Als Pentito (substantiviertes Partizip der Vergangenheit von ital. pentirsi „bereuen“; Plural: Pentiti) wird umgangssprachlich ein Mitglied der Mafia, insbesondere der Cosa Nostra oder La Cosa Nostra, bezeichnet, das sich nicht an die Omertà (Gesetz des Schweigens) hält. Die offizielle italienische Bezeichnung ist Collaboratore di giustizia (Mitarbeiter der Justiz).avvisopubblico.it

Dabei ist der Begriff des „Reuigen“ nicht immer wörtlich zu nehmen, da hinter den Aussagen auch häufig das Motiv steckt, sich selbst Vorteile (u. a. Straferleichterungen) zu verschaffen oder internen Feinden (zum Teil nachträglich) zu schaden; siehe hierzu beispielsweise Salvatore Contorno oder Tommaso Buscetta.

Chronologie der bekanntesten Pentiti George Weinberg George Weinberg war der Bruder des bekannteren Abraham „Bo“ Weinberg, der 1935 spurlos verschwand und von Dutch Schultz umgebracht worden war. Er soll deshalb ein Informant der Regierung geworden sein. Am 29. Januar 1939 brachte er in einer sicheren Unterkunft die Waffe eines ihn beschützenden Beamten an sich und erschoss sich. Auch als Mitglied der Kosher Nostra musste Weinberg offenbar die Folgen seiner Aussagebereitschaft fürchten.

Abe Reles und Albert Tannenbaum Als lediglich Assoziierte der US-amerikanischen Mafia und Mitglieder der Murder, Inc. waren die Kosher Nostras Abe Reles und Albert Tannenbaum zwar keine Mitglieder der La Cosa Nostra, aber als deren Killer ebenso der Schweigepflicht unterworfen.

Reles wurde 1940 verhaftet, sagte angesichts der drohenden Todesstrafe aus und belastete seinen Boss Louis Buchalter. Da er auch seinen Partner und Komplizen Tannenbaum belastete, entschloss sich dieser, ebenfalls auszusagen. Buchalter wurde daraufhin verhaftet und 1944 hingerichtet. Reles starb durch einen rätselhaften Fenstersturz 1941. 1950 sagte Tannenbaum im Prozess gegen Jack Parisi aus. Er hielt sich im Ausland auf, durfte nur einmal pro Jahr amerikanischen Boden betreten und starb 1976. Auf Grund des Todes von Reles scheiterten die Ermittlungen gegen Albert Anastasia, da Reles der einzige Kronzeuge der Anklage von Thomas E. Dewey gewesen war.

Frank Nitti Frank Nitti beging am 19. März 1943 Suizid. Damit kam er der Ermordung auf Anordnung durch Paul Ricca zuvor. Nitti war am Vortag bei einem Treffen in seinem Haus als offizieller Boss abgesetzt worden, da seine öffentliche Aufmerksamkeit nunmehr als Belastung für das Chicago Outfit gesehen wurde, da 1943 die Unterwanderung von Hollywood aufgeflogen war. Nitti selbst war bereits zu einer öffentlichen Anhörung vorgeladen. Eine langjährige Haftstrafe drohte, aber durch eine Krebserkrankung hätte Nitti eigentlich nichts mehr zu verlieren gehabt. Als langjähriger „Enforcer“ musste Nitti annehmen, dass Ricca nicht das Risiko eingehen würde, dass die US-Justiz ihn zu einem Informanten machen könnte. Eine Ermordung erschien deshalb vielen plausibler als der erwiesene Suizid, obwohl glaubwürdige Augenzeugenberichte vorlagen.

Doris Lehman Auch für Ehefrauen der Mafiosi gilt die Schweigepflicht. Die erste Frau von Michael „Trigger Mike“ Coppola, Doris Lehman, verriet ihn nach drei Jahren wegen des Mordes an dem Politiker Joseph Scottoriggio an die Polizei und wurde 1948 von ihm selbst ermordet. Dieser Reputationsverlust kostete ihn offensichtlich sein Monopol über die Straßenlotterie in New York City, das an Anthony Salerno fiel.

Willie Moretti Willie Moretti war zwar kein Verräter im engeren Sinn, aber er hatte vor dem Ausschuss des Senats, der von Senator Estes Kefauver geleitet wurde, am 13. Dezember 1950 in Washington die Existenz der US-amerikanischen Mafia zugegeben. Sein Bekenntnis schürte Befürchtungen unter den Bossen nach weitergehenden Aussagen, was zu seiner Ermordung am 4. Oktober 1951 führte.

Alphonse Attardi Auch andere US-amerikanische Ermittlungsbehörden profitieren von den Informationen der Abtrünnigen. 1952 machte das Finanzministerium der Vereinigten Staaten (United States Department of the Treasury) dem Assoziierten Alphonse Attardi ein Angebot, ihr Informant zu werden, um es verdeckten Ermittlern leichter zu machen, in die verdeckten Netze des Drogenhandels eindringen zu können. Attardi erhielt für seine erfolgreiche Hilfe eine Belohnung von 5.000 US-Dollar, verließ das Land und gab später unter Pseudonym einer Zeitschrift sogar ein Interview über seine Zeit als Drogenhändler.

Eugenio Giannini Am 20. September 1952 wurde Eugenio Giannini auf offener Straße in Harlem niedergeschossen. Lucky Luciano hatte herausgefunden, dass Giannini ein Spitzel des Federal Bureau of Narcotics (FBN) war. Giannini hatte sich verraten, als er in italienischer Haft in Neapel die Hilfe des FBN benötigte und dieses Luciano, der Giannini 1942 im Gefängnis kennengelernt hatte, bekannt wurde.

Stephen Franse Stephen Franse wurde am 19. Juni 1953 zu Tode stranguliert, weil er in Verdacht stand, ein Informant der Polizei zu sein. Tatort war der Nachtclub Green Village im gleichnamigen Stadtteil von New York City, Täter der Betreiber Joe Valachi, der 1963 selbst ein Informant der Regierung werden sollte. auf www.angelfire.com (englisch)

Abner Zwillman Abner Zwillman, der „Al Capone von New Jersey“, sollte 1959 vor dem „McClellan“-Ausschuss des Senats aussagen und hatte bereits eine Vorladung erhalten. Am 27. Februar 1959 wurde er jedoch erhängt aufgefunden. Seine Handgelenke wiesen Spuren auf, die eine Fesselung nahelegten. Deshalb ging die Polizei von einem Mord aus. Einige Spekulationen sehen Vito Genovese als Auftraggeber des Mordes, andere glauben, Meyer Lansky habe letztlich den Mord angeordnet, weil er befürchtete, der in die Jahre gekommene Zwillman habe beschlossen, ein Informant der Regierung zu werden.

Rosa Messina Die 54-jährige Witwe hatte bereits 1957 ihren Mann und später zwei ihrer Söhne in internen Mafiakämpfen verloren. Als am 18. Januar 1961 ihr 13-jähriger Sohn Paolino ermordet wurde, fühlte sich die Witwe nicht mehr an die Schweigepflicht gebunden, da mit der Ermordung ein anderes ungeschriebenes Gesetz verletzt worden war, das anordnete, männliche Mitglieder unter 16 Jahren zu verschonen. Von den 30 Angeklagten wurden jedoch 29 freigesprochen, einer zu drei Jahren verurteilt.

Ann Coppola Nach der ersten Ehefrau Doris Lehman wandte sich auch die zweite Ehefrau von Michael „Trigger Mike“ Coppola – Ann Coppola – an die Behörden, floh nach Europa und beging dort Selbstmord. Michael Coppola wurde 1962 zu vier Jahren verurteilt und starb 1966 in einem Krankenhaus in Boston.

Conny Rastelli Conny Rastelli war die Ehefrau von Philip Rastelli, dem Boss der Bonanno-Familie. Sie betrieb in Brooklyn eine illegale Abtreibungspraxis. Nachdem sie von einem Verhältnis Rastellis zu einer anderen Frau erfahren hatte, drohte sie damit, ihre Kenntnisse über die Geschäfte ihres Mannes an die Behörden weiterzugeben, wenn sie im Zuge einer Scheidungsvereinbarung keine angemessene Abfindung erhalten sollte. Daraufhin wurde sie 1962 erschossen aufgefunden.

Floyd Hayes Floyd Hayes war Präsident des „Local 41“ der US-amerikanischen Teamsters-Gewerkschaft. 1962 gelang es dem FBI, Hayes eine Unterschlagung von 200.000 US-Dollar nachzuweisen und ihn damit als Kronzeugen zu gewinnen. Vier Tage dauerte die Befragung in einem Hotelzimmer, die sich um Roy Lee Williams, Jimmy Hoffa, die La Cosa Nostra und Teamsters drehte. Auch ein hoher Zaun mit Flutlicht und Wachhunden konnten Hayes danach aber nicht vor den Folgen seiner Aussage schützen. Im Juni 1964 wurde er auf einem Parkplatz erschossen und seine Frau verwundet. Letzteres galt als zusätzliche Warnung an potentielle zukünftige FBI-Kronzeugen. Williams wurde umgehend dessen Nachfolger als Präsident im „Local 41“ der Teamsters; hatte aber die Warnung offensichtlich verstanden und stand seitdem unter vollständiger Kontrolle von Nick Civella, dem Boss der Mafia in Kansas City. Als Williams 1962 in den neu gegründeten Central States Pension Fund als Verwalter und Treuhänder eingesetzt worden war, stand dieser für Civella und andere Mobster weit offen, die daraus insbesondere Kasinos in Las Vegas finanzierten.

Joe Valachi Der erste hochrangige Pentito, der die Existenz der „La Cosa Nostra“ öffentlich zugab, war Joe Valachi. Dies geschah im Rahmen einer Anhörung des McClellan-Committee, einem Untersuchungsausschuss des Kongresses der Vereinigten Staaten, im Oktober 1963. Auch der Begriff „La Cosa Nostra“ (it.: „Unsere Sache“), wurde erstmals öffentlich genannt und damit bekannt.„Their Thing“ auf www.time.com (englisch)

Joseph Barboza Seit 1962 hörte das FBI das „Office“ der Patriarca-Familie in Boston ab. Am 6. Oktober 1966 wurde der „enforcer“ Joseph „Das Tier“ Barboza verhaftet. Diese Verhaftung führte zu einer Kettenreaktion, bei der Barboza letztlich zum Pentito wurde. 1968 konnte Enrico Tameleo, Boss des „Office“, zum Tode verurteilt werden; Raymond Patriarca, das Oberhaupt des Clans, erhielt wegen Anstiftung zum Mord fünf Jahre Gefängnis.

Vincent Teresa Vincent Teresa war ein Unterboss in der Patriarca-Familie aus Boston. Nach der Verhaftung von Joseph Barboza 1966 und der Verurteilung von Enrico Tameleo und Raymond Patriarca 1968 wurde 1969 Teresa ebenfalls verhaftet und zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Er folgte dem Beispiel von Barboza, den er ursprünglich im Auftrag von Patricia ermorden sollte, und wurde einer der begehrtesten Kronzeugen der US-amerikanischen Justizgeschichte.

Unter anderem sagte er 1973 im Prozess gegen Meyer Lansky aus. Dies war der letzte Versuch der US-Justiz, Lansky gerichtlich zu belangen. Die Anklage schlug fehl, da die Jury sich uneinig über die Glaubwürdigkeit des Berufsverbrechers Teresa war. Lansky wurde freigesprochen.

Michele Cavataio Auch die Anfertigung schriftlicher Belege kann als Bruch der Omertà gewertet werden; so wurde 1969 der Tod von Michele Cavataio u. a. auch deshalb beschlossen, weil er die Clans von Palermo und deren wichtigste Vertreter auf einem Lageplan verzeichnet hatte.

Leonardo Vitale 1973 suchte Leonardo Vitale (1941–1984) eine Polizeistation in Palermo auf und gab sich als Mitglied der Mafia zu erkennen. Auf Grund seines autoaggressiven Verhaltens konnten die Verteidiger der durch ihn Beschuldigten seine Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen, und lediglich er und sein Onkel wurden inhaftiert. Die meiste Zeit bis zu seinem Tode verbrachte Vitale dann in einer psychiatrischen Klinik. 1984 wurde er von der Cosa Nostra ermordet.

Sam Giancana 1975 befasste sich der vom Demokraten Frank Church geleitete „Sonderausschuss des US-Senats zur Untersuchung des Regierungshandelns mit Bezug zu Aktivitäten der Nachrichtendienste“ insbesondere mit der Verbindung von Politik und Verbrechen. Als Sam Giancana eine Vorladung vor dieses – auch Church Committee genannte – Gremium erhielt, wurde der ehemalige Boss des Chicago Outfit am 19. Juni 1975 ermordet, bevor er seinem Ladungstermin nachkommen konnte. Insbesondere sein ehemaliger Freund Joseph Aiuppa soll befürchtet haben, dass der ausgebootete Giancana die bevorstehende Anhörung nutzen würde, um interne Kenntnisse zu offenbaren.

Allen Glick und Tamara Rand Am 9. November 1975 wurde Tamara Rand in der Küche ihres Hauses in Mission Hills ermordet. Rand hatte Mittel aus dem Central States Pension Fund der Gewerkschaft der Teamsters erhalten und war nun offenbar bereit, vor den Behörden auszusagen. Eine Woche vorher hatte sie mit Allen Glick einen Streit; unklar ist, ob sie Glick einen 2-Mio.-US-Dollar-„Kick-back“ (am.: illegale Geldzahlung, die „unterm Tisch“ geleistet wird) oder sogar die Rückzahlung des gesamten Kredites verweigerte. Glick informierte Joseph Aiuppa vom Chicago Outfit über die Aussagebereitschaft von Rand und dieser gab den Mordbefehl.