Der Deutsche Caritasverband ist ein 1897 in Köln gegründeter Dachverband der organisierten Caritas ( für Nächstenliebe, Hochschätzung) und Wohlfahrtsverband der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Er ist in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins (e. V.) und Spitzenverband von über 900 einzelnen Organisationseinheiten – die meisten davon als selbstständig eingetragene Vereine. Er ist Teil der Liga der so genannten Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. Die Spitzenverbände arbeiten zusammen in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

Als Zusammenschluss von rund 6.200 rechtlich eigenständigen Trägern mit rund 740.000 MitarbeiternMillionenfache Hilfe Caritas.de, abgerufen am 12. Februar 2025. gilt der Verband als der größte privatrechtliche Arbeitgeber Deutschlands. Zusätzlich engagieren sich rund 500.000 ehrenamtliche Helfer in den Einrichtungen der Caritas. Die Entsprechung der evangelischen Kirche ist die Diakonie Deutschland.

Geschichte Anfänge Der Prälat Lorenz Werthmann gründete mit fünf weiteren Personen, darunter Cyprian Fröhlich, der bereits 1889 ein Hilfswerk gegründet hatte, am 9. November 1897 in Köln den Charitasverband für das katholische Deutschland. Der Sitz des Verbandes liegt heute in Freiburg im Breisgau. Bald entstanden weitere nationale Caritas-Organisationen in der Schweiz (1901), in Österreich (1903) und in den USA (Catholic Charities, 1910).Wilhelm Liese: Wohlfahrtspflege und Caritas im Deutschen Reich, in Deutsch-Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Volksvereins-Verlag, Mönchengladbach 1914, S. 107–109. 1916 erkannte die Fuldaer Bischofskonferenz den Caritasverband als Zusammenfassung der Diözesan-Caritasverbände zu einer einheitlichen Organisation an. Im Jahre 1922 hatten alle deutschen Diözesen einen eigenen Diözesan-Caritasverband mit Direktoren.

Caritas im Nationalsozialismus Während Caritaszentrale und -verbände in den ersten Wochen nach der sogenannten Machtergreifung am 30. Januar 1933 sich zunächst distanziert-abwartend verhielten, gab die Caritas zusammen mit den deutschen Bischöfen diese Haltung nach der Regierungserklärung des Reichskanzlers Hitler vom 23. März 1933 auf.Peter Hammerschmidt: Die Wohlfahrtsverbände im NS-Staat. 1999, ISBN 978-3-8100-2128-1, S. 143. Die Caritas begrüßte fortan die „nationale Erhebung“ und setzte Hoffnungen in die nationalsozialistische Regierung.Peter Hammerschmidt: Die Wohlfahrtsverbände im NS-Staat. S. 143 mN. Intern wie öffentlich hoben Repräsentanten der Caritas die Gemeinsamkeiten mit dem Nationalsozialismus hervor: die Überwindung des Klassenkampfes und die Schaffung einer (christlichen) Volksgemeinschaft, der Kampf gegen Liberalismus, Sozialismus, Kommunismus, Bolschewismus, der Kampf gegen die Gottlosenbewegung, Unsittlichkeit und Genusssucht.Peter Hammerschmidt: Die Wohlfahrtsverbände im NS-Staat. S. 143 mwN. Speziell in der Wohlfahrtspflege verortete der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Benedikt Kreuz, drei aus Sicht der Caritas sehr begrüßenswerte Ziele des Nationalsozialismus: Der neue Staat wolle als Wohlfahrtsstaat zurücktreten, womit wieder die freie Liebestätigkeit in den Vordergrund rücke, er betone die Selbsthilfe und wende sich gegen die ständigen Ansprüche an Staat und Sozialversicherung und schließlich übe er lebendige Sorge für den „erbgesunden“ Familienaufbau und für die kinderreiche Familie.Protokoll der Zentralratssitzung des Deutschen Caritasverbandes vom 6. Juni 1933 (ADC, 081/01-16)Peter Hammerschmidt: Die Wohlfahrtsverbände im NS-Staat. S. 143.

Mit Abschluss des bis heute gültigen Reichskonkordats (RK) zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich im Juli 1933 erhielt der Caritasverband eine staatliche Bestandsgarantie (Art. 31 RK), wobei gleichzeitig seine Arbeit durch die neuen Machthaber mitunter politisch und rechtlich eingeengt wurde. Der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Kuno Joerger, würdigte jedoch das Konkordat als einen „bedeutsamen Markstein in der Geschichte des Christentums im Deutschen Volk“ und bestätigte in einem offiziellen Dankschreiben an Reichskanzler Adolf Hitler: „Mit aufrichtigem Dank gegen Gott beglückwünschen wir die Reichsregierung zum erfolgreichen Abschluß des Konkordates und geloben allzeit treueste Pflichterfüllung im Dienste der Notleidenden unseres heißgeliebten Volkes.“Schreiben des Deutschen Caritasverbandes an Reichskanzler Adolf Hitler aus dem Juli 1933 (ADC, 740.5 Fasz. 2).Peter Hammerschmidt: Die Wohlfahrtsverbände im NS-Staat. S. 144.

Nachdem sich die Geschicke der katholischen Kirche und des Deutschen Caritasverbandes im „Jahr der nationalen Revolution“ deutlich günstiger gefügt hatten als befürchtet, erklärte sich die Caritas zu einer loyalen Haltung gegenüber dem neuen Staat und zu einer wohlwollenden Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Wohlfahrtsverband bereit. In einen Konflikt mit den neuen Machthabern trat die Caritas nur vereinzelt und zur Wahrung ihrer Sonderinteressen. Caritaspräsident Benedikt Kreutz positionierte sich verschiedentlich gegen den Nationalsozialismus, so betonte er bei einer Rede 1939 in Graz sarkastisch: „Wir sind keine Gegner des Nationalsozialismus, wir haben das Gebot der Feindesliebe.“ 1937 hob er die Pflicht der Sorge der Caritas für das sogenannte „lebensunwerte Leben“ hervor. Seine Äußerungen bleiben von der Gestapo nicht unbemerkt, die in einem Bericht vermerkt, dass Kreutz „scharf und prägnant gegen den Nationalsozialismus eingestellt war“. Die Caritasmitarbeiterin Gertrud Luckner unterstützte ab 1935 bis zu ihrer Verhaftung 1943 Juden unter der Leitung und dem Schutz von Caritaspräsident Kreutz u. a. bei der Auswanderung. In einem Interview vom 9. März 2018 mahnte Verbandspräsident Peter Neher an, man habe sich „mit dem damals geschehenen Unrecht auseinander[zu]setzen“, und verwies auf das Engagement einzelner verfolgter Christinnen.domradio.de Die Haltung seines Vorgängers und des Verbandes in den Jahren 1933–1945 thematisierte er nicht; eine offizielle Stellungnahme zur Verbandspolitik des Deutschen Caritasverbandes in der Zeit des Nationalsozialismus ist bislang ausgeblieben.

Caritas in der Bundesrepublik bis 1990 In der Nachkriegszeit betätigte sich der Caritasverband überwiegend in der Verteilung ausländischer Spenden an die deutsche Bevölkerung, in der Sorge für deutsche Flüchtlinge sowie in der Zusammenführung auseinandergerissener Familien.

Daneben leistete die Caritas über ihre Organisationsstrukturen und in Kooperation u. a. mit dem katholischen Bischof Alois Hudal Fluchthilfe zugunsten zahlreicher namhafter NS-Kriegsverbrecher (u. a. Adolf Eichmann, Josef Mengele, Walter Rauff, Klaus Barbie, Erich Priebke und Erich Müller).Olaf Blaschke: Die Kirchen und der Nationalsozialismus, Relam Verlag, Ditzingen 2014, S. 143.

In den 1960er Jahren kam zu der Arbeit mit benachteiligten Menschen in Westdeutschland der Aufbau der internationalen Hilfe, etwa bei Naturkatastrophen oder Kriegen.

Im Jahr 1982 gehörten zum Deutschen Caritas-Verband (DCV) in der Bundesrepublik 22 Diözesan-Caritasverbände, 260 karitative Genossenschaften (Männer- und Frauenordern mit sozialer Aufgabenstellung) und 36 Fachverbände (darunter Malteser-Hilfsdienst, Raphaelswerk, Vinzenz-Verein, Bahnhofsmission, IN VIA Katholische Mädchensozialarbeit Deutscher Verband).

Insgesamt unterhielt die Caritas bis zum Jahr 1990 25.860 Einrichtungen, darunter 950 Krankenhäuser, 1.410 Altenheime und 1.200 Jugendheime, Tagesstätten und Hilfsstationen. Dem Verband gehörten 263.000 hauptberufliche Mitarbeiter an.

Caritas in der DDR Die Berliner Bischofskonferenz konnte die Auflösung der Caritas in der DDR verhindern. Die Caritas wurde in die Strukturen der Bistümer eingegliedert, was eine sehr enge Bindung an die örtlichen Pfarrgemeinden begründete. Die örtliche Arbeit der Caritas wurde mit der Bildung von Caritassekretariaten organisiert.

Das Staatsmonopol bei Erziehung und Sozialfürsorge ließ die Arbeit in diesen Bereichen zur Zerreißprobe werden. Nur noch wenige Kinder lebten in katholischen Heimen, da deren Einweisung in konfessionelle Einrichtungen zunehmend unterbunden worden war. Neugründungen von Kindergärten waren nicht möglich. Die bestehenden Kindergärten durften jedoch weiter betrieben werden. Sie leisteten in den Jahren der DDR einen Beitrag für die christliche Erziehung der Kinder. Ein Schwerpunkt in diesen Jahren war die Schaffung von Einrichtungen für geistig Behinderte und der Aufbau von Diensten für körper- und sinnesbehinderte Menschen.

Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 und Verstärkung der Innerdeutschen Grenze musste durch ihre Abgeschlossenheit caritatives Leben neu gestaltet werden. Große Bedeutung erhielt in dieser Zeit die Schaffung eigener kirchlicher Ausbildungsgänge zur kirchlichen Erzieherin, zur Fürsorgerin, zum Fürsorger (Sozialarbeiter) oder zur Jugendleiterin (Sozialpädagogin) in Leisnig, Karl-Marx-Stadt, Magdeburg und Berlin-Prenzlauer Berg. Hunderte junger Menschen nahmen diese Möglichkeiten trotz fehlender staatlicher Anerkennung wahr. Staatlich anerkannt waren nur die Ausbildungen zur Krankenschwester bzw. zum Krankenpfleger. Mit einer regen Bautätigkeit in diesen Jahren versuchte die Caritas ferner, dem wachsenden Bedarf an Altenheimplätzen gerecht zu werden.

Nach der Wiedervereinigung Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten erfolgte bei den in der DDR vorhandenen Caritasverbänden 1990 die Neu- oder Wiedergründung als Vereine nach bürgerlichem Recht, die sich zu den Zielen des Deutschen Caritasverbandes bekannten. 1993 beschloss der Zentralrat des Deutschen Caritasverbandes erstmals ein „Leitbild des Deutschen Caritasverbandes“; nach einem langen Reformprozess beschloss die Vertreterversammlung im Oktober 2003 eine neue Satzung.Satzung

Am 13. Oktober 2021 wurde als erste Frau Eva Maria Welskop-Deffaa zur Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes gewählt,Eva Welskop-Deffaa zur neuen Caritas-Präsidentin gewählt. Deutscher Caritasverband e. V., Pressemitteilung vom 13. Oktober 2021. die am 16. November 2021 offiziell in ihr Amt eingeführt wurde.Deutsche Bischofskonferenz Pressemeldung | Nr. 197 vom 16.11.2021: Bischof Bätzing: „Was unsere Caritas tut, ist unverzichtbar“, abgerufen am 16. November 2021 Ihr Vorgänger war von 2003 bis Mitte November 2021 Peter Neher. Er reformierte hier die Struktur des Diözesanverbandes und der 17 Kreisverbände neu.

Struktur mini|Lorenz-Werthmann-Haus in Freiburg, Hauptsitz

Der Deutsche Caritasverband (DCV) mit Bundesgeschäftsstellen in Berlin, Freiburg i. Brsg. und Brüssel ist Dachverband der 27 Diözesan-Caritasverbände und der anerkannten zentralen Fachverbände. Er wird vertreten von der Präsidentin/dem Präsidenten und von der Delegiertenversammlung auf sechs Jahre wählt. Die Geschäftsführung nimmt ein drei- bis fünfköpfiger hauptamtlicher Vorstand unter Vorsitz der Präsidentin/des Präsidenten wahr. Die Diözesan-Caritasverbände sind dezentral organisiert, d. h. rechtlich eigenständig. Sie unterliegen innerkirchlich der diözesanen Struktur. Hierzu gehören 636 Orts-, Kreis- und Bezirks-Caritasverbände sowie 262 karitative Ordensgemeinschaften.

Der Caritasverband ist föderal aufgebaut. Der Deutsche Caritasverband, die Landescaritasverbände und die Diözesancaritasverbände sowie die Kreiscaritasverbände sind als Dachverbände jeweils selbstständige Rechtsträger, deren Mitglieder dann die Kreis- und Stadtverbände sowie die Fachverbände sind. Diese örtlichen Verbände nehmen verschiedene Rechtsformen an, zum Beispiel e. V. (eingetragene Vereine) oder gGmbH (gemeinnützige Gesellschaften mit beschränkter Haftung), und können zum Teil ihrerseits über erheblichen wirtschaftlichen Einfluss verfügen (zum Beispiel Cusanus Trägergesellschaft Trier).