mini|Hanaoka Seishū, Bild unbekannter Herkunft mini|Abbildung aus Hanaokas Buch Kishitsu geryō zukan: kan (, „Illustrationen von seltsamen Krankheiten und deren chirurgischer Behandlung“) Hanaoka Seishū (; * 30. November 1760 in Hirayama, Provinz Kii (heute: Kinokawa, Präfektur Wakayama) als Hanaoka Umpei (); † 21. November 1835) war ein japanischer Arzt, der die erste Mastektomie (Brustkrebsoperation) unter Narkose bzw. damit die erste nachweisbare Operation unter einer gelungenen Allgemeinanästhesie durchführte.
Leben Hanaoka ging 1782 nach Kyoto, wo er drei Monate Innere Medizin bei Yoshimasu Nangai () studierte. Dessen Vater Yoshimasu Tōdō war einer der führenden Vertreter der „Alten Schule“ (, koihō-ha), welche die nach der Song-Zeit aufgekommenen chinesischen Konzepte ablehnte und im Rückgriff auf Texte wie das Shānghán lùn („Abhandlung über die Kälte-Krankheiten“, ) die Bedeutung eigener Beobachtungen und Erfahrungen betonte. Anschließend beschäftigte er sich für ein Jahr bei Yamato Kenryū () mit der „Chirurgie im Stile Caspars“, der ältesten chirurgischen Tradition mitteleuropäischer Prägung in Japan, die auf den deutschen Chirurgen Caspar Schamberger zurückgeht. Außerdem vertiefte er sich in die Lehren von Irako Dōgyū (), der westliche und chinesische Traditionen kombinierte. Unter den Schriften, die er während dieser Zeit sammelte, ist besonders das von Nagatomi Dokushōan () verfasste Manyū zakki () anzuführen, durch das er auf die Behandlung von Brustkrebs aufmerksam wurde.
1785 kehrte Hanaoka in die Heimat zurück und übernahm die Praxis seines Vaters. Am 13. Oktober 1804 führte Hanaoka eine Mastektomie durch, bei der er ein selbstentwickeltes Narkosemittel nutzte, das er Tsūsensan () nannte. Seine Patientin war die 60-jährige Kan () aus Gojō, deren ganze Familie an Brustkrebs verstarb. Weitere Mastektomien folgten, die eine große Schar von Schülern anlockten. Heute findet man daher in nahezu allen Regionen Japans zeitgenössische illustrierte Handschriften, die den Verlauf seiner Operationen schildern. Insgesamt führte er 156 Mastektomien durch.
Infolge des eingeschränkten Informationsflusses zwischen Japan und dem Ausland (Isolationspolitik, Sakoku) wurden Hanaokas bahnbrechende Leistungen im Westen erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, wo sich seit Crawford Williamson Longs ersten Versuchen mit Ätherdämpfen (1842) die Nutzung von Diethylether verbreitet hatte.
Tsūsensan Die Wirkung seines Narkosemittels Tsūsensan (), auch Mafutsusan () genannt, setzt nach 2 bis 4 Stunden ein und führt erst zur Schmerzunempfindlichkeit und dann zur Bewusstlosigkeit. Die Wirkstoffe sind Scopolamin, Hyoscyamin/Atropin, Aconitin und Angelicotoxin. Der Effekt hält 4 bis 24 Stunden an.Chosen-asagao and the recipe for Seishu Hanaoka’s general anaesthetic, tsusensan
Das Mittel entwickelte er, von älteren chinesischen Rezepten ausgehend, zunächst durch Tierversuche. Danach dienten seine Mutter Otsugi () und seine Frau Kae () als Versuchspersonen, wobei Letztere erblindete.
Tsūsensan besteht aus Datura metel (syn. Datura alba; /, Mandarage) und je 2 Teilen Aconitum japonicum (, Kusauzu), Angelica dahurica (/, Byakushi), Angelica decursiva (, Tōki), Selinum striatum (syn. Ligusticum wallichii; /, Senkyū). Gelegentlich werden noch 1 oder 2 Teile Arisaema serratum (syn. Arisaema japonicum; , Tennanshō) als Bestandteil aufgeführt.
Erwähnungen Die bekannte japanische Schriftstellerin Ariyoshi Sawako schrieb 1966 den Roman Kae und ihre Rivalin (, Hanaoka Seishū no tsuma). Dieser basiert auf Hanaokas Leben, besonders den Experimenten, vermischt mit einem fiktiven Konflikt zwischen seiner Mutter und seiner Frau.
Literatur
S. Noma (Hrsg.): Hanaoka Seishū. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 497.
Einzelnachweise
Weblinks
Medizinische Hochschule Wakayama: Hanaoka Seishū no shōkai (japanisch)
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