mini|hochkant|Otto von Manteuffel ca. 1898 Otto Karl Gottlob Freiherr von Manteuffel (* 29. November 1844 in Berlin; † 4. März 1913 ebenda) war Rittergutsbesitzer in der Niederlausitz und konservativer preußischer Politiker. Er war von 1877 bis 1898 Mitglied des Reichstages und dort von 1892 bis 1897 Fraktionsvorsitzender der deutschkonservativen Partei, von 1892 bis 1911 deren Parteivorsitzender. Ab 1883 war er außerdem Mitglied des Preußischen Herrenhauses.
Leben und Wirken mini|Otto von Manteuffel im Reichstag Leipziger Straße mini|Gut Krossen um 1860, Sammlung Alexander Duncker Manteuffel war der Sohn des preußischen Ministerpräsidenten Otto Theodor Freiherr von Manteuffel und seiner Frau Berta geb. von Stammer. Der preußische Landwirtschaftsminister Karl Otto von Manteuffel war sein Onkel, der General Kurt von Manteuffel ein Cousin zweiten Grades. Er studierte Rechtswissenschaft an der Georg-August-Universität und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er war Mitglied der Corps Saxonia Göttingen (1862) und Marchia Halle (1864).Kösener Korps-Listen 1910, 85, 216; 99, 278
Am Deutschen Krieg nahm er als Leutnant im 12. HusarenregimentTanja Wagner: Die Entstehung des Bürgerlichen Gesetzbuchs unter besonderer Berücksichtigung der darüber geführten Reichtagsdebatten. Books on Demand, 2008, ISBN 978-3-638-94482-3, S. 9. books.google.de teil. Von 1872 bis 1889 war Manteuffel Landrat in Luckau. Außerdem war er Mitglied im Provinziallandtag Brandenburg und im Kommunallandtag der Niederlausitz. Daneben war Manteuffel Mitglied der Generalsynode der Evangelischen Landeskirche der älteren Provinzen Preußens und der Provinzialsynode für Brandenburg. Er war Vorsitzender des Evangelischen Hilfsvereins und Generaldirektor der Land-Feuersocietät für die Kurmark und die Niederlausitz.
Von 1877 bis 1898 war Manteuffel Mitglied des Reichstages, wo er den 10. Wahlkreis im Regierungsbezirk Frankfurt/Oder (Calau, Luckau) und die Deutschkonservative Partei vertrat. Zwischen 1892 und 1897 war er Fraktionsvorsitzender. Seit 1883 war er außerdem Mitglied des Herrenhauses; 1891 war er sein erster Vizepräsident. Von 1882 bis 1908 war er Vorsitzender der alten Fraktion. Mit Bundesratsbeschluss vom 4. Dezember 1890 wurde Manteuffel als Mitglied der 2. Kommission zur Ausarbeitung des 2. Entwurfs des Bürgerlichen Gesetzbuchs berufen.
In der Deutschkonservativen Partei spielte Manteuffel vor allem seit dem Tivoliparteitag 1892, auf dem unter anderem antisemitische Programmpunkte beschlossen wurden, eine zentrale Rolle. Bis 1911 war er Vorsitzender der deutschkonservativen Partei. Außerdem war Manteuffel 1894 Vorsitzender des brandenburgischen Provinziallandtages und des Niederlausitzer Kommunallandtages. 1896 umfasste sein Grundbesitz um Krossen, Drahnsdorf, Falkenhayn und Schäcksdorf bei Luckau gut 2000 ha.
Zwischen 1896 und 1912 war er Landesdirektor des Provinzialverbands Brandenburg, d. h. Leiter der höheren kommunalen Selbstverwaltungskörperschaft. Im Jahr 1904 wurde er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Von 1908 und 1911 war Manteuffel Präsident des Herrenhauses. Außerdem war er Vorsitzender des konservativen Vereins der Steuer- und Wirtschaftsreformer.
Familie Otto von Manteuffel vermählte sich 1872 in Merseburg mit Helene Johanne Luise Isidore von Brandenstein a.d.H. Zöschen (1847–1934). Das Ehepaar blieb kinderlos. mini|hochkant|Helene von Manteuffel, geb. Brandenstein, langjährige Vorsitzende der Brandenburgischen Frauenhilfe Helene, die jüngste Schwester der mit dem württembergischen General Gustav von Brandenstein verheirateten Elisabeth (1841–1879), adoptierte um 1927 ihren Neffen Hans von Brandenstein (1870–1950) und regelte so die Frage der Nachfolge im Gutsbesitz.
Literatur
Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? 4. Ausgabe, Degener, Leipzig 1909. Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog. Band 18. Reimer, Berlin 1913. Wilhelm Kosch, fortgeführt von Eugen Kuri: Biographisches Staatshandbuch. Francke, Bern u. a. 1963. Acta Borussica. 1. Reihe: Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817–1934/38. Band 10: 14. Juli 1909 bis 11. November 1918. Olms-Weidmann, Hildesheim u. a. 1999, ISBN 3-487-11007-5, S. 413; preussenprotokolle.bbaw.de (PDF; 2,74 MB) Friedwerd Messow: Stadtjunker in der Lausitz. Regia-Verlag, Cottbus 2002, ISBN 3-936092-66-4, S. 34. Kristina Hübener: Manteuffel, Otto Karl Gottlob, Frhr. v. In: Friedrich Beck, Eckart Henning (Hrsg.): Brandenburgisches Biographisches Lexikon. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2002, ISBN 3-935035-39-X, S. 269–270 (mit Bild; = Einzelveröffentlichung der Brandenburgischen Historischen Kommission e. V. Band 5). Eckhard Hansen, Florian Tennstedt (Hrsg.) u. a.: Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 1: Sozialpolitiker im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Kassel University Press, Kassel 2010, ISBN 978-3-86219-038-6, S. 105; uni-kassel.de (PDF; 2,2 MB).
Weblinks
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Einzelnachweise
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