Die Gemeinde Estaing mit Einwohnern (Stand ) liegt in der französischen Region Okzitanien im Département Aveyron und ist Hauptort des gleichnamigen Kantons. Der Ort liegt am Fernwanderweg GR 65, der weitgehend dem historischen Verlauf des französischen Jakobsweges „Via Podiensis“ folgt.
Von der Vereinigung Les plus beaux villages de France wurde Estaing zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs erklärt.Estaing auf Les plus Beaux Villages de France (französisch)
Geografie und Verkehr mini|links|Estaing und Umgebung Estaing liegt im südwestlichen Teil des Zentralmassives am Ufer des Lot und der Einmündung seines Zuflusses Coussane. Das Gemeindegebiet gehört zum Regionalen Naturpark Aubrac. Die nächsten französischen Großstädte sind Lyon (216 km) im Nordosten, Toulouse (144 km) im Südwesten, Bordeaux (260 km) im Westen und Montpellier (142 km) im Südosten.
Der nächste Flughafen ist Rodez-Marcillac, der unter anderem von Air France und von Ryanair angeflogen wird. Über die D22 ist er circa 35 Straßenkilometer entfernt. Die nächsten Bahnstationen sind Gare de Rodez, Gare de Cergy – Saint-Christophe-en-Bourbonnais und Gare SNCF Viviez – Decazeville mit täglichen Verbindungen nach Paris und Toulouse.
In Estaing kreuzen sich die D920, welche dem Lot folgt, mit der aus Norden kommenden D97 und der aus Osten kommenden D22.
Geschichte Der Ursprung des Ortes ist unbekannt. Das Zentrum des Ortes bildet das Schloss der Familie d’Estaing. Guilaume d’Estaing war mit dem englischen König Richard Löwenherz auf dem dritten Kreuzzug. Dieudonné d’Estaing konnte König Philipp II. in der Schlacht von Bouvines das Leben retten. Dafür durfte er fortan die königlichen Lilien in seinem Wappen führen. Während der Französischen Revolution setzte sich Charles-Hector Graf von Estaing für die königliche Familie ein. Er wurde festgenommen und sagte als Zeuge im Prozess für die Königin aus. Daraufhin wurde er selbst zum Tode verurteilt. Der Name d’Estaing wurde 1922 von der Familie des späteren französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing angenommen; eine Vorfahrin stammte aus dem Geschlecht d'Estaing.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2016 Einwohner 809 718 667 666 665 612 610 475 Quellen: Cassini und INSEE
Jakobsweg (Via Podiensis) In Estaing gibt es neben der Touristinformation Hotels und Restaurants, mehrere Pilgerherbergen (französisch: Gîte d’étape). Außerdem verfügt der Ort über einen Campingplatz. Der Jakobsweg führt von hier aus den Lot abwärts bis Cahors, jedoch wegen der Enge des Tales nicht immer direkt am Fluss.
Nach Livinhac-le-Haut führt als Straßenverbindung entlang der Lot die D920a bis Entraygues und weiter über die Nebenstraßen D107, D42 und D627.
Sehenswürdigkeiten Kirche Saint-Fleuret aus dem 15. Jahrhundert Das Château d’Estaing aus dem 15. Jahrhundert war das Schloss der Familie Estaing. Die Familie starb im Mannesstamme zwar im 18. Jahrhundert aus, ihr Titel wurde durch ein Dekret zur Genehmigung der NamensänderungPierre-Marie Dioudonnat, Le Simili-Nobiliaire français, Sédopols, Paris, 2010 des Französischen Staatsrates vom 17. Juni 1922Philippe du Puy de Clinchamps, La Noblesse, Puf, 1959, réédité en 1996 auf Edmond GiscardMichel Sementéry, Les Présidents de la République française et leur famille, éditions Christian, 1982, section « Valéry Giscard d'Estaing » und seine beiden Brüder Joseph und Philippe (sowie all ihre Nachkommen) übertragen. Hierbei wurde der Nachname d'Estaing von ihrer 1844 verstorbenen Großmutter Lucie-Madeleine d'Estaing an den Nachnamen Giscard angehängt.Henry Coston, Le Secret des dieux, 1968, S. 180. Der Sohn von Edmond Giscard, Valéry Giscard d’Estaing, früherer französischer Staatspräsident, hat das Schloss 2005 gemeinsam mit seinem Bruder und einem Cousin erworben. Es wird derzeit zu einem Konferenzzentrum umgebaut. Die alte Brücke über den Lot mit ihren vier steinernen Bögen entstand zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Einrichtung von drei jährlichen Markttagen. Die Initiative geht auf „Bienheureux“ (der Glückselige) François d’Estaing, Bischof von Rodez zurück, der sie 1524 einweihte. Sein Standbild steht seit 1866 auf der Mitte der Brücke. Auf der anderen Brückenseite wurde im 20. Jahrhundert ein großes schmiedeeisernes Kreuz aufgestellt. Die Brücke gehört seit 1998 zum Weltkulturerbe der UNESCO „Wege der Jakobspilger in Frankreich“
Literatur Bettina Forst: Französischer Jakobsweg. Von Le Puy-en-Velay nach Roncesvalles. Alle Etappen – mit Varianten und Höhenprofilen. Bergverlag Rother, München (recte: Ottobrunn) 2007, ISBN 978-3-7633-4350-8 (Rother Wanderführer). Bert Teklenborg: Radwandern entlang des Jakobswegs. Vom Rhein an das westliche Ende Europas. (Radwanderreiseführer, Routenplaner). 3., überarbeitete Auflage. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 2007, ISBN 978-3-7022-2626-8.
Weblinks
Entlang der Via Podiensis WHC Nomination Documentation (PDF; 88,9 MB!) Bewerbungsunterlagen für die Ernennung zum Welterbe, hier: Abschnitt „Estaing, Pont sur le Lot“
Einzelnachweise
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