mini|Historische Aufnahme der Festung Hohenasperg von 1950 mini|Die Festung Hohenasperg im Jahr 2021 mini|Blick vom Hohenasperg auf Asperg mini|Eingangstor mini|Hohenasperg unter Belagerung, von Albrecht Dürer Die Festung Hohenasperg war von 1535 bis 1693 eine aktive Festung des Landes Württemberg auf dem Asperg, auch Hohenasperg genannt, bei der Stadt Asperg im heutigen Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sie dient seit Anfang des 18. Jahrhunderts als Gefängnis, in dem bis 1945 auch viele prominente politische Gefangene inhaftiert waren. Seit 1968 ist es ein Vollzugskrankenhaus der baden-württembergischen Justiz.

Berg Asperg Die Festung Hohenasperg liegt auf dem hohen Schilfsandstein-Gipfelplateau (Stuttgart-Formation) des Aspergs, einer isolierten Erhebung etwa 4 km westnordwestlich von Ludwigsburg im Großraum Stuttgart. Der Keuper-Berg mit steilen Abhängen und einem annähernd dreieckigen, rund sechs Hektar großen Plateau auf der Wasserscheide zwischen dem Enztal im Westen und dem Neckartal im Osten ist durch seine dominante Lage rund 100 Meter über dem sonst nur mäßig hügeligen Umland weithin sichtbar. Er bot sich für den Bau einer Festung an.

Die Hänge im Osten und Norden sind bewaldet; nach Westen zu schließt sich der schmale, etwa zwei Kilometer lange, anfangs 310– hohe Hügelrücken Hurst an. Auf der terrassierten Südflanke wird Wein angebaut. Unter den Weinbergen liegt die Kleinstadt Asperg in einer sich von West nach Ost ziehenden natürlichen Mulde, jenseits derer auf dem sie gegenüber begrenzenden Hügelrücken im Süden der nur hohe Grabhügel Kleinaspergle steht.

Geschichte mini|Zufahrt zur Festung Hohenasperg mini|Zufahrt für PKW und Fußgänger mini|Blick auf den Burggraben mini|Blick vom Rundgang auf einen Burgturm Schon in der Steinzeit bewohnt, war der Hohenasperg in vorchristlicher Zeit, um 500 v. Chr. keltischer Fürstensitz mit einer Fluchtburg.

Zahlreiche keltische Grabstätten in der näheren Umgebung sind so ausgerichtet, dass sie freie Sicht auf den Hohenasperg bieten, beispielsweise das große Hügelgrab bei Hochdorf oder die Grabstätte an der Katharinenlinde bei Schwieberdingen. Einen ganz besonders guten Blick auf den Hohenasperg bietet das am südlichen Rand von Asperg liegende Kleinaspergle, von dem seit einer Grabung im Jahre 1879 bekannt ist, dass es sich um ein keltisches Hügelgrab handelt.

Um 500, nach dem Sieg der Franken über die Alemannen, wurde der Hohenasperg fränkischer Herrensitz und Thingstätte. Der damalige Name war „Ascisberg“.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Asperg bereits 819, als der Gaugraf Gozberg seinen dortigen Besitz dem Kloster Weißenburg im Elsass schenkte. Größere Bedeutung erlangte der Ort aber erst im 13. Jahrhundert mit der Gründung der bis 1909 selbstständigen Stadt Hohenasperg. 1510 erhielt auch Asperg das Stadtrecht. 1519 kam es durch Truppen des Schwäbischen Bundes unter Georg von Frundsberg zur Belagerung des Hohenaspergs, wo sich Herzog Ulrich von Württemberg aufhielt.

Am 12. Mai 1525 wurde der Bauernführer Jäcklein Rohrbach vom Burgvogt des Aspergs gefangen genommen und dort bis zur Auslieferung an den Truchsess von Waldburg festgesetzt. Ab 1535 wurde der Berg als Festung ausgebaut, die Bewohner wurden an den Fuß des Berges umgesiedelt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg 1634 bis 1635 von einer württembergisch-protestantischen Besatzung, verstärkt durch schwedische Truppen, gegen eine Belagerung durch kaiserliche Truppen verteidigt. Die Belagerung endete mit der Übergabe an die kaiserlichen Truppen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg ging die Festung wieder in württembergischen Besitz über. Im Jahr 1675 ließ Herzog Wilhelm Ludwig das Eingangsportal zur Festung, das Löwentor, im Stil des Frühbarock als einzigen Zugang zur Festung errichten. Über dem Torbogen befindet sich eine Inschrift, die Jahreszahl und das vierteilige herzogliche Wappen.Paul Sauer: Der Hohenasperg, Fürstensitz-Höhenburg-Bollwerk der Landesverteidigung, DRW-Verlag, 2004, S. 236. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges in den Jahren 1688 und 1693 wurde der Hohenasperg durch französische Truppen besetzt, danach verlor die Anlage ihre Bedeutung für die Landesverteidigung und wurde Garnison und Staatsgefängnis. 1718 wurde Asperg in das Oberamt Ludwigsburg eingegliedert, aber bereits 17 Jahre später wieder Sitz eines eigenen Amtes. 1781 erfolgte dann die endgültige Eingliederung in das Oberamt Ludwigsburg. mini|Innerer Torturm von 1535. Foto von 1925 mit Schulklasse Bereits seit mehreren Jahrhunderten wird die Festung Hohenasperg als Haftanstalt genutzt. Heute befinden sich dort das Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg sowie die Sozialtherapeutische Anstalt Baden-Württemberg.

Burgvögte Gouverneure und Kommandanten Jahr Kommandant und Truppen1519 Hanns Leonhard von Reischach mit 500 Mann württembergischer Truppen 1522 Hauptmann Bastian Emhart mit kaiserlichen Truppen auf Hohenasperg (lebendig eingemauert)1534 Hans Dietrich Späth mit 800 Mann kaiserlicher Truppen 1535 Wilhelm von Janowitz († 1562), württembergische Truppen 1546 Wilhelm von Massenbach († 1558) mit 800 Mann württembergischer Truppen 1547 Spanische Truppen unter Hauptmann Zinzineres 1551 Heinrich Freiherr von Waldburg-Wolfegg, kaiserlicher Oberst Hauptmann Erasmus Voßle 1553 Kaiserlicher Oberst Graf Carl zu Hohenzollern1553 Wilhelm von Janowitz, mit 40 Mann württembergischer Truppen 1634 Hauptmann Eckstein mit 400 Mann 1634 Rüdiger von Waldo schwedischer Oberstlieutenant und Werner Dietrich von Münchingen mit 596 Mann und 113 Pferden 1635 Achilles von Soye mit 276 Mann kaiserlicher Truppen 1648 Feldmarschalllieutenant Lothar Dietrich von Bönninghausen, 2 Kompanien Infanterie, 40 Reiter 1649 Oberstlieutenant von Kessel bayrische Truppen 1688 Major von Keller württembergische Truppen 1688 13. bis 23. Dezember französische Truppen 200 Mann1693 General Uxelles mit 400 Mann französischer Truppen M. Hennecke, Der Franzoseneinfall 1693 in Südwestdeutschland: Ursachen, Folgen, Probleme : Beiträge des Backnanger Symposions vom 10. und 11. September 1993, S. 55 1728 Marschall und Oberstlieutenant Julius Otto Damian von Biberstein († 17. Juni 1760)1760 Oberst Friedrich Christoph von Kettenburg 17681772 General Philipp Friedrich von Rieger († 15. Mai 1782) 1782 General Johann Andreas von HügelReichsadel und Freiherrenstand am 14. Dezember 1801, Vgl.:Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, 1935, S. 1891804 Generallieutenant Alexander von Rau 1808 Franz Jakob von Berndes, Generalmajor 1812 Oberst von Wolfs 1812 General Franz Karl Friedrich von Etzdorff 1813 von Hövel, OberstKöniglich-Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt, S. 3371815 Interimskommandant Oberstlieutenant von Bequignoles1816 Generallieutenant von WöllwarthKöniglich-Württembergisches Staats- und Regierungsblatt: vom Jahr 1816, S. 3671818 Oberst von Höfe 1828 Ernst Karl Adolf von Kechler († 1. Juli 1828), Oberst Heinrich Moegling, Stamm-Register zu der 1646 errichteten Familien-Stiftung der Freifrau Agnes Schilling von Cannstatt, geb. Freiin von Münchingen, zu Präbenden für weibliche Verwandte der Stifterin bestimmt, nebst Nachrichten über diese Stiftung, S. 421847 Heinrich von Arlt († 21. November 1869), Oberst 1847 Oberst Friedrich Karl von Sonntag (* 1790)

Gefangene auf dem Asperg Der Hohenasperg wurde vom späten Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert nahezu ununterbrochen als Gefängnis für verurteilte Straftäter wie auch für politische Gefangene verwendet.

Diese Nutzung führte zu dem Bonmot, dass der Asperg „Württembergs höchster Berg“ sei: Es dauere nur fünf Minuten, um hinauf zu kommen, aber Jahre, um wieder herunter zu gelangen. Aufgrund der vielen vom 18. bis ins 20. Jahrhundert, meist aus politischen Gründen, dort inhaftierten Intellektuellen nannte man die Festung auch „Hausberg der schwäbischen Intelligenz“. Andere Bezeichnungen im Volksmund waren Demokratenbuckel, Tränenberg, Demagogenherberge und der Satz „Auf den Bergen wohnt die Freiheit, auf dem Asperg aber nicht“.Revolution im Südwesten. Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in Baden-Württemberg. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft hauptamtlicher Archivare im Städtetag Baden-Württemberg. 2. Auflage. Info Verlag, Karlsruhe 1998, ISBN 3-88190-219-8, S. 55.

Heiliges Römisches Reich mini|Der Besuch Schillers bei Schubart auf dem Hohenasperg, 1781 Einer der ersten Gefangenen war Hartmann I. von Grüningen. Nach seiner Gefangennahme am 6. April 1280 wurde er auf dem Hohenasperg inhaftiert, wo er nach einem halben Jahr Haft verstarb.

Infolge des privat motivierten Mordes Ulrich von Württembergs an seinem Stallmeister Hans von Hutten kam es zu harten Kämpfen innerhalb der adligen Führungsschichten, in deren Folge auch der Vogt von Weinsberg, Sebastian Breuning, der Vogt von Tübingen, Konrad Breuning, sowie der Vogt von Cannstatt, Konrad Vaut, am 20. November 1516 verhaftet wurden. Die durch Folter erpressten Geständnisse zur Anklage einer konstruierten Majestätsbeleidigung führten zum Justizmord durch Hinrichtung am 11. Dezember 1516.Horst Brandstätter: Asperg. Ein deutsches Gefängnis, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 1978, S. 18 u. 19.Theodor Bolay, Paul Müller: Der Hohenasperg – Vergangenheit und Gegenwart. 5. Auflage. Hrsg. Stadt Asperg, 1998, S. 49 ff.

1737 wurde Joseph Süß Oppenheimer, Finanzberater des württembergischen Herzogs, Opfer eines Justizmordes. Er wurde sieben Monate auf dem Hohenasperg inhaftiert und 1738 in Stuttgart hingerichtet.

Am 16. September 1756 ließ Herzog Carl Eugen die Kammersängerin und Vertraute seiner Ehefrau, Marianne Pirker, und deren Ehemann verhaften. Sie hatte den Fehler gemacht, Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth offen von den Seitensprüngen ihres Gatten zu berichten. Nach anderthalb Monaten Haft auf der Festung Hohentwiel wurde sie auf den Hohenasperg verbracht, wo sie bis Ende 1764 inhaftiert blieb.

Der Tübinger Oberamtmann Johann Ludwig Huber hatte in einer Versammlung die Bürger seiner Stadt dazu aufgefordert, ihre Zustimmung zu einer von Herzog Carl Eugen für militärische Zwecke geplanten Vermögenssteuer zu verweigern. Daraufhin wurde er am 21. Juni 1764 verhaftet und ohne Verhör oder förmliche Verurteilung auf den Hohenasperg gebracht, wo er ein halbes Jahr verblieb.Allgemeine Deutsche Biographie, Hrsg. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13, 1881, Johann Ludwig Huber, S. 232. Über dreißig Jahre später erinnerte sich Huber an diese Zeit:

„Wir sind unschuldige Leute: aber sind als Rebellen hieher gebracht, weil wir behauptet haben und izt noch behaupten: daß das bekannte Steuer-Projekt unrechtmäßig, unmöglich und unausführbar sei.“Johann Ludwig Huber: Etwas von meinem Lebenslauf und etwas von meiner Muse auf der Vestung. Ein kleiner Beitrag zu der selbst erlebten Geschichte meines Vaterlandes, Stuttgart, 1798, S. 79.

Weit über die Grenzen Württembergs hinaus wurde der Asperg bekannt, als der Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart hier von 1777 bis 1787 ohne Verhör, Anklage oder Urteil inhaftiert war.Revolutionen im Südwesten – Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in Baden-Württemberg, Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft hauptamtlicher Archivare im Städtetag Baden-Württemberg, Info Verlag, Karlsruhe, 2. Auflage, 1998, S. 55. Zur Erinnerung an ihn fand 1939 in den Kasematten eine Ausstellung zu seinem 200. Geburtstag statt. Außerdem ist der Gastronomiebetrieb (Schubart-Stuben) auf dem Hohenasperg nach ihm benannt. Schubarts Schicksal vor Augen, verfasste Friedrich Schiller sein Drama Die Räuber – und entging selbst einer möglichen Festungshaft auf dem Hohenasperg durch Flucht nach Mannheim in der benachbarten Kurpfalz.

19. Jahrhundert mini|Blick auf die Festung ca. 1850 (Stahlstich)