Die Wirtschaft Kubas ist eine weitgehend vom bürokratisch-autoritären Staat kontrollierte sozialistische Planwirtschaft. Bei Joint Ventures von kubanischen Staatsbetrieben mit ausländischen Firmen hält der Staat in der Regel die Mehrheit von mindestens 51 Prozent. Des Weiteren existiert ein signifikanter Privatsektor in Form von kleinen Selbständigen und Genossenschaften in einer reglementierten Zahl von Berufen. Kapitalinvestitionen sind beschränkt und bedürfen der Genehmigung der Regierung. Die kubanische Regierung legt einen Großteil der Preise fest und bestimmt die Waren, die über das stark subventionierte Rationierungssystem für die Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Geschichte Wirtschaftliche Entwicklung bis zur Unabhängigkeit Als Christoph Kolumbus 1492 die Insel entdeckte, lebten dort rund 200.000 Kariben, Ciboney und Taínos. Die Ciboney lebten hauptsächlich von Fischerei, während die Taínos meist Maniok (Yuca), Mais und Tabak anbauten. Rund 50 Jahre später war die indigene Population aufgrund von Massenmord durch die Konquistadoren als auch durch von denen eingeschleppte Krankheiten auf rund 4000 dezimiert worden.

Die Spanier unterwarfen die Insel ursprünglich auf der Suche nach Gold und Silber. Wegen seiner günstigen geostrategischen Lage und der leicht zu verteidigenden, großen natürlichen Bucht wurde der Hafen Havannas zur Drehscheibe der spanischen Eroberung Amerikas und war damals der größte Wirtschaftsfaktor Kubas.

Ab dem 17. Jahrhundert erlebte der Tabakanbau seine erste Blütezeit und ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann der Zuckerrohranbau. Erstmals kam die Bezeichnung „Perle der Karibik“ auf. Zu verdanken war dies einer rund ein Jahr dauernden Besetzung Havannas durch Großbritannien im Jahre 1762. Die Briten erzwangen die Öffnung Kubas für eigene ökonomische Interessen. So kamen erstmals rund 4000 Sklaven an, die zur Feldarbeit eingesetzt wurden. Es folgten in den kommenden einhundert Jahren 750.000 weitere meist westafrikanische Sklaven, wodurch die halbe Insel quasi in eine einzige Zuckerrohrplantage verwandelt wurde.

Nach der Französischen Revolution und dem darauf folgenden Sklavenaufstand in Haiti nebst Unabhängigkeit des Landes kamen zahlreiche französische Bauern nach Kuba, die entsprechendes „Know-how“ und Kapital mitbrachten, um der Zuckerproduktion zu einem weiteren Aufschwung zu verhelfen. Der Zuckerexport stieg in Folge exponentiell. Betrug er im Jahre 1790 um die 15.000 Tonnen, steigerte er sich bis 1868 um das 50-fache. 1837 wurde entlang der Zuckerplantagen die erste Eisenbahnstrecke Lateinamerikas gebaut, noch vor dem Mutterland Spanien, und um 1840 war Kuba größter Zuckerexporteur der Welt.

Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu ersten Unruhen gegen die spanische Krone. Die in Kuba geborenen Nachfahren spanischer Beamter und Gutsbesitzer, die Kreolen, begehrten wegen hoher Steuern und Abgaben für das Mutterland auf. Auch kam es zu Sklavenaufständen, was zunächst noch vereinigend zwischen den Kreolen und der spanischen Krone wirkte. Der Sklavenhandel wurde zwar schon 1817 in einem Vertrag zwischen Spanien und Großbritannien verboten, wirklich zum Erliegen kam er erst um 1865 mit der Niederlage der Südstaatler im Amerikanischen Bürgerkrieg. Zwar wurden als Ersatz rund 150.000 chinesische Kontraktarbeiter angeworben, jedoch wuchs der ökonomische Druck auf eine Loslösung der kubanischen Kolonie vom spanischen Mutterland. Die Kreolen versuchten zunächst, Spanien zu Reformen und zu größerer Autonomie zu bewegen, was nicht zum Erfolg führte.

Kuba gelang es trotzdem, bis 1870 zu den einkommensstarken Ländern Lateinamerikas aufzuschließen.

Die USA versuchten schon 1823, kurz nachdem sie Florida unter militärischem Druck den Spaniern abgekauft hatten, auch Kuba zu erwerben, was jedoch trotz zeitweise erheblicher gebotener Summen nicht von Erfolg gekrönt war. Wirtschaftlich wuchs der Einfluss der Vereinigten Staaten dennoch beträchtlich, wodurch sie bald Kubas wichtigster Handelspartner wurden. Während das Mutterland Spanien im Jahre 1890 nur Waren im Wert von sieben Millionen Pesos einführte, betrug der Exportwert in die USA 61 Millionen Pesos.

Von der Unabhängigkeit bis zur Revolution Bis zur Erlangung der formalen Unabhängigkeit 1902 befand sich Kuba unter US-amerikanischer Militärverwaltung. Die internationale Neuorientierung der Handels- und Investitionsbeziehungen brachte für Kuba in der Folge eine Phase starker wirtschaftlicher Entwicklung. Der Weltmarktpreis für Zucker stieg bis 1920 auf ein Rekordniveau und sein Anteil am kubanischen Export betrug zu dieser Zeit 92 Prozent. Als kurz darauf der Weltmarktpreis des Zuckers einbrach, bot sich für US-amerikanische Investoren eine weitere Gelegenheit, sich günstig in Kuba einzukaufen. Zwischen 1911 und 1924 versechsfachten sich die US-amerikanischen Investitionen in Kuba. Die ökonomische Dominanz des großen Nachbarn im Norden zeigte sich unter anderem darin, dass 1915 gut 83 Prozent der Importe aus den USA kamen.

Die ökonomische Krise bedeutete ein Erstarken der Gewerkschaften und der Unabhängigkeitsbewegung gegenüber der US-Hegemonie. 1925 bildete sich ein erster Gewerkschaftsdachverband aus 128 Einzelgewerkschaften mit rund 200.000 Mitgliedern.

Der 1924 gewählte Präsident Gerardo Machado versprach „Ehrlichkeit, Straßen und Schulen“ und ließ die als Carretera Central bekannte Schnellstraße bauen, die Havanna mit Santiago de Cuba verbindet. Nachdem 1929 die Weltwirtschaftskrise ausgebrochen war, sorgte dies auch in Kuba aufgrund der einbrechenden Exporte zu Unruhen. Machado verlor sowohl bei der kubanischen Mittel- und Oberschicht als auch bei den USA an Vertrauen und musste 1933 ins Exil gehen.

Während der ersten Präsidentschaft Fulgencio Batistas 1940–1944 erlebte die kubanische Wirtschaft vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs einen Aufschwung. Der Zuckerpreis schnellte in die Höhe, da bedeutende europäische und asiatische Produzenten wegfielen. Zwischen 1940 und 1944 verdoppelte sich der Wert von Kubas Zuckerexport.

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges blieb der Zuckerpreis hoch, Kubas wirtschaftliche Aussichten waren demzufolge günstig. Jedoch konnten die nachfolgenden Präsidenten daraus kein Kapital schlagen. Es erfolgte keinerlei wirtschaftliche Diversifizierung. Die Abhängigkeit vom Zuckerexport blieb unverändert hoch (48 Prozent der kubanischen Exporte 1948).Bert Hoffmann: „Kuba.“ 3. Auflage. 2009, „Das Scheitern der Republik.“, S. 41 ff.

In den 1950er Jahren war Kuba wirtschaftlich ein moderner Staat mit einer lebendigen Hauptstadt Havanna. Neben der Haupteinnahmequelle Zucker florierte der Tourismus. Das Pro-Kopf-Einkommen war mit 374 US$ nach Venezuela das zweithöchste in Lateinamerika. Es war doppelt so hoch wie im lateinamerikanischen Durchschnitt, betrug allerdings nur ein Fünftel von dem der USA. Die Infrastruktur war auf dem modernsten Stand der Technik. Es kam 1957 ein Fernseher auf 25 Einwohner, auf 38 Einwohner kam ein Telefon und auf jeden 40. kam ein Auto. Die kubanische Mittel- und Oberschicht hatte die US-amerikanischen Lebens- und Konsumgewohnheiten übernommen. Außerdem war Kuba nun doch auf dem besten Weg, seine Wirtschaft erfolgreich weg von der Zucker-Monokultur zu diversifizieren. Der Tourismus galt als zweite „Zafra“ und es gab signifikante eigene Industrie.

Die Regierungen ab Mitte der 1940er Jahre galten jedoch als extrem korrupt, was sich in Batistas zweiter Amtszeit noch verstärkte. Speziell Havanna galt als von der US-amerikanischen Mafia stark unterwandert, deren Einfluss sich weiter ausbreitete. US-Unternehmen kontrollierten einen Großteil der strategisch wichtigen Wirtschaftsbereiche. Es gab ein großes Einkommensgefälle: Die 40 Prozent Ärmsten trugen 1953 mit 6,5 % zum Volkseinkommen bei, das der 10 % Reichsten lag bei 39 %, wobei der lateinamerikanische Durchschnitt hier bei über 50 % lag.Hans-Jürgen Burchardt: „Im Herbst des Patriarchen“, Schmetterling Verlag 1999, S. 10 f. Speziell auf dem Land herrschte bittere Armut. 49 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung fanden nur zehn Wochen im Jahr oder weniger eine bezahlte Arbeit. Davon waren 82 Prozent Frauen.Michael Zeuske: „Insel der Extreme, Kuba im 20. Jahrhundert“, 2. Auflage. 2004, S. 159 ff. In den armen, ländlichen Bevölkerungsschichten konzentrierte sich der Erwerb fast ausschließlich auf die Zuckerernte und infolge des geringen und unsicheren Einkommens herrschten oftmals primitive Wohnverhältnisse und schlechte hygienische Bedingungen. Insbesondere Kinder litten häufig unter Parasitenbefall, der mitunter tödlich endete. Außerdem war das Schulwesen auf dem Land durch mangelnde Finanzierung oder Organisation unterentwickelt.Leo Huberman, Paul Sweezy: Kuba. Anatomie einer Revolution., Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1968, S. 15 ff.

1959 bis 1970 mini|Eine Bodega in Havanna, in der subventionierte Lebensmittel auf Bezugsschein (Libreta) angeboten werden. Nach der Kubanischen Revolution 1959 gab es Einigkeit zwischen Fidel Castro und Che Guevara über eine rasche Umsetzung zentraler sozialer Reformen. Laut Castro sei die Revolution „weder kapitalistisch noch kommunistisch. Denn der Kapitalismus gibt den Menschen preis, der Kommunismus mit seinen totalitären Vorstellungen opfert seine Rechte.“Fidel Castro, zitiert nach: Hans-Jürgen Burchardt: „Der lange Abschied von einem Mythos.“ Schmetterling Verlag, 1996, S. 14. Gemäß der ersten Analysen der Revolutionäre bestand eine große Abhängigkeit vom Zuckerexport, was man mit einer raschen Industrialisierung und Diversifizierung der Landwirtschaft zu erreichen dachte. Che Guevara wollte dadurch jährliche Wachstumsraten von 20 Prozent erreichen.Bert Hoffmann: „Kuba.“ S. 91 f.

Die Umstellung der exportorientierten Landwirtschaft auf den Lebensmittelanbau für den einheimischen Bedarf scheiterte jedoch. Die Koordination erwies sich als unzureichend. Gleichzeitig wurde die Zuckerproduktion vernachlässigt, wodurch die Ernte bis 1963 insgesamt um 23 Prozent und die Zuckerproduktion gar um 40 Prozent sank. Das frührevolutionäre Kuba stand vor seiner ersten Liquiditätskrise. Durch Rationierung von Konsumgütern versuchte Kubas neue Regierung erstmals, weiterhin liquide Mittel für geplante Investitionen bereitzustellen. Dieses 1962 eingeführte Rationierungssystem in Kuba mit einem Rationierungsbüchlein namens Libreta („Zuteilungsheft, das zum Kauf rationierter Waren berechtigt“Wörterbuch Kubaspanisch – Deutsch, DDR 1989; zitiert nach: Hans-Jürgen Burchardt: „Der lange Abschied von einem Mythos.“ Schmetterling Verlag, 1996, S. 14.) begleitet die Kubaner bis heute, die Rationen werden stetig reduziert und selbst diese können immer weniger garantiert bereitgestellt werden.

Mitte 1960 verschlechterten sich die Beziehungen zu den USA rapide, mit weitreichenden Folgen für die Wirtschaft. Im US-Besitz befindliche Ölraffinerien weigerten sich, aus der Sowjetunion geliefertes Erdöl zu verarbeiten, woraufhin Castro diese verstaatlichen ließ. Die US-Regierung kürzte Kubas Zuckerabnahmequote, Kuba enteignete weitere US-Firmen, woraufhin die US-Regierung die Zuckerquote komplett strich. Die Sowjetunion erklärte sich bereit, die ursprüngliche Zuckerquote komplett zu übernehmen. Im August 1960 wurden sämtliche US-amerikanische industriellen und landwirtschaftlichen Großbetriebe enteignet. Im Oktober gleichen Jahres folgten dann auch rein kubanische Unternehmen, weil sie angeblich die Revolution sabotiert hätten. Am 19. Oktober wurden seitens der USA sämtliche Exporte nach Kuba, mit Ausnahme von Medikamenten und Lebensmitteln, eingestellt. Später wurden diese Ausnahmen jedoch gestrichen. Es trat ein allgemeines Handelsembargo in Kraft, das mit zusätzlichen Verschärfungen seitdem gültig ist.