mini|Nördliches Becken des Parsteinsees Der Parsteiner See (umgangssprachlich meist Parsteinsee) ist mit 1003 Hektar Fläche der drittgrößte natürliche See in Brandenburg. Die Wasserfläche liegt vollständig im Landkreis Barnim, während Teile der östlichen und nordwestlichen Uferbereiche zum Landkreis Uckermark gehören.
Das Seebecken besitzt eine komplexe Anlage, die sowohl Formen eines Zungenbeckens, mehrerer glazialer Rinnen als auch einer Toteislandschaft umfasst. Der See gehört zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und besteht aus einem Hauptbecken, einem Nebenbecken und mehreren Buchten. Die mittlere Wassertiefe im Hauptbecken beträgt rund 10 Meter, das Maximum erreicht 31 Meter. Das oberflächliche Einzugsgebiet umfasst 130,5 km² und besteht zu 78 % aus hügeligem Ackerland.
Der See bietet zahlreiche Wassersportmöglichkeiten und verfügt über eine sehr gute Wasserqualität. Die Uferbereiche sind in sechs Schonzonen eingeteilt und weitgehend naturbelassen. In der näheren Umgebung liegt das Dorf Brodowin, das in Abstimmung mit der Verwaltung des Biosphärenreservats und weiteren Institutionen verschiedene Schutzprogramme für die Ökosysteme des Sees und seiner Flora und Fauna durchführt. Auf der Halbinsel Pehlitzwerder befinden sich die Überreste des Zisterzienserklosters Mariensee, das die Mönche 1273 noch vor seiner Fertigstellung unter dem neuen Namen Kloster Chorin um rund acht Kilometer nach Südwesten an den ehemaligen Choriner See, den heutigen Amtssee, verlegten. Die Mönche schufen zudem im 13. Jahrhundert mit dem Nettelgraben den einzigen und heute noch bestehenden Abfluss des Parsteiner Sees.
Etymologie Die Bezeichnung des namensgleichen Ortes Parstein südöstlich des Sees geht auf die slawische Siedlungszeit zurück. Das Landbuch Karls IV. von 1375 verzeichnet den Ort als Parsteyn (slawisch), übersetzt Siedlung auf staubiger Erde. Dabei könnte der Ortsname laut Reinhard E. Fischer nach dem Seenamen gewählt worden sein, denn in der Gründungsurkunde für das Kloster Mariensee von 1258 findet sich die Bezeichnung stagnum Parsten = See in staubiger Gegend, mit staubigem Ufer.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, ISBN 3-937233-30-X, . Parstein, Parsteiner See S. 129. Dabei nennt Fischer für die Bezeichnung Parsteyn bereits das Jahr 1281. Der Hinweis auf das Landbuch Karls IV. 1375 findet sich mehrfach, unter anderem bei Eiszeitstraße.de
Geographie Räumliche Zuordnung Der Parsteiner See ist das größte Gewässer im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, einer gewässerreichen Kulturlandschaft. Er liegt etwa 60 Kilometer nordöstlich von Berlin, 13 Kilometer nordöstlich von Eberswalde, 14 Kilometer nordwestlich von Oderberg und 10 Kilometer südlich von Angermünde.
Während der gesamte See zum brandenburgischen Landkreis Barnim gehört, liegen die umgebenden Gemeinden im Landkreis Barnim und im Landkreis Uckermark. Das sind im Einzelnen:
Im Landkreis Barnim die Gemeinde Parsteinsee mit dem Dorf Parstein am östlichen Südufer und südlichen Ostufer, die Gemeinde Chorin mit Brodowin und der Halbinsel Pehlitzwerder am westlichen Südufer und dem Dorf Serwest mit der Halbinsel Parsteinwerder am Westufer
Im Landkreis Uckermark mini|hochkant|Hauptbecken am Ostufer bei Parsteinsee mini|Endmoränenbogen Chorin an der Halbinsel Pehlitzwerder mini|Hinterlassenschaft der Weichseleiszeit: Findlinge oberhalb des Pehlitzwerder mini|Hauptbecken am Südufer bei der Halbinsel Pehlitzwerder
die Dörfer Herzsprung in den nördlichen Uferbereichen des weitgehend abgetrennten Nordbeckens und Bölkendorf am mittleren Ostufer des Hauptbeckens; beide Dörfer sind Ortsteile der Stadt Angermünde.
Topographie Die Längsausdehnung des Gewässers von Nordwest nach Südost beträgt rund 6,8 Kilometer, die maximale Breite rund vier Kilometer. Der See besteht aus mehreren Becken und großen Buchten und gliedert sich im Wesentlichen in ein südliches Hauptbecken und einen hufeisenförmigen Nordteil. Dieser wird durch die Halbinsel Parsteinwerder vom Hauptbecken weitgehend abtrennt und gelegentlich als Kleiner Parsteiner See bezeichnet. Die Gesamtfläche von 10,03 km² teilt sich in 1,12 km² für das Nord- und 8,91 km² für das Hauptbecken. Die mittlere Wassertiefe des Gesamtsees beträgt 7,7 Meter, im Hauptbecken 10,0 Meter. Die Tiefe erreicht im Nordbecken maximal 4 Meter und im Hauptbecken in einem eng umgrenzten Bereich mit Tiefen von mehr als 20 Metern, maximal 31 Meter. Dieser Bereich liegt am Ostufer, westlich der kleinen Halbinsel bei Bölkendorf in der Nähe des benachbarten Apfelsees. Das Ufer fällt in dieser Region steil ab.Brigitte Nixdorf, Mike Hemm u. a.: Dokumentation …
Geologie und Hydrographie Genese Der Parsteiner See ist ein glazial angelegter See. Seine Entstehung ist recht komplex und nicht in ein einzelnes der gängigen Schemen einzuordnen. Er beinhaltet sowohl Elemente eines Zungenbeckensees, eines Rinnensees als auch eines Toteissees.
Der See befindet sich wenige Kilometer nördlich der Pommerschen Eisrandlage, die Nordostbrandenburg in mehreren Endmoränenbögen durchzieht. Innerhalb des Choriner Endmoränenbogens füllt der See große Teile des Parsteiner Lobus. Im Stirnbereich ist der Parsteiner Lobus als kombinierte Stauch- und Satzendmoräne ausgebildet.Fritz Brose: Eisrückzug im Parsteiner Becken, in: Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg, …, S. 95 Während der Eisbedeckung des Weichsel-Hochglazials bildeten sich in einem Zeitraum von vor rund 18.400 Jahren bis vor rund 15.200 Jahren im Bereich der Grundmoräne durch Exaration flache Hohlformen heraus, das spätere Zungenbecken. Gleichzeitig bildeten sich unter dem Eis Glaziale Rinnen, die die Grundmoräne und auch das Zungenbecken in Eisbewegungsrichtung zerschnitten. Mehrere dieser Rinnen queren auch den Parsteiner See. Ihr Verlauf lässt sich durch benachbarte, reine Rinnenseen gut erschließen. Zum Beispiel verlaufen die Rinnen des Krummen Sees und des Apfelsees nordöstlich des Parsteiner Sees in das Hauptbecken hinein und verlassen das Seebecken am südwestlichen Ufer wieder in Richtung Weißer See bzw. Brodowinsee. Mit dem Rückschmelzen des Eises wurden vor allem am Südufer des Sees feine Sedimente eines Eisstausees abgelagert. Inwieweit der See zu dieser Zeit existierte oder noch mit Eis blockiert war, ist nicht sicher geklärt. Die Tatsache, dass sich der nördliche Teil des Sees im Bereich eines Sanders befindet, der von der jüngeren Angermünder Eisrandlage in Richtung Eberswalder Urstromtal verläuft, spricht eher für eine längere Plombierung des Beckens mit Toteis. Andernfalls wäre die Hohlform von den Schmelzwässern verschüttet worden. So entstand der heutige See wahrscheinlich erst einige Tausend Jahre später, als mit der ausklingenden Eiszeit das Toteis endgültig abschmolz.
Geologiegeschichte Der Geologe G. Berendt entwickelte 1888 aus Untersuchungen im Gebiet um den Choriner und Joachimsthaler Endmoränenbogen ein Modell zur Verbindung einer Endmoräne mit einem Urstromtal. Er vermutete eine Verbindung des Eberswalder Urstromtals über Das Choriner Schmelzwasser mit dem Joachimsthaler Stausee (heutiger Rest: Grimnitzsee). Der Parsteiner See war nach seiner Analyse der größte Rest des ehemaligen Choriner Stausees, der ungefähr die vierfache Fläche des heutigen Parsteiner Sees einnahm. Nach einer Karte Berendts erstreckte sich der Stausee von Chorin unter Einschluss des Serwester Sees und Rosinsees nach Norden bis nach Schmargendorf und schloss östlich das Plagefenn und Bereiche um den (südlichen) Rosinsee ein. Der Parsteiner See befand sich danach in mittlerer westlicher Randlage des ursprünglichen Stausees. Das Modell wurde seither zwar erheblich modifiziert und differenziert, ist aber wissenschaftshistorisch für die Geschichte der Geologie bedeutsam, da durch diese Arbeit die Region Eberswalde-Chorin-Joachimsthal zum klassischen Raum der Eiszeitforschung im Norddeutschen Tiefland wurde.Joachim Marcinek: Wissenschafts-historische Aspekte: Im klassischen Gebiet der norddeutschen Eiszeitforschung. In: Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg, …, S. 166–169; siehe insbesondere Abb. 10-1, S. 168, Die südliche baltische Endmoräne in der Gegend von Joachimsthal, Ausschnitt einer Karte von Berendt, 1887 (Zeichnung Laufmann)
Einzugsgebiet und Umgebung Das reliefreiche oberflächliche Einzugsgebiet des Parsteiner Sees umfasst 130,5 km² und besteht zu 78 % aus hügeligem Ackerland. Die südöstlichen Randbereiche des Gewässers bestimmen die Formen der kuppigen Endmoräne mit einer starken Differenzierung glazigener Formen, die sich in den drei Parsteiner Staffeln I bis III (Rückzugshalte des Gletscherlobus) entwickelten und teilweise postglazial überformt wurden. Zwischen zwei und zehn Meter mächtige Geschiebemergel einer ebenen bis flachwelligen Grundmoränenlandschaft dominieren das Ostufer um Bölkendorf und Teile des Südwestufers um Brodowin. Das Westufer bilden glazifluviatile Sande und Kiese der Sander aus der Angermünder Staffel.Fritz Brose: Eisrückzug im Parsteiner Becken, in: Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg, …, S. 95–103; ferner: Karte III: Geologische Übersichtskarte vom Exkursionsgebiet Bad Freienwalde – Parsteiner See (Beitrag Cepek; Zeichnung Dunker) in: ebenda, nach S. 188
In den Randbereichen liegen mehrere flache langgezogene Hügel wie der Rosinberg am Westufer des Parsteiner Sees und der Kleine Rummelsberg am Ostufer des heute isolierten Wesensees, der mindestens bis zum Hochmittelalter eine Bucht des Parsteiner Sees bildete. Diese Hügel werden vielfach als Drumlin eingestuft, allerdings ist diese Einstufung unter Geologen sehr umstritten.siehe Kleiner Rummelsberg Die höchste Erhebung bildet der 85 Meter hohe Wurzelberg am Südufer. Das Gewässer ist zudem von einer Reihe kleinerer Seen umgeben. mini|Einzugsgebiet Plagefenn
Die Bölkendorfer Grundmoräne durchziehen mehrere Rinnensysteme, die heute zum Teil von Seen (Apfelsee, Krummer See, Tiefer See, Schleipfuhl) erfüllt werden und Einzugsgebiete zwischen 15 und 20 Hektar aufweisen. Hinzu kommen in diesem Gebiet zahlreiche geschlossene Hohlformen aus Toteislöchern mit einer mittleren Einzugsgröße von drei Hektar, „die den Charakter von Binnenentwässerungsgebieten haben. Der überwiegende Teil dieser Ackerhohlformen weist im Zentrum Sölle und temporäre Naßstellen auf.“Rolf Schmidt: Bölkendorf: Kuppige Grundmoräne, in: Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg, …, S. 105.
Zuflüsse und Entwässerung Vier kleine Fließe, die zum Teil aus den umliegenden Seen kommen, speisen den Parsteiner See. Das Hauptbecken erhält Wasser durch den Mooderbruch aus dem Feuchtgebiet rund um das Plagefenn und durch den Brodowinseegraben, das Nordbecken durch Zuflüsse vom Serwester See über den Krugsee, ferner vom Rosinsee und vom Midrowsee. Messungen im Jahr 1996 ergaben für die zuführenden Fließe nur sehr schwache oder gar keine Wasserbewegungen, während vom Serwester-/Krugsee zwei bis fünf Liter Wasser pro Sekunde zuströmten.
Seit dem Bau des Nettelgrabens durch die Zisterzienser-Mönche des Klosters Chorin fließt das Wasser über diesen Graben in den Amtssee und dann weiter über die Ragöse, den Finowkanal und den Oder-Havel-Kanal zur Oder ab; zuvor war der gesamte Seebereich und das Plagefenn ein Binnenentwässerungsgebiet. Bei Messungen im Jahr 1996 führte der Nettelgraben kein Wasser.
Klima und Hydromorphologie Klima