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Gadebusch ist eine Kleinstadt im Landkreis Nordwestmecklenburg, Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Gadebusch, dem weitere sieben Gemeinden angehören. Der Ort ist ein Grundzentrum., Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015.

Geographie

Die Stadt liegt nördlich des Quellgebietes der Radegast, die über die Stepenitz und Trave in die Ostsee fließt. Sie befindet sich auf halbem Wege zwischen Lübeck und Schwerin und ist Teil der Metropolregion Hamburg.

Im Gebiet der Stadt gibt es zwei Seen: direkt östlich des Stadtkerns den Burgsee mit einer Größe von fünf Hektar und den Neddersee nördlich der Stadt und nordwestlich des Ortes Güstow. Der Neddersee hat eine Größe von 32 Hektar, liegt auf einer Höhe von 27 Meter über NHN und wird von der Radegast durchflossen. Die Niederung der Radegast ist der tiefste Punkt des Stadtgebietes, der höchste liegt mit 76,5 Meter über NHN westlich des Ortes Möllin an der Stadtgrenze zwischen dem Galgen- und dem Schäferberg. Direkt östlich des Stadtkerns von Gadebusch liegt ein 120 Hektar großes Mischwaldgebiet, das als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Wedendorfersee, Veelböken, Dragun, Lützow, Pokrent, Krembz, Roggendorf und Holdorf.

Stadtgliederung Zu Gadebusch gehören die Ortsteile§ 2 der Hauptsatzung der Stadt Gadebusch

Weiterhin existieren die Siedlungen An der Flöte, Bauhof, Güstow Werder, Jarmstorf, Klein Hundorf und Neu Güstow innerhalb des Stadtgebiets.

Die ehemaligen Ortsteile Jarmstorf und Amts Bauhof sind in der Kernstadt aufgegangen. Dorf Ganzow und Hof Ganzow sind seit 1970 Ortsteile der Stadt Gadebusch.

Geschichte mini|Matthäus Merian: Stadtansicht von 1653

Name Der Name wird als Landschaftsbezeichnung provincia Godebuz erstmalsOb eine Ausstattungsurkunde des Inhaltes von MUB I, Nr. 59 books.google.de mit Datierung 1154 jemals existiert hat, ist ungeklärt. Die Erwähnung des Landschaftsnamens dort ist auf die in Ermangelung einer Urkunde erfolgte Wiedergabe der Einleitung des Ratzeburger Zehntregisters von 1230 zurückzuführen. Die auf 1167 datierte Urkunde MUB I, 88 books.google.de ist eine Fälschung aus dem 13. Jahrhundert (Nachweise hierzu bei Karl Jordan: Die Bistumsgründungen Heinrichs des Löwen. Untersuchungen zur Geschichte der ostdeutschen Kolonisation. Leipzig 1939, Seite 30) im Isfriedschen Teilungsvertrag von 1194 erwähnt, als Ortsname soll Godebuz dann 1210 verwendet worden sein.Die Urkunde ist nicht erhalten, Inhalt und Datierung sind in MUB I, Nr. 192 books.google.de aus den Schwerinschen Stiftsbriefen von 1603 rekonstruiert Dieser Ortsname findet sich auch im Stadtsiegel von 1225. Gleichzeitig tritt auch die Schreibweise Chotebuz auf. Der Name veränderte sich in Godebusch (1358) und schließlich in Gadebusch (1514). Der altpolabische Ortsname Chotĕbuz bedeutet Ort des Chotĕbud (Personenname)Ernst Eichler, Werner Mühlner: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo-Koch-Verlag, Rostock 2002, S. 65. Vergleichbar ist der Ortsname Cottbus, niedersorbisch Chóśebuz (zu Beginn des 13. Jh. Erwähnung als Chotebuz).

Mittelalter Als erste Siedlung soll sich bei Gadebusch bereits im 8. Jahrhundert ein abodritischer Burgwall befunden haben, neben dem ein Dorf entstand. Beide lagen strategisch günstig auf einem Hügel in einem Sumpf- und Seengebiet. Anfang des 12. Jahrhunderts gehörte Gadebusch zum Gebiet des abodritischen Teilstammes der Polaben. 1142 belehnte Heinrich der Löwe den sächsischen Grafen Heinrich von Badewide mit dem Land der Polaben, das nach ihrem Hauptort bald als Grafschaft Ratzeburg bezeichnet wurde. An den kulturellen, wirtschaftlichen und religiösen Traditionen der Wenden änderte sich dadurch zunächst nichts. Erst im Zuge des Slawenkreuzzuges dürfte die slawische Burganlage in Gadebusch zerstört worden und anschließend eine kleine deutsche Ansiedlung als Grenzstation zum benachbarten Gebiet der Abodriten entstanden sein. Diese wurde im Herbst 1158 durch ein abodritisches Aufgebot unter Pribislaw und Wertislaw eingeäschert,Hans-Otto Gaethke: Herzog Heinrich der Löwe und die Slawen nordöstlich der unteren Elbe. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1999, ISBN 3-631-34652-2 (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte. 24), (Zugleich: Kiel, Univ., Diss., 1998), S. 173. die mit dem erfolgreichen Überfall ihren in Lüneburg von Heinrich dem Löwen eingekerkerten Vater Niklot freipressten.Helmold, Slawenchronik Band I, Kapitel 98: Non recogitas, quod pater noster Niclotus cum Lunenburg teneretur in custodia. Im Jahr 1225 starb hier Nikolaus II., Herr zu Gadebusch durch einen Sturz von der Burg. Der Ort wurde im 12. Jahrhundert deutsch besiedelt, ebenso die beiden Ortsteile Ganzow und Möllin, die als Ganzowe und Malin im Isfriedschen Teilungsvertrag angeführt sind. Die Lage am Fernhandelsweg Schwerin-Lübeck begünstigte die weitere Entwicklung. Bereits im Jahr 1225 erhielt Gadebusch Stadtrechte (civis) nach Lübischem Recht verliehen und ist damit eine der ältesten Städte Mecklenburgs. Im Jahr 1201 fiel die Stadt an den Fürsten von Mecklenburg. 1220 wurde mit dem Bau der spätromanischen Backsteinkirche St. Jakob begonnen. Burgvogt war um 1227 der Ritter Detlef von Gadebusch. Die Parochie Gadebusch mit den damals zu ihr gehörenden Ortschaften wird 1230 im Ratzeburger Zehntregister erwähnt, welches die damals zum Bistum Ratzeburg gehörenden Ortschaften geordnet nach Kirchspielen auflistet. Das Rathaus entstand ab 1340.

16. bis 18. Jahrhundert mini|Münzschlägerdenkmal auf der Rückseite des Rathauses mini|Kupferdreier z. Zt. Adolf Friedrich I. geprägt in Gadebusch mini|Wertseite des Kupferdreiers von 1622 aus Gadebusch

Von Beginn an hatte Gadebusch auch das Münzrecht. Besondere Bedeutung hatte die Gadebuscher Münze im 16. und 17. Jahrhundert.

Von 1570 bis ca. 1620 war Gadebusch eine Residenz der Administratoren zu Ratzeburg, obwohl die Stadt nicht zu deren weltlichem Territorium gehörte. Schloss Gadebusch wurde anstelle der bereits bestehenden Burg aus dem 12. Jahrhundert im 16. Jahrhundert erbaut. Das erhaltene Hauptgebäude für den Administrator Christoph von Mecklenburg stammt von 1571. Das Rathaus wurde 1618 weitgehend erneuert. Gadebusch war eine Landstadt in Mecklenburg und bis 1918 als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten.

Im Großen Nordischen Krieg trafen 1712 Dänemark und Schweden in der Schlacht bei Gadebusch (auch Schlacht von Wakenstädt) aufeinander.

Hexenprozesse

In Gadebusch wurden in den Hexenverfolgungen laut einem Auszug aus dem Hexenmuseum Penzlin 37 Menschen in Hexenprozessen angeklagt, verurteilt und sogar hingerichtet. So wurde 1648 Margarete Saß auf dem Scheiterhaufen hingerichtet, ihre Schwester erlitt das gleiche Schicksal. Eine ebenfalls der Hexerei bezichtigte Frau aus der Stadt, Grete Langhof, zog den Feuerqualen den Freitod vor, erwürgte sich 1667 im Kerker.

Die Stadtvertretung von Gadebusch hat am 14. Dezember 2015 die Opfer der Hexenverfolgung/Hexenprozesse rehabilitiert.Die Stadtvertretung von Gadebusch hat am 14. Dezember 2015 die Opfer der Hexenverfolgung/Hexenprozesse rehabilitiert.

Neuere Geschichte Von den Gadebuscher Juden lebte im Februar 1942 noch eine Frau in der Stadt, die Witwe eines Nichtjuden und Mutter eines 1939 gefallenen Soldaten. Sie wurde 1944 ins KZ Theresienstadt gebracht und dort 1945 befreit.Bernd Kasten: Verfolgung und Deportation der Juden in Mecklenburg 1938–1945. Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.), Schwerin 2008, S. 33, ISBN 978-3-940207-16-6 Der Zweite Weltkrieg verlief für die übrige Bevölkerung glimpflich. Es fielen lediglich zwei Bomben, ohne nennenswerte Schäden anzurichten. Als am 2. Mai 1945 die British Army auf dem Weg nach Lübeck Gadebusch passierte, kam es zu einem Scharmützel. Am 13. November 1945 wurde in Gadebusch das Barber-Ljaschtschenko-Abkommen zur Grenzbereinigung zwischen Mecklenburg und Schleswig-Holstein unterzeichnet.

Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Amts Bauhof, Buchholz bei Gadebusch, Güstow, Möllin und Wakenstädt eingegliedert.

Am 25. Juli 1952 wurde aus dem Westteil des ehemaligen Landkreises Schwerin und kleinen Gebieten des Landkreises Schönberg der Kreis Gadebusch gebildet. Er gehörte dem neu gebildeten DDR-Bezirk Schwerin an. Von 1965 bis 1988 entstand im Nordwesten ein großes Wohngebiet mit 732 Wohnungen in Plattenbauweise. Der Landkreis kam am 3. Oktober 1990 in das neu gegründete Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland. Am 12. Juni 1994 wurde der Kreis Gadebusch aufgelöst und ging im Landkreis Nordwestmecklenburg auf. Als Kreisstadt erhielt Gadebusch verstärkt Verwaltungsfunktionen.

Ab 1991 wurde der historische Stadtkern mit dem Rathaus und der Burg auch im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 6760 1995 6534 2000 6168 2005 5928 2010 5688 2015 5501 Jahr Einwohner 2020 5461 2021 5417 2022 5134 2023 5141 2024 5087

Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden., ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Gadebusch besteht aus 16 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,9 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 33,4 % 5 34,9 % 5 Zukunft für Gadebusch (ZfG) 23,4 % 4 19,6 % 3 Gadebuscher Bürgergemeinschaft (GBG) 18,4 % 3 16,4 % 3 Die Linke 19,5 % 3 12,4 % 2 Einzelbewerber Jörg Abraham – – 6,2 % 1 Einzelbewerberin Annett Hinkfuß – – 4,5 % 1 SPD 5,3 % 1 3,8 % 1 Einzelbewerberin Doreen Meinke – – 2,2 % – Insgesamt 100 % 16 100 % 16

Bürgermeister 1984–1990: Günther BlankenbergBürgermeister der Stadt Gadebusch 1990–1994: Rudolf Pieper 1994–2002: Ingrid Schafranski (CDU) 2002–2019: Ulrich Howest (SPD) seit 2019: Arne Schlien (CDU)Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019

Schlien wurde in der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 mit 71,0 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)

Wappen mini|hochkant|Wappen von 1618

Flagge Die Flagge wurde von dem Schweriner Heraldiker Heinz Kippnick gestaltet und am 11. August 1997 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Die Flagge besteht aus grünem Tuch. Es ist in der Mitte mit dem Stadtwappen belegt, das zwei Drittel der Höhe und ein Drittel der Länge des Flaggentuchs einnimmt. Die Höhe des Flaggentuchs verhält sich zur Länge wie 3:5.§ 1 der Hauptsatzung der Stadt (PDF).

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Stadt mit der Umschrift .

Städtepartnerschaften Gadebusch unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft: Saint-Germain-du-Puy in Zentralfrankreich Trittau in Schleswig-Holstein Åmål in Schweden Czarnków in Polen

Sehenswürdigkeiten und Kultur → Siehe auch Liste der Baudenkmale in Gadebusch Rathaus mini|Rathaus und Stadtkirche von Gadebusch Das Rathaus am Marktplatz im Kern von um 1340, 1618 umgebaut mit dem Hauptgiebel und der Gerichtslaube und der neuen Rückfront.

Stadtkirche mini|Ansicht der Kirche von Norden mini|Wollbrügger Straße