mini|Amphitheater

Arelate („die Stadt in den Sümpfen“) ist der antike Name der südfranzösischen Stadt Arles in der einstigen römischen Provinz Gallia Narbonensis. Vor allem in der Spätantike war die Stadt von überregionaler Bedeutung. Bis heute ist die für römische Siedlungen typische, schachbrettartige Struktur der Stadt zu erkennen. Im Stadtzentrum stand das Forum. Es gab ein Theater, von dem noch ansehnliche Reste erhalten sind, und einen Circus. Von den antiken Bauten ist vor allem das Amphitheater sehr gut erhalten. Es gab zwei Aquädukte. Konstantin der Große ließ große Thermen errichten, die teilweise heute noch erhalten sind; vom Wohlstand der Stadt zeugen auch zahlreiche Mosaiken und Reliefsarkophage. Die Stadt lag an der Kreuzung zweier wichtiger Handelswege, die einen Teil des Wohlstandes erklären. Von Italien führte die Via Aurelia durch die Stadt und gleichzeitig lag sie an der Rhone.

Geschichte der Stadt mini|Das Theater

Ein Wohnplatz der Ligurer existierte wahrscheinlich schon im 10. Jahrhundert v. Chr. Die antike Siedlung war eine griechische Gründung der Phokäer aus Kleinasien. Sie wurde bereits 535 v. Chr. von den Ligurern zerstört und im 4. Jahrhundert v. Chr. wieder aufgebaut. Im Jahr 123 v. Chr. kam sie unter römische Herrschaft und erlebte im ersten vorchristlichen Jahrhundert, nachdem sie mit dem Hafenort Fossae Marianae verbunden wurde, einen ersten Aufschwung. Die Stadt war Teil der Provinz Narbonensis. Im Jahr 49 v. Chr. stattete Gaius Iulius Caesar den Ort mit seetüchtigen Schiffen für die Belagerung von Marseille aus. 46 v. Chr. wurde von Caesar nahe der alten griechischen Siedlung die Kolonie Colonia Iulia Paterna Arelate Sextanorum gegründet. Ausführender Beamter der Kolonisierung war Tiberius Claudius Nero.Sueton, Tiberius 4. In der Kolonie wurden Veteranen der 6. Legion angesiedelt. Unter Augustus wurde die Stadt ausgebaut und erhielt ein Forum und ein Theater. In flavischer Zeit wurde das Amphitheater errichtet. Wahrscheinlich um 80 n. Chr. ist der Philosoph Favorinus in Arelate geboren worden. Unter Antoninus Pius erhielt die Stadt einen Circus.

In der Zeit zwischen 250 und 275 n. Chr. wurde die Stadt zweimal geplündert. Im ganzen Stadtgebiet fanden sich bei Ausgrabungen Brandspuren. Es ist jedoch unsicher, mit welchen historischen Ereignissen diese Verwüstungen in Verbindung zu bringen sind. Es ist bekannt, dass die Alemannen und Franken in Gallien vorgedrungen waren. Zwischen 260 und 274 n. Chr. war Arelate auch Teil des Gallischen Sonderreiches.Droste: Arles, S. 114–115 Die Stadt hatte auch schon früh eine christliche Gemeinde. In der Mitte des 3. Jahrhunderts wurde die Stadt ein Bistum. Als erster Bischof wird in späteren Quellen Trophimus genannt.

Arelate spielte vor allem in der Spätantike eine bedeutende Rolle, was sich vor allem in der Errichtung prächtiger Neubauten zeigt. In der Forschung wird häufig vermutet, die Stadt sei im frühen 4. Jahrhundert Residenz des römischen Kaisers Konstantin der Große gewesen; dies lässt sich aber durch die verfügbaren antiken Quellen nicht absichern. Sicher ist dagegen, dass unter Konstantin eine Münzstätte von Ostia nach Arelate verlegt wurde.Christian Witschel: Trier und das spätantike Städtewesen im Westen des römischen Reiches. In: Trierer Zeitschrift. Band 67/68, 2004/2005, S. 223–272, hier S. 234. Im Jahr 314 fand dort zudem das vom Kaiser einberufene christliche Konzil von Arles statt. Es war das erste bedeutende Konzil im Abendland überhaupt. Zeitweise trug die Stadt zu Ehren von Konstantin II., der hier zur Welt kam, den Namen Constantina.Roman Mints and Officina Der Name verschwindet nach dem Tod dieses Herrschers aber wieder. Ein weiteres Mal wurde die Stadt dann ab 353 n. Chr. Constantia genannt, dieses Mal nach Constantius II., der sich im Winter 353–354 n. Chr. dort aufgehalten hatte.Droste: Arles, S. 119 Um das Jahr 407Marc Heijmans: Arles durant l’antiquité tardive. De la duplex Arelas à l’urbs Genesii (= Collection de l’École Française de Rome. Band 324). École Française de Rome, Rom 2004, ISBN 2-7283-0626-5, S. 59–62. wurde der Sitz des gallischen Prätorianerpräfekten, also des höchsten Verwaltungsbeamten des westlichen Reichsdrittels, von Augusta Treverorum (Trier) hierher verlegt, da die Sicherheit der bisherigen Residenz wegen häufiger Germaneneinfälle (siehe auch Rheinübergang von 406) nicht gewährleistet werden konnte und sie wahrscheinlich auch zu weit weg vom Machtzentrum Italien lag. Etwa zur gleichen Zeit wurden auch die Hauptorte der beiden nächstniedrigen Verwaltungseinheiten, nämlich der Diözese von Südgallien (Dioecesis Septem Provinciarum) und der Provinz Viennensis, die sich bis dahin in Vienne befunden hatten, nach Arelate verlegt.André Chastagnol: Le repli sur Arles des services administratifs gaulois en l’an 407 de notre ère. In: Derselbe: La Gaule romaine et le droit latin. Recherches sur l’histoire administrative et sur la romanisation des habitants. Scripta varia III. De Boccard, Lyon 1995, S. 257–274. Die Umstrukturierung der Diözese und der Provinz könnte mit dem Einfall der Westgoten in die Narbonensis im Jahr 418 zusammenhängen.

mini|100px|Honoratus von Arles Von 426 bis 16. Januar 430 war Honoratus von Arles Bischof in der Stadt. Er wurde später zu einem Heiligen der katholischen Kirche. Die Stadt blieb zunächst unter römischer Verwaltung, bis sie 476 n. Chr. von den Westgoten unter König Eurich erobert wurde. 508 n. Chr. wurde Arles nach einer Belagerung durch Franken und Burgunder von einem Entsatzheer des ostgotischen Königs Theoderich befreit und geriet in dessen Herrschaft. Infolgedessen wurde die gallische Präfektur wiederhergestellt. Erst 536 n. Chr. überließen die Ostgoten Arles per Abkommen den Franken, die es jedoch nicht weiter förderten, da ihr Machtzentrum weiter im Norden lag. Seit der Mitte des 6. Jahrhunderts verlor die Stadt stark an Bedeutung und entwickelte sich erst im 11./12. Jahrhundert wieder zu einem lokalen Zentrum.

Die älteste Stadt Teile der griechischen Stadt sind 1976–1987 und 1983–1989 beim Bau eines Parkhauses in Jardin d’Hiver gefunden und ausgegraben worden. Es konnten fünf Phasen unterschieden werden, die vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis um 175 v. Chr. datieren. In dieser Zeit ist der Ort, der einst wahrscheinlich ca. 30 ha groß war, aufgegeben worden. Der Ort hatte Straßen, die nach einem Schachbrettmuster ausgerichtet waren. Die Wohnbauten bestanden aus Trockenlehmziegelmauerwerk. Die Keramik stammt meist aus lokaler Produktion, deren Formen jedoch teilweise Anleihen an italische Vorbilder machen. Es fanden sich aber auch Reste schwarz- und rotfiguriger Keramik und von Importen aus anderen Teilen des Mittelmeerraumes.Droste: Arles, S. 15–16

Die römische Stadt mini|Arelate im 1. Jahrhundert n. Chr. mini|Modell von Arelate im 4. Jahrhundert (Musée de l’Arles antique)

Die antike Stadt bestand aus verschiedenen Teilen. Das Zentrum lag links der Rhone, etwas oberhalb an einem Punkt an dem der Fluss nach Westen abknickt. Das ummauerte Stadtgebiet war selbst für eine antike Stadt relativ klein und umfasste ein unregelmäßiges Rechteck von etwa 300 mal 400/500 Meter. Jenseits der Stadtmauern scheint die Wohnbebauung vor allem im Süden um etwa 100 bis 200 m fortgesetzt zu haben. Im Südwesten ist im 2. Jahrhundert ein großer Circus erbaut worden, der etwa 300 m südlich der Stadtmauern stand, jedoch offensichtlich in einem wenig besiedelten Gebiet errichtet wurde. Vor allem im Südosten lagen große Nekropolen. Auf der rechten Seite der Rhone befand sich ein weiteres großes Wohngebiet, heute als Trinquetaille bezeichnet. Dieser Teil der Stadt wurde ab dem Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. besiedelt und auch mit einem regelmäßigen Stadtplan ausgestattet. Es war anscheinend größer als das ummauerte Stadtgebiet (etwa 500 m × 600 m) auf der linken Seite der Rhone. Auch hier gab es an den Stadträndern weitere Nekropolen. In diesem Teil der Stadt gab es nur wenige öffentliche Gebäude, jedoch gab es hier umfangreiche Hafenanlagen und Lagerhallen am Ufer der Rhone. Beide Stadtteile sind durch eine Brücke verbunden gewesen.

mini|150px|Reste des Aquäduktes

Stadtmauer Schon im ersten Jahrhundert erhielt die Stadt eine Mauer. Sie ist vor allem im Osten gut erhalten und steht heute noch teilweise bis zur originalen Höhe an. Im Osten befindet sich auch ein Stadttor, wo die Via Aurelia in die Stadt führte. Das Stadttor war durch mächtige, halbrunde Bastionen geschützt. Weitere halbrunde Bastionen gab es im ganzen Mauerverlauf. Die Stadtmauer im Norden und Süden ist dagegen weitgehend unbekannt. Im Norden fanden sich an der Rhone einige Reste, die andeuten, dass die Mauer einen Bogen nach Norden machte. Der Verlauf im Süden bleibt dagegen ganz unsicher. Einige Steinreste, die sich ca. 200 m südlich des Forums fanden, sind als Stadtmauer interpretiert worden. Im Westen grenzte die Stadt an die Rhone.

Aquädukte Trinkwasser kam in die Stadt über zwei Aquädukte. Einer von ihnen führte das Wasser von 51 km her aus den nördlichen Alpillen, bei Eygalières in die Stadt und ist bemerkenswert wegen des nur schwachen Gefälles von weniger als einen Millimeter pro Meter. Der andere Aquädukt kam von Caparon und war etwa 11 km lang. Beide Wasserleitungen vereinigten sich bei Fontvieille in einem Wasserbecken. Von dort führte er als eine Leitung zu den Mühlen von Barbegal, die auch mit dem Wasser versorgt wurden, von dort lief er neben der Via Aurelia. In der Stadt verlief sie unterirdisch entlang der Decumanus. In der Nähe des Amphitheaters mündete sie in einen Wasserturm. Innerhalb der Stadt gab es ein umfangreiches Netz von Kanälen und Bleirohren, womit Brunnen, Zisternen und einige Privathaushalte versorgt werden konnten.Droste: Arles, 70

mini|150px|Portikus an der Nordseite des Forums, heute noch anstehende Reste mini|150px|Die Venus von Arles mini|150px|Dieser Obelisk schmückte einst die Spina des Circus

Stadtaufbau Bis heute ist die für römische Siedlungen typische, schachbrettartige Struktur der Stadt zu erkennen, doch gibt es auch Abweichungen davon, die vielleicht auf vorrömische Strukturen hindeuten. Im Stadtzentrum stand das Forum. Es gibt kaum Befunde aus der Zeit von Gaius Iulius Caesar, der die Stadt zu einer Kolonie erhoben hatte. Die älteste erhaltene Bautätigkeit datiert dagegen unter Augustus. Arelate erhielt jetzt vor allem ein Forum und ein Theater sowie wieder einen Stadtplan mit sich rechtwinklig kreuzenden Straßen.

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