mini|Lindschieds Dorflinde (im Hintergrund das alte Feuerwehrhaus mit Schlauchturm)

Lindschied ist ein Stadtteil der Stadt Bad Schwalbach im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis.

Geographie Lindschied ist ein kleiner Ort etwa 20 km nordwestlich von Wiesbaden. Er liegt in 382 Meter Höhe im Taunus oberhalb der Aar.

Geschichte Bis zum 18. Jahrhundert Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Lindschied erfolgte unter dem Namen Lindenscheid um das Jahr 1200. Wie alle Stadtteile Bad Schwalbachs gehörte es zu den, schon seit dem 10. Jh. bekannten, 15 „Überhöh’schen Dörfern“. Überlieferungen zufolge schenkte Kaiser Otto II. das Dorf dem damaligen Mainzer Erzbischof.

Es gibt viele Hinweise darauf, dass das Dorf wesentlich älter ist und in der sogenannten „dritten fränkischen Besiedlungsphase“, die vom 6. bis 11. Jahrhundert andauerte, gegründet wurde. Da aber aus dieser Zeit keinerlei Aufzeichnungen existieren, lässt sich das genaue Datum der Entstehung nicht nachvollziehen und daher nur auf etwa das Jahr 800 n. Chr. mutmaßen. Allerdings ist bekannt, dass der Obergermanische Limes am nördlichen Ortsrand um Lindschied verlief. Es lassen sich viele Überreste aus römischer Zeit finden. So zum Beispiel der so genannte Justinusfelsen, benannt nach Januarius Justinus, einem römischen Soldaten, der am Limes Wachtdienst leistete oder im nahe gelegenen Steinbruch arbeitete und sich mit einem Graffito in diesem Stein verewigte.

1355 trennte Graf Adolf von Nassau einen Teil der Lindschieder Gemarkung ab und ließ dort die Burg Adolfseck errichten, so entstand das gleichnamige Dorf. Die Gemarkung änderte sich über die Jahrhunderte nicht wesentlich, wie aus einem Weistum aus dem Jahre 1489 zu erfahren ist.

18. und 19. Jahrhundert Auch das Schulwesen war sehr ausgeprägt in Lindschied. So gab es ab 1816 in der ortseigenen Schule an der Hauptstraße Unterricht für Kinder und Jugendliche. Durch eine Schulreform im Jahre 1964 wurde diese Schule geschlossen und ist seitdem ein Wohnhaus.

Gegenwart mini|Bürgerhaus Lindschied und Feuerwehrhaus

Am 1. Januar 1977 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Lindschied, im Zuge der Gebietsreform in Hessen, kraft Landesgesetz nach Bad Schwalbach eingegliedert, dies stieß auf Unmut unter den Einwohnern. Wie für jeden Stadtteil außerhalb der Kernstadt wurde durch die Hauptsatzung auch für Lindschied ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Nach langen und zähen Verhandlungen konnten die Lindschieder endlich am 21. Mai 1992 den Grundstein für das lang ersehnte Bürgerhaus legen und am 5. Dezember 1992 die Einweihung feiern, in dem seither jährlich allerlei Feste und Veranstaltungen stattfinden. Auch durch die verschiedenen Vereine, wie der Freiwilligen Feuerwehr, dem Sportverein und dem Schützenverein, wird das Bürgerhaus regelmäßig genutzt. Besonderen Verdienst erwarb sich hierbei durch seine Zähigkeit und sein Durchhaltevermögen der damalige Ortsvorsteher Georg Harz, weshalb das Bürgerhaus von vielen Lindschiedern bis heute liebevoll „Harzburg“ genannt wird.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Lindschied angehört(e):

1530 und später: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Niedergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Hohenstein ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Hessen-Rheinfels, Niedergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Hohenstein ab 1583: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Niedergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Hohenstein ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niedergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Hohenstein 1806–1813: Kaiserreich Frankreich, Niedergrafschaft Katzenelnbogen (Pays réservé de Catzenellenbogen) ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Langen-Schwalbach ab 1849: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisamt Langen-SchwalbachAbtrennung der Justiz (Justizamt Lindschied) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Langenschwalbach ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, UntertaunuskreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Lindschied) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Untertaunuskreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Untertaunuskreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Untertaunuskreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Untertaunuskreis ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Regierungsbezirk Darmstadt, Rheingau-Taunus-Kreis, Stadt Bad Schwalbach

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lindschied 546 Einwohner. Darunter waren 21 (3,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 78 Einwohner unter 18 Jahren, 222 zwischen 18 und 49, 123 zwischen 50 und 64 und 120 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 225 Haushalten. Davon waren 54 Singlehaushalte, 78 Paare ohne Kinder und 69 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 54 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 138 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.

Einwohnerentwicklung 1587: 14 Hausgesesse

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon 1885: 75 evangelische (= 44,11 %), 95 katholische (= 55,88 %) Einwohner 1961: 237 evangelische (= 59,60 %), 154 katholische (= 38,79 %) Einwohner

Wappen und Hymne Das Lindschieder Wappen, ein schwarzer, auffliegender Hahn auf gelben Hintergrund, entstand im Jahre 1514. Auch das damalige Gericht, welches seinen Zuständigkeitsbereich bei den Leibeigenen (Huben, daher Hubengericht) der Dörfer Lindschied und Heimbach fand, tagte unter Lindschieds Dorflinde.

Als Beitrag zur feierlichen Einweihung des Bürgerhauses wurde im Jahr 1992 von der katholischen Pfadfindergruppe das „Lindschiedlied“ auf die Melodie des bekannten schottischen Volksliedes Auld Lang Syne getextet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Therapiezentrum Villa Lilly

Villa Lilly Oberhalb Lindschieds in Richtung Heimbach liegt das Anwesen Villa Lilly, welches vom Deutsch-Amerikaner Adolphus Busch (Gründer der Brauerei Anheuser-Busch) in den Jahren 1891 bis 1911 errichtet wurde. Dort integriert war ein Märchenpark, in dem die bekanntesten Märchen durch Figurengruppen dargestellt waren. In der Zeit des Dritten Reiches beherbergte das Anwesen ein Mütterheim, nach Kriegsende ein amerikanisches Soldatenheim. Ab 1949 zog das Heim für Volksbildung und Jugendpflege ein und von 1959 bis 1972 das deutsch-schweizerische Internat Albert-Schweitzer-Schule. 1961 wurde der Komplex vom Land Hessen gekauft und später für 15 Millionen Mark aufwendig renoviert. Das Gesamtanwesen wurde zwischenzeitlich unter anderem auch von Mitgliedern der Neuen Frankfurter Schule, gegründet unter anderem von Hans Traxler und Robert Gernhardt, bewohnt. Von diesen wurde in der Villa die erste Ausgabe der Satirezeitschrift Titanic geplant und entworfen. Die Gebäude stehen heute sämtlich unter Denkmalschutz. Seit 1987 wird das Anwesen als Drogentherapiezentrum des Landes Hessen genutzt.

Marienkirche mini|Lindschieds kleine Dorfkirche heute

In Lindschied reifte in den 1950er-Jahren der Plan zum Bau einer Kirche. Die 140 Katholiken in Lindschied hatten einen weiten, besonders im Winter schwierigen Kirchweg. Die Zahl der Kirchgänger war nach den beiden Weltkriegen stark zurückgegangen. Die Situation änderte sich, als im Jahre 1951 im Kinosaal des Hauses Schwalbach ein vierzehntäglicher Gottesdienst eingerichtet wurde. Auf die Dauer war auch das nur ein unbefriedigender Notbehelf. Nach langem Überlegen wurde im Frühjahr 1954 der Entschluss zum Bau einer Kirche gefasst. Es war ein gewagter Entschluss, wie die schweren Bedenken in der letzten Beratung mit den Lindschiedern bezeugten. Die Kosten des Baues wurden auf 40.000 DM geschätzt, von denen die 140 Lindschieder Katholiken nur einen Bruchteil aufbringen konnten. Vorhanden war nur der ideal gelegene Bauplatz der Schule gegenüber, den das Kirchenvorstandsmitglied Philipp Weis kostenlos zur Verfügung stellte. Das Bischöfliche Ordinariat lobte den Eifer der kleinen Gemeinde, konnte aber wegen anderer wichtiger Bauvorhaben keinen Zuschuss geben.

Der Wiesbadener Architekt Paul Johannbroer, der schon für mehrere weitere Kirchenbauten verantwortlich war, übernahm kostenlos die Planung und Bauführung. Die Zivilgemeinde stellte das Bauholz. Die Erdarbeiten wurden von den Lindschieder Katholiken in Selbsthilfe ausgeführt. Am 21. November wurde der Grundstein gelegt. Man hatte gehofft, noch vor Einbruch des Winters die Kirche im Rohbau fertigstellen zu können, aber eine früh einsetzende Frostperiode machte eine Unterbrechung der Arbeit nötig. Zudem waren auch die finanziellen Mittel erschöpft. Jedoch fanden sich Wohltäter, die beteiligten Firmen kamen der armen Gemeinde weitgehend entgegen, die meisten führten die Arbeiten kostenlos durch. Im Mai 1955 konnte das Richtfest gefeiert werden. Nun halfen die bischöfliche Behörde und der Bonifatiusverein, beeindruckt von der Leistung der armen Gemeinde, weiter. Am 19. August, dem Sonntag nach dem Fest Mariä Himmelfahrt, wurde die Marienkirche in Lindschied feierlich eingeweiht.

Das Gotteshaus bietet für 120 Gläubige Platz. Über dem Altar ragt ein königliches Kreuz, an der Seite ist eine Marienstatue angebracht. Kreuz und Schutzmantelmadonna sind beides Werke des Frankfurter Bildhauers Franz Bernhard. Im Herbst 1955 wurde auch eine Glocke in dem noch leeren offenen Glockenstuhl aufgehängt und ein elektrisches Läutwerk eingebaut. Ende der 1970er Jahre wurde eine Gerätehütte mit festem Fundament an die Kirche angebaut, diese wurde schon bald in einen Gemeinderaum mit einer Teeküche umgebaut.

Der Limes und Justinusfelsen Der Limes kommt von Kemel her über den Galgenkopf (früher Teil einer Bundeswehranlage) und trifft kurz hinter diesem auf die Gemarkungsgrenze von Lindschied. Er stößt hier auf die sehr alte Straße, die von Wiesbaden nach Bad Schwalbach über Lindschied nach Kemel und weiter bis nach St. Goar, Bad Ems und Koblenz führt. Er läuft dann fast parallel zu dieser Straße (Kemeler Weg) an den Wachtürmen 51,52 und 53 in Richtung Lindschied bis zum Silberberg, überquert den Hohensteiner Weg kurz hinter dem neuen Wasserhochbehälter, schlägt einen Bogen um Lindschied am alten Wasserbehälter vorbei, in Richtung Aussiedlerhof Diefenbach (Wachturm 54) überquert und kreuzt 2 Wirtschaftswege und läuft in östlicher Richtung auf den Waldrand zu (Wachturm 55), springt etwa 40 m zurück und mündet in einem großen Felsspalt.