Die Métro Lyon, Markenbezeichnung TCL Métro, ist die U-Bahn der südostfranzösischen Großstadt Lyon. Sie ist mit 32,1 Kilometern Streckenlänge und 44 Stationen nach Paris und Lille die drittgrößte U-Bahn Frankreichs. Gemessen am Fahrgastaufkommen liegt sie mit rund 742.000 Fahrgästen pro Tag (2012) und hinter Paris an zweiter Stelle. Mit einem Anteil von rund 50 Prozent der Fahrgastbewegungen im öffentlichen Personennahverkehr ist sie das mit Abstand wichtigste öffentliche Verkehrsmittel in der Stadt.
Die Métro weist zahlreiche betriebliche und technische Besonderheiten auf. Dazu gehören durchgehender Linksverkehr, ein Zahnstangenabschnitt, Züge mit Gummibereifung, ein für französische Verhältnisse ungewöhnlich breites Fahrzeugprofil sowie rechnergestützter und teilweise fahrerloser Betrieb.
Der größte Teil des Streckennetzes wurde zwischen 1978 und 1992 in Betrieb genommen. Den ursprünglich geplanten weiteren Streckenausbau gab man aus demografischen und finanziellen Gründen zugunsten der im Jahr 2000 wiedereingeführten Straßenbahn weitgehend auf. Überhaupt ist die Métro der ihr ursprünglich zugedachten Rolle, die Stadtentwicklung im Großraum Lyon maßgeblich zu begleiten, letztlich nicht in gewünschtem Umfang gerecht geworden.
Historisch betrachtet war der Bau der Métro Lyon über lange Zeit „eine Art Symbol“Waldmann: La Grande Traboule. 1991, S. 161 (zitiert nach: Le Figaro, 17. Februar 1973). für die beständigen politischen Auseinandersetzungen zwischen der örtlichen Kommunalverwaltung und der Zentralregierung in Paris, worauf die ortsansässige Bevölkerung mit einem gewissen Stolz zurückblickt.Autran: Imaginer un métro pour Lyon. 2008, S. 37 und Waldmann: Les Charmes de Maggaly. 1993, S. 56.
Organisation und Finanzen Die Métro wird von Keolis Lyon zusammen mit den meisten anderen öffentlichen Verkehrsmitteln in der Region unter dem genannten Markennamen TCL, ausgeschrieben Transports en Commun de l’agglomération de Lyon, betrieben. Auftraggeber ist der regionale Verkehrsverbund SYTRAL (Syndicat mixte des Transports pour le Rhône et l’Agglomération Lyonnaise).
SYTRAL ist Eigentümer sämtlicher Betriebsanlagen und Fahrzeuge, führt die Angebots- und Tarifplanung sowie die Qualitätssicherung durch und ist darüber hinaus für die Finanzierung zuständig. Die Verkehrsleistung wird dabei alle sechs Jahre neu ausgeschrieben. Dies geschah zuletzt zum 1. Januar 2011, wobei Keolis Lyon, eine Tochter des französischen Keolis-Konzerns, den Zuschlag erhielt.
Die Bezeichnung TCL geht auf den ehemals privaten Straßenbahn- und Omnibusbetreiber Lyons, die Société des Transports en Commun Lyonnais (Société TCL) zurück, deren Namensrechte die heutige SYTRAL 1976 übernahm.
Genaue Angaben über die Betriebskosten der Métro gibt es nicht. SYTRAL gab 2012 für den Betrieb des Gesamtnetzes 377,6 Millionen Euro aus, woran die Métro sicherlich spürbaren Anteil hat. Dagegen fielen die Kosten für die verschleißbedingte Beschaffung von Sachanlagen mit 2,7 Millionen Euro im Verhältnis zu über 201,1 Millionen Euro Investitionen im Gesamtnetz gering aus. Wichtigste Einnahmequelle ist die örtliche Verkehrssteuer (versement transport) mit einem Gesamtaufkommen von 260,1 Mio. EUR, gefolgt von Fahrgeldeinnahmen in Höhe von 199,5 Mio. EUR sowie 127,1 Mio. EUR Umlagen von den Verbundgemeinden. Das Département Rhône und der Zentralstaat leisten dagegen nur geringfügige Zahlungen.
Streckennetz mini|250px|Liniennetzplan noch ohne die Südverlängerung der Linie B Ausdehnung und Betrieb Die Ausdehnung des Métronetzes korrespondiert im Wesentlichen mit den inneren, am dichtesten bebauten Siedlungsgebieten des Ballungsraumes Métropole de Lyon. Diese erstrecken sich vom historischen Stadtzentrum aus gesehen, das oberhalb der um vier Kilometer nach Süden verschleppten Mündung der Saône in die Rhone auf der Halbinsel (Presqu’île) liegt, vorwiegend Richtung Osten und Südosten. Im Norden und Westen dagegen, wo steile Berghänge größere Siedlungstätigkeit in der Nähe der Innenstadt weitgehend verhindert haben, sind vergleichsweise wenige Streckenkilometer zu verzeichnen. Das Netz steht teilweise recht deutlich hinter der Ausdehnung der geschlossenen Bebauung zurück, sodass die Straßenbahn Lyon vielerorts eine Zubringerfunktion erfüllt.
Die Métro bedient, abgesehen vom Stadtgebiet Lyons, das über der Stadt gelegene Quartier La Croix-Rousse und die Vorortgemeinden Caluire-et-Cuire , Villeurbanne und Vaulx-en-Velin im Osten, sowie Vénissieux im Südosten. Von besonderer Bedeutung für das Métronetz ist neben dem historischen Stadtkern vor allem das zentral gelegene Part-Dieu-Gelände auf der Ostseite der Rhone. Dieses umfasst ein sehr großes Einkaufszentrum, verschiedene Bürokomplexe sowie den wichtigsten innerstädtischen Bahnhof für den TGV-Fernverkehr und stellt damit eine Art zweites Stadtzentrum für Lyon dar.
Das Métronetz besteht aus vier Strecken mit einer Gesamtlänge von 32,1 Kilometern und 44 Bahnhöfen, Kreuzungsbahnhöfe doppelt gezählt. Alle vier Strecken werden von je einer Linie bedient. Diese sind mit den Buchstaben A bis D bezeichnet und besitzen individuelle Erkennungsfarben. Die Linien A, B und D kreuzen sich dabei in der Innenstadt paarweise je einmal und bilden somit ein Sekantennetz. Auf der Linie C gibt es nur an der Station Hôtel de Ville-Louis Pradel am Nordrand der Halbinsel eine Umsteigemöglichkeit zur Linie A.
Die Linien A, B und D benutzen dieselbe Antriebstechnik und sind dementsprechend über Betriebsstrecken miteinander verbunden. Die Züge fahren auf Gummireifen (Métro sur pneumatiques) und werden mittels seitlich bestrichener Stromschiene mit Fahrstrom versorgt. Die Linie D weist – abweichend zu den Linien A und B – vollautomatischen und unbemannten Betrieb auf.
Die Linie C ist im Gegensatz dazu als konventionelle Reibungsbahn sowie abschnittsweise als Zahnradbahn nach dem System von Roll ausgeführt. Die Züge fahren auf Stahlrädern und beziehen ihren Fahrstrom von einer Oberleitung.
Das Streckennetz wird gänzlich im Linksverkehr betrieben und verläuft fast ausschließlich unterirdisch. Oberirdisch angelegt sind nur die Betriebshöfe und deren Zufahrten sowie zwei Abschnitte der Linie C. Dort befinden sich die beiden einzigen oberirdischen Stationen des Netzes, Croix-Paquet und Cuire.
Die Züge verkehren täglich zwischen 5 Uhr morgens und Mitternacht, je nach Tageszeit und Linie alle 2 bis 11 Minuten. Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, ruht der Betrieb vollständig. Während der relativ häufigen Streiks im Öffentlichen Dienst in Frankreich wird der Betrieb auf den Linien A, B und C eingeschränkt oder ganz eingestellt, während die Linie D ohne Beeinträchtigung verkehrt, da sie mangels Fahrpersonal nicht bestreikt werden kann. Wohl in diesem ZusammenhangJedenfalls führten entsprechende Überlegungen zur Automatisierung der Linie D, siehe dazu Waldmann: Les Charmes de Maggaly. 1993, S. 214ff. sollten die Linien A und B bis 2017/18 ebenso auf vollautomatischen und unbemannten Betrieb umgestellt werden, auf der Linie B ist dies inzwischen geschehen.http://www.sytral.fr/525-pilotage-automatique.htm
Linie A
mini|links|MPL 75 in der Station Hôtel de Ville - Louis Pradel der Linie A
Linie A beginnt am Fernbahnhof Lyon-Perrache am Südrand der Altstadt auf der Halbinsel. Von dort verläuft sie unter der zentralen Fußgängerzone in nördlicher Richtung entlang bis zum Rathaus der Stadt (Hôtel de Ville) am Nordende der Halbinsel. Dort biegt sie in östliche Richtung ab, überquert die Rhone im Tubus der Morand-Brücke und verläuft anschließend unter dem Cours Vitton und dem Cours Émile Zola weiter nach Osten bis zur Endstation Vaulx-en-Velin La Soie. Diese liegt rund einen Kilometer hinter dem östlichen Autobahnring an der Gemeindegrenze zwischen Villeurbanne und Vaulx-en-Velin. Direkt daneben befindet sich die zugehörige Betriebswerkstatt, die Ateliers de la Poudrette.
Die Métro A ist 9,2 Kilometer lang, hat 14 Stationen und zählte 2012 im Schnitt rund 248.000 Reisende pro Tag. Die Linienkennfarbe ist Rot. Auf der Linie A kommen Drei-Wagen-Züge zum Einsatz. Die Bahnsteige sind für eine Zuglänge von vier Wagen ausgelegt.
Linie B mini|links|MPL 16 in der Endstation Saint-Genis-Laval - Hôpital Lyon Sud der Linie B
Linie B beginnt an einem Seitenbahnsteig im U-Bahnhof Charpennes-Charles Hernu der Linie A, der etwa auf Höhe eines Drittels des Weges von Hôtel de Ville nach Vaulx-en-Velin sowie an der Grenze zwischen Lyon und Villeurbanne liegt. Von dort verläuft die Strecke östlich parallel zur Rhone bis zum Stade Gerland, etwa einen Kilometer südwestlich der Saône-Mündung. Im weiteren Verlauf unterquert der Tunnel in einer langen Kurve die Rhone und mündet in den Endbahnhof Gare d'Oullins im gleichnamigen Vorort.
Die Linie B bedient in ihrem Verlauf zunächst das Part-Dieu-Gelände mit der gleichnamigen Station. Es folgt der U-Bahnhof Saxe-Gambetta, der als Kreuzungsbahnhof mit der Linie D dient, sowie die Station Jean Macé, wo seit 2009 ein Umsteigebahnhof zum Vorortverkehr nach Süden und Südosten besteht. Insbesondere ist die Linie B die einzige Métrolinie, die das Part-Dieu-Gelände erschließt, so dass in diese Richtung von drei der vier Métrolinien mindestens einmal umgestiegen werden muss.
Die Métro B war im Jahr 2012 8 Kilometer lang, hatte zehn Stationen und zählte rund 158.000 Reisende pro Tag (2012). Ihre Linienkennfarbe ist Blau. Ursprünglich kamen auf der Linie B die gleichen Drei-Wagen-Züge zum Einsatz wie auf der Linie A. Hier lassen die Bahnsteige Vier-Wagen-Züge zu. Im Rahmen des Projekts Avenir Métro wurde die Linie B automatisiert und Doppeltriebwagen des Typs MPL16 beschafft. Seit Sommer 2022 ist die Linie B wie bereits die Linie D fahrerlos.
Am 20. Oktober 2023 wurde die Linie B von Gare d'Oullins um 2,4 km und zwei Stationen (Oullins Centre und Saint-Genis-Laval Hôpital Lyon Sud) nach Südwesten verlängert.Blickpunkt Straßenbahn 6/2023, S. 132. Die vollständig unterirdische Strecke kostete 391 Millionen Euro, es werden rund 50 000 Fahrgäste pro Tag erwartet.
Linie C mini|links|MCL 80 in der eingleisigen Endstation Cuire der Linie C Die Linie C führt von der Station Hôtel de Ville aus in Richtung Norden auf das Hochplateau von Croix-Rousse bis nach Cuire, dem südlichen Stadtteil von Caluire-et-Cuire. Ihr ältester Abschnitt entstand auf der unterirdischen Trasse einer 1891 eröffneten und bis zum 2. Juli 1972 betriebenen Standseilbahn. Wegen der großen Steigung von 17,3 % wurde sie als Zahnradbahn erstellt. Die Inbetriebnahme erfolgte am 9. Dezember 1974. Damit ist dieser Abschnitt nach der Karmelit (eine Standseilbahn) in Haifa die steilste U-Bahn-Strecke der Welt. Am 2. Mai 1978 wurde die talseitig verlängerte Strecke (teilweise ebenfalls als Zahnradbahn) bis zur neuen Endstation Hôtel de Ville, die Umsteigebahnhof zur Métrolinie A ist, in Betrieb genommen.
Zunächst genügten für den Betrieb die beiden elektrischen Triebwagen MC1 und MC2, bei Stadler gebaute mehrfachtraktionsfähige Fahrzeuge mit elektrischer Ausrüstung von BBC. 1978 wurde der Triebwagen MC3 nachbeschafft, der jedoch nur einzeln verkehren konnte.
Anfang der 1980er Jahre wurde die bis dato in Croix Rousse endende Linie als Adhäsionsbahn um 800 m zur Station Hénon verlängert. Der Tunnel wurde in offener Bauweise errichtet. Nördlich der vorläufigen Endstation folgte eine oberirdische Betriebsstrecke zur 500 m entfernt errichteten BetriebswerkstattStadtverkehr 11–12/1981, S. 470. Ateliers de Hénon, die mittlerweile und ebenfalls als Adhäsionsbahn bis zur aktuellen Endstation Cuire genutzt wird.