Die Große Märkerstraße in Halle (Saale) befindet sich im unmittelbaren Zentrum der Stadt. Sie war eine der repräsentativsten Straßen Halles und bis ins 19. Jahrhundert wohnten hier vorwiegend GelehrteKarin Röntsch: Halle – Straßennamen mit Erläuterungen. Halle 1994, S. 89.
Geographische Lage Die Straße beginnt am südöstlichen Ende des Marktplatzes zwischen der Schmeerstraße im Westen und der Leipziger Straße im Osten. Sie verläuft nord-südlich. In sie münden die Kuhgasse, die Kleine Märkerstraße, die Kutschgasse. Sie wird nach etwa 240 Metern von der Sternstraße gekreuzt. Nach etwa 300 Metern mündet die Straße in die Straße Großer Berlin.
Geschichte Straße Die erste urkundliche Erwähnung der Straße stammt aus dem Jahr 1315 als MerkelinstrateWerner Piechocki, 1995, S. 6 oder Merclines Strate. Benannt war sie nach dem Geschlecht der Merkelin. Diese hatten ursprünglich einen Hof an der Stelle der Straße. Dieser zerfiel aber und das Geschlecht starb vermutlich aus. 1369 wurde vermerkt, dass der Patrizier Jacub Kindau Besitzer des Hauses zu der Weintraube in der Straße ist. Im selben Jahr wurde die Straße als Merkilstrate und 1456 als Mereklinstrate in den Schöffenbüchern vermerkt. Vor allem am Anfang des 15. Jahrhunderts gab es eine rege Bautätigkeit in der Straße.
Am 17. September 1683 kam es zu einem Brand in den Straßen Kleiner und Großer Berlin. Durch die Zerstörung der Gebäude wurde die Große Märkerstraße, welche bis dahin im Kleinen Berlin am Gasthof Zum Goldenen Stern endete, bis zum Großen Berlin verlängert. Um 1800 wurde die Straße zu den schönsten Straßen Halles gezählt und dabei mit Steinstraße, Ulrichstraße und dem Alten Markt gleichgesetzt.
1920 wurde die Breite der Straße mit „anfangs etwa zehn Schritt, später höchstens zwölf Schritte breit“Aussage des Topographen Siegmar von Schultze-Galléra, hier nach Werner Piechocki, 1995, S. 7 beschrieben. Der Zweite Weltkrieg verursachte an den Gebäuden der Straße nur geringe Schäden. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Bausubstanz aber kaum Beachtung durch die Stadtplanung geschenkt, wodurch die Gebäude dem Verfall preisgegeben waren.
Anfang 1990 wurde begonnen, die Gebäude der Straße zu sanieren. Die ersten Gebäude, welche saniert wurden, waren die Häuser mit den Nummern 6, 10, 12, 20 und 27. Bauarbeiten hatten an den Gebäuden 11, 13, 18, 21, 22 und 23 begonnen, die Häuser 5, 14, 19, 25 und 26 waren noch ohne jegliche Sanierungsaktivitäten.Hallesches Tagblatt, 11. Dezember 1991, hier nach Werner Piechocki, 1995, S. 175 1992 nahm die Stadt Halle am Wettbewerb „Erhaltung des historischen Stadtraumes in den neuen Ländern der Bundesrepublik Deutschland“ teil. Die Aktivitäten der Stadt wurden insbesondere im Hinblick auf die Große Märkerstraße und die Kleine Ulrichstraße gewürdigt. Im Bericht der Bewertungskommission von 1994 heißt es: „Die Große Märkerstraße, eine der bedeutendsten und ältesten Straßen der in 1.000 Jahren entstandenen Altstadt, wandelt sich aus einer ‚Straße der Ruinen‘ 1989 zur ‚Straße der Sanierung‘ 1993“Werkbericht der Bundesbewertungskommission von 1994, hier nach Werner Piechocki, 1995, S. 176 Am 12. Juli 1994 wurden acht Informationstafeln an den Gebäuden der Straße offiziell eingeweiht. Die Tafeln wurden von Hannelore Heise und Sigrid Deutloff entworfen und vom Steinmetzbetrieb Himburg aus Jura-Marmor gefertigt. Auf ihnen befinden sich Informationen zu den einstigen Bewohnern der jeweiligen Gebäude.
Einzelne Häuser Nummer 2 bis 4 Das ursprüngliche Haus mit der Nummer 2 wurde vermutlich um 1553 von Stephan Merten errichtet. Georg Friedrich Händel hat hier bei Michael Hyntsch um 1700 das Oboespielen erlernt.
Die Nummer 3 war im 15. Jahrhundert Wohnhaus von wohlhabenden Patriziern. Unter anderen wohnte hier der Stadtphysikus Dr. Johann Machold (1521–1605). 1884 wurde das Haus Sitz der Musikinstrumentenbau- und Handlung von Herrmann Müller. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen als Musikhaus Centrum fortgeführt, bevor ein Textilgeschäft dort einzog.
Die 4 war ebenfalls ein Patrizierhaus. 1726 ließ es Dr. Paul Hippius, Nachfahre des böhmischen Geschlechts der von Konitzscheck, im barocken Stil umbauen und sein Wappen mit einer Krone über dem Portal anbringen. Um 1825 bis Ende der 1860er Jahre war Prof. Dr. Gottlob Wilhelm Gerlach Besitzer des Hauses. Bei einem Bombenangriff wurde das Haus 1945 schwer beschädigt. miniatur|Große Märkerstraße 5 (2023)
Nummer 5 Das Haus Nummer 5 gehört zu den historisch bedeutendsten Gebäuden der Straße.Beschreibung auf kulturfalter.de. Ursprünglich unter der Anschrift Ulrichsviertel 395 befand sich dort ein bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts errichtetes Haus. Erster urkundlich nachweisbarer Besitzer ist Hans Vester, der das Haus 1510 erwarb.Arbeitskreis Innenstadt: Hallesche Blätter – Denkmale auf der Roten Liste. April 1999, S. 4. Im Haus wohnten weiterhin unter anderem der Ratskämmerer Halles David Drachstedt und der städtische Archivar Carl August Wesener. 1717 erwarb Professor Justus Henning Böhmer (1674–1749) das Grundstück und ließ darauf bis 1719 ein neues Gebäude errichten. Dieses reich verzierte Gebäude im Stil des nordeuropäischen Barocks wurde auch für seine Innenausstattung und die Gestaltung des Hofes von Zeitgenossen gelobt. Als Böhmer starb, wurde sein jüngster Sohn Philipp Adolph Böhmer (1716–1789) Besitzer des Gebäudes.
1817 wurde Wilhelm Hermann Niemeyer (1788–1840), späterer Direktor des Entbindungsinstituts der Universität, Eigentümer der Märkerstraße 5. Hier befand sich sowohl seine Praxis als auch seine Wohnung. Die mittlere Etage hatte Niemeyer an den Botanikprofessor Georg Friedrich Kaulfuß (1786–1830) vermietet. Nach dem Tod Niemeyers erwarb der Kaufmann Ludwig Flöthe das Gebäude und vermietete es an Gelehrte der Universität. So lebten u. a. Hermann Knoblauch (1820–1895) und Richard von Volkmann (1830–1889) hier. Am 1. April 1896 zog in die erste Etage der Großen Märkerstraße 5 Heinrich Lindner ein, ein Enkel des Wagenfabrikanten Heinrich Lindner. 1933 ging das Haus in den Besitz der Familie Klopfleisch über.
Ende der 1980er Jahre wurden der Süd- sowie der Ostflügel des Hauses auf Grund des Bauzustandes abgerissen. Das Haus ist im Inneren sehr reichhaltig ausgestattet. Die Diele ist großzügig bemessen und mit einer Säule ausgestattet. In den Wohnräumen des ersten Stockes befinden sich Holztäfelungen, Ledertapeten und eine kunstvolle Parkettierung. Weiterhin verfügt fast jedes Zimmer über einen Kamin oder Kachelofen. Im zweiten Obergeschoss findet sich der einstige Festsaal, der sich fast über die ganze Etage ausbreitet. Der Stil ist eine Mischung aus Barock und Rokoko.Arbeitskreis Innenstadt: Hallesche Blätter – Denkmale auf der Roten Liste. April 1999 S. 3–6. 1988 wurde der Südflügel wegen Baufälligkeit abgerissen. Im Jahre 2008 wurde das unter Denkmalschutz stehende Haus, welches zwischenzeitlich der Bayerischen Hypovereinsbank gehörte, von der Stadt Halle aufgekauft, die es mangels Finanzmittel jedoch weiter verfallen ließ. Nachdem die Stadt das Haus 2016 wieder verkaufte, wurde es mit Fördermitteln denkmalgerecht restauriert und saniert und in Eigentumswohnungen aufgeteilt.
Nummer 6 – Weymarsches Haus Der erste Besitzer der Großen Märkerstraße 6 war laut Lehnbuch ein Martin Reiche welcher 1557 das Haus an den Breslauer Mediziner Georg Laurea verkaufte. Laurea, zuvor Leibarzt der brandenburgischen Kurfürsten Joachim II., Johann Georg und Joachim Friedrich wurde 1566 zum Leibarzt des Erzbischofs Sigismund, der in der Halleschen Moritzburg residierte. Nach dem Tod Laureas übernahm sein Schwiegersohn Balthasar Brunner das Anwesen. Brunner war Leibarzt des Fürsten von Anhalt, betrieb seine eigene Praxis und chemische Forschungen. Auf Grund seiner guten wirtschaftlichen Verhältnisse erwarb Brunner 1587 die Große Märkerstraße 10 und zog dort ein. Die 6 verkaufte er an einen Hans Schmidt.
1784 ging das Gebäude in den Besitz des Leinenwebermeisters Johann Christian Weymar über. Das Gebäude blieb bis 1846 im Besitz dieser Familie und wurde daher Weymarsches Haus genannt. Um 1830 zog der jüdische Professor der Philologie Gottfried Bernhardy (1800–1875) in das Haus ein. Er lebte in der Großen Märkerstraße 6 bis 1848. Ein weiterer bekannter ehemaliger Bewohner der Nummer 6 war der Arzt Dr. Gustav Albert Hüllmann (1824–1899). Er verlegte im Januar 1850 seine Praxis von der Großen Ulrichstraße 24 hierher und blieb bis 1865 in der 6. Im 19./20. Jahrhundert wurde das Gebäude umgestaltet und war weiterhin sowohl Wohn- als auch Geschäftshaus. Auch heute (2007) wird die 2. Etage des Hauses noch bewohnt.
Nummer 7 links|miniatur|Gründeraktie der Wilhelm Kathe AG vom 2. Dezember 1921 miniatur|Große Märkerstraße 7 Das Haus mit der Nummer 7 ist ein Renaissancehaus aus dem 16. Jahrhundert. Ursprünglich hatte das Haus die Anschrift Ulrichsviertel 397. 1854 erhielt das Haus die Nummer 410, ab 1855 die Nummer 8 und seit 1893 trägt es die Nummer 7. Der erste urkundlich erfasste Besitzer des Hauses ist Augustinus Krause, ein Mitglied des Rats der Stadt und Pfänner, der 1544 das Gebäude erwarb. 1597 zog für zwei Jahre der Hofmedikus des Erzbistums Magdeburg Heinrich Brandes in das Haus einInformationstafel am Gebäude. 1618 erwarb Caspar Neefhier nach Werner Piechocki, 1995, S. 42, die Informationstafel am Gebäude nennt ihn Caspar Neefe der 1661 in der heutigen Nummer 7 lebte. 1681 wurde der Jurist und spätere Ratsmeister Konrad Bertram Eigentümer des Hauses. Dort lebte er bis zu seinem Tod 1722Werner Piechocki, 1995, S. 43 oder 1733.
1750 wurde das Haus öffentlich für 1827 Taler zum Verkauf angeboten und vom Amtsverwalter Johann Georg Müller erworben. Es blieb auch nach dessen Tod im Besitz der Familie. 1846 erwarb der Landwirt Carl Eduard Sachse das Grundstück. 7.500 Taler zahlte dann Otto Julius Ludwig um die Nummer 7 zu erwerben. Da dieser drei Jahre später in finanzielle Schwierigkeiten geriet, verkaufte er es ebenfalls für 7.500 Taler an das Bankhaus A.W. Barnitson & Sohn.
1853 wurde im Haus eine Drogen- und Farbenhandlung gegründet, welche zusammen mit dem Gebäude 1871 von Wilhelm Kathe (1840–1909) für 14.000 Taler erworben wurde. Wilhelm Kathe war der jüngste Sohn des Sattlers und Wagenmeisters Ludwig KatheDr. Armin Schmitz: Wilhelm Kathe AG, in HP-Magazin 5/1996, S. 18. Das Unternehmen Kathes entwickelte sich gut und wurde 1921 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1921 waren 36 Arbeiter, 60 Arbeiterinnen und 111 Angestellte im Betrieb tätig. Das Unternehmen wurde ständig erweitert, musste aber 1925 überraschend in die Liquidation gehen. Mit Abschluss der Liquidation bis 1933 war die Hallesche Druckerei-Gesellschaft mbH Eigentümer des Hauses. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus bei einem Bombenangriff am 31. März 1945 schwer getroffen, konnte aber, etwas verkürzt, wieder aufgebaut werden.
In diesem Haus verlebte auch der 1888 geborene Arzt und Autor Fritz Kahn seine ersten Lebensjahre, bevor er 1893 mit seiner Mutter und seinen Geschwistern dem bereits in die USA emigrierten Vater Arthur Kahn nach Hoboken nachzog.
Nummer 8 & 9 miniatur|Große Märkerstraße 9 Die Nummer 8 existiert seit einem Bombentreffer beim Luftangriff vom 13. März 1945 nicht mehr. Der erste namentlich bekannte Besitzer dieses Hauses war ein Hans Hauskompter, welcher für das Jahr 1513 dokumentiert ist. Um 1700 bis zu seinem Tod am 19. Januar 1748 lebte der Professor für Rechtswissenschaften Johann Gerhard Schlitte in diesem Haus. 1750 verkaufte dessen Witwe das Haus an den Wirt Mörtschke, welcher hier eine Speiseanstalt mit Gasthaus, vermutlich vor allem für Studenten, einrichtete. Am 11. Dezember 1756 wurde in der Nummer 8 die zweite Hallesche Freimaurerloge die Philadelphia zu den drei goldenen Armen gegründet. Im 19. Jahrhundert wurde das Haus umgebaut, um dem aktuellen Zeitgeschmack zu entsprechen.