mini| Die römisch-katholische Kirche St. Georg im Berliner Ortsteil Pankow ist eine im Jahr 1909 benedizierte und im Jahr 1910 auf den Kirchenpatron des heiligen Georg geweihte Kirche. Das Gotteshaus und die Kirchgemeinde gehören heute zu der am 1. Januar 2021 errichteten Pfarrgemeinde Heilige Theresa von Avila Berlin Nordost im Erzbistum Berlin, zu der mit der Pfarrei St. Georg die Pfarreien St. Josef (Berlin-Weißensee), Heilig Kreuz (Berlin-Hohenschönhausen) und Corpus Christi (Prenzlauer Berg) fusionierten.
Lage Die Kirche St. Georg steht im Bezirk Pankow am Kissingenplatz auf einem gemeindeeigenen Grundstück. Daneben befindet sich auch das nur wenig später errichtete Pfarrhaus. Zur Bauzeit und noch bis zum Beginn der 1920er Jahre war das Kirchengebäude weitgehend alleinstehend, die östlich und nördlich anschließenden Wohnhäuser entstanden erst später. Die Bebauungsplanung des umgebenden Straßennetzes war ab 1905 bereits erfolgt, die Kissingenstraße ist aber im Adressbuch um 1905 noch als „unbebaut“ ausgewiesen.
Geschichte Entstehung der Gemeinde und Vorbereitung für einen Kirchenbau Die Katholiken des Berliner Vororts Pankow gehörten bis in die 1890er Jahre zum Pfarrverband Reinickendorf/Oranienburg, der wiederum im Einzugsbereich des Bistums Breslau/Schlesien lag. Im Auftrag der Pfarrgemeinde betreuten Kuratus Hubert Teubner und Kuratus Novak die Katholiken in Pankow seelsorgerisch. Sie konnten anfangs ein ehemaliges Gartenhaus, das der damalige Kardinal Georg von Kopp aus Breslau in der Parkstraße zur Verfügung gestellt hatte, zur Kapelle Herz Jesu umbauen lassen und nutzen. Hier führte Teubner am 6. November 1896 den ersten Gottesdienst der Kapellengemeinde durch. In den folgenden Jahren vergrößerte sich die Gemeinde durch Anschluss der Katholiken aus den Ortschaften Niederschönhausen und Buchholz. Das führte am 6. August 1902 zur Abspaltung aus dem Pfarrverband Reinickendorf. Gleichzeitig hatten sich auch die Einwohnerzahlen in Pankow im 19. Jahrhundert binnen 50 Jahren verdoppelt. Teubner und Novak kümmerten sich nun intensiv um ein Baugelände für ein eigenes Kirchengebäude, das sie letztendlich als Geschenk von der Boden-Aktien-Gesellschaft am Amtsgericht Pankow unter zwei Bedingungen an die Kapellengemeinde erhielten, das waren: (sie sollten) „eine etwas monumentaler gehaltete Kirche bauen und im Frühjahr 1906 mit dem Bau beginnen“. Es handelte sich um eine 60.000 m² große Baufläche, auf der neben einer Kirche auch ein Pfarrhaus und ein Schwesternhaus errichtet und ein Garten angelegt werden sollten. In unmittelbarer Nachbarschaft gab es keinerlei Wohnbebauung, nur Kleingärten. Gleichzeitig mussten Gelder für den Bau eines solchen Kirchenensembles gesammelt werden, wozu der Kirchbau-Sammelverein entstand. Nach einem unverbindlichen Vorentwurf des Breslauer Architekten Ludwig Schneider für eine „1200 Leute fassende Kirche incl. Ausstattung“ waren für den Bau des Gotteshauses rund 145.000 Mark erforderlich, für das „Pfarrhaus mit Vereinssaal und Wohnungen für den Pfarrer, den Kaplan und den Küster“ waren etwa 42.000 Mark nötig.
Teubner warb nun in ganz Deutschland mit Bettelbriefen, denen eine Perspektivdarstellung der geplanten Kirche beigefügt war, um Spenden für den Kirchenbau, was ihm den Beinamen „der Bettler an der Panke“ einbrachte. Der Paderborner Bonifaziusverein sagte Unterstützung zu, Kollekten und Erbschaften ergänzten die Bausumme. Nachdem ein ausreichender finanzieller Grundstock vorhanden war, begannen im Jahr 1905 Erschließungsarbeiten und am 7. Juli 1907 legte Prälat Carl Kleineidam den Grundstein für eine Kirche „Zu Ehren der lieben Mutter Gottes von der immerwährenden Hilfe“. An diesem Tag hatte sich ein starkes Gewitter zusammengezogen und so notierte Teubner: „strömender Regen gab den Segen des Himmels dazu“.Chronik der Gemeinde Maria Magdalena, S. 3.
Die Baupläne für das Ensemble stammen aus dem Breslauer Diözesanbaumeisterkreis mit Joseph Ebers als Hauptverantwortlichem und seinen Mitarbeitern Ludwig Schneider und Georg Schneider. Die Baupolizei in Pankow hatte den vorgelegten Plänen im Februar 1907 zugestimmt.Bauzeichnungen zur Kirche und zum Pfarrhaus, 1907, im Förderverein als Kopien vorhanden. Sichtvermerk auf dem Kirchenblatt: „Gehört zum Bescheid des Bauausschusses (?) vom 3. April 1907, Blatt 3022 (L. S.)“ Ludwig Schneider führte die Feinplanungen aus und war auch als Gutachter tätig, Georg Schneider leitete die ersten Bauarbeiten in Pankow bei Berlin. Nach dem Baustart übertrug die Kirchengemeinde dem Charlottenburger Architekten Paul Überholz die Bauleitung, der schließlich von August Kaufhold aus Friedenau abgelöst wurde. Die Firma A. Borchmann & Co. (Kunststeinfabrik und Baugeschäft, Hallensee) führte im Zeitraum 1907 bis 1909 die Hochbauarbeiten an den Gebäuden aus.
Über die Gründe der geänderten Personalien auf der Baustelle ist nichts Konkretes zu erfahren, in den Unterlagen heißt es dazu: „Nach zwei Jahren harter Arbeit, die durch Streik und mehrmaligen Bauleiterwechsel [..] unterbrochen war, stand das schöne Gotteshaus nebst Pfarr- und Schwesternhaus fertig da. [...].“ Am 6. Januar 1910 bezogen vier Graue Schwestern das neben der Kirche befindliche gleichzeitig errichtete Schwesternhaus, das nach der Namensweihe des Gotteshauses zum St.-Georgs-Stift wurde.
Bau und Fertigstellung des Gotteshauses Das Sakralgebäude entstand ab 1907 als neogotischer Backsteinbau.Siehe hierzu: 100 Jahre Sankt Georg, S. 13: Faksimile der Bauzeichnung.
Am 6. November 1910 konsekrierte der damals zuständige, später zum Erzbischof von Breslau ernannte, Georg von Kopp das neue Gotteshaus. Die anschließende Weihefeier fand im Lokal Schloss Schönholz in der späteren Grabbeallee statt. In der eigenen kleinen Marienkapelle (oft auch als Marienaltar bezeichnet) wurde eine Kopie des Gnadenbildes der „Mutter von der immerwährenden Hilfe“ aufgestellt. Sie ist noch immer dort vorhanden.Beschreibung des Gnadenbildes: Das Bild ist eine byzantinische Ikone, die reich an symbolischen Details ist: Maria hält das Jesuskind auf ihrem linken Arm. Ihr Blick ist jedoch nicht auf das Kind, sondern direkt auf den Betrachter gerichtet, was eine persönliche Verbindung schafft. Die Engel: In den oberen Ecken schweben die Erzengel Michael (links) und Gabriel (rechts). Sie halten die Leidenswerkzeuge Christi (Kreuz, Lanze, Schwamm). Das Kind: Das Jesuskind erschrickt beim Anblick der Leidenswerkzeuge und klammert sich mit beiden Händen an die rechte Hand Marias. Ein besonderes Detail ist die herunterfallende Sandale an seinem rechten Fuß, die seine menschliche Angst und Hast symbolisiert. Farbsymbolik: Maria trägt traditionell eine dunkelrote Tunika (Farbe der Jungfrauen zur Zeit Christi) und einen dunkelblauen Mantel mit grünem Futter (Farbe der Mütter in Palästina). Der Goldgrund steht für die göttliche Herrlichkeit und die Ewigkeit. Stern: Auf dem Schleier über Marias Stirn ist ein Stern zu sehen, der sie als „Meerstern“ (Stella Maris) kennzeichnet, der den Weg zu Christus weist.
Die tatsächlichen Kosten für Bau und Ausstattung des Kirchengebäudes, des Pfarrhauses und des Schwesternhauses (St.-Georgs-Stift) betrugen 420.000 Mark, der größte Teil war über ein Darlehen der Kurmärkisch-Ritterschaftlichen Darlehnskasse abgesichert.100 Jahre St. Georg: Die Geschichte der Kirche und ihrer Gemeinde, Jahr 1910; S. 38. (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund Millionen Euro).
Erst in den Jahren 1929/1930 erfolgte der Bau der bis an die Kirchengebäude angrenzenden Wohnhäuser östlich und nördlich.
Im Jahr 1913 konnte die von der Firma Eller aus Weißensee hergestellte Kommunionbank aufgestellt werden. Zu dieser Bank gehörten zwei aus weißem Marmor geschlagene Engel, die nach dem Vatikanischen Konzil einen Platz in einer Fensternische des Kirchenraumes erhielten. – Für das Portal wurde eine mit Bronze beschlagene Holztür eingebaut, die in der Firma M. Wehse in Berlin gefertigt worden war. Und im Juli des gleichen Jahres wurde das Engelpaar für den Altar angeliefert, das in der Mayerschen Königlichen Kunstanstalt für kirchliche Arbeiten in München aus Carrara-Marmor geformt worden war.Wienert: Baugeschichte. In: 100 Jahre St. Georg. S. 18. mini|hochkant|Chorapsis, um 1918
Erste Reparaturen und weitere Entwicklung Die ersten Reparaturarbeiten mussten bereits 1923 geplant werden. Die beginnende Inflation erschwerte diese Arbeiten und machte außerdem Anschaffungen wie Kerzen oder Messwein fast unmöglich. In der Blüte der Inflationszeit, 1923, konnte dem Pfarrer kein Gehalt ausgezahlt und Küster und Kaplane mussten durch Kollekten finanziert werden. Als hilfreich erwies sich hier die Gründung der Kasse der katholischen Selbsthilfe, die sich aus monatlichen Beiträgen speiste.100 Jahre St. Georg: Die Geschichte der Kirche und ihrer Gemeinde, Jahr 1923; S. 41/42.
In einer Zeitungsveröffentlichung vom 12. Juli 1925 mit einem Foto des Gotteshauses heißt es in der Bildbeschreibung:
Im Jahr 1926 zeigten sich Schäden am Dach des Kirchturms, Dachziegel waren herabgefallen. Die Gemeinde ließ daraufhin das Dach durch eine Kupfereindeckung ersetzen. Zeitgleich wurden Innenwände und der Altarraum neu ausgemalt.100 Jahre St. Georg: Die Geschichte der Kirche und ihrer Gemeinde, Jahr 1926; S. 42.
Die Anzahl der Gemeindemitglieder wuchs im Jahr 1929 weiter, es kamen Gläubige aus den Gemeinden Blankenburg und Heinersdorf hinzu.
Anlässlich des 25-jährigen Gemeindejubiläums (1935) hielt Weihbischof Josef Deitmer in der Kirche ein feierliches Pontifikalamt, Bernhard Lichtenberg, nunmehr Prälat, hielt die Festpredigt.
Gründung von zwei Tochtergemeinden Unter der Pfarrei St. Georg wurde ab 1911 im späteren Berliner Ortsteil Niederschönhausen eine Kuratie errichtet, die sich bis 1930 dort ein eigenes Gotteshaus, die Kirche St. Maria-Magdalena errichten ließ. Diese erlangte im Jahr 1942 ihre Selbstständigkeit.
Eine weitere Tochterkirche von St. Georg war die Gemeinde St. Johannes Evangelist in Berlin-Französisch Buchholz, ausgegliedert 1937.
Zeit des Nationalsozialisums und der Zweite Weltkrieg Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 hielt die Georgsgemeinde jeden Freitag eine Kriegsandacht. Die Durchführung von Gottesdiensten war wegen verschiedener staatlicher Befehle zeitlich bald nur sehr eingeschränkt möglich.
Die 1942 veröffentlichte Anordnung des Reichsministers zur Metallerfassung – Mobilisierung von Metallgegenständen sowie eine Anordnung zur Beschlagnahme und Ablieferung von Orgeln vom 10. Juli 1944 als Metallspende des deutschen Volkes deklariert, verschonten die St.-Georgs-Kirche, weil die Glocken aus Gussstahl bestehen und Orgelpfeifen nicht in ausreichender Zahl vorhanden waren.100 Jahre St. Georg: Die Geschichte der Kirche und ihrer Gemeinde, Jahr 1942; S. 46.