mini|Das Doppel-M (steht für Mustermesse) – Logo der Leipziger Messe am Osttor der Alten Messe, Höhe: 28 MeterWolfgang Hocquél, Die Architektur der Leipziger Messe, Berlin 1994, S. 168 Mit Alte Messe wird in Leipzig jenes etwa 50 Hektar große Gelände bezeichnet, auf dem von 1920 bis 1991 die Ausstellungen der Technischen Messe im Rahmen der Leipziger Messe stattfanden. Mit Alte Messe Leipzig ist ausschließlich das Gelände und seine Überbauung gemeint, nicht jedoch die Leipziger Messe an sich, die auf dem Gelände der Neuen Messe 1996 eine neue Heimat fand.Markus A. Denzel, Die Leipziger Messe im Messesystem der Bundesrepublik Deutschland, in: Ulrich von Hehl (Hrsg.) Geschichte der Stadt Leipzig, Band 4, Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2019, ISBN 978-3-86583-804-9, S. 862–863 Auf dem Alten Messegelände existieren seit 1996 keinerlei Messeaktivitäten mehr.
Lage mini|hochkant=1.2|Hallennummerierung der 1980er Jahre Das alte Messegelände befindet sich in südöstlicher Richtung vom Stadtzentrum in einer Entfernung von etwa drei Kilometern. Es wird begrenzt im Norden vom Deutschen Platz und der Philipp-Rosenthal-Straße, im Osten von der Prager Straße und der Bahnstrecke Leipzig Hbf–Leipzig-Connewitz, im Süden von der Richard-Lehmann-Straße und im Westen von der Zwickauer Straße. Das Alte Messegelände gehört zum Ortsteil Zentrum-Südost. Die umliegenden Ortsteile sind Reudnitz-Thonberg, Stötteritz, Marienbrunn und Südvorstadt.
Das Gelände liegt an der städtebaulich bedeutsamen Achse der Straße des 18. Oktober mit dem Turm des Neuen Rathauses (114,7 Meter hoch) und dem Völkerschlachtdenkmal (91 Meter hoch) als ihren Endpunkten. Die Straße des 18. Oktober wird auf dem Gelände von der Straße Alte Messe im rechten Winkel gekreuzt. Vom heutigen Knotenpunkt dieser beiden Straßen ausgehend wurde das Gelände seit 1912/1913 entwickelt.
Geschichte mini|Nordeingang und Sowjetischer Pavillon 1974 Im Jahre 1913 fand in Leipzig die Internationale Baufachausstellung (IBA)Hocquél, S. 157 statt. Dazu wurde ein Ausstellungsgelände auf vormals landwirtschaftlichen Flächen des Gutes Thonberg geschaffen,Hellmuth, Anette (1997), Zur Planungs- und Baugeschichte der Alten Technischen Messe in Leipzig, in: Volker Rodekamp (Hrsg.), Leipzig. Stadt der wa(h)ren Wunder. 500 Jahre Reichsmesseprivileg Leipzig: Leipziger Messe Verlag, S. 123, ISBN 3-9805084-2-0. das im Beisein von Friedrich August III., des letzten Königs von Sachsen, eröffnet wurde.Alte Messe, auf der Website der Stadt Leipzig, abgerufen am 27. Oktober 2022 Der IBA folgte 1914 an gleicher Stelle die Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik mit 2,3 Millionen Besuchern. In drei der damals errichteten Hallen eröffnete 1920 die seit 1918 stattfindende Technische Messe und Baumesse ihre Pforten.Hocquél, S. 157, Hellmuth S. 124, Markus A. Denzel, Aufstieg zur „Weltmesse“, in: Ulrich von Hehl (Hrsg.) Geschichte der Stadt Leipzig, Band 4, Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2019, S. 171 sowie Peter Leonhardt, Architektur und Städtebau. Messebauten, in: Ulrich von Hehl (Hrsg.), ebd. S. 197 Die wirtschaftliche Entwicklung der 1920er-Jahre führte zu einem enormen Ausbau der Messe unter anderem durch die Errichtung neuer Hallen auf dem Messegelände. 1928 gab es 17 Messehallen und weitere kleinere Bauten mit insgesamt 130.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. 1930 stellte die Internationale Pelzfach-Ausstellung einen weiteren Höhepunkt dar.
Während des Zweiten Weltkrieges fand in einigen Hallen Rüstungsproduktion in Form von Flugzeugbau und -wartung statt.Hocquél, S. 67 und Hellmuth S. 130 Bei dem schweren Luftangriff auf Leipzig vom 4. Dezember 1943 wurden 4 Hallen total und 14 Hallen teilweise zerstört.Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. PROLEIPZIG, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8, S. 397.
Die erste Nachkriegsmesse wurde im Mai 1946 in vier Hallen abgehalten.Helge-Heinz Heinker, Die erste Friedensmesse 1946, in: Ulrich von Hehl (Hrsg.), ebd. S. 545 In den Folgejahren erfolgten laufend Erweiterungen sowie Neu- und Umbauten, darunter der 1950 aus dem ehemaligen Achilleion entstandene „Sowjetische Pavillon“Hocquél, S. 161, die Messehalle 7 (1977)Hocquél, S. 168, die Messehalle 22 (1989–1992) und ein Verwaltungsbau am Nordeingang.Hellmuth, S. 131 Daneben entstanden noch zahlreiche kleinere Bauten und Provisorien. Von 1991 bis 1996 wurden noch einige Fachmessen durchgeführt, bevor 1996 die neu erbauten Messehallen im Leipziger Norden ihren Betrieb aufnahmen.
Denkmale der Alten Messe Einige der auf dem Messegelände existierenden ehemaligen Messehallen wurden teilweise oder ganz unter Denkmalschutz gestellt. Die unter Denkmalschutz gestellten Gebäude entstammen (bis auf eine Ausnahme) der Anfangszeit (1920–1928) der Technischen Messe auf dem Gelände der Alten Messe, als die Leipziger Messe zur Weltmesse aufstieg.
Aus dem „Strategiepapier 2020“ der Stadt LeipzigGregor Harbusch, Messehallen in Leipzig werden zu Archiv und Fahrradmarkt, in: Deutsches Architektenblatt Online – dabonline – 27. November 2020, Handelsblatt Media Group, abgerufen am 21. Oktober 2022 geht hervor, dass ausschließlich der Portikus der ehemaligen Messehalle 12 sowie die komplette ehemalige Messehalle 16 unter allen Umständen zu erhalten sind, bei allen anderen jedoch von Fall zu Fall entschieden wird.Wird die Alte Messe zum Abriss freigegeben? In: Bild.de, abgerufen am 29. März 2017. Auch die Existenz der in der Vergangenheit besondere bauliche Meilensteine setzenden Messehalle 15 wurde durch Verkauf gesichert.
Messehalle 11, erbaut 1924Hellmuth S. 126, Leonhardt, S. 197 Dreischiffige Messehalle mit Klinkerfassade, spitzbogige Arkaden mit Keramikeinfassungen und dreifach gestaffeltem Walmdach mit Lichtbändern. Fläche: 8700 m². Die Halle ist saniert, gehört der HIT Handelsgruppe und ist seit Mai 2003 ein Einkaufsmarkt. Die Existenz dieses Denkmals ist gesichert.
Messehalle 12, erbaut 1923/24Hellmuth S. 126, Leonhardt, S. 197 Bekannt ab 1927 als Achilleion; ab 1950 „Sowjetischer Pavillon“ genannt. Dreischiffige Halle mit tonnengewölbtem Mittelschiff. Die Messehalle wurde Mitte der 1920er-Jahre in einen Sportpalast für die Wintermonate erweitert. Erhielt ab 1950 einen hohen Bekanntheitsgrad aufgrund des Portikus mit aufgesetztem Sowjetstern in 64 Meter HöheHocquél, S. 161 – in der Sichtachse der Straße des 18. Oktober – und der vielfachen Verwendung auf Briefmarken und Bildern; es war eines der beiden bekanntesten Symbole der Leipziger Messe. Das Gebäude wurde von der Sowjetunion für ihre Messeausstellungen benutzt und war in dieser Zeit der Sowjetische Pavillon. Im Jahr 1977 ließ die Sowjetunion die Fassade neu gestalten.Exposé Halle 12 (ehem. sowjetischer Pavillon), Stand: 29. August 2013 1996 kaufte die Stadt Leipzig den Sowjetpavillon für 20 Millionen D-Mark von der Messegesellschaft, die diesen zuvor für denselben Betrag von der Handels- und Industriekammer der UdSSR in Moskau erworben hatte. 2003 veranlasste die städtische Entwicklungsgesellschaft, die weißen Kacheln aus Sicherheitsgründen abzunehmen. Der Portikus steht, wie drei andere Objekte auf dem alten Messegelände, unter Denkmalschutz. Die Messehalle 12 hinter dem Portikus war stark sanierungsbedürftig. Der Kopfbau mitsamt Portikus wurde bis 2018 saniertAngaben auf der Seite der Stadt, 28. November 2016, abgerufen am 28. November 2016, die dahinter liegenden Teile wurden durch neue Anbauten ersetzt.Johannes Angermann: lvz.de, 20. Juni 2014, abgerufen am 28. November 2016 Die Grundsteinlegung erfolgte am 28. November 2016, am 29. Oktober 2019 erfolgte die Einweihung des Stadtarchives in dem sanierten Kopfbau. sowie Gregor Harbusch Die Existenz des Kopfbaus mit Portikus ist gesichert, die Halle größtenteils abgerissen.
Messehalle 15, erbaut 1927/28Hellmuth, S. 126, Leonhardt, S. 197 Eine 20 Meter hohe Stahlkonstruktion, die einen 100 Meter weiten Raum ohne Innenstützen überspannt. Das Dach wurde von sieben Fachwerk-Bindern getragen. Dieses Gebäude war aufgrund seiner beeindruckenden Dimensionen eines der meistfotografierten Gebäude des Messegeländes. Ähnlich wie die Messehalle 16 die Leistungsfähigkeit des Stahlbetonbaus demonstrieren sollte, war die Messehalle 15 dazu vorgesehen, die Leistungsfähigkeit des Stahlbaus zu zeigen. In nur vier Monaten wurde das Gebäude vor der Frühjahrsmesse 1928 errichtet; eine stützenfreie Spannweite für ein Dach von 100 Metern war zuvor noch nirgendwo auf der Welt erreicht worden.Zum Weltrekord: Hocquél, S. 163 Pressemeldung LEVG mbH, abgerufen am 30. März 2017.Harbusch Damit nahm die Halle vorweg, was erst Ende des 20. Jahrhunderts im Hochbau üblich werden sollte: die Errichtung großer Hallen mit großem freien Rauminhalt.
Nach starken Kriegszerstörungen wurden bis 1951 nur etwa 60 Prozent der Halle wieder aufgebaut, zudem im Inneren Metallstützen und eine Galerie eingezogen. Nach 1990 gab die Stadt Leipzig die Halle zum Abriss frei. Nach längerem Leerstand erwarb die Firma Zweirad Stadler 2015 die Halle mit einer Fläche von ca. 10.000 m² und 12.500 m² benachbartes Gelände. Der Baubeginn der Sanierung, die die Halle wieder in den stützenfreien, allerdings verkleinerten Originalzustand von 1928 versetzte und damit den Bau als Denkmal sicherte, war 2018. Die Eröffnung erfolgte am 4. April 2019.
Messehalle 16, erbaut 1912/13 Bekannt als Kreis’scher Kuppelbau; auch „Betonhalle“, „Pantheon Leipzig“, „Volkspalast“ und „Eventpalast“ genannt. Das älteste Gebäude der Alten Messe ist der Kreis’sche Kuppelbau,Hellmuth, S. 124 1912/13 als Betonhalle zur Internationalen Baufachausstellung (IBA) errichtet, später als Messehalle und nunmehr für Events für bis zu 2.000 Personen und für Sendungen des MDR genutzt. Er sollte 1913 die Leistungsfähigkeit der jungen Stahlbetonbautechnik demonstrieren.Hocquél, S. 158 Der Bau wird von einer Kuppel mit 30 Metern Durchmesser beherrscht, die eine 28 Meter hohe Halle überdeckt und zusammen mit der Frontgestaltung an das römische Pantheon erinnert. In einer Bauzeit von nur sechs Monaten wurden 24.000 Tonnen Beton und 400 Tonnen Stahl verbaut. Durch steinmetzmäßig bearbeitetem Vorsatzbeton sollte die „Architekturfähigkeit“ von Stahlbeton demonstriert werden. Fläche mit Anbauten: 3000 m². Der Kuppelbau ist in einem guten Zustand. Die Existenz dieses Denkmals ist gesichert.
Messehalle 17, erbaut 1920/21Hellmuth, S. 126 Diese Messehalle ist die erste erhaltene, die explizit für Zwecke der Technischen Messe erbaut wurde. Fünfschiffige Industriearchitektur der frühen 1920er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Unsaniert, steht leer. Nach Umbaumaßnahmen ist hier ein Hornbach-Baumarkt eingezogen, der jedoch auf dem Gelände ganz neu bauen möchte und den Neubau Anfang 2023 mit 14.000 m² Verkaufsfläche eröffnen möchte.Anke Brod, Neues Gesicht für die Alte Messe: Baumarkt-Gigant will 2023 eröffnen, in: Tag24, 30. April 2022, abgerufen am 29. Oktober 2022
Neue Nutzung sonstiger Flächen und Gebäude mini|Straße des 18. Oktober mit Achilleion, Einkaufsmarkt, Bundesbankgebäude und Völkerschlachtdenkmal