Der Verlag Antaios (bis November 2012: Edition Antaios) ist ein seit 2000 vom neurechten Publizisten und Politaktivisten Götz Kubitschek geleiteter deutscher Buchverlag mit Sitz auf dem ehemaligen Rittergut Schnellroda in der Gemeinde Steigra im südlichen Saalekreis. Wissenschaftler ordnen den der antidemokratischen „Konservativen Revolution“ verschriebenen Kleinverlag einem Netzwerk der Neuen Rechten zu; er wird in Fachkreisen als „Hausverlag“ der neurechten Denkfabrik Institut für Staatspolitik (IfS) bezeichnet. Überdies bietet der Verlag Bücher anderer politisch rechter oder rechtsextremer Verlage an. Seit 2021 wurde der Verlag vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Verdachtsfall für Rechtsextremismus beobachtet, seit 2024 stuft das Bundesamt für Verfassungsschutz den Verlag als „gesichert rechtsextrem“ ein.

Organisation Der Verlag Antaios mit Sitz in Steigra, Ortsteil Schnellroda, wird seit dem 5. Juli 2014 im Handelsregister beim Amtsgericht Stendal unter der Handelsregister-Nummer HRA 4730 geführt. Inhaber ist der eingetragene Kaufmann (e.K.) Götz Kubitschek.Amtsgericht Stendal, HRA 4730: Verlag Antaios – Inhaber Götz Kubitschek e. K.

Geschichte Der Verlag wurde 2000 als Edition Antaios gegründet und steht seitdem unter der Leitung von Götz Kubitschek.Helmut Kellershohn: Widerstand und Provokation. Strategische Optionen im Umkreis des „Instituts für Staatspolitik“. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15911-9, S. 259. Im November 2012 wurde der Name in Verlag Antaios geändert. Er war ursprünglich im hessischen Bad Vilbel und später in der sächsischen Landeshauptstadt DresdenClaus Leggewie: Historikerstreit – transnational. In: Steffen Kailitz (Hrsg.): Die Gegenwart der Vergangenheit. Der „Historikerstreit“ und die deutsche Geschichtspolitik. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-16132-7, S. 62. ansässig; seit 2003 sitzt der KleinverlagVolker Weiß: . publikative.org, 27. August 2012. auf dem ehemaligen Rittergut Schnellroda in Steigra, Sachsen-Anhalt,Helmut Kellershohn: Strategische Optionen des Jungkonservatismus. In: Regina Wamper, Helmut Kellershohn, Martin Dietzsch (Hrsg.): Rechte Diskurspiraterien. Strategien der Aneignung linker Codes, Symbole und Aktionsformen (= Edition DISS. Band 28). Unrast, Münster 2010, ISBN 978-3-89771-757-2, S. 16. wo auch das Institut für Staatspolitik seinen Sitz hatte.Toralf Staud, Johannes Radke, Heike Kleffner: Glossar: Institut für Staatspolitik (IfS). Dossier Rechtsextremismus, Bundeszentrale für politische Bildung, 3. Februar 2014.

Zum Gründerkreis gehörte u. a. Karlheinz Weißmann, einer der Hauptvertreter der Neuen Rechten in Deutschland und 2003 Mitbegründer der Zeitschrift Sezession. Der Historiker Helmut Kellershohn vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) hält es für einen weiteren „‚Paukenschlag‘ jungkonservativer Intellektueller aus den Reihen der Deutschen Gildenschaft“.Helmut Kellershohn: Aufrüstung wider den Zeitgeist. Ein gildenschaftliches Netzwerk: Institut für Staatspolitik – Edition Antaios – Junge Freiheit. In: Martin Dietzsch, Siegfried Jäger, Helmut Kellershohn, Alfred Schobert: Nation statt Demokratie. Sein und Design der "Jungen Freiheit" (= Edition DISS. Band 2). 2. unveränderte Auflage, Unrast, Münster 2004, ISBN 3-89771-733-6, S. 93.

Bezüglich der Namensgebung konstatiert Kellershohn eine Reminiszenz auf Hans Freyers Schrift AntäusHelmut Kellershohn: Aufrüstung wider den Zeitgeist. Ein gildenschaftliches Netzwerk: Institut für Staatspolitik – Edition Antaios – Junge Freiheit. In: Martin Dietzsch, Siegfried Jäger, Helmut Kellershohn, Alfred Schobert: Nation statt Demokratie. Sein und Design der "Jungen Freiheit" (= Edition DISS. Band 2). 2. unveränderte Auflage, Unrast, Münster 2004, ISBN 3-89771-733-6, S. 85. sowie eine Anknüpfung an Ernst Jünger, den Kubitschek verehre.Helmut Kellershohn: Aufrüstung wider den Zeitgeist. Ein gildenschaftliches Netzwerk: Institut für Staatspolitik – Edition Antaios – Junge Freiheit. In: Martin Dietzsch, Siegfried Jäger, Helmut Kellershohn, Alfred Schobert: Nation statt Demokratie. Sein und Design der "Jungen Freiheit" (= Edition DISS. Band 2). 2. unveränderte Auflage, Unrast, Münster 2004, ISBN 3-89771-733-6, S. 87. Für den Religionswissenschaftler Horst Junginger steht der Verlag in der Tradition der „Konservativen Revolution“ und Jüngers Zeitschrift Antaios, die von 1959 bis 1971 erschien. Namensgeber ist der in Nordafrika lebende Riese Antaios aus der griechischen Mythologie, der Einheimische und Fremde jagte und seine Stärke von seiner Mutter Gaia (der Erde) erhielt. Er wurde schließlich von Herakles besiegt, indem dieser ihn in die Luft hob und erwürgte.

Der Ökonom Arne Schimmer, NPD-Kader und Mitarbeiter der Parteizeitung Deutsche Stimme, war von 2003 bis 2004 Lektor bei der Edition Antaios. Das Vertragsverhältnis endete, so Kubitschek, nachdem Schimmer 2004 für die NPD Sachsen als Mitarbeiter in den Sächsischen Landtag wechselte.Mathias Brodkorb, Stefan Bruhn: Zeitschriftenporträt: Hier & Jetzt. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 22. Jahrgang (2010), Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-6050-6, S. 249. Mathias Brodkorb vom Informationsportal Endstation Rechts zeigte später auf, dass der Verlag durch „Rezensionen und diskursive[] Artikel“ in der rechtsextremen, NPD-nahen Zeitschrift Hier & Jetzt unter dem Chefredakteur Schimmer in der Szene präsent sei.Mathias Brodkorb, Stefan Bruhn: Zeitschriftenporträt: Hier & Jetzt. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 22. Jahrgang (2010), Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-6050-6, S. 250. Der Extremismusforscher Uwe Backes resümierte 2012 auch in Anbetracht der Positionierung gegenüber Andreas Molau (Deutsche Stimme), dass Kubitschek mit dem Verlag eine „elitäre Distanz“ zur NPD pflege.Uwe Backes: Intellektueller Rechtsextremismus in Deutschland. Dossier Rechtsextremismus, Bundeszentrale für politische Bildung, 14. Dezember 2012.

2007 wurde eine Große Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Petra Pau und Sevim Dağdelen und der Linksfraktion im Deutschen Bundestag zur Extremen Rechten in Deutschland durch die Bundesregierung dahingehend beantwortet, dass die Edition Antaios zu dieser Zeit kein Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes sei, was jedoch nicht ausschließe, dass sie „sich selbst als Teil einer – nach anderen Kriterien definierten – sog. Neuen Rechten“ sieht.Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Petra Pau, Sevim Dağdelen, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Entwicklung der extremen Rechten und die Maßnahmen der Bundesregierung (Drucksache 16/1009), Deutscher Bundestag, Drucksache 16/4675, 14. März 2007, S. 42.

2010 war die Publikation Der Fall Sarrazin – Eine Analyse des Instituts für Staatspolitik auf der Amazon-Bestsellerliste vertreten.Marc Felix Serrao: Profiteure im Windschatten. In: Süddeutsche Zeitung, 31. August 2010, S. 11. Der Fachjournalist Andreas Speit wertete die Veröffentlichung als Versuch, „rechtes Denken zu modernisieren und auch zu popularisieren“. Im Hintergrund stehe ein „Ensemble von rechten Intellektuellen“, zu dem auch das Institut für Staatspolitik gehöre.Christopher Ricke: „Mehr und mehr im rechtspopulistischen Raum beheimatet“ (Gespräch mit Andreas Speit). Deutschlandradio Kultur, 1. September 2010.

In der Vergangenheit stellte der Verlag mehrmals auf der Leipziger Buchmesse aus.Andreas Förster: Keine Tarnung nötig. In: Berliner Zeitung, Ausgabe 66, 19. März 2005, S. 28. Später organisierte Kubitschek gemeinsam mit Felix Menzel eine neurechte Messe namens zwischentag (Eigenschreibweise) in Berlin-Wilmersdorf, zu deren Ausstellern auch sein Verlag gehörte.Roland Sieber: Neue Rechte plant Tagung in Berlin. Störungsmelder, 29. September 2012. In einem Interview mit dem Fernsehmagazin Klartext (rbb) sprach er 2012 in diesem Rahmen von einer erhaltungswürdigen „ethnische[n] Kontinuität“ der Deutschen.Julian Bruns, Kathrin Glösel, Natascha Strobl: Die Identitären. Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa. Unrast, Münster 2014, ISBN 978-3-89771-549-3, S. 13.

Im Februar 2014 entfernte der deutsche Ableger des Internetversandhändlers Amazon.com die zwölf neuesten Bücher des Verlags aus seinem Angebot. Dies und der Verzicht auf die Angabe von Gründen wurde von Lorenz Jäger auf FAZ.net und von Marc Felix Serrao in der Süddeutschen Zeitung kritisiert.Lorenz Jäger: Souverän Amazon. FAZ.net, 27. Februar 2014.Marc Felix Serrao: Verbotene Bücher. In: Süddeutsche Zeitung, 27. Februar 2014, S. 14. Nach den Vorgängen bei Amazon veröffentlichte der Münchner Soziologieprofessor Armin Nassehi einen Briefwechsel mit Kubitschek, in dem er den Versandhändler kritisierte.Armin Nassehi: Die letzte Stunde der Wahrheit. Warum rechts und links keine Alternativen mehr sind und Gesellschaft ganz anders beschrieben werden muss. Murmann, Hamburg 2015, ISBN 978-3-86774-377-8, o. S.

Zu Beginn der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2018 wurde bekanntgegeben, dass der Verlag an Thomas Veigel – AfD-Mitglied und Inhaber des neu gegründeten Loci-Verlags – veräußert worden wäre. Der Verlag sollte als Imprint weitergeführt werden, die Programmleitung von Kubitscheks Ehefrau Ellen Kositza übernommen werden. Von Beginn an wurden in den Medien begründete Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Transaktion geäußert. Es wurde zudem darauf hingewiesen, dass Kubitscheks Verlag keinen Stand auf der Buchmesse angemeldet hatte, aber durch die Bekanntgabe des Verkaufs im Mittelpunkt des Medieninteresses gestanden hätte. Nach der Buchmesse wurde von Kubitschek bestätigt, dass die oben genannte Meldung ein Täuschungsmanöver gewesen war.Götz Kubitschek täuscht Öffentlichkeit mit Fake-Verlag. www.haz.de, 17. Oktober 2018

Nach einem Bericht von Zeit Online vom 15. Juni 2021 bestätigte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz Thomas Haldenwang, dass der Verlag Antaios seit längerem beobachtet und als Verdachtsfall geführt wird.

Ausrichtung