mini|hochkant=1.3|Alte Staatsgalerie mit König-Wilhelm-Denkmal (Foto: 2013) mini|hochkant=1.3|Neue Staatsgalerie (Foto: 2014) Die Staatsgalerie Stuttgart ist eines der wichtigsten Kunstmuseen Baden-Württembergs und eine der bedeutendsten Kunstsammlungen Deutschlands. Sie wurde ursprünglich von König Wilhelm I. von Württemberg als Museum der Bildenden Künste gegründet. Der 1843 eröffnete Gründungsbau von Gottlob Georg Barth, die klassizistische Alte Staatsgalerie, zeigt Malerei ab dem Hochmittelalter sowie Skulpturen ab dem 19. Jahrhundert. Außerdem verfügt sie über eine umfangreiche graphische Sammlung. Der 1984 eröffnete Erweiterungsbau von James Stirling, die postmoderne Neue Staatsgalerie, gilt als Meisterwerk dieses Baustils in Deutschland.

Architektur und Geschichte Die Staatsgalerie Stuttgart setzt sich aus drei Gebäudeteilen zusammen, die für verschiedene Epochen der Museumsarchitektur stehen.

Gründung Die Staatsgalerie geht zurück auf die im Jahre 1843 unter der Bezeichnung Königliches Museum der Bildenden Künste eröffnete Gesamtkunstanstalt, welche die Stuttgarter Kunstschule und der ihr zugeordneten Kunstsammlungen des Staates räumlich zusammenfasste.Wolfgang_Kermer: Die Sammlung der Stuttgarter Akademie: einige Anmerkungen zur Gründung, Vorgeschichte und Entwicklung aus Anlass ihres 30-jährigen Bestehens. Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Stuttgart 2005, ISBN 3-931485-71-4 (= WerkstattReihe. Hrsg. von Wolfgang Kermer; 12.) Nach dem Ende der Monarchie erhielt sie den Namen Württembergische Staatsgalerie Stuttgart.

Alte Staatsgalerie mini|Alte Staatsgalerie (Foto: 2006)

In der klassizistischen Alten Staatsgalerie, welche zu den frühen Museumsbauten Deutschlands gehört, war ursprünglich neben den Kunstsammlungen auch die königliche Kunstschule untergebracht. Die Kunstsammlungen, die zunächst in erster Linie als Lehrsammlungen für die Kunstschüler dienten, umfassten die Gemäldesammlung, eine Vielzahl von Gipsabgüssen von Plastiken und das Kupferstichkabinett. Errichtet wurde das dreiflügelige Gebäude 1838 bis 1842 nach den Plänen des Architekten Gottlob Georg von Barth und 1843 als Königliches Museum der bildenden Künste eröffnet. Der ursprüngliche Bau wurde 1881 bis 1888 durch Albert von Bok nach hinten um zwei Flügel erweitert. Das gesamte 19. Jahrhundert hindurch waren Professoren der Kunstschule jeweils für ihre Sparten zugleich auch Sammlungsleiter.

Von 1901 bis 1907 wurden unter dem Direktor Konrad Lange die Galeriesäle umgestaltet und die Sammlung erstmals systematisch geordnet. Ab 1931 führte die „Gemäldeabteilung (Direktor Dr. Braune) [...] die Sammelbezeichnung ‚Staatsgalerie‘ und [war] mit den angegliederten Teilen, der graphischen und der plastischen Sammlung einschließlich der Gipssammlung auf die Gebäude Neckarstraße 32 (Museum der bildenden Künste: Gemäldesammlung und plastische Sammlung; ältere Plastik und Gipse) und Königstraße 32 (ehemaliges Kronprinzenpalais: neuere Gemälde schwäbischer Künstler, graphische Sammlung, plastische Sammlung: neuere Plastik) aufgeteilt“.Neuordnung der staatlichen Landeskunstsammlungen. In: Schwäbischer Merkur. Nr. 224, 25. September 1931. 1944 wurde das ehemalige Kronprinzenpalais bei den schweren Bombenangriffen auf Stuttgart gänzlich, das Gebäude Neckarstraße 32 nahezu vollständig zerstört, ab 1946 wieder aufgebaut und 1958 neu eröffnet. Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen fanden zwischen 2006 und 2010 statt.

Die Fotosammlung des Kupferstichkabinetts befindet sich in der Fotosammlung des Kunsthistorischen Instituts der Eberhard Karls Universität Tübingen und wird vom Museum der Universität Tübingen verwaltet.

Neue Staatsgalerie mini|Blick in den Innenhof der Neuen Staatsgalerie mini|Fensterfront des Foyers der Neuen Staatsgalerie (Foto: 2009) mini|Henry Moore: Die Liegende, am Haupteingang zur Neuen Staatsgalerie (Foto: 2006)

1974 führte das Land Baden-Württemberg einen allgemeinen Ideenwettbewerb für das Museumsgelände durch. 1977 wurde ein internationaler beschränkter Wettbewerb für einen Erweiterungsbau zur Alten Staatsgalerie ausgeschrieben. Neben den sieben Preisträgern von 1974, darunter Günter Behnisch, wurden vier Ausländer eingeladen. Aus dem Wettbewerb ging der Entwurf des Londoner Büros James Stirling, Michael Wilford & Associates einstimmig als Sieger hervor. Am 9. März 1984 wurde die Neue Staatsgalerie eingeweiht. Sie gilt heute als eines der bedeutendsten Werke der Postmodernen Architektur in Deutschland. 1985 wurde vor dem Haupteingang die Skulptur Die Liegende von Henry Moore installiert.

Die unkonventionelle Architektur des Baus war zunächst sowohl beim Fachpublikum als auch in der breiten Öffentlichkeit umstritten. Ironisch verfremdete historisierende Bauformen und Verkleidungen im Wechsel aus Travertin und Sandstein kontrastieren mit grellgrünen Fenstern, bunten Stahlträgern und pink-blauen Handläufen. Die internationale Fachpresse reagierte überwiegend positiv. Aber führende Architekten wie Frei Otto und Architekturkritiker, wie der Österreicher Friedrich Achleitner, warfen Stirling die Monumentalität und die vielen historischen Zitate in seinem Bau vor – ein Tabubruch, weil die deutsche Architektur der Nachkriegszeit, in Abgrenzung zur Architektur der Nationalsozialisten, allem Monumentalen und Historisierenden aus dem Wege ging. Stirling konterte die Kritik: Die Besucherzahlen stiegen im ersten Jahr nach der Eröffnung auf Platz zwei der deutschen Besucherstatistik.

Erweiterungsbau der Alten Staatsgalerie Von 2000 bis 2002 entstand als dritter Bau der Staatsgalerie ein Anbau an die Alte Staatsgalerie, in dem heute die Graphische Sammlung sowie zwei neue Ausstellungssäle und das Graphik-Kabinett untergebracht sind. Der Bau wurde entworfen von dem Schweizer Architekten-Ehepaar Katharina und Wilfrid Steib. Er umfasst insgesamt fünf Geschosse auf 70 Metern Länge und liegt östlich hinter der Alten Staatsgalerie, mit der er durch zwei Glasbrücken verbunden ist. Die über 400.000 Objekte umfassende Graphische Sammlung der Staatsgalerie hatte somit zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg angemessene Räumlichkeiten zur Verfügung, um eine adäquate Unterbringung, Restaurierung und Präsentation der Werke zu gewährleisten.

Sanierungs- und Modernisierungsphase ab 2026 Die Staatsgalerie befindet sich bis voraussichtlich 2034 in einer Sanierungs- und Modernisierungsphase, da sie energetisch und technisch auf den neuesten Stand gebracht werden muss. Die gesamte, im aktuellen Stand präsentierte Sammlung mit einem chronologischen Rundgang durch 700 Jahre Kunstgeschichte, ist noch bis Ende September 2026 zu sehen. Die Staatsgalerie wird nacheinander einzelne Teilbereiche schließen, zu keinem Zeitpunkt wird das Haus komplett geschlossen.

Ab Mitte Februar 2027 und bis ins Jahr 2034 präsentiert die Staatsgalerie ihre Meisterwerke der Klassischen Moderne im Kunstgebäude am Schlossplatz. Während dieser Zeit finden im Stammhaus Teilschließungen zunächst im Altbau und voraussichtlich ab 2030 im kompletten Stirling-Bau statt. In den jeweils offenen Gebäudeteilen werden temporäre Neupräsentationen sowie die Sammlung und Sonderausstellungen gezeigt.

Direktoren Königliches Museum der Bildenden Künste 1843 bis 1881 Carl Lemcke, 1881 bis 1901 Konrad Lange, 1901 bis 1907 Max Diez, 1907 bis 1915 Heinrich Weizsäcker, 1915 bis 1919? Württembergische Staatsgalerie Stuttgart Edwin Redslob, 1919 bis 1920? Hans Buchheit, 1920 bis 1921 Otto Fischer, 1921 bis 1927 Heinz Braune, 1927 bis 1946 Staatsgalerie Stuttgart Heinrich Theodor Musper, 1946 bis 1963 Erwin Petermann, 1963 bis 1969 Peter Beye, 1969 bis 1994 Christian von Holst, 1994 bis 2006 Sean Rainbird, 2006 bis 2012 Christiane Lange, seit 2013

Sammlung Sammlungsgeschichte Malerei und Plastik Die Sammlung der Staatsgalerie umfasst insgesamt rund 5000 Gemälde und Plastiken. Die Geschichte geht bis ins 18. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit legten die württembergischen Herzöge durch ihre Sammlungen den Grundstock.

Die Staatsgalerie beherbergt unter anderem:

Altdeutsche Malerei 1300–1550 mini|Lucas Cranach der Ältere: Judith mit dem Haupt des Holofernes, etwa 1530 Der Grundstock diese Bestandes wurde 1859 durch den Ankauf von 73 altschwäbischen Tafelbildern, unter anderem von Bartholomäus Zeitblom, aus der Sammlung Carl Gustav Abels gelegt.Enno Krüger: Frühe Sammler „altdeutscher“ Tafelgemälde nach der Säkularisation von 1803. Diss. Heidelberg 2009. Durch die Initiative von Direktor Konrad von Lange (1901–1907) wurde die Sammlung im 20. Jahrhundert entscheidend erweitert. Das Museum konnte nicht nur wichtige Werke wie den Mühlhausener Flügelaltar (auch „Prager Altar“) und den Ehninger Altarsiehe dazu Meister des Ehninger Altars erwerben, sondern auch zahlreiche Gemälde aus königlichem und kirchlichem Besitz. Konrad Lange legte den Schwerpunkt auf die Profilierung und die Akzentuierung des altschwäbischen Bestandes. 1924 kam der Herrenberger Altar, das Hauptwerk Jerg Ratgebs, in die Sammlung. Auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden wichtige Werke von regionalen Künstlern erworben. Zu diesen zählen unter anderem Hans Schäufelin, Hans Holbein der Ältere, Lucas Cranach der Ältere und Christoph Amberger. Später wurde die altdeutsche Sammlung durch exemplarische Werke wie eine Tafel vom Meister der Darmstädter Passion, das Werk Christus als Schmerzensmann von Hans Baldung und Hans Holbeins Graue Passion erweitert.

Italienische Malerei 1300–1800 mini|Giovanni Paolo Pannini: Roma Antica, 1754–1757 Schon früh konnten bedeutende Werke wie zum Beispiel Mattia Pretis Großformat Christus und die Kanaaniterin und Fra Bartolommeos Fragmente mit der Marienkrönung erworben werden. Danach stellte 1852 der Ankauf der venezianischen Privatsammlung Barbini-Breganze mit einem hohen Anteil an Gemälden des Barock und des Rokoko die entscheidende Richtungsweisung dar. Diese Sammlung bildet mit 195 Bildern den größten Komplex innerhalb der italienischen Malerei in der Staatsgalerie und der Schwerpunkt, den sie gesetzt hat, ist noch immer sichtbar: Über die Hälfte der insgesamt gesammelten Gemälde stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert wurde die Leitung der Staatsgalerie erstmals einem Kunsthistoriker übergeben und so konnten nach der langen Zeit der klassizistischen Erwerbungen neue Erwerbungsakzente gesetzt werden. Im Jahre 1948 zogen durch Schenkungen 31 italienische Werke in die Staatsgalerie ein. Darunter befanden sich Bilder von Giambattista Pittoni, Bernardo Strozzi, Andrea Celesti, Francesco Maffei, Nicola Grassi und Luca Giordano. Den individuellen Charakter erlangt die Sammlung der Staatsgalerie durch Werke jener Künstler, welche nur selten in Museen vertreten sind. Dies sind unter anderem Crosato, Pietro Faccini und Gaspare Traversi. Auch neuere Erwerbungen wurden gemäß der vorhandenen Sammlungsstruktur getätigt. 1971 erhielt die Staatsgalerie als Vermächtnis von Gerhard Freiherr von Preuschen 36 frühitalienische Tafelgemälde. Dieser Sammlungsaspekt wurde außerdem mit einzelnen gezielten Ankäufen, etwa mit Werken von Mariotto Di Nardo oder Lorenzo Monaco sowie den Erbachschen Tafeln aus dem Umfeld Giottos ausgebaut.Elsbeth Wiemann: Die Alten Meister. In: Staatsgalerie Stuttgart – Die Sammlung. Staatsgalerie Stuttgart, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-7774-7065-8.

Niederländische Malerei 1500–1700