mini|Innenansicht des gallo-römischen Tempels
Das Römermuseum Schwarzenacker ist ein archäologisches Freilichtmuseum in Schwarzenacker, einem Stadtteil von Homburg im Saarland. Es wurde von dem Archäologen Alfons Kolling ab 1966 aufgebaut, der auch die archäologischen Ausgrabungen am Ort leitete. Das Museum umfasst neben dem Ausgrabungsgelände ein Ausstellungsgebäude (Edelhaus) aus der Zeit des Barock und eine barocke Gartenanlage. Das Museum liegt an der touristischen Route Barockstraße SaarPfalz und im Gebiet des Biosphärenreservat Bliesgau.
Den anderen Teil des Außengeländes bilden Ausgrabungen und rekonstruierte Gebäude einer um das Jahr 275 zerstörten gallorömische Etappenstadt an der Fernstraße nach Augusta Treverorum (Trier). Die Stadt, deren antiker Name nicht bekannt ist, zählte über 2.000 Einwohner und erstreckte sich auf etwa 25 bis 30 Hektar. Bisher wurde ein Ausschnitt von etwa einem Hektar ausgegraben.
Stiftung Römermuseum Die Stiftung Römermuseum Homburg-Schwarzenacker wurde auf Betreiben von Alfons Kolling gegründet. Zu den Stiftern gehörten 1966 die Stadt Homburg, der Saarpfalz-Kreis und die Karlsberg-Brauerei. Die Stiftung organisiert den Museumsbetrieb, erhält die Anlagen und betreibt weitere Ausgrabungen und Forschungen. Dafür erhält sie von der Stadt Homburg einen jährlichen Zuschuss, der im Jahr 2021 den Betrag von 325.000 Euro ausmachte. Außerdem plant die Stiftung (Stand 2020) Investitionen in Höhe von 400.000 Euro für eine Herberge (Mansio) sowie sanitäre Anlagen.Betriebskostenzuschuss 2020 an die Stiftung Römermuseum Homburg-Schwarzenacker
Ausstellung Das Römermuseum Schwarzenacker besteht aus drei Teilen: Im rosa angestrichenen Edelhaus befinden sich neben Kasse und Museumsshop Ausstellungsräume auf drei Etagen verteilt, von denen die zwei oberen der Römerzeit gewidmet sind, während im Erdgeschoss Gemälde mit regionalem Bezug ausgestellt sind. Eine barocke Gartenanlage verbindet das Edelhaus mit dem teilweise ausgegrabenen gallorömischen Vicus, der unter Kaiser Augustus gegründet wurde und um das Jahr 275 durch die Alamannen zerstört wurde. Zu besichtigen sind die ausgegrabenen Grundmauern und Keller der Gebäude, diverse Außenanlagen, Straßen und Kanäle. Einige Gebäude wurden wiederaufgebaut. Das Museum ist von März bis einschließlich Oktober täglich geöffnet.
In den wieder aufgebauten Häusern des Vicus sowie im Edelhaus werden wichtige Funde aus dem Alltag der römischen Bevölkerung ausgestellt, die aus der Siedlung selbst oder aus der nahen Umgebung stammen. Das sogenannte „Haus des Augenarztes“ vermittelt einen Eindruck vom Leben begüterter Römer, mit Wandmalereien und Fußbodenheizung. Wiederaufgebaut sind auch die Eckkneipe des Capitolinus und die benachbarte Bäckerei. Vor der Eingangstreppe des Edelhauses wurden Nachbildungen lebensgroßer römischer Reiterstandbilder aufgestellt, die 1887 im nahe gelegenen Breitfurt entdeckt wurden. Die Originale standen viele Jahre vor dem Eingang des Historischen Museums der Pfalz in Speyer. Sie wurden dort mittlerweile demontiert und im Hof der Museumsverwaltung unter ein Dach gestellt, da sie aufgrund von Umwelteinflüssen stark verwittert waren.
Die Darstellung eines im Museum gezeigten Kentaurenkopfs schmückte 1977 eine 200-Pfennig-Briefmarke der Sondermarken-Serie „Archäologisches Kulturgut“ der Deutschen Bundespost.
Edelhaus Das aus dem frühen 18. Jahrhundert (um 1725) stammende Herrenhaus wurde von Jonas Erikson Sundahl entworfen. Im Gebäude werden neben den römischen Fundstücken auch rund 30 Gemälde ausgestellt, die Dauerleihgaben aus München (Bayerische Staatsgemäldesammlung) sind. Sechs der Kunstwerke schuf der in Zweibrücken aufgewachsene Johann Christian von Mannlich. Die weiteren Bilder stammen von zeitgenössischen Malern aus der Region, die unter der Bezeichnung „Zweibrücker Malergruppe“ zusammenfasst werden. Einige dieser Arbeiten waren Auftragswerke für den Hof in Zweibrücken und Schloss Karlsberg. Sie fanden zusammen mit anderen Arbeiten in den Wirren der französischen Revolution den Weg nach München. Im Dachgeschoss informiert eine Ausstellung derzeit (Stand 2019) thematisch über das Leben und den Alltag römischer Frauen aus allen sozialen Schichten.
Zum Edelhaus gehört ein im Stil des Barock gestalteter Garten, der nach dem Vorbild der Schlossanlage Schleißheim angelegt wurde, nachdem der Vicus ausgegraben war. Dort ist die sieben Meter hohe Nachbildung einer Jupitergigantensäule zu sehen sowie der Nachbau des gallo-römischen Umgangstempels von Bierbach vom etwa 3 km nordwestlich gelegenen Rödersberg.
Sonstige Angebote Im Römermuseum Schwarzenacker finden während der Hauptsaison regelmäßig Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene zu verschiedensten Themen statt. Dazu gehören Programme für Schulklassen und Teambuilding, Einblicke in die römische Küche, römisches Handwerk, Workshops und themenbezogene Führungen. In regelmäßigen Abständen werden auch Römertage abgehalten, bei denen mittels Reenactment lebendige Eindrücke über das römische Leben und verschiedene Vorführungen geboten werden.
Ab 2022 wird in dem Museum auch die barocke Geschichte Homburgs verstärkt dargestellt. Dazu sind (Stand 2022) mehrere Veranstaltungen zum Thema Barock geplant, durch die vor allem auch das barocke Edelhaus mit seinem Barockgarten mehr in den Blickpunkt gerückt werden soll.Thorsten Wolf: Barock soll eine wichtigere Rolle spielen. In: Saarbrücker Zeitung vom 1. März 2022. S. C2
Siehe auch Liste von Villae rusticae Archäologische römische Befunde im Saarland Liste von Freilichtmuseen
Literatur
Klaus Kell; Stiftung Römermuseum Homburg-Schwarzenacker (Hrsg.): Das römische Freilichtmuseum Homburg-Schwarzenacker. Ermer Verlag, Homburg 1996, ISBN 3-924653-20-8. Klaus Kell: Handel, Handwerk und Gewerbe: der vicus von Schwarzenacker. In: Vera Rupp, Heide Birley (Hrsg.): Landleben im römischen Deutschland. Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2573-0, S. 95–98.
Weblinks
Website des Römermuseums Schwarzenacker
Exponate aus dem Römermuseum auf dem Webangebot Digicult – Museen im Saarland Informationen zu dem Museum auf der Website der Stadt Homburg Beschreibung des Museums auf der Webseite roemer-tour.de
Einzelnachweise
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