Der Burger BC 08 (offiziell: Burger Ballspielclub 08 e. V.) ist ein deutscher Sportverein aus der Kreisstadt Burg (bei Magdeburg) im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt. Heimstätte des Vereins ist das Stadion am Flickschupark (Parkstadion). Historisch trat der Club insbesondere in der direkten Nachkriegszeit sowie zu Zeiten der DDR überregional in Erscheinung, unter anderem durch die Teilnahme an der ersten Ostzonenmeisterschaft 1948, dem FDGB-Pokal Halbfinale 1949/50 sowie mehreren Spielzeiten in der zweitklassigen DDR-Liga und der drittklassigen II. DDR-Liga unter dem Namen BSG Einheit Burg.

Geschichte

Gründung und Vorkriegszeit (1908–1945) Der Burger Ballspielclub wurde am 7. Januar 1908 unter dem Namen Burger Ballspielclub 08 – Hohenzollern im Burger Restaurant „Adolf Chemnitz“ gegründet. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte 1919 eine Namensänderung in Burger Ballspiel Club 08. In den Anfangsjahren spielte der Verein auf verschiedenen Plätzen, bis am 1. Oktober 1923 ein Pachtvertrag mit der lokalen Feldschlösschenbrauerei über ein Fußballfeld abgeschlossen wurde. Am 4. Mai 1925 konnte schließlich die neue Sportanlage am Flickschupark mit einem Freundschaftsspiel gegen die Freien Turner aus Aschersleben eingeweiht werden. 1921 trat der BBC 08 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB) über und spielte somit in den Spielklassen des organisierten Arbeiterfußballs. Ende 1929 verließ der Verein den ATSB wieder.Rolf Frommhagen: Die andere Nationalmannschaft. Bundesauswahl der deutschen Arbeitersportler 1924-1932. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2011, S. 224 f.

Sportlich agierte der Verein ab Ende 1930 in der 1b-Klasse. Ein Aufstieg in die höchste Spielklasse gelang in dieser Zeit nicht, da die Burger wiederholt den zweiten Platz belegten. Der Verein wuchs dennoch stetig: 1932 wurde die Sportanlage ausgebaut und unter anderem für die Deutsche Feldhandball-Meisterschaft genutzt. Im Jahr 1933 zählte der Verein rund 600 Mitglieder. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde in der Saison 1939/40 ein eigenes Sportlerheim am Flickschupark errichtet. Bis zu seiner Auflösung im Jahr 1945 konnte der Verein jedoch keine überregionalen sportlichen Erfolge verzeichnen.

Nachkriegszeit und DDR-Ära (1945–1990)

SG Sportfreunde Burg Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verein 1945 zunächst als SG Burg neu gegründet. Ende 1948 erfolgte eine Umbenennung in SG Sportfreunde Burg.

In der Spielzeit 1947/48 feierte der Verein seinen bis dahin größten Erfolg: Als Meister des Gebiets Magdeburg zog die Mannschaft in die sachsen-anhaltische Endrunde zur Qualifikation für die erste Fußball-Ostzonenmeisterschaft ein. Durch einen 4:2-Sieg im Viertelfinale gegen die SG Salzwedel-Ost (in Stendal) und einen 3:0-Erfolg im Halbfinale gegen die SG Bernburg-Süd (in Schönebeck) wurde der Verein in der Saison 1947/48 Meister in der Landesklasse Sachsen-Anhalt (Gebiet Magdeburg) und qualifizierten sich so gemeinsam mit der SG Freiimfelde Halle für die erste Ostzonenmeisterschaft 1948. Nach einem Sieg in der Qualifikationsrunde gegen die SG Sömmerda schieden die Burger jedoch im Viertelfinale gegen den Meeraner SV aus. +LigaSaisonPlatzPunkteToreNameLandesklasse Sachsen-Anhalt (Gebiet Magdeburg)1947/48MeisterSG Sportfreunde BurgLandesklasse Sachsen-Anhalt (Staffel 1)1948/49420:1640:26

ZSG Burg Im Juli 1949 schlossen sich in Burg mehrere Betriebssportgruppen (BSG) zu einer Zentralsportgemeinschaft (ZSG) zusammen, wodurch der Verein fortan als ZSG Burg antrat. Zu diesem Zeitpunkt war der Verein ein breit aufgestellter Mehrspartensportverein mit 14 Abteilungen.

Außerdem qualifizierten sich die Burger in der Saison 1949/50 für den zweiten FDGB-Pokal. Hier erreichte der Verein überraschend das Halbfinale, welches jedoch mit 4:1 gegen die BSG KWU Erfurt verloren ging. Dennoch konnte man sich vorher im Achtelfinale mit 4:1 (n. V.) gegen SG Deutsche Volkspolizei Schwerin und im Viertelfinale mit 4:3 gegen ZSG Union Halle durchsetzen und sorgte so für eine absolute Sensation. Zum gefeierten Burger Helden wurde am 23. August 1950 der 27-jährige Georg Morawitz, welcher mit 3 Toren maßgeblich am Überraschungssieg gegen den Oberligisten und vorjährigen Ostzonenmeister beteiligt war. +LigaSaisonPlatzPunkteToreNameLandesklasse Sachsen-Anhalt (Staffel Nord)1949/50234:1057:26ZSG Burg Ende 1950 wurde die ZSG im Zuge der Reorganisation des DDR-Sportsystems als Teil der zentralen Sportvereinigung Einheit in die BSG Einheit Burg umgewandelt.

BSG Einheit Burg links|rahmenlos|153x153px|BSG Einheit Burg (Historisches Logo) alternativtext=Historisches Logo der "BSG Einheit Burg"|rechts|rahmenlos|197x197px Im selben Jahr (1950) gelang der BSG Einheit der Aufstieg in die zweitklassige DDR-Liga. Insgesamt gehörte der Verein dieser Spielklasse drei Spielzeiten an, bevor die Burger 1953 gemeinsam mit dem Adlershofer BC und der SG Dynamo Rostock in die Bezirksliga absteigen mussten.

In der Übergangsrunde 1955, die zur Angleichung der Spielzeiten an das Kalenderjahr eingeführt wurde, sicherte sich die Mannschaft den Sieg in der Bezirksliga Magdeburg und wurde so inoffizieller Bezirksmeister. Sie erhielten für diesen Erfolg in der Übergangssaison jedoch kein Aufstiegsrecht.

In der regulären Saison 1957 feierte die BSG Einheit Burg schließlich den offiziellen Gewinn der Bezirksmeisterschaft. Mit diesem Titelgewinn stiegen die Burger 1958 als Bezirksmeister in die II. DDR-Liga auf. Zudem machte der Verein im FDGB-Pokal auf sich aufmerksam, indem man in der dritten Hauptrunde am 18. August 1957 erst nach Verlängerung mit 2:4 gegen den SC Lokomotive Leipzig ausschied. Vorher hatte man sich gegen BSG Chemie Greppin (5:0), BSG Fortschritt Neustadt-Glewe (1:2), BSG Lokomotive Lichtenberg (2:0) und TuS Motor Neustadt (1:3) durchgesetzt.

In der Saison 1959 feierte die Mannschaft mit der Vizemeisterschaft in ihrer Staffel (nur knapp hinter der HSG Wissenschaft Halle) ihren größten Erfolg in dieser Liga. In der Folgesaison 1960 musste Einheit Burg jedoch erneut den Weg zurück in die Bezirksliga antreten. Die Rückkehr in die Drittklassigkeit gelang jedoch postwendend in der wegen einer erneuten Spielplanumstellung überlangen Saison 1961/62 (33 Spieltage): Als souveräner Sieger der Staffel 2 setzte sich Burg in den Finalspielen um die Bezirksmeisterschaft gegen den Sieger der Staffel 1, die BSG Chemie Schönebeck, nach einem 2:2 im Heimspiel durch einen 3:2-Auswärtssieg durch.

In der darauffolgenden Spielzeit 1962/63 belegte die Mannschaft den neunten Platz in Staffel 3 der II. DDR-Liga. Da diese Spielklasse im Zuge einer Ligareform jedoch im Sommer 1963 komplett aufgelöst wurde, traten die Burger ab der Saison 1963/64 nun wieder in der drittklassigen Bezirksliga Magdeburg an. +LigaSaisonPlatzPunkteToreNameDDR-Liga (Staffel Nord)1950/51326:1055:25BSG Einheit BurgDDR-Liga (Staffel 2)1951/52919:2529:53DDR-Liga (Staffel 2)1952/53137:4128:69Bezirksliga Magdeburg1953/54229:1549:26Bezirksliga Magdeburg1954/55232:1258:24Bezirksliga Magdeburg (Übergangsrunde)1955118:634:17Bezirksliga Magdeburg1956330:1856:28Bezirksliga Magdeburg1957141:1176:35II. DDR-Liga (Staffel 3)1958434:1859:42II. DDR-Liga (Staffel 3)1959235:1763:33II. DDR-Liga (Staffel 3)19601221:3137:42Bezirksliga Magdeburg (Staffel 2)1961/62146:20102:35II. DDR-Liga (Staffel 3)1962/63923:2953:55 Bis zur politischen Wende spielte Einheit Burg anschließend ausnahmslos im regionalen Bereich des Bezirks Magdeburg.

In der Saison 1964/65 krönte sich die BSG Einheit Burg unter Trainer Paul Richter als überlegener Tabellenerster (mit 24 Siegen aus 30 Spielen) zum erneuten Bezirksmeister. In der anschließenden, stark besetzten Aufstiegsrunde zur zweitklassigen DDR-Liga (unter anderem gegen Motor Hennigsdorf und Chemie Buna Schkopau) belegten die Burger in ihrer Gruppe jedoch nur den fünften Platz und verpassten so den Aufstieg. +LigaSaisonPlatzPunkteToreNameBezirksliga Magdeburg1963/64242:1895:48BSG Einheit BurgBezirksliga Magdeburg1964/65153:785:28Bezirksliga Magdeburg1965/66535:2563:46Bezirksliga Magdeburg1966/67343:1775:44Bezirksliga Magdeburg1967/68437:2355:36Bezirksliga Magdeburg1968/69437:2357:55Bezirksliga Magdeburg1969/70240:2042:29Bezirksliga Magdeburg1970/71831:2954:42Bezirksliga Magdeburg1971/721029:3135:39Bezirksliga Magdeburg1972/73831:2949:42Bezirksliga Magdeburg1973/741026:3442:50Bezirksliga Magdeburg1974/7582846:48Bezirksliga Magdeburg1975/7614Bezirksliga Magdeburg1976/7715Bezirksklasse Magdeburg (Staffel 4)1977/783Bezirksliga Magdeburg1979/8011Bezirksliga Magdeburg1981/827

Nachwendezeit und erste Erfolge im Amateurfußball (1990–2001) Nach der friedlichen Revolution in der DDR und der deutschen Wiedervereinigung bildete der Verein zunächst eine kurzzeitige Spielgemeinschaft (Einheit/Empor Burg), bevor er am 29. November 1990 unter seinem historischen Namen Burger Ballspielclub 08 neu gegründet wurde. In der Übergangssaison 1990/91 trat die Mannschaft in der neu geschaffenen Landesliga Sachsen-Anhalt (Staffel Nord) an.

In den 1990er-Jahren erlebte der neu formierte Verein eine kleine sportliche Blütezeit: Mit dem Gewinn der Meisterschaft in der Landesliga Sachsen-Anhalt (Staffel Nord) 1993/94 stieg der BBC 08 erstmals in die 1990 neu geschaffene Verbandsliga Sachsen-Anhalt auf. Der somit höchsten Spielklasse des Bundeslandes Sachsen-Anhalt gehörte der Verein in der Folge durchgehend sieben Spielzeiten (1994/95 bis 2000/01) an. +LigaSaisonPlatzPunkteToreName Landesliga Sachsen-Anhalt (Staffel Nord)1990/915Burger BC 08 Landesliga Sachsen-Anhalt (Staffel Nord)1991/9223966:41 Landesliga Sachsen-Anhalt (Staffel Nord)1992/9353550:38 Landesliga Sachsen-Anhalt (Staffel Nord)1993/9414145:22Verbandsliga Sachsen-Anhalt1994/9533048:39Verbandsliga Sachsen-Anhalt1995/96104144:56Verbandsliga Sachsen-Anhalt1996/9784556:69Verbandsliga Sachsen-Anhalt1997/98143457:79Verbandsliga Sachsen-Anhalt1998/99143253:92Verbandsliga Sachsen-Anhalt1999/2000114661:67Verbandsliga Sachsen-Anhalt2000/20001162327:99

Sportlicher Tiefpunkt und drohende Insolvenz (2001–2024) Nach dem Abstieg aus der Verbandsliga im Jahr 2001 folgte ein langanhaltender sportlicher Abwärtstrend. Die Ursachen hierfür lagen maßgeblich in den wachsenden finanziellen und strukturellen Belastungen des Vereins. Der BBC 08 hatte in den 1990er-Jahren das weitläufige Sportgelände am Flickschupark durch Erbbaurecht von der Stadt Burg übernommen und war fortan weitestgehend allein für den kostenintensiven Unterhalt der in die Jahre gekommenen Anlage verantwortlich. Seinen sportliche Tiefpunkt fand diese Entwicklung in der Saison 2008/09 mit dem Absturz in die neuntklassige Kreisoberliga Jerichower Land.

Mit dem sofortigen Gewinn der Kreismeisterschaft 2009 begann zwar die sportliche Rückkehr, doch im Hintergrund wuchsen die finanziellen Sorgen. Der Verein hatte 2007/08 als Bauherr eine neue Zweifeld-Sporthalle auf dem Gelände errichtet und dafür einen Kredit von über 350.000 Euro aufgenommen. Da die vertraglich vereinbarten Zuschüsse des Landkreises für die Nutzung durch den Schulsport bald nicht mehr mit den rasant steigenden Betriebs- und Energiekosten Schritt hielten, erwirtschaftete der Verein ein jährliches strukturelles Defizit. Gleichzeitig wuchs der Investitionsstau auf der restlichen Vereinsanlage auf über eine Million Euro an.