Die spanische Rugby-Union-Nationalmannschaft () ist die Nationalmannschaft Spaniens in der Sportart Rugby Union. Sie repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Die Mannschaft trägt den Spitznamen („die Löwen“). Die organisatorische Verantwortung trägt der 1923 gegründete Verband Federación Española de Rugby (FER). Vom Weltverband World Rugby wird die spanische Nationalmannschaft in die zweite Stärkeklasse () eingeteilt. Damit gehört sie zu den stärkeren europäischen Teams außerhalb der Six Nations.

Das erste Test Match fand 1929 gegen Italien statt. Spanien nahm bisher an einer Weltmeisterschaft teil, kam bei der WM 1999 jedoch nicht über die Gruppenphase hinaus. Die Mannschaft errang bei Europameisterschaften bisher keinen Titel und klassierte sich fünfmal auf dem zweiten sowie achtmal auf dem dritten Platz. Traditionell spielt Spanien in roten Trikots mit blauen Hosen und blauen Socken.

Organisation

Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Spanien ist die Federación Española de Rugby (FER). Der Verband wurde 1923 gegründet und trat 1988 dem International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby) bei. Die Federación Española de Rugby war außerdem im Jahr 1934 Gründungsmitglied des Kontinentalverbandes Fédération internationale de rugby amateur (FIRA; heute Rugby Europe, RE). Von 1934 bis 1941 besaß die Region Katalonien eine eigene Nationalmannschaft, deren Verband ebenfalls der FIRA angehörte.

Die höchste Rugby-Union-Liga in Spanien ist die semiprofessionelle División de Honor de Rugby mit zwölf Mannschaften. Allerdings ziehen es zahlreiche Spieler wegen der besseren finanziellen Möglichkeiten vor, als Profisportler für Vereine in Frankreich oder anderen westeuropäischen Ländern zu spielen. In Spanien tätige Nationalspieler gehören meist der professionellen Mannschaft Castilla y Leon Iberians an, die seit 2021 am Rugby Europe Super Cup teilnimmt. Nur eine Saison lang, von 2009 bis 2010, bestand die Profiliga Superibérica de Rugby.

Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die FER weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt Spanien über eine U-20-Nationalmannschaft, die an den entsprechenden Europa- und Weltmeisterschaften teilnimmt. Hinzu kommt die Siebener-Rugby-Nationalmannschaft. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung. Zu diesem Zweck hat der Verband ein aus mehreren Modulen bestehendes Konzept entwickelt, das von Sportlehrern auf der Grund- und Sekundarstufe angewendet werden kann.

Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby Wann genau Rugby in Spanien eingeführt wurde, ist unbekannt. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass hier ansässige Briten den Sport erstmals ausübten. Beispielsweise wird berichtet, dass in der Englischen Schule () in Valladolid von 1875 bis 1887 Spiele stattfanden, deren Regeln jenen von Rugby stark ähnelten. Ende der 1890er Jahre war das Rugbyspiel auch in den Lehrplänen einzelner spanischer Schulen enthalten. Bald jedoch begann sich der Fußball durchzusetzen, der bei den Spaniern aufgrund seiner Eleganz viel mehr Anklang fand. Das als „brutal“ geltende Rugby konnte sich um die Jahrhundertwende vorerst nur in Barcelona und in Teilen des Baskenlandes etablieren, nicht zuletzt wegen der Nähe zu den Rugbyhochburgen im Südwesten Frankreichs. Das erste dokumentierte Rugbyspiel fand im Februar 1901 im Velodrom von Bilbao statt, nachdem der Engländer Stuart Nicholson sich an den Racing Club aus Paris gewandt hatte. Er wollte „einen auffälligen Gegner für ein Turnier mit drei Mannschaften, an dem auch Einwanderer aus Barcelona teilnehmen sollten“.Richards: A Game for Hooligans: The History of Rugby Union. S. 102. Zur Auswahl Barcelonas gehörte unter anderem der Schweizer Hans Gamper, der Gründer des FC Barcelona. Jahrelang blieb Rugby in Spanien allerdings eine weitgehend unbekannte Nischensportart und es fanden nur sporadisch Spiele mit überwiegend ausländischer Beteiligung statt.Torrebadella-Flix: La historia del rugby en España. S. 182–183.

Während des Ersten Weltkrieges verschwand das Interesse an Rugby in Spanien vorübergehend. Dies änderte sich im April 1921, als der Verein US Perpignan die französische Meisterschaft für sich entschied. Die katalanisch-nationalistische Zeitung La Veu de Catalunya feierte diesen Erfolg überschwänglich als patriotischen Triumph, da die Stadt Perpignan (katalanisch Perpinyà) in der Region Nordkatalonien liegt und somit fast alle Spieler Katalanen gewesen seien.Torrebadella-Flix: La historia del rugby en España. S. 188. Kurz darauf kehrte Baldiri Aleu Torres, der in Toulouse sein Studium der Tiermedizin abgeschlossen und dort den Rugbysport kennengelernt hatte, in seine Heimatstadt Sant Boi de Llobregat (einen Vorort von Barcelona) zurück. Dort gründete er die Unió Esportiva Santboiana, den ersten Rugbyverein Spaniens.Richards: A Game for Hooligans: The History of Rugby Union. S. 129. Mit Unterstützung des französischen Rugbyverbandes, zu dem am Rande des Olympisches Kongresses in Lausanne Kontakte geknüpft worden waren, verbreitete sich der Rugbysport zunächst rasch in Katalonien und bald auch in anderen Regionen. Bereits am 13. April 1922 erfolgte die Gründung des nationalen Verbandes Federación Española de Rugby (FER) und 1923 gewann Santboiana die erste spanische Meisterschaft.Torrebadella-Flix: La historia del rugby en España. S. 188–189. Das erste Spiel in der Hauptstadt Madrid fand am 20. Mai 1923 im Stadium Metropolitano vor 10.000 Zuschauern (darunter König Alfons XIII.) statt, als die französischen Vereine Biarritz Olympique und Stadoceste Tarbais aufeinandertrafen.Torrebadella-Flix: La historia del rugby en España. S. 195.

Die ersten Jahre der Nationalmannschaft 1927 bestritt eine inoffizielle spanische Auswahl ein Spiel gegen Frankreich (darunter Yves du Manoir), es wird aber allgemein nicht als Test Match anerkannt. Im Rahmen der Weltausstellung Exposició Internacional de Barcelona trug die spanische Nationalmannschaft am 20. Mai 1929 in Barcelonas Estadi Olímpic de Montjuïc ihr erstes offizielles Länderspiel aus, das sie mit 9:0 gegen Italien gewinnen konnte. Dem Spiel wohnte die spanische Königsfamilie bei und sämtliche Nationalspieler stammten aus Katalonien. Das erste Auswärtsspiel fand am 18. Mai 1930 in Dresden gegen Deutschland statt und ging mit 0:5 verloren. 1934 gehörte die FER zu den Gründungsmitgliedern der Fédération internationale de rugby amateur (FIRA; heute Rugby Europe, RE), die als Konkurrentin zum angelsächsisch dominierten International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby) auftrat. Am 13. April 1935 begann die bis heute andauernde Rivalität mit Nachbar Portugal mit einem 6:5-Auswärtssieg in Lissabon.

Als die Zweite Spanische Republik 1932 der Region Katalonien die volle Autonomie gewährte, hatte dies ungewöhnliche Auswirkungen im Bereich des Sports. Der energisch nach Eigenständigkeit strebende katalanische Regionalverband Federació Catalana de Rugbi (FCR), der Regionalverband Kastiliens und die FER zerstritten sich 1933 heillos. Als Reaktion auf die Misswirtschaft beim nationalen Verband trat die FCR 1934 noch vor diesem der FIRA bei und stellte eine eigene Nationalmannschaft auf. Dieser radikale Schritt führte zum Ausschluss Kataloniens aus der FER, da sich die FIRA ihrerseits weigerte, eines ihrer Mitglieder auszuschließen. In der Folge spielte das katalanische Nationalteam mehrmals gegen Frankreich, Italien und Rumänien. Die sportliche Unabhängigkeit endete 1940 nach dem Ende des Spanischen Bürgerkrieges. Die Regierung von Diktator Francisco Franco entmachtete die FCR, entzog ihr einen großen Teil der finanziellen Mittel und ließ viele ihrer Mitglieder inhaftieren. Sie erzwang auch den Ausschluss der FCR aus der FIRA und degradierte das katalanische Team zu einer reinen Regionalauswahl. In den darauf folgenden Jahren büßte Katalonien seine bisher unangefochtene Vorrangstellung innerhalb Spaniens ein.

Auf und Ab bei Europameisterschaften Erst 1951, nach einer fünfzehnjährigen Pause, trat die spanische Nationalmannschaft wieder zu einem Test Match an. Ein Jahr später nahm sie erstmals an einer Europameisterschaft teil, dem Europapokal 1952. Beim Europapokal 1954 zog sie dank Siegen über Portugal und Belgien ins Halbfinale ein, scheiterte dann aber an Italien und teilte sich den dritten Platz mit Deutschland. Die Europameisterschaften ruhten für ein Jahrzehnt, weshalb lediglich Freundschaftsspiele gegen andere europäische Teams auf dem Programm standen. Eine Ausnahme von dieser Regel waren die Mittelmeerspiele, deren zweite Ausgabe 1955 in Barcelona stattfanden. Beim Rugbyturnier dieser Veranstaltung gewann Spanien hinter Frankreich und Italien die Bronzemedaille. Als die Europameisterschaften 1965 mit Beteiligung nordafrikanischer Länder wiederbelebt wurden, traten die Spanier in der zweiten Division an und strebten mehrmals vergeblich den Aufstieg in die erste Division an. Diesen verpassten sie beim FIRA-Nationenpokal 1969/70 denkbar knapp mit einer 8:11-Finalniederlage in Casablanca gegen Marokko. Schließlich gelang es beim FIRA-Nationenpokal 1971/72 gegen Italien, mit einem 10:0 im Hinspiel in Madrid und einem 6:6 im Rückspiel in Ivrea.

In den folgenden Jahren hielten sich die Spanier im Mittelfeld der ersten Division, ohne jedoch wirklich zu glänzen. Immerhin gelang ihnen 1977 ein Sieg über Italien, während sie beispielsweise gegen Rumänien oder Frankreich stets chancenlos waren.Richards: A Game for Hooligans: The History of Rugby Union. S. 204. Sie verloren alle ihre Spiele des FIRA-Pokals 1978/79 und mussten daraufhin absteigen. Nachdem sie in der zweiten Division des FIRA-Pokals 1979/80 allen Gegnern deutlich überlegen gewesen waren und sogleich wieder aufstiegen, folgte nur ein Jahr später der erneute Abstieg nach dem Ende des FIRA-Pokals 1980/81. Im November 1982 empfing Spanien erstmals Nationalmannschaften von außerhalb Europas und Nordafrikas. Zunächst gingen zwei Begegnungen mit der Auswahl der Māori aus Neuseeland deutlich verloren. Anschließend hielt man mit Argentinien, der dominierenden Mannschaft Südamerikas, lange Zeit gut mit und musste sich nur relativ knapp mit 19:28 geschlagen geben.

Spanien blieb drei Jahre in der zweiten Division, ehe es im FIRA-Pokal 1983/84 ein weiteres Mal den Sprung in die höchste Division schaffte. Im Juli 1984 unternahm die Mannschaft eine kurze Tour ins südliche Afrika, wobei in zwei Test Matches gegen Simbabwe je ein Sieg und eine Niederlage resultierten. Spanien belegte im FIRA-Pokal 1984/85 den fünften Platz und musste daraufhin gegen das sechstplatzierte Tunesien um den Klassenerhalt spielen. Das entscheidende Spiel im französischen Lavelanet ging mit 9:12 verloren. In der zweiten Division des FIRA-Pokals 1985–1987 waren die Spanier wiederum souverän und gewannen fünf von sechs Partien. Im Aufstiegsspiel gegen die Niederlande setzten sie sich in Bordeaux mit 28:10 durch. Als gerade erst aufgestiegene Mannschaft erhielt Spanien keine Einladung für die 1987 erstmals ausgetragene Rugby-Union-Weltmeisterschaft. Stattdessen unternahm die Nationalmannschaft eine Südamerikatour; unter anderem gewann sie gegen Uruguay, unterlag aber Argentinien. 1988 erfolgte die Aufnahme des spanischen Verbandes in den International Rugby Football Board.Bath: Complete Book of Rugby. S. 74. Da Spanien im FIRA-Pokal 1987–1989 wiederum den letzten Platz der ersten Division belegte, folgte sogleich wieder der Abstieg.

Erste Weltmeisterschaftsteilnahme