Hann Trier (* 1. August 1915 in Kaiserswerth bei Düsseldorf; † 14. Juni 1999 in Castiglione della Pescaia in der Toskana in Italien) war ein deutscher Maler des der abstrakten Malerei zugeordneten Informel, Aquarellist und Grafiker. Von 1952 bis zu seiner Emeritierung war er Professor an der Hochschule der Künste in Berlin.
Leben und Werk Hann Trier und sein jüngerer Bruder, der Kunsthistoriker Eduard Trier (1920–2009), waren Söhne von Helene Trier, geborener Hager, und des Postbeamten und Telegrapheninspektors Hans TrierTrier, Eduard. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1260. und verbrachten ihre Kindheit und Jugend in Köln. Hann Trier besuchte dort wie sein Bruder das Gymnasium Kreuzgasse und war 1933 Austauschschüler in Frankreich. Von 1934 bis 1938 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf und 1939 schloss er sein Studium mit dem Staatsexamen in Berlin ab. Von 1939 bis 1941 wurde er zum Militärdienst in die Wehrmacht einberufen und arbeitete von 1941 bis 1944 als Technischer Zeichner in Berlin, bis er wiederum von 1944 bis 1945 zum Militärdienst einberufen wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er bis 1946 als Bühnenbildner in Nordhausen. 1946 bezog Trier bis 1952 eine Wohnung und ein Atelier auf Burg Bornheim bei Bonn. Er war 1947 Gründungsmitglied der Donnerstag-Gesellschaft in Alfter bei Bonn, einer Gruppe von Künstlern, die es sich zur Aufgabe machte, „die verlorenen Jahre des Krieges durch […] intensiven geistigen Austausch auszugleichen.“Stiftung Museum Schloss Moyland, Sammlung van der Grinten, Joseph Beuys Archiv des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Joseph Beuys, Ewald Mataré und acht Kölner Künstler. B.o.s.s Druck und Medien, Bedburg-Hau 2001, S. 25. Die Veranstaltungen der anthroposophisch orientierten Gruppe, bestehend aus Lesungen, Vorträgen, Diskussionen, Konzerten und Ausstellungen, fanden zwischen 1947 und 1950 auf Schloss Alfter statt. 1948/1949 gehörte er zu den Gründern der Neuen Rheinischen Sezession. 1949 wurde er als Mitglied in die Künstlergruppe Bonn aufgenommen.Chronik 1945–1984. Künstlergruppe Bonn. Bouvier Verlag, Bonn 1984 (Mitgliederverzeichnis, S. 101). 1951 wurde er Mitglied der in München gegründeten Künstlergruppe ZEN 49.Jochen Poetter (Hrsg.), ZEN 49 – die ersten zehn Jahre – Orientierungen. Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Baden-Baden 1986, S. 353. Als ordentliches Mitglied des Deutschen Künstlerbundes nahm Hann Trier zwischen 1951 und 1993 an insgesamt 38 DKB-Jahresausstellungen (z. T. auch im Ausland) teil; (abgerufen am 8. Mai 2016) von 1964 bis 1966 war er erster Vorstandsvorsitzender, bis 1969 weiterhin Vorstandsmitglied des Künstlerbundes. (abgerufen am 8. Mai 2016) Von 1952 bis 1955 hielt er sich in Medellín in Kolumbien auf. Er arbeitete als Werbegrafiker und es folgten weitere ausgedehnte Studienreisen nach Mexiko, Südamerika und nach New York. mini|hochkant|Familiengrab Trier auf dem Kölner Nordfriedhof Hann Trier war von 1955 bis 1956 Gastdozent an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. 1955, 1959 und 1964 nahm er an der documenta 1, documenta II und documenta III in Kassel teil. Von 1957 bis 1980 war Trier Professor und später Direktor der Hochschule für bildende Künste in West-Berlin. Ab 1967 unterhielt er ein Atelier in der Toskana. Er erhielt 1961 den Darmstädter Kunstpreis und 1962 den Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. 1966 erhielt er den Berliner Kunstpreis, 1967 den Köln Kunstpreis. 1972 und 1974 führte er die Deckenbilder in Schloss Charlottenburg in Berlin aus. 1973 bezog Hann Trier in der Eifel ein Atelier.
Er wurde 1975 mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.Marion Ackermann: Trier, Hann. In: Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2001, CD Bereits Mitte der 1980er Jahre wurden seine Werke in deutschen und ausländischen Museen, etwa im Saarland-Museum, in Amsterdam, Seattle und Pittsburgh, ausgestellt. Für sein künstlerisches Schaffen wurde ihm 1989 der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. 1996 wurde die Kunststiftung Hann Trier eingerichtet. 1999 starb Hann Trier im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in der Toskana. Er wurde im Familiengrab auf dem Kölner Nordfriedhof (Flur 32 Nr. 39/40) beigesetzt.Hans M. Schmidt: Die letzte Signatur. Grabstätten deutscher Künstler des 20. Jahrhunderts. Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2015, S. 290. Seine Werke zeichnen sich durch Bilder mit differenziertem Linienspiel und netzartigem Bildaufbau vor bewegten Farbhintergründen aus, die zum Teil beidhändig geschaffen wurden.
Hann Trier war katholisch, ab 1962 verheiratet mit der Soziologin Renate Mayntz, geborene Pflaum, und lebte in der Ortschaft Vollem, einem Stadtteil von Mechernich, und in der Caesarstraße in Köln.
Werke In situ mini|hochkant|Hann Trier, Baldachin (1980), gen. „Wolke“, Piazzetta der Kölner Rathaushalle Deckengemälde im Weißen Saal des Knobeldorff-Flügels und im Treppenhaus, Schloß Charlottenburg, Berlin, 1972–74 Decken- und Wandmalerei in der Bibliothek des Philosophischen Seminars der Universität Heidelberg, 1978/1979 Baldachin, freihängendes Deckenbild in der Kölner Rathaushalle, 1977–1980 Deckenbild im Speisesaal der Residenz des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland am Heiligen Stuhl in Rom, 1984
Sammlungen Berlinische Galerie Gustav-Lübcke-Museum IGBK – Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste Kunstpalais Erlangen Kunststiftung Hann Trier, Bonn Museum Abteiberg, Mönchengladbach Museum Folkwang, Essen Museum gegenstandsfreier Kunst, Otterndorf Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg Museum Ludwig, Köln Museum Morsbroich, Leverkusen Neuer Berliner Kunstverein Neue Galerie Kassel LVR LandesMuseum Bonn Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland Sinclair-Haus, Bad Homburg Städtische Galerie Villa Zanders, Bergisch Gladbach Städtische Galerie Wolfsburg Von der Heydt-Museum, Wuppertal Sammlung Würth, Künzelsau/Schwäbisch HallKunst Würth: Hann Trier - Werke in der Sammlung Würth aus sechs Jahrzehnten (abgerufen am 8. Mai 2016)
Ausstellungen
Große Deutsche Kunstausstellungen 1941 und 1943 in München
Der Deutsche Künstlerbund 1950, Erste Ausstellung 1. Aug. – 1. Okt. 1951, Hochschule für Bildende Künste, Berlins. Katalog Deutscher Künstlerbund 1950. Erste Ausstellung Berlin 1951, in den Räumen der Hochschule der Bild. Künste, Hardenbergstr. 33, Gesamtherstellung: Brüder Hartmann, Berlin 1951. (ohne Seitenangaben; Hann Trier mit drei Arbeiten aus demselben Jahr, Eitempera: Radfahren (75 × 145), Pflügen (50,5 × 90), Entschluß (55 × 90). Katalognr. 207–209)
documenta 1 1955 in Kassel documenta II 1959 in Kassel documenta III 1964 in Kassel Hann Trier (1915–1999). Zwischen Alten und Neuen Meistern. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Albertinum, 29. März bis 11. Juni 2003. Hann Trier …die Fläche zur Bewegung bringen. Bilder von 1948 bis 1998. Galerie am Abdinghof, Paderborn, 11. Dezember 2005 bis 5. März 2006. Kabinettausstellung Hann Trier – »Das Wandern«, Gustav-Lübcke-Museum Hamm, 22. April bis 28. Oktober 2018.
Ausstellungen zum 100. Geburtstag des Künstlers: Hann Trier. Der Junge und der Unbekannte. Gemeinschaftsausstellung des LVR LandesMuseum Bonn, 30. Juni bis 4. Oktober 2015 und Museum Ratingen, 31. Juli bis 1. November 2015. Hann Trier – Ich tanze mit den Pinseln. Aquarelle und Zeichnungen der 50er + 60er Jahre, Käthe Kollwitz Museum Köln, 18. September bis 29. November 2015.
Schüler Elvira Bach (* 1951) Georg Baselitz (1938–2026) Benjamin Katz (* 1939) Hans-Jürgen Diehl (* 1940) Simon Dittrich (1940–2024) Hermann Waldenburg (* 1940) Johannes Dörflinger (* 1941) Max G. Kaminski (1938–2019) Thomas Kaminsky (* 1945) Peter Klasen (* 1935) Dieter Kraemer (* 1937) Marwan (1934–2016) Dieter Masuhr (1938–2015) Angelik Riemer (1940–2014) Elke Wree (1940–2025)
Illustrationen Werner Hörnemann: Ali und die Räuber. Herder, Freiburg 1953
Schriften Hann Trier: Über die Rückseite des Mondes. Broecking Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-938763-06-3. Hann Trier: Ut poesis pictura? : Eine Betrachtung zur Malerei der griechischen Antike. Edition Rothe, Heidelberg 1985, ISBN 3-920651-06-5. (Mit Vorzugsausgaben). Hann Trier: Kunst zwischen Bismarckismus und konstrakt. In: Bonn – Jahre des Aufbruchs. General-Anzeiger, Bonn 1986.
Literatur Eberhard Roters: Hann Trier – Die Deckengemälde in Berlin, Heidelberg und Köln. Mit einer ausführlichen Dokumentation. Gebr. Mann, Berlin 1981, ISBN 3-7861-1310-6. Heinz Ohff: Hann Trier und die Trier-Schüler. Galerie Scheffel, Homburg v. d. H. 1985. Trier, Hann. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1260. Christoph Wagner: Der beschleunigte Blick. Hann Trier und das prozessuale Bild. Gebr. Mann, Berlin 1999, ISBN 3-7861-2331-4. Maxi Sickert, Carsta Zellermayer (Hrsg.): Hann Trier – Aquarelle 1947–1994. Broecking, Berlin 2010, ISBN 978-3-938763-11-7.
Weblinks
Hann Trier, Kunststiftung Hann Trier
Einzelnachweise
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