. Im 20. Jahrhundert nahm die wirtschaftliche Bedeutung der Gärtnereien im Vergleich zu anderen Branchen in der Stadt ab. Im Gegenzug entstanden aber zahlreiche Kleingärten, die der Erholung der Stadtbevölkerung dienten und sie mit frischem Obst und Gemüse versorgte. Auch hierfür war die Brühlerflur mit ihrer durch Westwinde sauberen Luft am geeignetsten. An diese Traditionen erinnert die in dieses Gebiet führende Hauptstraße, die den Namen Blumenstraße trägt.

Peterbornsiedlung Die Peterbornsiedlung ist die westlichste Siedlung in der Brühlervorstadt und erstreckt sich vom Flughafen Erfurt bis zum 1916 eröffneten Hauptfriedhof. Sie entstand in der Zeit der Weimarer Republik unter dem Einfluss der Ideen der Gartenstadt-Bewegung ohne jedoch eine echte Gartenstadt zu sein. In der Peterbornsiedlung befinden sich kleine Siedlerhäuser mit großen Grundstücken, die es der Bevölkerung ermöglichen sollten, ihren Bedarf an Nahrungsmitteln durch Gemüseanbau und Kleintierzucht teilweise selbst zu decken. Da die Häuser für Arbeiter dennoch zu teuer waren, siedelten sich zunächst vor allem Angestellte hier an. Auch etwas weiter östlich am Nibelungenweg entstanden Einfamilienhäuser, allerdings auf kleineren Grundstücken.

Ihr Name leitet sich von einer Quelle, dem Peterborn ab. Sie versorgte zunächst das Peterskloster und später die Zitadelle Petersberg mit Wasser.

Östlich des Hauptfriedhofs ist auf einer bisher unbebauten Ackerfläche, der Marienhöhe, eine klimagerechte Pilotsiedlung geplant. Ein städtebaulicher Wettbewerb hierzu wurde 2012 durchgeführt. In: erfurt.de. 31. August 2012, abgerufen am 20. November 2017.

Gartenstadt Langer Graben Auch die Gartenstadt am Langen Graben zwischen der Stadt im Osten und der Peterbornsiedlung im Westen entstand zur Zeit der Weimarer Republik unter dem Einfluss der Gartenstadt-Bewegung. Auch hierbei handelt es sich nicht um eine echte Gartenstadt, sondern eher um eine vorstädtische Siedlung. Anders als in der Peterbornsiedlung stehen die Häuser hier nicht einzeln, sondern in langen Blöcken als Reihenhäuser. Auch hier waren die Grundstücke kleiner als am Peterborn und ermöglichten kaum eine selbstständige, bedarfsdeckende Versorgung. Allerdings linderte auch ihre Anlage die nach dem Ersten Weltkrieg vorhandene Wohnungsnot in Erfurt.

Der Lange Graben war ein Graben, der das Wasser aus dem Peterborn zum Petersberg leitete.

Cyriaksiedlung Die Cyriaksiedlung entstand an der Gothaer Straße ab 1935. Auch hier wurden kleine Siedlerhäuser gebaut, die auf großen Grundstücken zur Eigenversorgung der Bewohner lagen. Die Cyriaksiedlung ist nach dem Cyriaksberg, auf dessen Nordhang sie liegt, benannt.

Brühler Herrenberg Das Viertel am Brühler Herrenberg ist kein geschlossen geplantes Siedlungsprojekt, sondern eine normale Stadterweiterung. Die Bebauung begann bereits vor dem Ersten Weltkrieg am Gothaer Platz und setzte sich danach etappenweise nach Westen fort. An der Meinecke- und der Heinrichstraße entstanden um 1910 kleine zweigeschossige Häuser, in denen vor allem Angestellte lebten. Zuerst wurde hier noch in Blockrandbebauung gebaut, dann in einzeln stehenden Blöcken und am Schluss schließlich in einzeln stehenden Gebäuden. 1975 folgten Einfamilienhäuser im Stil von Flachbungalows am Iga-Blick und in den 1990er-Jahren einige Terrassenhäuser am Overmannweg, die sich den Hang hinauf ziehen und die Bebauung des Brühler Herrenbergs abschlossen.

Seit 2014 entsteht auf der ehemaligen Brache am Bunten Mantel zwischen Ottostraße und Binderslebener Knie ein neues Wohngebiet in kleinteiliger Bebauung mit etwa 100 Wohneinheiten.

Königsviertel Das Königsviertel ist ein kleines Viertel am Nordostrand der Brühlervorstadt. Es steht im starken Kontrast zum übrigen Stadtteil, da hier keine aufgelockerte Bebauung mit bürgerlichen Bewohnern entstand, sondern ein Arbeiterviertel mit den typischen viergeschossigen Mietshäusern der wilhelminischen Zeit. Grund für die Anlage des Viertels zwischen Rudolf- und Heinrichstraße war die benachbarte Königlich Preußische Gewehrfabrik im Brühl, deren Arbeiter hier einen fabriknahen Wohnort fanden. Seinen Namen erhielt das Viertel, da hier alle Straßen nach deutschen Königen des Mittelalters benannt wurden. Heute ist der Unterschied in der Bevölkerungsstruktur im Vergleich zu benachbarten Vierteln nicht mehr so ausgeprägt, allerdings beispielsweise in Wahlergebnissen noch wahrnehmbar.

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