mini|hochkant|Karl Pfeifer (2008) Karl Pfeifer (geboren am 22. August 1928 in Baden bei Wien; gestorben am 6. Jänner 2023 in Wien) war ein österreichischer Journalist.Regina Stötzel: Unterwegs bis zuletzt. Zum Tod des Holocaust-Überlebenden und preisgekrönten Journalisten Karl Pfeifer. In: nd-der Tag vom 9. Jänner 2023, S. 13.

Leben

Karl Pfeifer floh 1938 mit seinen jüdischen Eltern nach Ungarn, wo er 1940 der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation Hashomer Hatzair beitrat. Noch vor der deutschen Besetzung Ungarns im Zweiten Weltkrieg am 5. Jänner 1943 gelang ihm als einem unter 50 Jugendlichen und Kindern auf abenteuerliche Weise die Flucht nach Palästina. Er lebte in einem Kibbuz, diente ab 1946 in der Elitetruppe Palmach und nach der Staatsgründung Israels bis 1949 in der israelischen Armee.

1951 kehrte er nach Österreich zurück. Nach beruflicher Tätigkeit im Hotelgewerbe in verschiedenen LändernDer sozialdemokratische Kämpfer, Nr. 7/8/9/2021, S. 9. war er von 1982 bis 1995 Redakteur der Gemeinde, des offiziellen Organs der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.

In dieser Funktion wies er 1995 in einem Artikel darauf hin, dass der Politologe Werner Pfeifenberger im Jahrbuch der Freiheitlichen Akademie „Nazitöne“ anschlage, da er das Hitlerregime verharmlose und den Juden vorwerfe, Hitler-Deutschland 1933 zum Krieg herausgefordert zu haben. Pfeifer wurde daraufhin von Pfeifenberger verklagt und in zwei Instanzen freigesprochen. Nachdem im Jahr 2000 die Wiener Staatsanwaltschaft Anklage wegen „nationalsozialistischer Wiederbetätigung“ gegen Pfeifenberger erhoben hatte, beging dieser Suizid.Roland Kaufhold: Pfeifer gegen Pfeifenberger. Die Kämpfe eines österreichischen Journalisten und Shoah-Überlebenden. In: Neues Deutschland, 25./26. August 2018, S. 27. Der Herausgeber der rechten Zeitschrift Zur Zeit, Andreas Mölzer, betitelte Pfeifer daraufhin in einer Aussendung an seine Abonnenten als „Teil einer Jagdgesellschaft“, die Pfeifenberger „in den Selbstmord getrieben“ habe – der „jüdische Journalist“ habe die „juristische Lawine gegen Pfeifenberger“ ausgelöst. Pfeifer klagte nun auf Entschädigung und wurde damit bei den österreichischen Gerichtsinstanzen abgewiesen. Am 15. November 2007 bekam Pfeifer vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen Verletzung der Achtung seines Privatlebens nach Artikel 8 Recht gesprochen; da es keinen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Pfeifers kritischem Artikel und dem Selbstmord Pfeifenbergers gebe. Die Republik Österreich wurde zu 5.000 Euro Entschädigung für die – durch das Versäumnis der Gerichte entstandene – immaterielle Schädigung verurteilt.Harald Fidler: Nach Menschenrechtsgericht noch einmal durch Instanzen. In: Der Standard, 13. Mai 2008, S. 18.Urteil des EGMR vom 15. November 2007.

Seit Anfang der 1990er Jahre und bis 2005 arbeitete Pfeifer als Wiener Korrespondent des israelischen Radios und als freier Journalist des monatlich erscheinenden antifaschistischen Londoner Magazins Searchlight sowie des jüdischen Internetmagazins haGalil.

Im Jahr 2008 produzierten Mary Kreutzer und Thomas Schmidinger für die Gesellschaft für kritische Antisemitismusforschung einen Dokumentarfilm über sein Leben: Zwischen allen Stühlen. Lebenswege des Journalisten Karl Pfeifer.Filmrezension von Roland Kaufhold auf haGalil, 2. August 2011.

Pfeifer hat unter anderem jahrzehntelang dokumentiert, wie stark antisemitisch grundierter Nationalismus Ungarn geprägt hat.sueddeutsche.de / Oliver Das Gupta: Rezension zu Pfeifers 2016 erschienenem Buch.

Auszeichnungen

2003: Joseph-Samuel-Bloch-Medaille der Aktion gegen den Antisemitismus in ÖsterreichDankesrede von Karl Pfeifer hagalil.com, 4. Dezember 2003, abgerufen am 29. November 2012. 2018: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ÖsterreichZeitzeuge Karl Pfeifer erhielt das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, erinnern.at vom 9. Juli 2018. 2022: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land WienKarl Pfeifer – Verleihung des goldenen Ehrenzeichens der Stadt Wien am 21. März 2022 https://vimeo.com/690046509, abgerufen am 7. Jänner 2022. 2022: Simon-Wiesenthal-Preis 2021 (Hauptpreis, gemeinsam mit Lily Ebert, Liliana Segre und Zwi Nigal) 2022: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreichhttps://www.baden.at/Drei_grosse_Badener_von_Landeshauptfrau_Mikl-Leitner_ausgezeichnet abgerufen am 7. Jänner 2023.

Schriften Monografien Nicht immer ganz bequem ... Verlag Der Apfel, Wien 1996, ISBN 3-85450-151-X. mit Theodor Much: Bruderzwist im Hause Israel: Judentum zwischen Fundamentalismus und Aufklärung. K & S, Wien 1999, ISBN 3-218-00667-8. mit Gerald Lamprecht, Stefan Moritz, Thomas Schmidinger, Moshe Zuckermann: Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik. Clio Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit, Graz 2007, ISBN 978-3-902542-01-4. Einmal Palästina und zurück: Ein jüdischer Lebensweg. Edition Steinbauer, Wien 2013, ISBN 978-3-902494-62-7 (überarbeitete Neuausgabe: Edition Critic, Berlin 2015, ISBN 978-3-9815919-2-7). Immer wieder Ungarn. Autobiographische Notizen, Nationalismus und Antisemitismus in der politischen Kultur Ungarns – Texte 1979 bis 2016. Edition Critic, Berlin 2016, ISBN 978-3-946193-10-4.

Sonstiges Im Palmach. Erinnerungen aus dem Jahr 1948. In: Dschungel. Beilage zu Jungle World Nr. 6, vom 11. Februar 2010, S. 9–12.

Weblinks

Interview mit Karl Pfeifer im Online-Archiv der Österreichischen Mediathek Erinnerung und Widerstand. Karl Pfeifer und Ingo Lauggas im Gespräch mit Hannes Obermair (27. April 2010), abgerufen am 30. August 2023. Doron Rabinovici: Für Karl Pfeifer. Erste Laudation anlässlich seines 90. Geburtstages im DÖW in der Online-Ausgabe des FORVM (contextxxi.org). Gerhard Oberschlick: Lieber Karl! Zweite Laudation anlässlich seines 90. Geburtstages im DÖW in der Online-Ausgabe des FORVM (contextxxi.org). Video von der Verleihung des Simon-Wiesenthal-Preises-2021 am 11. Mai 2022 am provisorischen Sitz des Österreichischen Nationalrates

Fußnoten

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