Der Fennpfuhlpark ist ein Naherholungsgebiet im Berliner Ortsteil Fennpfuhl des Bezirks Lichtenberg. Seinen Ursprung hat er in Stillgewässern, die seit der Eiszeit in dem flachen Gelände zurückgeblieben sind.

Größe und Lage Der 9,5 Hektar große Park liegt zwischen Weißenseer Weg, Paul-Junius-Straße, der Verlängerung der Karl-Lade-Straße, Anton-Saefkow-Platz und Landsberger Allee. Die Grenzen des Parks sind nicht scharf markiert, sondern werden durch Gebäude an den genannten Straßenzügen flankiert: An der Paul-Junius-Straße stehen das Gemeindezentrum Am Fennpfuhl sowie zwei Schulgebäude, eines davon, heute Sitz der Volkshochschule und der Musikschule Lichtenberg, wurde im Jahr 1912 fertiggestellt. In der Verlängerung der Karl-Lade-Straße stehen am Rand des Parks eine Kindereinrichtung und eine historische Villa, am Anton-Saefkow-Platz das inzwischen nicht mehr als Kaufhaus betriebene Gebäude mit einem daneben liegenden Lebensmittel-Markt, Wohnhäuser sowie eine Schwimmhalle und eine multifunktionale Sporthalle. An der Landsberger Allee im Norden begrenzen ebenfalls eine Reihe von Wohnhochhäusern den Park. Dadurch gibt es auch die Angabe, dass die Parkfläche 14 Hektar groß ist, was möglicherweise etwas mit der Zählweise zu tun hat: zwei am östlichen Rand angrenzende Sportplätze könnten auch leicht zur Parkfläche eingerechnet werden, ebenso die inzwischen sanierte Sporthalle, die allseitig von Bäumen und Sträuchern umgeben wird. Amtlicherseits sind die 9,5 Hektar verbindlich, für deren Pflege das Grünflächenamt zuständig ist.

Den Mittelpunkt der Parkanlage bildet der Fenn-Pfuhl, der durch Zusammenführung aus dem früheren Fennpfuhl und dem Langpfuhl zwischen den Jahren 1978 und 1981 entstand (auch als „neue Seenlandschaft“ bezeichnet)Freiflächen am Anton-Saefkow-Platz in Berlin. In: Architektur, Heft 10, 1990. und über den eine kleine Fußgängerbrücke gebaut wurde.

Entstehung und Besonderheiten des Parks und damit zusammenhängende Bauten Der Park und seine Nutzung Als die gesamte Gegend des Dorfes Lichtenberg im 18. Jahrhundert noch „jwd“ (janz weit draußen, wie die Berliner sagen) war, gab es auf einem Teil der Fläche (Roederstraße 14–17) eine durch den Handelsgärtnereibesitzer Gustav Adolph Schultz angelegte Ziergärtnerei mit Gewächshäusern. Auf dem Nachbargrundstück produzierte Louis Dittmar aus der winterlichen Eisfläche des Fennpfuhls Natureisblöcke, die an Brauereien ausgeliefert wurden. Seine Firma wurde Eiswerke Lichtenberg genannt. Bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde auch der nördlich gelegene Langpfuhl als Eiswerk zur Natureisgewinnung benutzt.Kartenausschnitt Berlin. ganz rechte Seite: die beiden Pfühle und das Eiswerk im Bereich Wilhelmsberg Die Gärtnerei ging nach 1905 in den Besitz der Holzhandlung Gebrüder Köpp über. Die Flächen dienten nun zur Lagerung und Verarbeitung von Holz. Die Eisfabriken verloren mit der Verbreitung der elektrischen Kühlschränke ihre Bedeutung und wurden aufgelöst.

Erste Gastwirtschaften entstehen um den Pfuhl Zwischen 1891 und etwa 1905 ließen sich an den Pfühlen gleich drei Gastwirte nieder, so wird 1891 von einem Wirtshaus zum hungrigen Wolf, das später Fürst Wolfgang genannt wurde, berichtet. Für die Ausflugsgäste wurden Ruderbootfahrten angeboten, auch ein Turnplatz war vorhanden. 1901 entstand das Ausflugslokal Weltetablissement Lichtenberger Seeterrasse (Ansicht siehe Weblink), das Platz für etwa 25.000 Besucher bot. Eine Tribüne, die bis an den See hinunter führte und aus Holz gebaute Plattformen für den Auftritt von Orchestern sowie ein hölzerner Aussichtsturm luden die Arbeiterfamilien an den freien Tagen zum Volksvergnügen. Und schließlich zeigen alte Ansichtskarten die Existenz von Mentes Volksgarten, der 1901 an der Roederstraße 28–29 eröffnet wurde und mit dem Slogan „Berlins größter und schönster Naturgarten“ um Besucher warb.Peter Franke: Als Lichtenberg ein aufstrebendes Dorf war … In: Lichtenberg-Hohenschönhausener, 12A/2001Ansichtskarte H. Mentes Volksgarten Lichtenberg in der Roederstraße, 1902

Beschreibung und Nutzung des Pfuhls mini|Luftbild aus dem Jahr 1987: links vorn die Villa, auf dem Gewässer Ruderboote, die erste Springfontäne, links mittig steht der Komplex Seeterrassen, dahinter befindet sich die Sporthalle. Das etwa 1,50 m tiefe Stillgewässer hat weder einen Zufluss noch einen Abfluss. So wurde im Zusammenhang mit der Randbebauung in den 1970er Jahren sowie zwecks Reinhaltung des Wassers und Vermeidung einer Verschlammung eine ein Kilometer lange Ringleitung entlang des Ufers verlegt, die 30 Zapfstellen umfasst. Das Wasser kommt aus einer eigenen Bohrung, aus der mittels einer elektrischen Pumpe aus 30 Metern Tiefe Grundwasser gefördert wird, das mit dem Seewasser gemischt (verschnitten) wird. Das Wassergemisch nutzen die Mitarbeiter des Grünflächenamtes zur Bewässerung des Parks. Über die Wasseroberfläche verdunsten jährlich etwa 12.000 Kubikmeter Wasser, das so stetig ergänzt werden kann. Das Herz des Wasserkreislaufs bildet ein drei Meter hoher Druckbehälter, der eingehaust am Rand des Parks steht. In dem Zehn-Liter-Tank wird ein Mindestdruck von sechs Bar in der Ringleitung erzeugt. Im Herbst werden das Ringsystem abgeschaltet und die Rohrleitungen mit einem Kompressor vom Wasser befreit. – Das Pumpenmanagement erfolgt durch den Brunnenbetrieb Glaubrecht Pumpen-Service aus Lichtenberg.Der ‚Seedoktor‘. Ulrich Glaubrecht bringt das Herz des Fennpfuhlsees zum Schlagen. In: WGLi-Umschau, Heft 3, 2017, S. 5.

Auf dem zugefrorenen See gab es zwischen 1925 und 1953 eine offizielle Eislaufbahn mit einer Bahnlänge von 250 m, im Februar 1951 fanden sogar die Berliner Meisterschaften im Eisschnelllauf auf dem Fennpfuhl statt. In der DDR-Zeit war der kleine See jeweils in das Lichtenberger Maifest eingebunden, auf ihm konnten Kinder und Jugendliche unter Anleitung erfahrener Trainer unter anderem Rennkanus ausprobieren.

Seit 1986 ist im südlichen Wasserbecken eine Fontänenanlage installiert, die zur Durchlüftung des Wassers beiträgt.Fontäne im Fennpfuhl. In: Neue Zeit, 21. März 1986, S. 8; online Sie wurde in den 2010er Jahren erneuert, in der Winterzeit werden die Düsen abgebaut, um sie vor Beschädigung durch Frost oder Eis zu schützen. mini|hochkant|Künstliche Insel, April 2024 Im Jahr 1988 wurde am Ufer des Fennpfuhls ein Bootsverleih eingerichtet,Mit 'nem Kahn gemütlich über den See geschippert. In: Berliner Zeitung, 1. August 1988, S. 8; online. der auch noch einige Jahre nach der politischen Wende fortbestand. Im Jahr 2010 fand sich ein neuer privater Betreiber, der in der warmen Jahreszeit Ruderboote auslieh, seinen Betrieb aber um 2014 mangels Nachfrage und hoher amtlicher Anforderungen wieder einstellen musste.

Ende März 2024 installierte die Bezirksverwaltung direkt in einem der Pfühle eine künstliche Vogel- und Brutinsel für die hier lebenden Wassertiere, vor allem Enten. Die aus leichtem Material gefertigten Teile sind mit verschiedenen Wasserpflanzen besetzt und nehmen zusammen eine Fläche von rund neun Quadratmetern ein, sie wurde am Grund verankert. Die Anfertigung geht auf Initiativen des Bürgervereins Fennpfuhl zurück, der etwas zur Erhaltung der Natur beitragen wollte. Finanziert werden konnte die Vogelinsel aus Spendengeldern, die vor allem aus der seit einigen Jahren von den sieben umliegenden Apotheken veranstalteten Kalender-Aktion stammen. Hierbei lassen die Apotheker Jahres-Bildkalender drucken und geben diese gegen eine Mindestspende von 50 Cent pro Stück an Interessenten ab. Auf diese Weise kam ein Betrag von mehr als 4000 Euro zusammen, in den auch private Spenden einflossen.Bernd Wähner: Damit Wasservögel in Ruhe brüten können. Berliner Woche, 30. März 2024, S. 7.

Weitere Bebauung am und im Park mini|links|Frühere Fabrikantenvilla am Rande des Fennpfuhlparks Die 1905/1906 von dem Gärtnereibesitzer Schultz zu Wohnzwecken gebaute Villa im Jugendstil diente bei der Anlage des Neubauviertels zwischen 1972 und 1984 als Sitz der Bauleitung, die nebenstehend noch einige flache Baracken errichten ließ. Ab 1986 (bis April 2007) wurde die Villa als Standesamt des Rathauses Lichtenberg genutzt. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde im Herbst 2007 von einem Catering-Unternehmen erworben, das die Villa nach Rekonstruktion und einigen räumlichen Veränderungen zu einem Treffpunkt für die Anwohner und einem Ort für stilvolle Familienfeiern ausgestaltet hat. In Absprache mit der Bezirksverwaltung können seit Februar 2008 auch wieder Hochzeiten hier stattfinden.Bald wieder Hochzeiten. In: Berliner Zeitung, 19. November 2007 In den Jahren 2021 und 2022 wurde die Villa mit ihrem ausdrucksvollen Ambiente umfassend restauriert.

Die Baubaracken aus den 1970er Jahren waren lange Jahre Hauptsitz der Verwaltung der früheren Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) Elektrokohle, jetzt WGLi. Nachdem diese Genossenschaft einen Neubau beziehen konnte, trug man die Baracken ab und sieben Azubis des Bezirkes richteten an dieser Stelle im Rahmen des Projektes Stadtumbau Ost einen kleinen Freizeitplatz her, der im November 2007 durch den Baustadtrat mit folgenden Worten (Auszug) freigegeben wurde: „Die neue Grünfläche bietet von Süden her einen herrlichen Zugang zum Fennpfuhl. Besonders freut mich, dass durch den Einsatz der Gärtner in Ausbildung Kosten von 290.000 Euro gespart werden konnten …“Neu im Fennpfuhlpark. In: Lichtenberger Rathausnachrichten, 3. November 2007.

Als die Gasthäuser und Fabriken nach dem Ersten Weltkrieg an Bedeutung verloren, wurde das Gelände parzelliert und an Kleingärtner vergeben. Lediglich die Seeterrasse blieb bis 1938 erhalten, hatte dabei wechselnde Besitzer..

Zwangsarbeiterlager in den 1940er Jahren mini|hochkant|Standorte von Zwangsarbeiter-Baracken in Lichtenberg mit einer Erklärungstafel

Zwischen 1943 und 1945 standen um den halben Fennpfuhl herum elf Baracken für Zwangsarbeiter, die aufgrund eines Gesetzes des Reichsarbeitsministeriums gebaut wurden. Sie gehörten zu drei großen Lagern. In den zahlreichen Betrieben entlang der Herzbergstraße trugen die Zwangsarbeiter vor allem aus der Ukraine und aus Russland zur Aufrechterhaltung der kriegswichtigen Produktion bei. Sie arbeiteten in den Betrieben Luftfahrt-Apparatebau, Siemens-Plania und Knorr-Bremse.Standorte von Zwangsarbeiterlagern im Bezirk Lichtenberg (PDF; 45 kB) Im Jahr 2005 ließ das Bezirksamt Gedenktafeln anbringen, die an die Zeit der Zwangsarbeiter erinnern.

Die Erinnerungsmale mussten 2017 erneuert werden, weil sie verwittert waren oder starke Beschädigungen durch Vandalismus erlitten hatten. Die Wiederherstellung finanzierte das Bezirksamt Lichtenberg aus Mitteln des Lichtenberger Fonds für Erinnerungskultur.Pressemitteilung vom 21. Dezember 2017: Gedenkstelen erneuert. Erinnerung an Zwangsarbeiterlager im Park am Fennpfuhl

Parkentwicklung nach 1945 Nach 1945 blieben die Kleingärten erhalten, die Besitzer bauten auch kleine Wohnhäuser in ihnen. Zwischen 1972 und 1975, als durch Beschluss der DDR-Regierung das Neubauviertel Lichtenberg (Nord), wie es zuerst hieß, schrittweise errichtet wurde, erhielten die Besitzer oder Pächter kleine Abfindungen und die Gärten wurden beseitigt. Die Fläche um die beiden alten Gewässer aus der Eiszeit blieb von der Bebauung frei, weil der Untergrund nicht ausreichend tragfähig war, damit konnten auch die bereits gewachsenen Bäume stehen bleiben.

mini|links|hochkant| Teil des Parks mit Sportplatz, Brücke, Fennpfuhl mit Fontäne und Ruderbooten im Jahre 1989