mini|Hanseatenkreuz auf der Pforte zum Gräberfeld Der Ehrenfriedhof ist eine zentrale Gedenkstätte in Lübeck für die zivilen und militärischen Opfer beider Weltkriege. Er ist etwa fünf Hektar (50.000 m2) groß, umfasst 1882 Grabstätten und ca. 500 Gedenksteine. Er liegt an der Travemünder Allee in Höhe der Kreuzung Sandberg/Heiligen-Geist-Kamp und gegenüber dem Burgtorfriedhof.

Geschichte mini|hochkant|Harry Maasz Anfang November des Jahres 1914 wurde von der Friedhofsbehörde beim „hohen Senat“ beantragt, ihr einen Platz zur Herrichtung einer Kriegsgräberanlage nach Maßgabe des Garteninspektors Harry Maasz zur Verfügung zu stellen. Im Inneren der Anlage sollte gemäß der ursprünglichen Planung ein Gedenkstein stehen.

Der Senat befürwortete das Vorhaben im Januar 1915 und wies der Anlage einen Platz nördlich des Burgtorfriedhofs an der Israelsdorfer Allee (heute: Travemünder Allee) zu. Gräber des Krieges, deren Bestattungen bereits seit Oktober 1914 auf dem Vorwerker Friedhof stattgefunden hatten, wurden nachträglich umgebettet.

Der Zugang wurde gesperrt, nachdem Sturmtief Herwart Ende Oktober 2017 den Ehrenfriedhof verwüstet hatte. Herwart hatte etwa 50 Buchen und Eichen, die zum Teil 180 bis 190 Jahre alt waren, zum Umstürzen gebracht, viele Grabsteine wurden beschädigt. Im Januar 2018 wurde mit der Beseitigung der Schäden begonnen.Sabine Risch: Ehrenfriedhof: Jetzt wird aufgeräumt, Lübecker Nachrichten, 9. Januar 2018, S. 11 Anfang Juli 2018 war der Friedhof teilweise wieder zugänglich.Ehrenfriedhof teilweise zugänglich, Lübecker Nachrichten, 11./12. Juli 2018, S. 11 Die Arbeiten mit Teilsperrung zogen sich bis Ende Januar 2019 hin. Insgesamt mussten fast hundert alte Bäume gefällt werden.Ehrenfriedhof wieder geöffnet. In: Lübecker Nachrichten, 1. Februar 2019, S. 12.

Architektur und gärtnerische Anlage Der Friedhof ist als ein von waldigen Hügeln umgebener Hain mit vielen Skulpturen konzipiert. Die einzelnen Felder sind treppenförmig angelegt.Ehrenfriedhof. In: Hansestadt Lübeck: Der Friedhofswegweiser. Mammut-Verlag Leipzig, 2. Auflage, S. 52 bis 55. Bepflanzt ist der Friedhof mit Buchen, Eichen, Eiben und Rhododendron.Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (Hrsg.): Gartenrouten zwischen den Meeren. Route 5: Lübeck. 2., überarbeitete Auflage, Kiel, Mai 2010

Auf den schmiedeeisernen Flügeln der Pforte des Hauptportales sowie dem Portal zum Gräberfeld des Friedhofs wurde in deren Zentren das Hanseatenkreuz, Orden der Hansestadt Lübeck während des Ersten Weltkriegs, angedeutet.

Ein Nebenportal befindet sich an der Straße Sandberg. Gegenüber befindet sich das Nebenportal des Burgtorfriedhofs. Dies ermöglicht(e) einen raschen Übergang zwischen den Friedhöfen.

Ein weiterer Zugang zum Ehrenfriedhof befindet sich gegenüber dem Nebenportal zu einem Weg entlang der Schienen.

Kriegsgräberstätten Erster Weltkrieg mini|Gräberfeld der Gefallenen des Ersten Weltkriegs mini|Huldigungsgang zur Eröffnung Die Eröffnung des lübeckischen Ehrenfriedhofs fand am 6. Juni 1915 statt. Die Erbauungstunde mit Gesang und Predigt, die der Kücknitzer Pastor Kurt Ziesenitz entsprechend dem Anlass an Vers 5 des 3. Kapitels aus dem 2. Buch Mose aus der Lutherbibel 2. Mose - Kapitel 3 Kurt Ziesenitz: Gedächtnisrede zu Ehren der Gefallenen gehalten am 6. Juni 1915 zur Eröffnung des Verbandstages des Landeskriegerverbandes auf dem Ehrenfriedhof zu Lübeck. Lübeck: Lübecker Verlagsanstalt Otto Waelde Komm.-Ges. 1915 angelehnt hatte, fand vor der eigentlichen „Heldenstätte“ statt. Dann öffneten sich die Tore des Hains. Mit dem Bürgermeister, Johann Hermann Eschenburg, sowie dem Kommandeur des Ersatzbataillons des heimischen Regiments, Oberst von Kuenheim, an der Spitze, schritten Mitglieder des Senates und des Offizierkorps, Mitglieder der Bürgerschaft und andere Ehrengäste sowie die im Landeskriegerverband vereinigten Kriegervereine an den Gräbern entlang.

Am Kopfende der Toten schlang sich um das Oval der Anlage ein Kranz blühender Alpenrosen herum. In der einen Abteilung des Friedhofes leuchteten sie rot, in der anderen blau. Während die zweite Hälfte der Stätte, unterhalb der Stufen, noch unbenutzt war, waren im ersten Hof schon über 50 „Helden“ bestattet. Gedächtnisfeier auf dem Ehrenfriedhof. In: Vaterstädtische Blätter. Jg. 1915, Nr. 37, Ausgabe vom 13. Juni 1915, S. 149–151.

Die Anlage bestand aus einem ovalen und einem ins Halbrund auslaufenden rechteckigen Gräberfeld, umgeben von einem Ehrenhain mit Gedenksteinen. 1917 wurden die Felder um eine Gasse und ein weiteres kreisförmiges Grabfeld erweitert. Bedingt durch die Länge des Krieges wurde eine Erweiterung des Friedhofs um zwei weitere Felder jenseits der Allee geplant, aber nicht mehr verwirklicht.

Zweiter Weltkrieg mini|Gräberfeld der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs

Die Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges sind in drei voneinander getrennten Grabfeldern beigesetzt. Im Zweiten Weltkrieg beschloss man, anstelle eines räumlich von diesem getrennten Ehrenfriedhofs den vorhandenen des Ersten Weltkriegs zu erweitern. Der Baudirektor Hans Pieper schlug vor, dies mittels einer Achse neuer Grabfelder, welche die ursprüngliche im sogenannten Vorhof schneide, zu realisieren. Den räumlichen Gegebenheiten entsprechend entstanden ein kreisförmiges Grabfeld zur Travemünder Allee und ein weiteres ovalförmiges zur anderen Seite, angrenzend an die Straße Sandberg. An jenes schloss sich nach dem Luftangriff auf Lübeck am 29. März 1942 ein drittes kreisförmiges, Opfer Palmarum 1942, für deren zivile Opfer an. Der Oberbürgermeister, Drechsler – als Soldat einst mit dem Lübecker Regiment im Ersten Weltkrieg –, genehmigte dies persönlich.

Pflege der Kriegsgräber Die Gräber werden von der Hansestadt Lübeck gepflegt. Die theoretischen Kenntnisse über den Zweiten Weltkrieg haben Schüler der Emil-Possehl-Schule vertieft, indem sie Grabsteine und Gehwege in Stand setzten und somit konkret mit dem Schicksal der hier Bestatteten konfrontiert wurden.Harken und schrubben gegen das Vergessen. In: Lübecker Nachrichten vom 15. November 2014, S. 15. Autorenkürzel han.

Ehrenmale und Gedenken

Auf den Grabfeldern befinden sich drei Denkmäler zum Gedenken an die Opfer der Kriege. Am Denkmal des betenden Kriegers werden jährlich am Volkstrauertag in stiller Feier Kränze für alle Toten der Kriege niedergelegt.Gedenken an die Opfer der Kriege. In: Lübecker Nachrichten vom 18. November 2014, S. 14. Autorenkürzel mg.

Helm ab zum Gebet

Durch den Künstler Richard KuöhlRichard Kuöhl, nach handwerklicher Ausbildung in seiner Heimatstadt Meißen folgt ein Studium in Dresden. K. ist ab 1912 in Hamburg ansässig und wird bekannt durch seine unglaubliche Schaffenskraft. So erschafft er in den 1920er und 1930er Jahren etwa 50 Kriegerdenkmäler und eine große Anzahl von Gestaltungselementen an hamburgischen Gebäuden (u. a. eine Terrakotta-Plastik an der Vorderseite der berühmte Davidwache in Hamburg-S.Pauli) wurde 1924 die ca. 4 m hohe Statue Helm ab zum Gebet als zentrales Denkmal für das Infanterie-Regiment „Lübeck“ (3. Hanseatisches) Nr. 162 zum Gedenken an die Opfer dieser Einheit geschaffen.Otto Dziobek: Geschichte des Infanterie-Regiments Lübeck (3. Hanseatisches) Nr. 162. 1. Auflage 1922.

Am 29. Juli 1919 genehmigte der Senat der Freien und Hansestadt Lübeck der Abwicklungsstelle des Infanterie-Regiments Lübeck unter Verwendung der Mittel aus der regimenteigenen Loigny-Stiftung die Errichtung des sich danach zur zentralen Gedenkstätte des Friedhofs entwickelnden Ehrenmals.

Die Inschrift am Fuß der Statue lautet: 1914–1918 / den gefallenen Helden / des Inf. Regts. Lübeck / 3. Hanseatisches Nr. 162 / 85 Offiziere / 1755 Unteroffiziere und Mannschaften.

eingerahmt im Anfangssatz aus Ludwig Uhlands Der gute Kamerad Ich hatt’ einen Kameraden einen bessern findst du nicht

Der Unterbau der Figur und die sie im Halbrund umfassende Mauer mit den Jahrestafeln, auf denen die Einsatzorte vermerkt sind, wurden nach einem Entwurf des Oberbaurates Friedrich Wilhelm Virck in Zusammenarbeit mit dem Architekten Max Meyer hergestellt. Die gartenkünstlerische Anlage erschuf Harry Maasz.

Der ursprüngliche Plan, das Denkmal im Vorhof bzw. an den Toreingang selbst zu stellen, wurde aufgegeben und die Platzfrage dank einer Anregung von Maasz in dessen Sinne gelöst. Die beabsichtigte Einweihung des Ehrenmals war für den 29. Juli 1923 vorgesehen. Sie wurde jedoch mit Rücksicht auf die angekündigten Unternehmungen der Kommunistischen Partei, die für diesen Tag einen Demonstrationssonntag angekündigt hatte, unterlassen und, wie es hieß, auf bessere Zeiten verlegt. Das Denkmal wurde in aller Stille enthüllt. Das Ehrenmal des Regiments Lübeck., in: Von Lübecks Türmen, 33. Jahrgang, Nr. 16, Ausgabe vom 11. August 1923, S. 64. Rubrik: Wochenschau. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1922/23, Nr. 23, Ausgabe vom 12. August 1923, S. 92.

Sterbender Krieger Auf der Pforte zum ersten Gräberfeld befindet sich ein Hanseatenkreuz. Im Kreis des Kreuzzentrums ist die sich am Eingang des zweiten Feldes befindende von Fritz BehnFritz Behn, nach Schulbesuch in Lübeck Katharineum und künstlerischer Ausbildung wird Behn Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg. Danach Verfechter von nationalistischem Gedankengut. Behn wird bekannt durch eine Reihe von Tierplastiken (Antilope vor dem Lübecker Holstentor; Panther im Lübecker Schulgarten) für seinen gefallenen Schwager, Hauptmann und Rechtsanwalt Hans Küstermann, geschaffene Skulptur.

Inschrift auf der Vorderseite des Sockels: Der mir der Liebste war ihm sei es ein Grüssen der Liebe allen die fielen wie er schmerzlichen Dankes ein Mal

Die rückwärtige Sockelinschrift erinnert an den Anlass der Aufstellung: Dem Gedenken Dr. jur. Hans Küstermann Gefallen im Priesterwald 1915.

Die Mutter Auf dem Feld Opfer Palmarum 1942 steht das um 1960 von dem Rheiner Künstler Joseph Krautwald aus Muschelkalk erschaffene Skulptur Die Mutter.

Grabdenkmäler

Die Grabstätten und Gedenksteine sind per Computer erfasst. Neben Denkmälern für Einzelpersonen sind auch eine Reihe von ihnen für Personengruppen, Vereine und Verbände vorhanden.

Harry Maasz mini|hochkant|Maaszsches Grab Am 29. August 1946 wurde am Ausgang des Ersten Feldes Harry Maasz als letzte Person auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt. Das seinige ist das einzige als solches noch heute erkennbare Grab des Ehrenfriedhofs.

Aus seinem Grabstein steht das Zitat Johann Wolfgang von Goethes: Alles geben / die Götter die / unendlichen / Ihren Lieblin / gen ganz alle / Freuden die / unendlichen / alle Schmer / zen die unend / lichen ganz

eingerahmt von

Dem Schöpfer des (rechts) Lübecker (oben) Ehrenfriedhofs (links) Harry Maasz / * 1880 † 1946 Wilfried Fick: Lübecker Friedhöfe. Ehrenfriedhof. Hansestadt Lübeck – Fachbereich Planen und Bauen, Lübeck 2010 (Lübeck plant und baut 103, ), Seite 26.

Da die Beschriftung des Randes heute nicht mehr vorhanden ist, wissen heute nur noch Eingeweihte, dass dort der verstorbene Schaffer des Friedhofs liegt.

Gedenksteine Berufsfeuerwehr Lübeck Steinplatte mit folgender Inschrift: Die Berufsfeuerwehr Lübeck / ehrt das Andenken ihrer für das / Vaterland gefallenen Angehörigen

Walter Boy-Ed mini|hochkant|Walther Boy-Ed Georg Roemer schuf eine Säule mit dreieckigem Schaft, deren Kapitell ein Garde-Helm ziert. Inschrift auf der Vorderseite: Walter Boy-Ed / Hauptmann Batteriechef / I. Garde Fuss-Artillerie-Regt. / Spandau / PS 31 V-16yEin Vergleich mit den texten ergibt, dass der Verweis sich auf die Luther Bibel (1545) bezieht. / Meine Zeit stehet / in deinen Händen / errette mich von der / Hand meiner Feinde / und von denen die / mich verfolgen. Gehen wir entgegen dem Uhrzeigersinn um die Säule, finden wir auf der zweiten Fläche: GEBOREN / 17. MAI 1874 / LVBECK / VERWUNDET / . SEPTEMBER 1914 / NAUROY / GESTORBEN / 23. SEPTEMBER 1914 / REIMS