mini|Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe um 1700 auf einem Bild von Hans Hinrich Rundt Gräfin Johanna Sophie zu Hohenlohe-Langenburg (* 16. Dezember 1673 in Langenburg; † 18. August 1743 in Stadthagen) war eine deutsche Adlige und Dichterin. Durch ihre Heirat wurde sie Gräfin zu Schaumburg-Lippe.

Biografie

Kindheit Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe kam am 16. Dezember 1673 in Langenburg (heute Landkreis Schwäbisch Hall) auf die Welt. Ihr Vater war Heinrich Friedrich zu Hohenburg Langenburg (1625–1699) und ihre Mutter Juliane Dorothea zu Castell (1640–1706).Petra Widmer: Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe in Stadthagen. In: 800 Jahre Stadthagen: Geschichte und Geschichten. Atkinson, Catherine u. Eick, Stefan. Sonderdruck. Kiel 2022. S. 261. Sie wuchs in einem protestantischen Umfeld aufAnna-Franziska von Schweinitz: Johanna Sophia Gräfin zu Schaumburg-Lippe, Gräfin zu Hohenlohe-Langenburg (1673–1743). Ein Leben an den Höfen von Langenburg, Bückeburg, Hannover und St. James, in: Lebensbilder aus Baden-Württemberg, Stuttgart 2001. S. 103. und verbrachte ihr Leben größtenteils in Langenburg, Bückeburg, Hannover sowie St. James in Großbritannien.Anna-Franziska von Schweinitz: Johanna Sophia Gräfin zu Schaumburg-Lippe, Gräfin zu Hohenlohe-Langenburg (1673–1743). Ein Leben an den Höfen von Langenburg, Bückeburg, Hannover und St. James, in: Lebensbilder aus Baden-Württemberg, Stuttgart 2001. S. 98. Der Hof von Langenburg unter Heinrich Friedrich zu Hohenburg Langenburg war als literarisches Zentrum bekannt, dessen Ziel es war, die Menschen zu bilden. Der Bestand der Bibliothek muss immens gewesen sein. Das Schreiben und Vorlesen galten als besonders wichtige Tätigkeiten. Heinrich Friedrich zu Hohenburg Langenburg wurde in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen. Diese setzte sich für die Pflege der deutschen Sprache ein, und zwar über die Standes- und Konfessionsgrenzen hinaus.Anna-Franziska von Schweinitz: Johanna Sophia Gräfin zu Schaumburg-Lippe, Gräfin zu Hohenlohe-Langenburg (1673–1743). Ein Leben an den Höfen von Langenburg, Bückeburg, Hannover und St. James, in: Lebensbilder aus Baden-Württemberg, Stuttgart 2001. S. 102. 1675 übernahm ihr Vater die Herrschaft Kirchberg und die Kunstkammer seines verstorbenen Bruders Joachim Albrecht. Die Kunstkammer musste Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe ziemlich beeindruckt haben, denn sie wurde bereits im ersten Inventar von 1684, als einziges Kind, vermerkt. Ab 1679 war der Pfarrer Johann Ilin für die Bildung der Mädchen zuständig. Der Fokus wurde auf Arzneibücher gelegt, denn es war zu dieser Zeit üblich, dass Frauen eine eigene Apotheke betrieben. Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe genoss einen breiten Unterricht. Sie beherrschte die französische, italienische und lateinische Sprache.Anna-Franziska von Schweinitz: Johanna Sophia Gräfin zu Schaumburg-Lippe, Gräfin zu Hohenlohe-Langenburg (1673–1743). Ein Leben an den Höfen von Langenburg, Bückeburg, Hannover und St. James, in: Lebensbilder aus Baden-Württemberg, Stuttgart 2001. S. 103. Zu ihrer Mutter pflegte Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe ein herzliches Verhältnis.Anna-Franziska von Schweinitz: Johanna Sophia Gräfin zu Schaumburg-Lippe, Gräfin zu Hohenlohe-Langenburg (1673–1743). Ein Leben an den Höfen von Langenburg, Bückeburg, Hannover und St. James, in: Lebensbilder aus Baden-Württemberg, Stuttgart 2001. S. 102.

Heirat und Nachkommen Am 4. Januar 1691 heiratete Johanna Sophie in Langenburg den Grafen Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe (1655–1728). Für die Eheschließung brachten ihre unterschiedlichen Konfessionen Komplexität in die Beziehung. Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe kam aus einem lutherischen Umfeld und trat in ein reformiertes Haus ein. Durch die Unterstützung ihres Vaters war es weiterhin ihr Recht, ihr Bekenntnis auszuführen. Dies galt auch für ihre Kinder, die jedoch über die Unterschiede der Konfessionen belehrt werden sollten. Nur die Söhne mussten die Konfession des Vaters übernehmen.Anna-Franziska von Schweinitz: Johanna Sophia Gräfin zu Schaumburg-Lippe, Gräfin zu Hohenlohe-Langenburg (1673–1743). Ein Leben an den Höfen von Langenburg, Bückeburg, Hannover und St. James, in: Lebensbilder aus Baden-Württemberg, Stuttgart 2001. S. 104. Das Paar hatte gemeinsam sieben Kinder, wovon nur Wolfgang Albrecht (1699–1748) und Ludwig Karl (1702–1776) das Erwachsenenalter erlangten.Petra Widmer: Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe in Stadthagen. In: 800 Jahre Stadthagen: Geschichte und Geschichten. Atkinson, Catherine u. Eick, Stefan. Sonderdruck. Kiel 2022. S. 261. Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor:

Friedrich August (1693–1694) Wilhelm Ludwig (*/† 1695) Sophie Charlotte (*/† 1697) Philipp (1697–1698) Albrecht Wolfgang (1699–1748), Graf zu Schaumburg-Lippe 1728–1748 Friedrich Ludwig Karl (1702–1776)

Ehekrise Zu Beginn ihrer Ehe durfte sie ihren Mann noch oft auf Reisen begleiten, wurde dann aber immer häufiger zurückgelassen. Die Verfassung des Gatten wurde zunehmend als unstabil beschrieben, zudem musste sein Verhalten von Tobsucht geprägt gewesen sein. Gleichzeitig schränkte er die Bewegungsfreiheit von Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe zunehmend ein.Anna-Franziska von Schweinitz: Johanna Sophia Gräfin zu Schaumburg-Lippe, Gräfin zu Hohenlohe-Langenburg (1673–1743). Ein Leben an den Höfen von Langenburg, Bückeburg, Hannover und St. James, in: Lebensbilder aus Baden-Württemberg, Stuttgart 2001. S. 106. Liselotte von der Pfalz, mit der Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe einen hegen Briefverkehr pflegte, stellte fest: „Es ist ein groß Unglück, daß die schönne Gräffin von Buckeburg so einen dollen Mann hatt; sie solte den Mann in Krieg schicken, mögte ihn vielleicht loß werden“.Eduard Bodemann (Hg.), Aus den Briefen der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans an die Kurfürstin Sophie von Hannover, Band 2, Hannover 1891. S. 11. Die Schönheit Johanna Sophias zu Schaumburg-Lippe kann Liselotte allerdings nicht aus eigener Beurteilung geschlossen haben, denn die beiden haben sich nie getroffen.Petra Widmer: Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe in Stadthagen. In: 800 Jahre Stadthagen: Geschichte und Geschichten. Atkinson, Catherine u. Eick, Stefan. Sonderdruck. Kiel 2022. S. 262. Die Spannungen in der Ehe spitzten sich zu, als Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe versuchte, sich dem Hoffräulein von Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe anzunähern. Das Hoffräulein weigerte sich. Hierfür wurde irrtümlicherweise Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe mitverantwortlich gemacht, worauf Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe ihr mit dem Tod drohte.Petra Widmer: Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe in Stadthagen. In: 800 Jahre Stadthagen: Geschichte und Geschichten. Atkinson, Catherine u. Eick, Stefan. Sonderdruck. Kiel 2022. S. 263. Aus Angst vor der Drohung ergriff Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe 1702 gemeinsam mit ihrem Sohn,Petra Widmer: Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe in Stadthagen. In: 800 Jahre Stadthagen: Geschichte und Geschichten. Atkinson, Catherine u. Eick, Stefan. Sonderdruck. Kiel 2022. S. 263. dem Hoffräulein, einigen Bediensteten und Kostbarkeiten die Flucht. Sie erhielt in Minden brandenburgischen Schutz. Gleichzeitig klagte Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe beim Reichshofrat in Wien wegen böswilligem Verlassen. Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe richtete sich an die Landstände der Grafschaft und reagierte mit einer Gegenklage. Das Ziel der Klage war die offizielle Erklärung von Friedrich Christians Regierungsunfähigkeit. Dies hätte bedeutet, dass die Regentschaft für den unmündigen Sohn auf Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe übertragen worden wäre. Dieses Ziel wurde nicht erreicht, dennoch wurde verhindert. Es wurde eine Kommission engagiert, deren Ziel darin bestand, einen gültigen Vergleich und für eine Darlegung der Ehemissverständnisse zu sorgen.

Im März 1703 wurde beschlossen, dass das Schloss Stadthagen ihr Wohnsitz sein sollte. Dieses war bereits im Ehevertrag als ihr Witwensitz vermerkt.Petra Widmer: Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe in Stadthagen. In: 800 Jahre Stadthagen: Geschichte und Geschichten. Atkinson, Catherine u. Eick, Stefan. Sonderdruck. Kiel 2022. S. 264. Es ist davon auszugehen, dass das Schloss Stadthagen ein halbes Jahrhundert kaum bewohnt worden war, bis Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe am 5. Juni 1703 einzog.Petra Widmer: Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe in Stadthagen. In: 800 Jahre Stadthagen: Geschichte und Geschichten. Atkinson, Catherine u. Eick, Stefan. Sonderdruck. Kiel 2022. S. 265. Die Bevölkerung in Stadthagen reagierte nach dem Tagebucheintrag von Börries von Münchhausen mit Freuden auf ihren Einzug.Petra Widmer: Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe in Stadthagen. In: 800 Jahre Stadthagen: Geschichte und Geschichten. Atkinson, Catherine u. Eick, Stefan. Sonderdruck. Kiel 2022. S. 266.NLA Bü Dep. 3 GR Nr. 1292, S. 651 f. Besonders mit dem Ehepaar Börries von Münchhausen (1663–1722) und Sophie Catharina geborene von Voss (1661 oder 1666–1735) war Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe nach dem Briefwechsel zwischen 1691 und 1735 gut befreundet. Das Schloss Stadthagen war bei ihrem Einzug in schlechtem Zustand. Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe investierte in die Renovation. Umständlich war zudem, dass der Garten außerhalb der Stadtmauer lag, denn es galt als verpönt, wenn eine Gräfin zu Fuß durch das Stadttor ging. Um zu umgehen, dass jeweils eine Kutsche bereitgestellt werden musste, wenn sie in den Garten wollte, ließ sie sich einen privaten Weg über den Graben und durch die Stadtmauer erbauen. Dies zog einen Streit mit dem Stadtrat mit sich. Jedoch affirmierten die Deputierten der kaiserlichen Kommission ihren Plan. Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe hielt fest, dass der Stadtrat seitdem unterwürfig sei und keinen Grund mehr habe, sich über sie zu beklagen.Petra Widmer: Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe in Stadthagen. In: 800 Jahre Stadthagen: Geschichte und Geschichten. Atkinson, Catherine u. Eick, Stefan. Sonderdruck. Kiel 2022. S. 266. Ihr Leben war von Geselligkeit geprägt. Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe hatte eine außergewöhnliche Beziehung zum kurfürstlichen Hof in Hannover. Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe wütete in Wien weiterhin gegen sie. Er wollte ihr die Söhne und Wertgegenstände entnehmen. Dies führte außerdem dazu, dass 1707 die kaiserliche Kommission aufgelöst wurde. Dies schadete Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe, da auch der ihr positiv zugewandte Georg Ludwig Teil davon war und sich für sie eingesetzt hatte.Petra Widmer: Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe in Stadthagen. In: 800 Jahre Stadthagen: Geschichte und Geschichten. Atkinson, Catherine u. Eick, Stefan. Sonderdruck. Kiel 2022. S. 267. Um Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe die Obhut der Söhne zu entziehen, wurden die beiden nach Wolfenbüttel gebracht, wo sie die Akademie besuchen sollten. Sie ignorierte diese Forderung. Dies führte dazu, dass Johanna Sophia zu Schaumburg-Lippe die Grafschaft verlassen musste.

Späteres Leben