Unternehmen Weserübung, auch Fall Weserübung, war der Deckname einer deutschen Militäroperation für den Überfall der deutschen Wehrmacht auf Norwegen und Dänemark während des Zweiten Weltkrieges am 9. April 1940. Die Bezeichnung als „deutscher Erfolg“ war schon vor dem Anlaufen des Unternehmens festgelegt. Die dann aber tatsächlich eingetretenen diversen Mängel in der operativen Führung der deutschen Streitkräfte, vor allem im Zusammenspiel der Waffengattungen, wurden durch die Kriegspropaganda gezielt überdeckt, während die Alliierten im weiteren Verlauf des Krieges die Operation kombinierter Verbände stetig verbesserten.Bernd Stegemann: Das Unternehmen „Weserübung“. In: Klaus A. Maier, Horst Rohde, Bernd Stegemann, Hans Umbreit: Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent. (Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 2). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, S. 212–225, hier S. 225.
Strategische Ziele der Invasion waren die Besetzung der norwegischen Häfen, um die deutsche Ausgangsstellung im Krieg gegen Großbritannien zu erweitern und eine Seeblockade zu verhindern, die Kontrolle der Ostseezugänge und die Sicherung der Eisenerz-Versorgung der deutschen Rüstungsindustrie aus Kiruna (Schweden) über Narvik. Dänemark erschien den Planern unter General Nikolaus von Falkenhorst als Nachschubweg unverzichtbar. Langfristig sollten Norwegen und Dänemark in ein „Großgermanisches Reich“ auf dem europäischen Kontinent eingegliedert werden.
Sowohl Dänemark als auch Norwegen waren neutral. Dänemark hatte 1939 als einziger nordeuropäischer Staat einen Nichtangriffspakt mit Deutschland geschlossen. Nachdem bereits die militärische Besetzung beider Staaten angelaufen war, stellte Deutschland ihnen ein Ultimatum mit der Zusicherung, ihre territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit nicht anzutasten, falls sie sofort kapitulierten. Norwegen lehnte ab; die Dänen akzeptierten nach wenigen Stunden Kampf aufgrund der militärischen Übermacht. In der Schlacht um Narvik erlitt die Wehrmacht ihre erste Niederlage des Krieges. Angelandete alliierte Truppen waren siegreich und dabei, die deutschen Truppen nach Schweden abzudrängen, als die Kriegslage im Westen (vor allem Frankreich) am 24. Mai 1940 eine Rückverlegung des alliierten Expeditionskorps nach Frankreich notwendig machte. Erst am 9. Juni konnten die deutschen Truppen unter General Eduard Dietl Narvik wieder erobern. Norwegen kapitulierte am 10. Juni 1940, als der deutsche Sieg im Westfeldzug absehbar war.
Strategische Überlegungen Bereits vor dem Krieg spielten für die deutsche Admiralität nicht nur die Überlegung eine Rolle, in Norwegen Stützpunkte zu gewinnen, sondern auch die Frage, wie das Deutsche Reich im Fall eines Krieges mit kriegswichtigen Rohstoffen (hier vor allem Eisenerze und andere in Deutschland nicht oder kaum verfügbare Rohstoffe) versorgt werden könne. Diese Feststellung stützen zahlreiche Indizien und Wortmeldungen, die seit der Denkschrift des Vizeadmirals Wegener mit dem Titel Die Seestrategie des Weltkrieges aus dem Jahre 1926 kursierten. Demnach hätte zum Beispiel im Ersten Weltkrieg vor einer deutschen maritimen Offensive eine Verständigung mit Dänemark über die Nutzung seiner Gewässer und die Öffnung der von Dänemark gesperrten Belte erreicht werden müssen, um den Schlüssel zur Ostsee zu gewinnen und weite Teile der skandinavischen Handelswege – und damit auch den Zugang zu wichtigen Ressourcen – kontrollieren bzw. sichern zu können. In der Frühphase des Zweiten Weltkriegs zielten daher die britischen Überlegungen darauf ab, durch ein Engagement der Alliierten in Nordskandinavien die finnischen Truppen im Winterkrieg zu unterstützen und gleichzeitig das Deutsche Reich von den skandinavischen Rohstoffquellen abzuschneiden. Um 1938 finden sich bereits erste eindeutige Hinweise, dass die Besetzung Skandinaviens oder zumindest die Besetzung von Teilen Skandinaviens durchaus Bestandteil der militärischen bzw. geostrategischen Überlegungen im Dritten Reich wurde.
Bevor diese Überlegungen das Stadium ernsthafter Vorbereitungen erreichen konnten, änderte sich jedoch die Ausgangslage: Mit dem Frieden von Moskau am 13. März 1940 fanden mit dem Winterkrieg auch die Überlegungen für eine militärische Unternehmung auf alliierter Seite ihr Ende.Andreas Hillgruber: Hitlers Strategie Politik und Kriegsführung 1940–1941. 3. Auflage, Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1993, S. 55.Michael Salewski: Deutschland und der Zweite Weltkrieg. Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2005, S. 112. Die Alliierten entwickelten nun Pläne für eine zweigeteilte Unternehmung: Durch die Verminung norwegischer Gewässer in der Operation Wilfred sollten die schwedischen Eisenerzlieferungen an Deutschland zur See blockiert werden und diese Seeblockade durch die Anlandung eigener Truppen im Rahmen des Plan R 4 in Norwegen verstärkt werden. Die strategische Lage diesbezüglich richtig einschätzend, betrieb das NS-Regime seinerseits weitere Planungen für die Invasion Dänemarks und Norwegens, auf die insbesondere Erich Raeder weiterhin drängte. Am 26. März stimmte Adolf Hitler in der Erwartung eines weiteren schnellen Feldzugs den Vorschlägen des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine zu. Die Unternehmung sollte sich an den strategischen Vorgaben orientieren, die Hitler am 1. April formuliert hatte: Sicherung der schwedischen Erzlieferungen, Verbesserung der Ausgangsstellung für den Krieg gegen Großbritannien und die Kontrolle über die Zugänge zur Ostsee.Gerhard Schreiber: Der Zweite Weltkrieg. 5. Auflage, Verlag C.H. Beck, München 2002, S. 30. Unter diesen Maßgaben erfolgte wenige Tage später der militärische Überfall auf die zwei skandinavischen Staaten strategisch begründet und als Ausdruck „blanke(r) Aggression“.Michael Salewski: Deutschland und der Zweite Weltkrieg. Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2005, S. 114. Bereits vor dem Beginn der „Weserübung“ verfügte das Oberkommando der Wehrmacht, so die Instruktion vom 5. April 1940 über die Art und Weise der Berichterstattung zu diesem Ereignis, dass der Überfall als Reaktion auf die englischen Planungen und nicht als Ergebnis der Durchsetzung eigener Kriegsziele in Skandinavien darzustellen sei.Fritz Petrick: Aggression „Weserübung“. In: dgl. „Ruhestörung“. Studien zur Nordeuropapolitik Hitlerdeutschlands, Edition Organon Berlin 1998, S. 28.
Vorgeschichte Raeders Lagevortrag bei Hitler am 10. November 1939 mini|hochkant|Großadmiral Erich Raeder, der Urheber des Unternehmens Weserübung
Großadmiral Raeder drängte Adolf Hitler seit Oktober 1939 zur Besetzung Norwegens. Damit sollte Großbritannien, das Deutschland am 3. September 1939 den Krieg erklärt hatte, zuvorgekommen werden, welches dies früher oder später mit großer Wahrscheinlichkeit selbst tun würde. Am 10. November 1939 versuchte Raeder einen weiteren Vorstoß bei Hitler. Bei seinem Vortrag forderte er eine Forcierung der Belagerung Großbritanniens, was eine Umschreibung für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg war. Raeder führte in diesem Zusammenhang aus, dass die Eroberung der niederländischen Küste für den U-Boot-Krieg keine Vorteile bringe, wohl aber Stützpunkte an der norwegischen Küste, die möglicherweise mit Hilfe sowjetischen Druckes erworben werden könnten; konkret nannte er Trondheim.
Der Winterkrieg und die Folgen für Skandinavien Die Situation der skandinavischen Staaten änderte sich schlagartig, als die Sowjetunion am 30. November 1939 den Winterkrieg gegen Finnland begann. Während die skandinavischen Staaten am 7. Dezember 1939 übereinkamen, in der Frage dieses Konfliktes strikte Neutralität wahren zu wollen, wollten die Westalliierten für die Unterstützung Finnlands mit Truppen und Gerät von Norwegen und Schweden die Gewährung freien Durchzugs verlangen. Favorisiert wurde die Route über Narvik, von dort mit der Eisenbahn über Kiruna, Gällivare nach dem Ostseehafen Luleå und von dort in Richtung Osten nach Finnland. Diese Vorhaben wurden durch den Friedensschluss zwischen Finnland und der Sowjetunion vom 13. März 1940 überflüssig und die Planung dafür eingestellt.
Besuch des norwegischen Politikers Quisling in Berlin Zur Vorbereitung der Okkupation Norwegens wurde im Dezember 1939 gezielt der ehemalige norwegische Kriegsminister (Staatsrat) Quisling nach Berlin eingeladen. Quisling war Parteiführer der unbedeutenden Nasjonal Samling, einer kleinen und wenig akzeptierten nationalsozialistischen Partei, zu der das Außenpolitische Amt der NSDAP unter Leitung des Reichsleiters Alfred Rosenberg vor dem Krieg Verbindung aufgenommen hatte. Am 12. Dezember 1939 wurde Quisling, nachdem er von Raeder bei einem Treffen instruiert worden war, von Hitler zu einer Begegnung empfangen. Quisling informierte Hitler einseitig, er glaube, dass die norwegische Regierung britischen Landungen und der Einrichtung von Stützpunkten eifrig zustimmen würde,Geirr H. Haarr: The Altmark incident. In: Geirr H. Haarr: The Gathering Storm – The Naval War In Europe September 1939 -April 1940. The naval war in Northern Europe September 1939 - April 1949. Seaforth Publishing, Barnsleigh Vereinigtes Königreich 2013, ISBN 978-1-84832-140-3, S. 351. andererseits vermittelte er Hitler den falschen Eindruck, das norwegische Volk werde einem deutschen Einmarsch als Schutz vor einer englisch-französischen Besetzung „nicht ohne Wohlwollen“ zusehen. Auch sein Argument von einer möglichen Landung der Engländer wurde stark angezweifelt. Dennoch gab Hitler dem Oberkommando der Wehrmacht, OKW, grünes Licht, einen möglichen Angriff auf Norwegen zu planen.Michael Salewski: Deutschland und der Zweite Weltkrieg. Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2005, ISBN 3-506-71390-6, S. 110ff. Das erfolgte bereits ab Dezember 1939. Schwierig war nur, einen geeigneten Grund dafür zu finden. Seit Anfang 1939 flossen Gelder aus unterschiedlichen Kassen nach Norwegen, um die Stimmung der Bevölkerung in eine für Deutschlands Zielstellung geeignete Richtung zu lenken.Peter F. Schmitt: Widerstand zwischen den Zeilen. Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1985, S. 49ff, Vgl. auch: Rainer Kretschmer und Hartmut Koch: Der Propagandaapparat des NS-Staates. In: Das Argument 58, Jahrgang 1970, Heft 4f., Berlin.
Altmark-Zwischenfall