mini|hochkant=1.23|Raiffeisenstraße 2009, vor der Sanierung. Einstige Handelshäuser mit Gewerbehöfen und Arbeiterhäuser prägen das sehr einheitliche Straßenbild. Heute beliebtes Studenten-Quartier mini|Leipziger Platz 2008, rechts mit Häusern aus der Gründerzeit

Die Krämpfervorstadt ist eine der historischen Erfurter Vorstädte und zugleich ein Stadtteil der thüringischen Landeshauptstadt. Sie hat etwa 17.500 Einwohner auf einer Fläche von 4,96 km². Sie liegt östlich der Altstadt zwischen der Schlachthofstraße im Norden, dem Flutgraben im Westen und der Thüringer Bahn im Süden. Die Krämpfervorstadt wird von einem sehr gut erhaltenen, sanierten Gründerzeitviertel dominiert, das im Südwesten unweit des Güterbahnhofs liegt. Das Viertel entstand um die Wende zum 20. Jahrhundert mit Arbeiterwohnungen, Gewerbehöfen und Handelshäusern, in sehr einheitlichen Straßenbildern.

Die Krämpfervorstadt gliedert sich in zwei Teile: westlich der Nordhäuser und Sangerhäuser Bahn liegen Quartiere mit großen Mietshäusern, die etwa zwischen 1880 und 1960 entstanden, während östlich der Bahnlinien mit dem Ringelberg eine der größten Einfamilienhaussiedlungen der Stadt liegt. Von den 15.000 Einwohnern leben 11.000 im westlichen und 4000 im östlichen Teil der Krämpfervorstadt. Des Weiteren wird der Stadtteil einerseits durch weitläufige Bahnanlagen und damit verbundene Gewerbeflächen, zum anderen durch den Campus der Fachhochschule Erfurt mit etwa 5000 Studenten dominiert.

Die Krämpfervorstadt ist durch einen vergleichsweise hohen Anteil von Studenten ein demografisch junger Stadtteil. Durch Sanierung und andere städtebauliche Maßnahmen wurden die Altbauviertel seit der Wiedervereinigung erheblich aufgewertet, während Gewerbe stillgelegt wurde und dadurch teilweise neue Brachen entstanden.

Der Name Krämpfervorstadt leitet sich aus der Lage vor dem Krämpfertor ab, das seinen Namen wahrscheinlich von der Kaufmannskirche am Anger erhalten hat und Krämpfer dabei, ähnlich wie Krämer, ein Synonym für Kaufmann ist.

Geografie Die Krämpfervorstadt grenzt im Westen an die Altstadt, wobei der Flutgraben der Gera die Grenze markiert. Im Süden grenzt jenseits der Thüringer Bahn der Stadtteil Daberstedt und im Norden an der Schlachthofstraße die Johannesvorstadt an. Diese beiden Stadtteile sind ähnlich wie die Krämpfervorstadt strukturiert, während im Osten die drei ländlich geprägten Dörfer Kerspleben, Azmannsdorf und Linderbach angrenzen.

Das Gelände der Krämpfervorstadt ist im Westen flach und steigt nach Osten hin zum Ringelberg an. Er ist gleichzeitig die Wasserscheide zwischen Gera im Westen und Gramme im Osten. Am niedrigsten liegt die Nordgrenze zur Johannesvorstadt an der Schlachthofstraße mit etwa 190 Metern, während die Südgrenze zu Daberstedt am Güterbahnhof bereits auf etwa 200 Metern Höhe liegt. Der höchste Punkt ist der 226 Meter hohe Ringelberg, der nach Westen relativ steil zum Geratal abbricht, nach Norden in den Galgenberg übergeht und nach Süden und Osten sanft zum Tal des Linderbachs abfällt.

Neben den durch Wohnen und Gewerbe eingenommenen Flächen liegen in der Krämpfervorstadt die Betriebsstätten von DB Regio Südost für Thüringen und weitere umfassende Gleisanlagen. Der Südosten des Stadtteils wird noch landwirtschaftlich genutzt, wie es vor der Freigabe der Flächen vor der Festung Erfurt 1873 auf das ganze Gebiet des heutigen Stadtteils zutraf. Seit 1990 dehnt sich die Bebauung wieder weiter aus und nimmt neue Flächen in Anspruch.

Viertel mini|Die Viertel der Krämpfervorstadt

Viertel(nicht offiziell) Blockgruppen. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 3,5 MB).(offiziell) Fläche (km²)Satellitenmessung mit Google Earth, dabei kann es zu geringen Abweichungen (<3 %) kommen. Einwohner (2000) (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 41/1. Ausgabe: April 2001), S. 47. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 1,3 MB). Einwohner (2007) (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 64. Ausgabe: Juli 2008), S. 53. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 937 kB). Einwohner (2015)Bevölkerungsstatistik 2015 (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 96. Ausgabe: November 2016), S. 56 ff. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 3,9 MB). BevölkerungsdichteHanseviertel(Stauffenbergallee – Schlachthofstraße – Greifswalder Straße – Leipziger Straße)811 + 812 + 813 + 8140,404.4104.7504.92112.303Innere Krämpfervorstadt(Stauffenbergallee – Leipziger Straße – Rathenaustraße – Raiffeisenstraße)821 + 823 + 8240,292.9133.8094.59915.859Äußere Krämpfervorstadt(Leipziger Straße – Nordhäuser Bahn – Rathenaustraße)822 + 8250,551.6952.1642.4384.433Alter Ringelberg8310,73862728689944Güterbahnhof/Kalkreiße8322,18829713863Neuer Ringelberg833 + 834 + 8350,762.1633.0563.4984.603

Hanseviertel siehe Hauptartikel: Hanseviertel

Das Hanseviertel nimmt den nördlichen Teil der Krämpfervorstadt zwischen Schlachthofstraße und Leipziger Straße ein. Es war ein Schwerpunkt des Wohnungsbaus durch private Gesellschaften, sodass hier in der Weimarer Republik Mietshäuser namhafter Architekten im Stil des Bauhauses entstanden.Steffen Raßloff: Bürgerkrieg und Goldene Zwanziger. Erfurt in der Weimarer Republik. Sutton, Erfurt 2008, ISBN 978-3-86680-338-1, S. 69 ff. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich diese Bautätigkeit, allerdings in Form monotoner Altneubauten fort. Zudem wurde 1946 der Campus der heutigen Fachhochschule Erfurt im Hanseviertel begonnen.

Innere Krämpfervorstadt Die innere Krämpfervorstadt erstreckt sich im Westen des Stadtteils zwischen Stauffenbergallee und Rathenaustraße sowie Leipziger Straße und Raiffeisenstraße. Sie ist am deutlichsten durch dichte Gründerzeitbebauung geprägt. Hier liegt mit dem Leipziger Platz einer der zentralen Plätze des Stadtteils. Während an den Straßen die Wohnhäuser stehen, waren die Innenhöfe stark durch eine gewerbliche Nutzung geprägt. Das bedeutendste Bauwerk des Viertels ist die stillgelegte und ungenutzte Malzfabrik Wolff, die ein großes Areal an der Thälmannstraße einnimmt.

Zwischen 1994 und 1999 war die Krämpfervorstadt ein Fördergebiet des EU-Projekts URBAN zur Aufwertung vernachlässigter städtischer Quartiere. Das Fördervolumen betrug etwa 17 Millionen Euro. Insgesamt wurden aber durch Synergie-Effekte 136 Millionen Euro von privaten und öffentlichen Investoren in das Viertel gesteckt, womit ein zentrales Ziel von Urban erreicht wurde. Insgesamt gelang das Projekt, da die Lebensqualität der Krämpfervorstadt im Zeitraum erheblich gesteigert werden konnte.

Allerdings haben einige Straßen im Süden des Viertels nach wie vor mit vergleichsweise hohem Wohnungsleerstand zu kämpfen. Nachteilig wirkt sich dabei in gewisser Weise die etwas isolierte städtische Lage ohne Straßenbahnanbindung aus, zudem bilden die Bahnanlagen im Süden und die Schnellstraßen sowie der Flutgraben im Westen zusätzliche Barrieren für Fußgänger und Radfahrer bei der schnellen Erreichbarkeit des südlichen Viertels.

Äußere Krämpfervorstadt Die äußere Krämpfervorstadt liegt zwischen der Rathenaustraße im Westen, der Leipziger Straße im Norden und den Bahnanlagen im Osten und Süden. Sie ist stark durch die Mischung von Gewerbe- und Wohnbereichen geprägt und umfasst auch einige brach liegende Flächen. Die Wohnbereiche liegen vor allem im Westen und stammen aus verschiedenen Epochen des 20. Jahrhunderts. Die Gewerbebereiche im Osten gehörten zu den ältesten Industriegebieten Erfurts und profitierten vor allem von ihrer Lage direkt an mehreren Eisenbahnstrecken. Allerdings haben sie besonders seit 1990 mit einem starken Strukturwandel zu kämpfen und sind im Vergleich zu neuen Gewerbegebieten durch ihre schlechte Anbindung auf der Straße eher unattraktiv.

Im Norden des Viertels liegt der Hanseplatz, der 1999 mit EU-Fördermitteln umgestaltet wurde und heute als innerstädtische Grünfläche dient. Der Wohnungsleerstand in der äußeren Krämpfervorstadt ist noch relativ hoch, nimmt aber schon seit 2000 konstant ab. Lebten damals nur noch 1695 Einwohner dort, so waren es 2009 bereits wieder 2231 Personen.

2015 begann die Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen des Planungsprozesses, bei dem die Stadt Erfurt die derzeitigen Misch- und Gewerbegebiete in der äußeren Krämpfervorstadt zu einem Wohngebiet umwandeln will. Dabei ist an viergeschossige Bebauung mit Mietwohnungen gedacht, um etwa 3000 zusätzliche Einwohner ansiedeln zu können. Dieses Projekt steht in Zusammenhang mit der Entwicklung der ICE-City Ost, die perspektivisch auf dem alten Güterbahnhof auf der südlich angrenzenden Fläche entstehen soll. Auch eine neue Straßenbahntrasse vom Hauptbahnhof durch das Viertel zum alten Nordhäuser Bahnhof an der Leipziger Straße ist in der Diskussion, wobei ein langfristiger Planungshorizont bis 2035 zur Fertigstellung aller Projekte angedacht ist.Holger Wetzel: Krämpfervorstadt in Erfurt bekommt Wohngebiet für 3000 Menschen. In: Thüringer Allgemeine. 10. März 2015, abgerufen am 20. November 2017. 2015 wurde ein Integriertes städtebauliches Rahmenkonzept für den Bereich verabschiedet, das die Planungen konkretisiert. Darin sind 2.375 Wohnungen vorgesehen bzw. eine Wohnfläche von insgesamt 237.500 Quadratmetern, auf denen ungefähr 5.000 zusätzliche Einwohner leben könnten.Integriertes städtebauliches Rahmenkonzept. Äußere Oststadt. Abschlussbericht. (PDF; 9,9 MB) In: erfurt.de. September 2015, abgerufen am 20. November 2017.

Alter Ringelberg Nach dem Ersten Weltkrieg entstand am Hang des Ringelbergs eine erste Eigenheimsiedlung mit kleinen Einfamilienhäusern im Bereich der Ringelbergtreppe an der Leipziger Straße. Südlich davon erstrecken sich weitläufige Gartenanlagen, die aus der frühen DDR-Zeit stammen. Dazwischen liegt, ebenfalls an der Leipziger Straße, ein großes Einkaufszentrum zur Versorgung der umliegenden Quartiere. Dort befinden sich auch die Milchwerke Thüringen, die zur Humana Milchunion gehören und täglich etwa 1,1 Mio. Liter Milch verarbeiten. Die Produkte der Milchwerke Thüringen werden in Ostdeutschland unter der Marke Osterland vertrieben.

Die alte Ringelbergsiedlung ist heute wie die meisten Siedlungen aus dieser Zeit durch eine gealterte und abnehmende Bevölkerung gekennzeichnet.

Neuer Ringelberg Die neue Ringelbergsiedlung war neben Marbach einer der beiden Schwerpunkte des stadtnahen Eigenheimbaus in den 1990er-Jahren. Sie entstand östlich und oberhalb der alten Ringelbergsiedlung direkt auf dem Hügel und ist so angelegt, dass sie noch deutlich erweitert werden könnte, wenn eine erhöhte Nachfrage nach neuen Eigenheimen aufkommt. Die Hauptstraße der Siedlung ist die Walter-Gropius-Straße, auf der auch die Stadtbahnlinie 4 verkehrt und momentan noch inmitten einer grünen Wiese endet. Die Bautätigkeit auf dem Ringelberg ist noch nicht abgeschlossen, hat sich aber deutlich verlangsamt. Die Straßen auf dem Ringelberg sind nach Künstlern des Bauhauses benannt und stehen damit in gewisser Hinsicht im Kontrast zur relativ monotonen Bebauung der 1990er-Jahre.

Güterbahnhof, Kalkreiße, Krämpferflur