Eduard Reinacher (* 5. April 1892 in Straßburg; † 16. Dezember 1968 in Stuttgart-Bad Cannstatt) war ein elsässisch-deutscher Lyriker, Hörspielautor, Erzähler und Dramatiker.

Leben Reinacher wuchs in Straßburg im Elsass auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er zunächst an der Universität Straßburg Philosophie, musste dies jedoch aufgrund Ausbruchs des Ersten Weltkrieges abbrechen. Nach Kriegsende war er als Journalist tätig, zunächst in Köln, dann Straßburg, Ludwigshafen am Bodensee, Aichelberg bei Esslingen, Freiburg im Breisgau, schließlich dauerhaft in Stuttgart. Seit 1923 war er verheiratet mit der Keramikerin Dorkas Reinacher-Härlin, die ihn in Stuttgart in einem Freundeskreis kennengelernt hatte, zu dem Oskar Schlemmer, Paul Hindemith, Franz Frank und andere Künstler der damaligen Avantgarde zählten. Ab 1932 wurde Eduard Reinacher in Köln auch kurzzeitig als Dramaturg bei der WERAG, dem Vorläufer des WDR, engagiert.

Werke Sein literarisches Werk ist vielfältig, umfasst z. B. Hörspiele, Balladen, Liebeslyrik, Satiren, Schwänke, Totentanzgedichte, Lügengeschichten, Trauerspiele und Schlüsselromane. Viele der Ausgaben sind künstlerisch aufwendig gestaltet. Sein Hauptmetier war jedoch die Lyrik. Einige Gedichte wurden von Paul Hindemith vertont. Motivisch ist das Thema Tod dabei mehrfach vertreten. Die Funkdichtung Der Narr mit der Hacke gilt, weniger aufgrund ihrer textuellen Qualität, sondern hauptsächlich wegen der Art der akustischen Inszenierung durch Ernst Hardt, bis heute als eine der wichtigsten experimentellen Leistungen im Hörspiel der Weimarer Republik. Reinachers Nachlass ist im Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass überliefert.

Werwolf (Kriegstagebuch). 1917 Robinson (Erzählung). 1920 Die Hochzeit des Todes (Erzählungen und Verse). 1921 Der Bauernzorn (Dramatische Dichtung). 1922 Täwas. Mit Holzschnitten von Benno Eggert. 1922 Todes Tanz. Eine Reihendichtung. 1924 Elsässer Idyllen und Elegien. 1925 Wilhelm Waiblingers Konflikt. In: Schwäbische Gestalten und Landschaften: eine Skizzenreihe. Stuttgarter Neues Tagblatt, Stuttgart 1926 (Tagblatt-Schriften; 3), S. 36f. Bohème in Kustenz. Ein komischer Roman. 1929 Der Narr mit der Hacke. 1930 Das Bein. 1931 Der starke Beilstein. 1938 Der Rohrstock: Ein Schwank für Humanitäter. 1958 Am Abgrund hin. Fragmente der Lebenserinnerungen. 1972 Aschermittwochs-Parade. Erinnerungen aus einem Irrenhaus. 1973

Ehrungen 1928: Kleist-Preis (zusammen mit Alfred Brust) für Der Bauernzorn 1931: Ehrenhonorar der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft für Der Narr mit der Hacke 1938: Johann-Peter-Hebel-Preis „für seine stilistische Meisterschaft, für seine schöpferische Sprachkraft und seine Verwurzelung im oberrheinischen Raum“. 1962: Erwin-von-Steinbach-Preis für sein Gesamtwerk

Literatur Manfred Bosch, Norbert Heukäufer (Hrsg.): „Fang auf, Europa, Silberspäne fliegen!“: Eduard Reinacher (1892–1968) – ein Leben im Spiegel von Werk und Freundschaften (Replik; 5), Edition Isele, Eggingen 1995, ISBN 3-86142-031-7 Norbert Heukäufer: Reinacher, Eduard. In Bernd Ottnad (Hrsg.): Baden-Württembergische Biographien. Band II. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde Baden-Württemberg. W. Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 3-17-014117-1, S. 364–366 Gerhard Reinacher (Hrsg.): Eduard Reinacher: eine Bibliographie seiner Werke (Bibliographien zur deutschen Literatur; 4). Olms Verlag, Hildesheim / Zürich / New York 1984, ISBN 3-487-07598-9 Heinz Schwitzke: Exkurs über die Hörspielgeschichte. In: Heinz Schwitzke (Hrsg.): Sprich, damit ich dich sehe, Band II. Frühe Hörspiele. List, München 1962

Weblinks

Literatur- und Nachlassbestand zu Eduard Reinacher (PDF; 897 kB) im Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass Über Eduard Reinachers „Der Narr mit der Hacke“, WDR3-Interview mit Reinhard Döhl vom 8. Juli 1971

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