Das Gymnasium Corvinianum ist ein allgemeinbildendes Gymnasium im süd-niedersächsischen Northeim. Es wurde 1477 durch die Abgabe der Lateinschule des Klosters St. Blasien an die städtische Trägerschaft gegründet. Durch seine weit über 500-jährige Geschichte zählt das Corvinianum zu den ältesten Gymnasien im deutschen Sprachraum und ist zugleich mit etwa 90 Lehrern und rund 1000 Schülern eine der größten Schulen in der Region. Das Corvinianum bietet eine musikalische Förderung.

Ursprünglich ein Gymnasium ausschließlich für Jungen, wurde das Corvinianum 1975 mit dem Mädchengymnasium Richenza-Schule zusammengelegt. Seither befindet sich die Einrichtung in einem Gebäudekomplex in der Wieterstraße.

Namensgebung mini|hochkant|Anton Corvinus Benannt ist das Gymnasium Corvinianum nach dem Reformator Northeims, Anton Corvinus. Dieser wurde am 27. Februar 1501 in Warburg an der Diemel geboren. Sein ursprünglicher Name war „Rabe“, doch folgte er dem Vorbild vieler Humanisten und latinisierte seinen Namen in Corvinus. Im Jahr 1539 verfasste er die Kirchenordnung Northeims, in der er innerhalb eines Kapitels die humanistischen Grundideen des Schulwesens vorschrieb. Auf Grund seiner maßgeblichen Mitgestaltung ihrer Bildungsziele bekam die Schule 1905/06 im Zuge der Anerkennung zum Vollgymnasium vom Kultusministerium und des Umzuges in das zu jener Zeit neu errichtete Gebäude in der Wilhelmstraße offiziell den Namen Corvinianum.

Als problematisch empfanden den Namen die Machthaber in der Zeit des Nationalsozialismus; die Schule wurde 1940 in „Graf-Otto-Schule“ umbenannt. Nach Kriegsende wurde diese Umbenennung rückgängig gemacht.

Geschichte Gründungszeit (15.–16. Jahrhundert) Seinen Ursprung hat das Corvinianum im 15. Jahrhundert. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts bestanden bereits eine Knabenschule des Klosters St. Blasien und eine städtische Schule bei St. Sixti. Schließlich wurde von Abt Bernhard anerkannt, trotz vorangegangenen Verbots durch Papst Eugen IV. 1432, dass die Lateinschule des Benediktinerklosters in städtische Trägerschaft gegeben wurde. Schulhaus und Schulmeister wurden folglich von der Stadt unter lediglich ein Mitspracherecht des Abtes Bernhard gestellt und von ihr finanziert. Dieses Ereignis am 7. April 1477 gilt als der Gründungstag des Corvinianums.

1539 regelte Anton Corvinus in seiner Kirchenordnung Northeims die Grundlagen des Schulwesens. Zum einen legte er die Anstellung und Entlohnung des Kollegiums fest, zu dem Rektor, Konrektor, Kantor und „infimus“ (lat. Unterster im Rang) gehören sollten, und zum anderen gab er einen humanistischen Lehrplan vor. Das Gehalt des Schulleiters betrug damals 50 Gulden pro Jahr. Die Vorgabe beinhaltete zu lesende Lektüre sowie eine Erweiterung des Fächerspektrums. Des Weiteren wurde festgesetzt, dass die Höhe des Schulgelds abhängig von der finanziellen Lage der Familie des Betreffenden sein müsse. Dadurch brauchten arme Leute kein Schulgeld zu zahlen.Gymnasium Corvinianum Northeim (Hrsg.): Gymnasium Corvinianum 525 Jahre. Schule in städtischer Trägerschaft 1477–2002. via Hannoprint, Hannover 2002, S. 13. 1551 wurde nördlich der St.-Sixti-Kirche das Schulhaus errichtet.

17.–18. Jahrhundert Im Jahr 1648 übernahm der Konrektor Johann Andreas Bütemeister die Leitung der Schule, obwohl nach dem Dreißigjährigen Krieg nur noch 40 von 150 Vollbürgern Steuern aufbringen konnten. 1665–1671 unterstand die Schule zum zweiten Mal der Führung Johann Andreas Bütemeisters.

1738 brachte Gesner eine Schulordnung hervor, in der es heißt, es müsse der Schwerpunkt auf die Inhalte umgeändert werden, die für das bürgerliche Leben wichtig seien. Erst 40 Jahre später reagierte man auf die Schulordnung Gesners in Form eines Berichts an das Kurfürstentum in Hannover, in dem man die Ordnung befürwortete und in angewandter Form offenlegte.

19. Jahrhundert miniatur|Sitz des Corvinianums bis 1975, heute Grundschule Der Magistrat Northeims erwähnt 1808 den Lehrer Gödecke als sehr sprachgewandt. Das war von großem Vorteil, da Französisch durch die Angehörigkeit zum Königreich Westphalen unter König Hieronymus Napoleon zum Pflichtfach erklärt worden war. Wenige Jahre später, 1817, wurde ein neues Schulgebäude gebaut, als die Leitung der Schule bei dem zuvor erwähnten Gödecke lag. Wegen Einsturzgefahr des maroden, alten Schulhauses und auf Grund von Platzmangel bestand die Notwendigkeit eines Neubaus, der westlich der St.-Sixti-Kirche errichtet wurde.

Bereits 1808 war der angeführte Platzmangel von Reddersen vermerkt worden, denn es wurden zum Teil bis zu 95 Schüler in einer größeren Stube unterrichtet. Nachdem sich nun die Schule in dem neuen Gebäude befunden hatte, wurde sie 1829 auf ein Progymnasium herabgestuft, d. h., sie sollte nur noch zur Vorbereitung auf den Besuch der gymnasialen Oberstufe dienen. Grund für die Herabstufung war eine Abschlussprüfung, die von den Universitäten von nun an zur Aufnahme abverlangt wurde. Dadurch, dass wohlhabende Familien ihre Söhne privat unterrichten ließen und normale Bürger wenig Wert auf das Studieren der Söhne legten, waren die Schülerzahlen des gymnasialen Zweigs rückläufig. Daraus ergab sich, dass einige Fächer nicht mehr unterrichtet werden konnten.

Zwar wurden gymnasiale und berufsorientierte Bildung 1857 unter Rektor Gustav Julius Vennigerholz klar voneinander getrennt, doch stand der Anerkennung als Vollgymnasium die Unterbringung beider Zweige in demselben Gebäude im Weg. Daraufhin wurde 1869 das Bildungswesen an das preußische angelehnt, da Hannover zuvor, im Jahr 1866, von Preußen annektiert worden war. Trotz der mittlerweile erfolgten Trennung (man brachte die Bürgerschule im Kommandantenhaus am Marktplatz unter) musste der Status als Progymnasium beibehalten werden. 1882 wurde die Schule durch eine Bildungsreform aufgestuft, jedoch muss sie schon 1892 die Rechte eines Vollgymnasiums durch eine weitere preußische Bildungsreform wieder abtreten. Schließlich schafft Direktor Roesener es, dass 1902 die Schule als humanistisches Vollgymnasium anerkannt wurde.

20. Jahrhundert In den Jahren 1905/06 erhielt die Schule den Status eines Vollgymnasiums, und ein Schulgebäude an der Wilhelmstraße wurde im neugotischen Stil erbaut. Die Kosten hierfür betrugen etwa 216.000 Mark. Anlässlich dieser Ereignisse bekam die Ratsschule nun offiziell den Namen Gymnasium Corvinianum. Das Corvinianum fasste in dem darauf folgenden Jahr 12 Lehrer und 226 Schüler. Am 1. Oktober 1913 ging Roesener nach 35 Jahren in den Ruhestand und wurde wegen seiner besonderen Verdienste vom preußischen König Wilhelm II. mit einer Urkunde geehrt. Während des Ersten Weltkriegs verlor die Schule Schüler und Lehrer; 1918 wurden 143 gefallene Schüler verzeichnet. 1925 gab es eine Richtlinie, die bewirken sollte, dass Schüler sich selber Sachverhalte erarbeiten, anstatt Gelerntes zu reflektieren. Diese setzte sich in der Zeit des Nationalsozialismus nicht durch.

mini|Richenza-Gebäude (Gebäude 2) Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Unterricht am Corvinianum auf ein Minimum reduziert, so dass er nur sporadisch stattfand und nur selten Reifeprüfungen abgenommen wurden. Besonders gravierend traf es die Kriegsjahre 1939–1945. Zum Beispiel wurde das Gebäude für die Dauer vom 4. Mai bis zum 10. Mai wegen einer Reichstagung der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung (NSKOV) geräumt, und Mitte August wurde ein Großteil der Schüler zur Ernte eingesetzt. Somit war eine Beurteilung der Schüler oft nicht möglich. Im September 1943 wurde im Schulgebäude ein Reservelazarett eingerichtet und der Unterricht konnte zeitweise wegen Luftangriffen nicht stattfinden. Auch führten strenge Winter und Brennstoffmangel zu Unterrichtsausfällen. Ostern 1943 führte man die letzte Reifeprüfung während des Krieges durch. Der Unterricht fand auf Grund von Platzmangel in Räumen des Rathauses, im Feuerwehrhaus oder in Gaststätten statt. Erschwerend kamen Ernteeinsätze und Einziehung der Jahrgänge 1926–1928 hinzu. Nach den Weihnachtsferien 1944/45 kam der Unterricht unter Leitung Bückmanns bedingt durch den Krieg nun ganz zum Erliegen. Zuvor war das Corvinianum („Graf-Otto-Schule“) für ein Kriegslazarett aus Polen geräumt worden. 1945 eroberten amerikanische Truppen die Stadt. Im Zweiten Weltkrieg fielen 3 Lehrer und 185 Schüler. Im November 1945 konnte der Unterricht unter britischer Besatzungsmacht wieder aufgenommen werden.

Nachkriegszeit mini|Alte Turnhalle, 2011 abgerissen mini|Gebäude 3, 2012 abgerissen 1950 wurden sowohl die Richenza-Schule als auch das Corvinianum in dem Gebäudekomplex der Scharnhorstkaserne untergebracht. Im Jahr 1953 ging Rudolf Bückmann nach 25 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger, Herbert FankhänelEine ausführliche Würdigung Fankhänels findet sich z. B. unter diesem Link:https://docelieb.wordpress.com/2013/04/15/clarorum-virorum-facta-moresque/, bemühte sich um den Umzug zurück in das angestammte Gebäude an der Wilhelmstraße, in dem immer noch ein Krankenhaus untergebracht war. Der Neubau des Albert-Schweitzer-Krankenhauses 1957 entspannte die Raumsituation der weiterführenden Schulen. Eine großzügige Erweiterung des neugotischen Gebäudes zur Goethestraße hin mit modernen naturwissenschaftlichen Fachräumen, einem Aufenthaltsraum für Schüler, einem Lehrschwimmbecken und genügend Klassenräumen für die fast 600 Schüler gelang dank des Einsatzes des Schulleiters und seiner Mitarbeiter Heinrich Ungerer und Georg Wittram und des Einsatzes der Elternschaft. Die Einrichtung des naturwissenschaftlichen Zweiges, der den neusprachlichen Zweig ergänzte und erstmals 1963 zum Abitur führte, war ebenso Verdienst der Schulleitung wie der Elternschaft. Der vollständige Umzug in das alte und neue Gebäude an der Wilhelmstraße und Goethestraße wurde Ende Januar / Anfang Februar 1959 in einer mehrtägigen „Festwoche“ gefeiert. 1971 wurde Ulfert Balcke-Herlyn neuer Schulleiter, der die Zusammenlegung der beiden Gymnasien und einen erneuten Umzug und Um- und Neubau leiten musste. Unter dem Namen Corvinianum wurden die beiden Northeimer Gymnasien 1975 zu einem koedukativen Gymnasium zusammengelegt. Bis zum 1. August 1975 war man an dem neuen Standort, der aus den Gebäuden der Richenza-Schule, der Martin-Luther-Schule und der Kardinal-Bertram-Schule bestand. Diese drei Gebäude verband ein Anfang 1974 errichteter Neubau. Durch die Beschlüsse des Kultusministeriums trat am 1. August 1976 das neugeschaffene Kurssystem mit individuellen Schwerpunkten in Kraft.Siehe den Beitrag von Lydia Kretzer in Northeim im 20. Jahrhundert, Heimat- und Museumsverein für Northeim und Umgebung e. V., Northeim 2002.

Seit 2011 fand ein aufwändiger Umbau der Schule statt. Den Umbaumaßnahmen fiel ein Großteil der historischen Bausubstanz zum Opfer, wie etwa eine alte Turnhalle und das ehemalige Gebäude der Kardinal-Bertram-Schule,Mehr Platz für Pausen. In: Northeimer Neuesten Nachrichten, Nr. 39/2012 zuletzt „Gebäude 3“ genannt.

Die Richenza-Schule Lange Zeit war das Corvinianum ein Gymnasium ausschließlich für Jungen. Dies änderte sich im Jahre 1975, als das Corvinianum mit einem Mädchengymnasium (Richenza-Schule) zusammengelegt wurde. Nachfolgend erfolgt ein kurzer Abriss über die Geschichte der Richenza-Schule:Aus der Geschichte der Northeimer Richenza-Schule Gymnasium für Mädchen bis 1975. In: Gymnasium Corvinianum 525 Jahre, S. 23–26.

Die Anfänge als Höhere Töchterschule Im Jahre 1836 gründete der damalige Rektor des Northeimer Progymnasiums, Herr Gieren, eine private Höhere Töchterschule. In dieser Privatschule wurden zunächst 18 Mädchen aus der Northeimer Oberschicht unterrichtet. Diese wurden jahrgangsübergreifend gegen ein jährliches Schulgeld von 12 Talern betreut. In den Folgejahren erhöhte sich die Zahl der Schülerinnen nur zaghaft.