Hans Wilhelm Schmidt (* 11. Februar 1903 in München; † 14. November 1991 in Riemerling) war ein deutscher Theologe, evangelischer Pfarrer und Hochschullehrer.
Leben Schmidt studierte nach dem Abitur Evangelische Theologie. Kurze Zeit später wurde er zum Pfarrer ordiniert. Sein besonderes Interesse galt dem Fach Neues Testament, in dem er promoviert wurde. Frühzeitig näherte er sich völkisch-nationalistischen Positionen an. Im Jahre 1927 erhielt er eine Dozentur an der Theologischen Hochschule von Bethel bei Bielefeld.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt/Main 2003, S. 545. Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.570.599).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/19610257Hans-Paul Höpfner: Die Universität Bonn im Dritten Reich, Akademische Biographien unter nationalsozialistischer Herrschaft (= Academica Bonnensia, Band 12), Bouvier, Bonn 1999, ISBN 3-416-02904-6.
Zum Professor für Neutestamentliche Theologie in Münster wurde er 1934 berufen, verbunden mit einem Lehrauftrag für Systematische Theologie. Ein Jahr später wechselte er nach Bonn.Junge Kirche 3 (1935) 772. Schmidt setzte sich für die „nationalsozialistische Volkwerdung auf der Grundlage von Blut und Boden“ ein. Im Jahre 1939 erreichte ihn ein Ruf an die Universität von Wien. Im gleichen Jahr erklärte er seine Mitarbeit am Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben der Deutschen ChristenHans Prolingheuer: Wir sind in die Irre gegangen. Köln 1987. und leitete dort den Arbeitskreis „Religionswissenschaft“.Gottfried Michaelis: Der Fall Vischer …, 1994, S. 164.
Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde er als „Reichsdeutscher“ vom Dienst enthoben, durch eine Intervention von Vizekanzler Adolf Schärf wurde seine Ausweisung aus Österreich aber vorläufig sistiert. Während einer Vorlesung wurde er im Sommersemester von sowjetischen Soldaten verhaftet und verließ Wien im Herbst 1947.
Schmidt ging ins Pfarramt zurück und betreute Kirchgemeinden in der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Bayern. An der Universität Erlangen-Nürnberg erhielt er wieder eine Professur.Roman Pfefferle, Hans Pfefferle: Glimpflich entnazifiziert, die Professorenschaft der Universität Wien von 1944 in den Nachkriegsjahren, mit Professorenportraits (= Universität Wien, Archiv: Schriften des Archivs der Universität Wien, Band 18), V & R Unipress, Göttingen / Vienna University Press, Wien 2014, ISBN 978-3-8471-0275-5 / ISBN 978-3-8470-0275-8 (Online-Ausgabe als E-Book, kostenpflichtig), S. 346
Schmidt wurde 1954 als Ehrenritter in den Johanniterorden aufgenommen, 1957 zum Rechtsritter und 1973 zum Ehrenkommendator ernannt, Mitgliedschaft in der Bayrischen Provinzialgenossenschaft dieser Kongregation. Er entwarf 1961 die neue Ordensregel, die 1964 eingeführt wurde.Gottfried Michaelis: Der Fall Vischer …, 1994, S. 177 ff.
Werke Beiträge und Monographien Zeit und Ewigkeit. Die letzten Voraussetzungen der dialektischen Theologie, Bertelsmann, Gütersloh 1927 (Theologische Dissertation Universität Greifswald 1927, XI, 47 Seiten, 8°). Das Reich Gottes bei Kant, 1928 Wandlungen in der neuesten Theologie, 1928 Die Christusfrage. Beitrag zu einer christlichen Geschichtsphilosophie, Gütersloh: C. Bertelsmann 1929 Die ersten und die letzten Dinge, in: Jahrbuch der Theologischen Schule Bethel, Band 1, 1930, S. 177–237. Der Personbegriff in der Trinitätslehre, in: Jahrbuch der Theologischen Schule Bethel, Band 4, 1933 Die Gottesfrage im theologischen Denken der Gegenwart, 1934 Christentum und Heidentum. Eine Frage der völkischen Religiosität an unsere Theologie, Münster: Gutenberg-Druckerei 1934 Politische und religiöse Gläubigkeit, 1937 Freiheit und Prädestination in der Geschichte, 1939 Menschwerdung Gottes, 1942 Die religiöse Wirklichkeit, 1943 Christentum ohne Christus, 1943 Das Leid und die Gottesfrage, 1944 Philosophie und Theologie, 1944 Das Kreuz Christi bei Paulus, 1951 Cur Deus Homo, 1951 Der Heilige Geist in der Theologie des Paulus, 1953 Der Brief des Paulus an die Römer. (= Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, Band VI) . Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1963.
Mitwirkung und Co-Autor Die blaue Bibel – Was ein Christ aus der Heiligen Schrift braucht. Verlag für Gemeindepädagogik 1975 (Den Kommentartext des Alten Testaments schrieb Hans-Georg Lubkoll, den des Neuen Testaments Josef Hainz. Beratung durch Odilo Lechner Wissenschaftliche Beratung: Josef Scharbert (AT), Hans Wilhelm Schmidt (NT)).
Nachlässe Schmidt, Hans Wilhelm, D.; Theologieprofessor, Pfarrer; 1903–1991; 1,4 m; 56 AE
Literatur Martin Berger, Matthias Geist: Nationalsozialistische Karriere und lutherischer Offenbarungspositivismus. Hans Wilhelm Schmidt (1903–1991). In: Karl Schwarz, Falk Wagner (Hrsg.): Zeitenwechsel und Beständigkeit. Beiträge zur Geschichte der Evangelisch-theologischen Fakultät in Wien 1821–1996 (= Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien, Band 10), WUV-Universitäts-Verlag, Wien 1997, ISBN 3-85114-314-0, S. 353–389. Gottfried Michaelis: Hans Wilhelm Schmidt, in: ders.: Der Fall Vischer. Ein Kapitel des Kirchenkampfes, Bielefeld: Luther-Verlag 1994, S. 140–183; darin: Bibliographie (S. 175 f.) Hannelore Braun, Gertraud Grünzinger (Hrsg.), Personenlexikon zum deutschen Protestantismus 1919–1949, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2006, S. 221.
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Einzelnachweise
Kategorie:Lutherischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Münster) Kategorie:Hochschullehrer (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Wien) Kategorie:Hochschullehrer (KiHo Wuppertal/Bethel, Standort Bielefeld) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Ehrenkommendator (Johanniterorden) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1991 Kategorie:Mann