mini|hochkant=1.6|Traditionelles Territorium der Songhees und heutige Reservate (orange)
Die Songhees oder Songish, offiziell Songhees First Nation, die sich selbst Lkwungen oder Lekwungen nennen, sind eine der kanadischen First Nations in der Provinz British Columbia. Sie leben im Südosten von Vancouver Island in der Agglomeration Victoria.
Sie gehören sowohl kulturell als auch sprachlich zu den Küsten-Salish der Nordwestküstenkultur des Pazifiks, deren Wohngebiet sich bis nach Oregon erstreckt. Wie die benachbarten Esquimalt (Ess-whoy-malth) sprechen sie Lək̓ʷəŋín̓əŋ / Lekwungen oder Songhees / Songish, einen Dialekt des Northern Straits Salish, einer der größten Dialektgruppen innerhalb des Zentralen Küsten-Salish (Central Coast Salish) aus der Salish-Sprachfamilie.
Mit Stand vom September 2013 zählte die Songhees First Nation 546 registrierte Stammesangehörige, von denen 331 im eigenen Reservat, 38 in anderen Reservaten sowie die übrigen 177 außerhalb lebten.Nach den Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development, First Nation Profiles: .
Der Stamm gehört zur Te'mexw Treaty Association, die mit der Provinz und der Bundesregierung in Ottawa über Landansprüche und Souveränitätsrechte verhandelt. Zu ihr gehören neben den Beecher Bay die Malahat, Nanoose und T'sou-ke.
Geschichte
Frühgeschichte Die Songhees (Lkwungen oder Lekwungen) wurden – und werden teilweise heute noch – oft zusammen mit den eng verwandten Esquimalt als Lekwammen (oder Lekwungen) bezeichnet, jedoch wird diese Bezeichnung zunehmend nur auf die Songhees bezogen, da es deren Eigenbezeichnung ist. Weitere historisch (und teilweise heute noch) Straits Salish-sprechende Gruppen der Küsten-Salish sind die Lummi (Xwlemi oder Lhaq'temish), Saanich (W̱SÁNEĆ), Samish (sʔémǝš), Semiahmoo, T'sou-ke (Sooke) und die Klallam (S'Klallam).
Im heutigen Portage Park in View Royal wurde 2006 ein Dorf aus der Zeit um 800 v. Chr. entdeckt. Neben großen Mengen lokaler Muscheln fanden sich Obsidianklingen, Jade aus dem Frasertal und Muscheln aus dem Nuu-chah-nulth-Gebiet an der Westküste von Vancouver Island.Vgl.: Ancient village in British Columbia threatened, in: Archaeo News, 5. Juli 2006. Zwischen etwa 1200 v. Chr. bis 400 n. Chr. sind die so genannten Microblades, z. T. extrem kleine Klingen, ein durchgängiges Kennzeichen der regionalen Kultur.Vgl. Donald H. Mitchell: Microblades: A Long-Standing Gulf of Georgia Tradition, in: American Antiquity, 33/1 (Jan 1968) 11-15. Kurator Alan Haldenby und der leitende Archäologe Keddie wollen mittels einer kleinen Mauer und natürlichem Bewuchs die älteste Grabungsstätte im Großraum Victoria schützen. Sie soll zeigen, dass die Songhee-Kultur keineswegs statisch war, sondern bei starken Klimaveränderungen, in Kriegen, bei Veränderungen der Handelsrouten, der Ernährungsgewohnheiten usw. eine hohe Anpassungsfähigkeit aufwies.
Zwischen etwa 500 und 1000 n. Chr. ist ein Kennzeichen der Süd-Salish-Gruppen um Victoria eine große Zahl von Steinhaufengräbern (cairns).Die Dokumentation dieser zahlreichen Funde ist noch nicht sehr weit fortgeschritten. Hier finden sich einige Fotos: First Nations Burial Cairns on Great Race Rock Island. Darcy Mathews untersucht diese Hügel seit 2006. Sie werden auch „burial mounds“ genannt. Allein in der Rocky Point Area westlich von Victoria finden sich rund 400 dieser Cairns. Eine große Zahl an Mounds ist auch um Metchosin zu finden. Schon Brian Thom konnte zeigen, dass zu dieser Zeit die Klassengesellschaft der späteren Epochen noch nicht existierte, sondern eine Rang- oder Prestigegesellschaft vorherrschte. Erst am Ende der Marpole-Phase, also um 1000, monopolisierte eine Elite nicht nur das ererbte und zugeschriebene Ansehen, sondern auch Machtmittel und Ressourcen. Um 400 v. Chr., so die Annahme, entwickelte sich eine Gesellschaft, die die individuelle Aneignung von Ansehen bevorzugte.
Am Finlayson Point lässt sich ein befestigtes Songhee-Dorf aus der Zeit vor 1800 nachweisen, das überwiegend aus Langhäusern bestand. Ihre Siedlungen reichten von Songhees Point bis zur heutigen Johnsons Street Bridge.
Da, wo heute das Delta Hotel steht, stand das Langhaus von Häuptling Cheetlam George. Songhees Point, am Eingang zum Inner Harbour, hieß Pallatsis, „Wiegenplatz“, denn dort ließen die Kinder, die laufen gelernt hatten, ihre Wiegen zurück, was ihnen ein langes Leben sichern sollte. Auf den zu dieser Zeit stark bewaldeten Inseln finden sich ebenfalls Beerdigungsplätze des Stammes.
Familiengruppen Die heutigen Songhees und Esquimalt sind Nachfahren folgender in den sog. Douglas Treaties (Vancouver Island Treaties oder Fort Victoria Treaties) genannter Familiengruppen:
der Teechamitsa (von Albert Head bis Esquimalt Harbour – heute Mitglieder der Esquimalt Nation) der Xwsepsum (Kosampsom) oder Camossungbenannt nach dem indigenen Namen eines Mädchens, das an den Gorge Waters im heutigen Harbour (Hafen) von Victoria laut Legende zu Stein erstarrte. Es gibt dort einen Muschelhügel (shell midden) neben der Südseite der Tillicum Bridge nahe dem Kinsmen Park, der rund 4.000 Jahre zurückreicht. (Ostteil des Esquimalt Harbour, am Craigflower Creek (Pulkwutsang – „der Geister-Platz“) im Portage Inlet, den Gorge Waters (Gorge-Wasserstraße) im Harbour (Hafen) des heutigen Victoria bis Halkett Island – Hauptgruppe der heutigen Esquimalt Nation) der Whyomilth (Nordwestteil des Esquimalt Harbour – heute Mitglieder der Esquimalt Nation) der Chekonein (Che-ko-nein) (zwischen Gonzales Point und Mount Douglas – heute Mitglieder der Songhees First Nation) der Chilcowitch (östlich der Ross Bay bis Gonzales Point – heute Mitglieder der Songhees First Nation) der Stsanges (im Gebiet des heutigen Albert Head (Tleepet), einem Vorort von Metchosin, British Columbia – heute Mitglieder der Songhees First Nation) der Swengwhung (Inner Harbour, James Bay (Whosaykum – „Sand, Lehm“ oder „matschiger, sumpfiger Platz“), Clover Point und Ross Bay im Gebiet von Greater Victoria – heute Mitglieder der Songhees First Nation)
Erste Europäer Die ersten spanischen und britischen Schiffe steuerten Esquimalt 1790 und 1792 an. Don Manuel Quimper ankerte 1790 im Hafen von Esquimalt und nannte den Ort „Puerto de Cordova“ nach dem 46. Vizekönig von Neuspanien. Schon James Cook bewunderte die von den Indianern kultivierte Landschaft um das spätere Victoria. Der spätere Leiter der Hudson’s Bay Company (HBC) sah in der Landschaft der Region mit ihrer parkartigen Erscheinung, offenen Grasflächen usw. ein ideales Siedlungsgebiet, „a perfect Elysium in point of climate and scenery“.
Gründung Victorias Als Victoria 1843 gegründet wurde, existierte ein Songhees-Dorf neben dem neu errichteten Fort, das aber 1844 auf die andere Seite des Hafens versetzt wurde. Beim Bau des ersten Forts waren die Beziehungen offenbar noch sehr freundlich. So boten die Indianer ihre Hilfe an. 1.200 von ihnen halfen beim Setzen der Schanzpfähle, ihre Gesamtzahl wird auf 1.600 geschätzt.Nach: Janis Ringuette:
Gesellschaft Wie die übrigen Stämme auf Vancouver Island, etwa die Nuu-chah-nulth, teilte sich die Gesellschaft in drei streng voneinander getrennte Klassen, eine obere (siem), eine untere Klasse (stesem, sslyn oder stšam) und Sklaven (skeyes oder sk'wys). Die Sklaven lebten überwiegend in den Häusern der obersten Klasse, die untere Klasse lebte in separaten Häusern. Die obere Klasse hatte exklusiven Zugang zu bestimmten Ressourcen wie ertragreichen Fischbeständen, war aber auch gehalten, bei großen Feierlichkeiten (Potlatches) überaus großzügig zu schenken. Damit unterschieden sie sich im Grundsatz nur wenig von den europäischen Gesellschaften der Zeit, wenn man deren Prestigegebaren auch eher als ostentative Verschwendung und weniger als Ausgleich auffasst. Die Lekwungen lebten in zwei großen Dörfern, in Esquimalt Harbour und in der Cadboro Bay. Das Land dazwischen war zwar früher genutzt worden – so lassen sich Verteidigungsanlagen am Finlayson Point (datiert auf ca. 950 n. Chr.) und im Beacon Hill Park nachweisen (dort auch ein Friedhof), dazu am Holland Point und am Clover Point –, doch 1842 wurde es nur noch sporadisch von der führenden Klasse genutzt. Die Begräbnisstätten sind bereits 1858 erstmals untersucht worden, doch wurden die meisten Steinkreise dieser Art – mit einem Mound in der Mitte – zerstört.
Offenbar nutzten die Songhees die Umgebung dieser Stätten auch als Spielfeld für eine Art Hockey, ein Spiel namens Qoqwialls, das mit am Ende löffelartigen Eichenstöcken gespielt wurde, mit Toren an den Enden des Spielfelds.
Nahrungsgrundlagen und Kulturlandschaft
Lachs war, wie überall an der Pazifikküste, die Hauptnahrung der Küsten-Salish. Vor allem San Juan Island wurde gern mit Kanus angefahren. Der Fisch wurde getrocknet und geräuchert, aber niemals gesalzen. Auch andere Fische wie Hering und Heilbutt, aber auch Vögel und Wild standen auf der Speisekarte. Jedoch durfte nicht jeder überall jagen, denn bestimmte Familien hatten ihre Riffnetze und bestimmte Sammelfelder, wie die der horse clam, einer Muschelart (Tresus nuttallii). Sie waren nur dem Adel vorbehalten. Ähnliche Regeln galten für den Hausbau und für die Jagd, aber auch für das Sammeln zahlreicher Pflanzen, wie Beeren, Gräser usw. So konnte es geschehen, dass Familienclans entsprechend der jeweils besten Erntezeit der Pflanzen in bestimmte, ihnen „gehörende“ Gebiete wanderten.
Jedoch waren die Songhees nicht nur Jäger und Sammler, sondern auch „halbe“ Bauern. Sie pflanzten Camas, ein Agavengewächs mit blauen Blüten. Ihre Zwiebeln schmecken wie sehr süße, gebackene Tomaten, manche auch wie Birnen. Dabei wuchs sie in zwei Arten, der Gemeinen Camas (Camassia quamash) und der Großen Camas (Camassia leichtlinii). Besonders dieser Anbau und die Pflege des Bodens verwandelten die Landschaft im Laufe der Jahrhunderte und gaben ihr den für die Engländer so anziehenden, parkähnlichen Charakter. Die baumarmen Zonen, die zum Anbau von Camas und Kartoffeln gleichermaßen nötig waren, wurden durch den gezielten Einsatz von Feuer geschaffen. Nur so konnte das offene Grasland in der Region auch erhalten werden, jedoch verboten die Europäer diese Praxis recht bald. Die Landschaft war also keineswegs „naturbelassen“, wie die romantischen Besucher der Region glaubten. Außerdem war die Ernte eine gute Gelegenheit, in den extra zu diesem Zweck eingerichteten Lagern an den Feldern soziale Kontakte zu knüpfen und durch Rituale die Gesellschaft zu festigen.
Mit den Camas-Zwiebeln, die 4–8 cm Durchmesser hatten, aber auch größer werden konnten (und bis über 100 g schwer), wurde ein intensiver Handel betrieben, insbesondere mit den Nuu-chah-nulth. Denn der überwiegende Teil der begehrten Früchte wuchs um Victoria.
Besonders wichtig war für die Songhees eine bestimmte Eichenart, die heute Garry Oak genannt wird (Quercus garryana). Neben dem Grasland bildeten sie ein ganz eigenes Ökosystem, neben von Douglasien oder Sümpfen dominierten oder küstennahen Gebieten. Die Garry-Eiche ist zwischen British Columbia und Kalifornien verbreitet, wächst aber am besten um Victoria. Sie ist nach Nicholas Garry von der HBC benannt. Sie werden bis über 400 Jahre alt. Solange die Songhees regelmäßig ihre Feuer entzündeten, war die Eiche fast der alleinige Baum, seitdem jedoch dringen andere Baumarten vor. Diese Art von Habitat, an dem weitere etwa 100 Pflanzenarten hängen, gibt es praktisch nur noch im Beacon Hill Park, denn nur weniger als 5 % dieses für die Songhee-Kultur so kennzeichnenden Ökosystems existieren noch heute. Um 1800 umfasste dieses System noch rund 15 km² im Gebiet von Victoria, heute sind davon noch 21 ha übrig.
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