mini|Wolfgang Dahmen Wolfgang Dahmen (* 20. Januar 1950 in Düsseldorf) ist ein deutscher Romanist und war bundesweit der einzige Professor für Rumänische Sprach- und Literaturwissenschaft. Er ist Emeritus der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo er zuletzt am Institut für Romanistik tätig war. Wolfgang Dahmen ist verheiratet mit Ursula Dahmen. Er publiziert über Dialektologie, Onomastik, Soziolinguistik, Sprachkontakt, Sprachgeschichte und Verschriftung.
Biografie
Schul- und Studienzeit Wolfgang Dahmen lernte schon als Schüler Französisch und Italienisch und studierte von 1968 bis 1974 Romanistik, Geographie und Geschichte in Köln und Nancy, wo er als Assistant d’allemand am Centre Pédagogique Régional tätig war. Über seine Studienzeit schreibt Dahmen: „[…] Die Freiheiten […] habe ich genutzt, um in Nachbardisziplinen ‚hineinzuriechen‘, wie es inzwischen völlig unmöglich wäre. Mir hat dieser Blick über den Tellerrand […] außerordentlich gut getan […]“.Dahmen 2020: 83 Als Stipendiat hielt er sich in Frankreich, Italien, Rumänien, Ungarn, der Schweiz und Bulgarien auf.
Über seinen Weg zur Rumänistik berichtet er: „[…] Ins Auge stach mir schon bald nach Studienbeginn, dass es in Köln die Möglichkeit gab, Rumänisch zu lernen, da dort aufgrund eines kurz zuvor zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien geschlossenen Kulturabkommens ein Lektor aus Rumänien lehrte […]“.Dahmen 2020: 84f Mit der ersten Philologischen Staatsprüfung in den Fächern Französisch und Geographie schloss er das Studium ab. „[…] Nebenbei aber absolvierte ich weiter die Rumänischsprachkurse und begann, auch andere Sprachen wie Ungarisch oder verschiedene slavische Sprachen zu lernen, die mir für das Verständnis der Struktur des Rumänischen interessant zu sein schienen […]“, berichtet Dahmen.Dahmen 2020: 88 Ein Zusatzstudium der Klassischen Philologie absolvierte er von 1975 bis 1977 an der Universität Köln.
Orientierungsphase 1975 nahm Dahmen an einer Studienreise zu den Istrorumänen teil; über den Aufenthalt dort sagt er rückblickend: „[…] Er weckte in mir nicht nur das Interesse an der süddanubischen Rumänität […], sondern zudem das an Sprachaufnahmen und Mundartenforschung […]“.Dahmen 2020: 89 1976 folgt eine Forschungsreise zu den Aromunen in Jugoslawien und Griechenland. 1977 hatte er eine Vertretungsstelle im Rumänischen Lektorat der Universität Köln. Im gleichen Jahr begann Dahmen als freier Mitarbeiter beim Westdeutschen Rundfunk in Köln zu arbeiten. Seit 1978 Mitherausgeber der Zeitschrift Balkan-Archiv, Neue Folge (zusammen mit Johannes Kramer).
Es folgte im Jahr 1978 eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt Aromunischer Sprachatlas, anschließend am Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Dort hatte Dahmen dann nacheinander die Funktionen eines Akademischen Rates auf Zeit, eines Akademischen Rates und eines Akademischen Oberrates. 1982 wurde er mit einer Studie zur dialektalen Situation Zentralfrankreichs zum Doktor der Philosophie promoviert. Mitwirkung am Romanistischen Kolloquium an verschiedenen deutschen Universitäten.
Von 1990 bis 1991 war Dahmen im Rahmen einer DAAD-finanzierten Teilzeitdozentur an der Pädagogischen Hochschule Zwickau tätig. Über diese Nachwendezeit schreibt er: „[…] Die Bereitschaft, in dieser so überraschend aufgetretenen Situation etwas Neues anzupacken, war auf allen Seiten ungeheuer groß […]“.Dahmen 2020: 96 Zur Wahrnehmung der Vertretung der Professur für Romanische Sprachwissenschaft in Zwickau wurde er von 1991 bis 1993 an der Universität Bamberg freigestellt. Er wurde 1993 an der Universität Siegen habilitiert. Nachdem er danach für ein Semester die Professur für Romanische Sprachwissenschaft und Mediävistik in Bamberg vertreten hatte, kam Dahmen 1994 an die Universität Jena, wo er zunächst vertretungsweise eine Professur für Rumänische Philologie innehatte.
Aufbau der Rumänistik in Jena Im darauffolgenden Jahr wurde er zum Professor für Rumänische Philologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena ernannt, wo er zwischen 2005 und 2008 Dekan der Philosophischen Fakultät war. „[…] die Berufung auf diese Stelle empfand ich als Erfüllung meiner beruflichen Vorstellungen […]“, sagt Dahmen im Rückblick.Dahmen 2020: 98 Es folgte von 2010 bis 2013 eine Mitgliedschaft im Senat der Universität Jena.
Über den Aufbau der Rumänistik in Thüringen sagt Dahmen: „[…] So darf man wohl ohne Übertreibung sagen, dass sich Jena nach und nach zu einem – vielleicht sogar zu dem – Anziehungspunkt für diejenigen Studentinnen und Studenten entwickelte, die sich für rumänische Sprache, Literatur und Kultur interessierten […]“.Dahmen 2020: 100 Von 2000 bis 2010 führte er zusammen mit Victoria Popovici jeweils im Frühjahr zweiwöchige Rumänisch-Intensivkurse durch, die von bis zu 100 Teilnehmenden besucht wurden.
In seiner Funktion als Professor für Rumänische Sprach- und Literaturwissenschaft hat er 1996 eine Gesprächsrunde mit dem damaligen rumänischen Staatspräsidenten Ion Iliescu an der Universität Jena organisiert. Im Herbst des gleichen Jahres betätigte Dahmen sich als OSZE-Wahlbeobachter bei den Präsidentschaftswahlen in der Republik Moldau. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus den Fächern Südslawistik und Osteuropäische Geschichte hat er 1997 den Studiengang Südosteuropastudien an der Universität Jena eingeführt. Von 2006 bis 2016 förderte die DFG in Jena das von Dahmen mit entwickelte Graduiertenkolleg Kulturelle Orientierungen und gesellschaftliche Ordnungsstrukturen in Südosteuropa, was er ab 2008 als Sprecher leitete.
Dahmen war bis 2016 als Professor, zuletzt ein Jahr als Seniorprofessor, an der Universität Jena tätig.
Wissenschaftliche Aktivitäten Mitveranstalter des einmal jährlich stattfindenden Romanistischen Kolloquiums (1984–2015) Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Union für Aromunische Sprache und Kultur (seit 1985) Vorsitzender des Balkanromanistenverbandes e.V. (1994–1999) Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Zeitschrift Romanistik in Geschichte und Gegenwart (seit 1995) Mitglied (2008–2012 Vorsitzender) des Wissenschaftlichen Beirats der Südosteuropa-Gesellschaft (2000–2012) Mitglied des Herderpreis-Kuratoriums der Alfred-Toepfer-Stiftung (2003–2008) Mitglied des Beirats der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft, Berlin (seit 2003) Mitglied (seit 2008 Sprecher) des Graduiertenkollegs 1412: Kulturelle Orientierungen und gesellschaftliche Ordnungsstrukturen in Südosteuropa (2006–2016) Mitglied des Präsidiums der Südosteuropa-Gesellschaft (2008–2020) Mitglied des Redaktionsrates der Zeitschriften Lingua (Klausenburg), Philologica Jassyensia (Jassy), Studii de literatură română şi comparată (Temeswar)
Herausgebertätigkeit Balkan-Archiv, Neue Folge, Hamburg – Veitshöchheim (zusammen mit J. Kramer), 1976–2007, jährlich Beihefte zum Balkan-Archiv, Neue Folge, Hamburg – Veitshöchheim (zusammen mit J. Kramer), bislang erschienen 11 Bände Zeitschrift für Balkanologie, Wiesbaden (zusammen mit Gabriella Schubert, P. Himstedt-Vaid, Reinhard Lauer), seit 2010, zweimal jährlich Romanistisches Kolloquium, Tübingen, 30 Bände, 1984–2017 Bibliotheca Romanica et Latina (gemeinsam mit D. Briesemeister, E. Gärtner, S. Große, J. Kramer, A. Schönberger), bislang erschienen 4 Bände diverse Einzelbände
Monographien Etude de la situation dialectale dans le Centre de la France. Un exposé basé sur l’Atlas linguistique et ethnographique du Centre, Paris 198, ISBN 2-222-03685-2. Aromunischer Sprachatlas. Bd. 1: Buske, Hamburg 1985, ISBN 3-87118-741-0; Bd. 2: Lehmann, Veitshöchheim 1994, ISBN 3-88162-156-3. Studien zur dialektalen Situation Zentralfrankreichs. Lehmann, Gerbrunn 1983, ISBN 3-88162-034-6 (Dissertation).
Aufsätze (auszugsweise) Können uns Flurnamen etwas über die Herkunft der Siebenbürger Sachsen sagen?, in: Dahmen, Wolfgang – Himstedt-Vaid, Petra – Schubert, Gabriella (Hrsg.): Nomen est omen. Die Bedeutung von Namen in südosteuropäischen Kulturen, Wiesbaden 2023, 69–85 (zusammen mit S. Mersch). Bündnerromanische Bibeln in der Sicht eines sächsischen Pfarrers des 18. Jahrhunderts, Romanistik in Geschichte und Gegenwart 28, 2022, 209–223. Günter Reichenkron oder Was die Romanistik zur Balkanforschung beitragen kann, Zeitschrift für Balkanologie 58, 2022, 41–56. Orient oder Okzident? Rumänische Sprache, Literatur und Kultur zwischen lateinischem Erbe und balkanischen Nachbarn, in: Pila, Malinka (Hrsg.): Slavische Varietäten im Sprachkontakt, Wiesbaden: Harrassowitz 2022, 49–67. Ein sächsischer Pfarrer des 18. Jahrhunderts als Romanist und Rumänist avant la lettre?, in: Albrecht, Jörn – Narr, Gunter (Hrsg.): Geschichte der romanischen Länder und ihrer Sprachen. Festschrift für Rudolf Windisch, Tübingen 2021, 73–94 (zusammen mit E. Munteanu). Rumänische „Dialekte“ auf dem Balkan?, in: Ladilova, Anna – Leschzyk, Dinah – Müller, Katharina – Schweitzer, Nicolas – Seiler, Frank (Hrsg.): Bornistik. Sprach- und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die Romania und die Welt, Hamburg 2021, 293–305 (zusammen mit J. Kramer). DACI REDIVIVI. Die Wiederbelebung des Daker-Mythos in Rumänien unter verschiedenen politisch-sozialen Konstellationen, in: Dahmen, Wolfgang – Himstedt-Vaid, Petra – Schubert, Gabriella (Hrsg.): Von der Wiederholung zum Ritual. Rezente Prozesse in den Sprachen und Kulturen südosteuropäischer Gesellschaften, Wiesbaden 2020, 123–134. A la recherche de la Romania sud-est-européenne et au-delà, in: Ertler, Klaus-Dieter (Hrsg.): Romanistik als Passion. Sternstunden der neueren Fachgeschichte VII, Wien 2020, 77–104. „De la Rîm ne tragem“ – Zum Bezug auf die Antike in der rumänischen Geistesgeschichte, in: Maner, Hans-Christian – Zelepos, Ioannis (Hrsg.): Antike und Byzanz als historisches Erbe in Südosteuropa (19.-21. Jahrhundert), Berlin 2020, 83–97. Biblia de la Bucureşti (1688) într-o publicaţie germană din secolul al XVIII-lea, in: Ichim, Ofelia et al. (Hrsg.): 1918 – 2018. Limba şi cultura română – structuri fundamentale ale identităţii naţionale: evaluări, perspective, Bucureşti 2019, 83–103 (zusammen mit E. Munteanu). Sprachplurizentrismus in der Romania in Geschichte und Gegenwart: das Beispiel Rumänien, Romanistisches Jahrbuch 70, 2019, 33–57. Sprach- und Kulturkontakte im Zeichen des Ersten Weltkrieges: Rumänien zwischen Germano- und Romanophilie am Beginn des 20. Jahrhunderts, in: Szlezák, Edith – Szlezák, Klara Stephanie (Hrsg.): Sprach- und Kulturkontaktphänomene in der Romania. Festschrift für Ingrid Neumann-Holzschuh zum 65. Geburtstag, Berlin 2019, 91–108. Literatur im Dienste der nationalen Sache. Zur Verherrlichung der Muttersprache am Beispiel dreier Gedichte, in: Samson, Horst – Sterbling, Anton (Hrsg.): Die Sprache, die auf das Nichts folgt, die kennen wir nicht. Sätze und Texte für Richard Wagner, Ludwigsburg 2018, 177–194. Die europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, in: Schlösser, Rainer (Hrsg.): Sprachen im Abseits. Regional- und Minderheitensprachen in Europa, München 2015, 1–18. Decknamen der Securitate-Mitarbeiter, in: Tort i Donada, Joan – Montagut i Montagut, Montserrat (Hrsg.): Els noms en la vida quotidiana. Actes del XXIV Congrés Internacional d’ICOS sobre Ciències Onomàstiques, Barcelona 2014, Annex, Secció 5, 748–752 (zusammen mit J. Kramer). Enfin Atanasov vint! Versuch einer kurzen Wissenschaftsgeschichte der Meglenorumänistik, in: Aleksoska-Chkatroska – Hadži-Lega Hristoska, Joana (Hrsg.): РОМАНИСТИКА И БАЛКАНИСТИКА. Зборник на трудови во чест на проф. д-р Петар Атанасов по повод 75 години од животот, Скопје 2014, 203–216. Chancen und Perspektiven der Rumänisch-Studien heute, in: Hans-Christian Maner – Wolf Lustig (Hrsg.): Rumänisch in Mainz. Festschrift anlässlich der Eröffnung des Lektorats für Rumänische Sprache und Kultur an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz am 4. November 2013, Mainz 2014, 27–36.