mini|Das Theatrum der Wasserspiele Hellbrunn Die Wasserspiele Hellbrunn befinden sich im Schlosspark von Hellbrunn am südlichen Stadtrand der Stadt Salzburg. Sie sind die weltweit besterhaltenen Wasserspiele der Zeit der späten Renaissance bzw. des Manierismus. Sie wurden um 1613 von Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems in Auftrag gegeben. Der Name Hellbrunn für das „Palatium beim Tiergarten“ taucht erst im Dezember 1616 in den Quellen auf. Heute richtet sich das Interesse der Besucher in erster Linie auf die Wasserspiele im engeren Sinn. Auch die Gartenforschung richtet ihr Augenmerk bei den historischen Gartenanlagen zunehmend auf die Wasserscherze, Automaten und technischen Einrichtungen. Die Besucher zur Zeit Markus Sittikus' und seiner Nachfolger als Fürsterzbischöfe absolvierten aber ein sehr vielfältiges Besuchsprogramm, bei dem die Wasserspiele nur einen kleinen Teil ausmachten: Folgt man der Erzählung vom Besuch Ferdinands II. Medici 1628 dürfte die Fahrt durch den Hirschgarten mit mehr als hundert Stück Wild und der Besuch im Schloss Belvedere mit dem prächtigen Ausblick und vor allem der anschließenden Wildnis mit Kreuzweg, Kapellen und Einsiedlerbehausungen besondere Bedeutung gehabt haben. Gespeist wurde im Schloss mit dem damals nur vom Schlafgemach des Erzbischofs zugänglichen Festsaal. Über eine heute nicht für das Publikum begehbare, geheime Wendeltreppe konnte man von einem Nebenraum hinaufsteigen in den großen, die ganze Breite des Schlosses einnehmenden, Saal mit Ausblick in die Landschaft zu beiden Seiten. Der Besuch führte dann zum Steintheater und Monatsschlösschen. Höhepunkt war manchmal eine Aufführung im Steintheater, wie im Fall Ferdinands II. „Magdalena, die Büßerin“, oder eine Jagd im fürstlichen Jagdgatter. Musikalische Darbietungen boten einen wesentlichen Bestandteil jedes Empfangs. Den Abschluss bildete der Besuch im italienischen Garten mit den exotischen Pflanzen und „welschen“ Bäumchen, in der Fasanerie, bei den exotischen Vögeln und Schildkröten und im Figurengarten mit den Wasserscherzen, wobei das Fangen von Fischen mit Angel und Dreizack öfter Bestandteil des Unterhaltungsprogramms gewesen sein dürfte. Die Eintrittskarte der Salzburger Wasserspiele umfasst auch den Eintritt in das Schloss Hellbrunn mit dem Festsaal und das Monatsschlösschen. Das Gartenparterre, der Park mit dem Hellbrunner Berg und dem Steintheater sind frei zugänglich, so dass sich mit Ausnahme des Schlosses Belvedere samt Einsiedelei ein guter Eindruck der ursprünglichen Gesamtanlage gewinnen lässt.

Grotten und Teiche aus der Zeit der Renaissance wurden wie in Hellbrunn im Allgemeinen römischen Palastanlagen nachempfunden und in der Folge weiterentwickelt. Besonders war es der Palast Kaiser Neros, das „Domus aurea“, dessen Gestaltung Renaissance-Künstlern damals Vorbild wurde. Teile dieses Palastes, die „Grotten“, waren mit Gemmen und Muscheln geschmückt und im Park befanden sich große geometrische Teiche. Auch die Villa d’Este in Tivoli und andere Parkanlagen in Rom und in Norditalien waren ein Vorbild für Hellbrunn. Höhepunkt der kunstvollen Wassergärten war auch der (nur teilweise erhaltene) von Francesco de Medici erbaute Garten des Pratolino. Aber auch der ehemalige königliche Garten von Saint-Germain-en-Laye in Frankreich wies viele ähnliche Elemente auf. Die technisch immer aufwändigeren Renaissancespiele mit und durch das Wasser sollten eine göttliche Krönung der Nachahmung der Natur darstellen.

Ganz im Stil einer Villa urbana italienischer Prägung ließ der Bauherr Markus Sittikus in Anlehnung an verschiedene italienische Wasserspiele 1613 im Schlosspark von Hellbrunn neben anderen Bauten seine aufwändigen Wasserspiele errichten. Diese Wasserspiele sollten schon bald nach ihrer Errichtung weit über Salzburg hinaus Berühmtheit erlangen und wurden öfter mit den berühmten Anlagen Italiens verglichen.

Heute kann eine einst von den Wasserautomaten ausgehende Magie oft nicht in gleichem Maß wie in der Zeit der Entstehung nachvollzogen werden. Sie bleiben aber eine viel bestaunte historische Attraktion Salzburgs, die in ihrer Originalität die Besucher Salzburgs verzaubert.

Vom Theatrum zum Sternweiher mini|Theatrum und Fürstentisch mini|Weiher mit Tritonen, im Hintergrund Theatrum mini|Die Orpheusgrotte Theatrum (Römisches Theater). Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde in Italien der Typ des „Teatro delle acque“ immer beliebter, der aus randlichen Schauwänden und künstlichen Teichanlagen bestand. So wurde auch in Hellbrunn eine derartige Anlage errichtet. Der bogenförmige Wandaufbau ist mit Kieselmosaik geschmückt und durch Figurennischen gegliedert. In der Mitte des Theatrums thront über dem Prunkwappen von Markus Sittikus die „Roma victrix“, die römische Siegesgöttin. Darunter steht mittig in einer Nische eine Kaiserfigur. Diese Figur sowie die Roma victrix stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit vom bekannten Salzburger Bildhauer Hans Waldburger. Alle sechs Statuen im Theatrum wurden nach Giovanni Battista Cavalieris Antiquarum Statuarum Urbis Romae Primus Et Secundus Liber (Rom 1585) gefertigt. Die Kaiserstatue in der Mitte entspricht nicht den Kaiserdarstellungen der römischen Antike. Während die römischen Kaiser ausnahmslos mit gelockten Haaren oder mit in die Stirn fallenden Haaren dargestellt werden, sind die Haare dieser Figur streng zurückgekämmt. Während bei den antiken Kaiserstatuen die deutlich erkennbaren Brustharnische den Oberkörper vollständig abdecken, sieht der Oberkörper bei dieser Figur mit der feinen Darstellung der einzelnen Muskeln so aus, als ob hier kein Harnisch vorhanden wäre. Diese Figur stellt Kaiser Nero oder Alexander d. Großen dar, allerdings mit einem Kopf, der stark an den von Markus Sittikus innig geliebten Neffen Jakob Hannibal II. (1595–1646) erinnert. Dieser hatte schon als Kind die Haare streng nach hinten gekämmt. Ein Gemälde des 22-jährigen Jakob Hannibal zeigt ihn noch immer mit derselben auffälligen Frisur. Während das Gesicht an Jakob Hannibal II. erinnert, ist die Pose der Statue wohl der Figur „Adonidis signum integerimum omniumque reperiuntur excellenti arteficis opus è marmore Romae in aedibus Episcopi Aquinatis“ (fol. 95) aus Cavalieris Buch von 1585 angelehnt. Die Roma vinctrix ist nach der Figur „Romae Colossus celebris in hortis Car. Cesis cui Dacia opta subest“ (fol. 19) gestaltet. Die beiden Figuren außen stellen links einen gefangenen Partherkönig „Parthorum Rex capitvus“ (fol. 30) und rechts einen gefangenen Armenierkönig „Rex Armeniae capitvus“ (fol. 31) dar. Beide Länder wurden von Alexander d. Großen militärisch eingenommen. Die beiden sitzenden Figuren stellen links Flora („Florae deae simulacrum e marmore in Vaticano viridario Romae“ (fol. 16)) und rechts eine Vesta („Vestae deae, signum, ut conijcerelicer, e marmore in Vaticano Viridario Romae“ (fol. 9)) dar, deren antike Vorbilder in den Vatikanischen Gärten standen.

Fürstentisch: Der Marmortisch wird mit den Wappentieren Löwe und Steinbock sowie einem Schnurrelief mit Früchten geschmückt. Die sich umarmenden Wappentiere beziehen sich auf das im Festsaal geschriebene Motto „Numen vel dissita iungit“, das unter anderem mit „Göttlicher Wille vereint auch Gegensätze“ übersetzt wurde. Dieselben sich umarmenden Wappentiere sind auch an der Fassade am Salzburger Dom angebracht. Die Sitzplätze und der Tisch selbst sind Teil von verspielten Wasserscherzen, bei denen nur der Gastgeber trocken blieb. Den flüchtenden Tischgästen wurde dabei durch eine aufsteigende Wasserwand aus Bodendüsen die Flucht erschwert. In der Mitte des Tisches ist ein Becken mit fließendem Wasser zur Kühlung von Getränken eingelassen.

Zwei rechteckige und dazwischen ein lang ovaler Teich liegen südlich des Römischen Theaters. In den Teichen tummeln sich vier Triton-Skulpturen, die aus je einer Tritonschnecke Wasser speien. Ein halb liegender Flussgott ruht im Norden der Teiche. Die Figur ist nach Giovanni Battista Cavalieris Antiquarum Statuarum Urbis Romae Primus Et Secundus Liber (Rom 1585) gefertigt und stellt „Tiberis Fluvij simulacrum e marmore excellentis artificis opus, in Vaticano Pontificum viridario Romae“ (fol. 2) dar. Auf einer rechteckigen Insel in der Mitte der Anlage sitzt eine Wassergöttin, die in der erhobenen linken Hand eine schlanke Muschel hält. Im Süden steht auf einem hohen Sockel die Statue des Bacchus. Die Figur ist nach dem „Bacchus In aedibus Farnesianis“ (fol. 77) aus G. B. Cavalieris Antiquarum Statuarum Urbis Romae Tertius Et Quartus Liber (Rom 1593) gestaltet.

Der Weinkeller wurde 1659 von Guidobald von Thun errichtet. Das Kellergewölbe ist innen aus rohem Kalkstein gearbeitet. Es besitzt ein schmiedeeisernes Tor mit dem Prunkwappen des Erbauers Guidobald von Thun sowie zwei sitzende Hundeskulpturen seitlich neben dem Eingang. Die Hundeskulpturen erinnern an die Abbildung der Figur „Adonidis signum integerimum omniumque reperiuntur excellenti arteficis opus è marmore Romae in aedibus Episcopi Aquinatis“ (fol. 95) aus Cavalieris Buch von 1585. Adonis wird dort von einem Hund begleitet und stützt seine Hand auf den abgetrennten Schädel eines erlegten Wildschweines, das als Skulptur mit drei Frischlingen ebenfalls als Skulptur in Hellbrunn vorhanden ist.

Die Orpheusgrotte ist ein innen fast vollständig mit tropfsteinartigem Tuff verkleideter Steinbau mit verschiedenen Marmorskulpturen. Das Portal des Grottenhauses besteht aus Konglomerat. In der Grotte spielt Orpheus auf seiner Geige den wilden Tieren (darunter auch Löwe und Steinbock) vor, diese hören zahm geworden zu. Zu Füßen Orpheus‘ liegt eine schlafende Frau, die nach dem Ablauf der Orpheus-Erzählung nicht Eurydike sein kann, da diese Jahre zuvor zum zweiten Mal in den Tartarus zurückkehren musste und Orpheus der Frauenliebe mittlerweile entsagt. Das Vorbild für die Schlafende war eine antike Figur, die 1512 im Statuenhof des vatikanischen Belvedere als Brunnenschmuck aufgestellt wurde und anschließend in Gärten und Brunnen als „schlafende Nymphe“ große Verbreitung fand. Die Grotte ist zum Erhalt der meditativen Stimmung frei von Wasserspielen. Nur das gleichmäßige Rauschen des Wassers der Brunnquelle in der Grotte ist zu hören. Die Quellnymphe trägt als Medaillon um den Hals das Porträt von Markus Sittikus. Das Gerücht, dass diese Figur dadurch auf die angebliche Geliebte des Erzbischofs, Freifrau Katharina von Mabon, anspielt, besitzt keinen Realitätsbezug. Diese Grotte mit ihren kunstvoll gearbeiteten Skulpturen ist ein eigenständiges Werk, in dem Vorbilder deutlich weiter entwickelt und verfeinert werden.

Neben der Orpheusgrotte befindet sich erhöht ein kleiner Platz mit einer Narrenfigur und zwei knienden Narrenstatuen sowie einem Knaben mit Palester.

Sternweiher und Altemsbrunnen mini|Sternweiher, im Hintergrund: Exedra Die Exedra: Diese randliche aus Konglomeratsteinen gefertigte Flügelmauer die halbkreisförmig den Sternweiher umgibt, besitzt mittig eine wenig tiefe Grotte mit einer Statue eines jugendlichen Helden bzw. eines römischen Jünglings mit Harnisch. Über der Grotte steht hinter einer Konglomeratbalustrade und ihren aufsitzenden Steinvasen bekrönend die Statue des Perseus. Am Rand der nach außen immer niedrigeren Flügelmauer stehen die personifizierten Statuen der vier Jahreszeiten als Zeichen der Vergänglichkeit.

Der Sternweiher ist ein flaches Wasserbecken mit sieben sternartig ausgreifenden Zacken, aus deren Spitzen das Wasser der „Sternweiherquelle“ in das Wasserbecken sprudelt. Von dort fließt es über eine mit Steinmosaik verkleidete Stufenkaskade erst in ein rechteckiges Becken und dann über eine höhere Mosaikstufe und vier weitere Stufen in ein großes quadratisches Becken, in dem zwei Tritone wasserspeiend miteinander ringen. Ein Wasserstrahl hebt hier eine Kugel hoch. Die obere Wasserkaskade wird von zwei das Wappen des Erzbischofs haltenden Steinböcken bewacht, die untere Kaskade von zwei wasserspeienden Löwen.