mini|hochkant=1.3|Links der Grazer Dom, in der Mitte der Eingang zur Katharinenkirche, rechts die Kuppel der Grabkapelle mini|Grundriss des Mausoleums für Kaiser Ferdinand II. in Graz: 1 – Katharinenaltar; 2 – Marienaltar; 3 – Standort des Heiligen Grabes 1967 bis 2002; 4 – Langhaus der Katharinenkirche mit Fres­ken; 5 – Grabkapelle mit darunter liegendem Gruftraum. mini|Blick vom Schloßberg: in der Bildmitte der Grazer Dom, dahinter der Turm der Katharinenkirche und rechts die Kuppel des Mausoleums.

Das Mausoleum des römisch-deutschen Kaisers Ferdinand II. (1578–1637) neben dem Grazer Dom ist ein monumentaler Sakral- und Repräsentationsbau aus dem 17. Jahrhundert, der aus zwei bestehenden Gebäuden zusammengefügt wurde. Die 1614 begonnene, bis 1640 weitergebaute, mehrmals unterbrochene und nach langen Bauunterbrechungen 1714 fertiggestellte Anlage besteht aus der Katharinenkirche sowie der daran anschließenden Grabkapelle Kaiser Ferdinands II. und seiner Familie. Sie bilden eines der bedeutendsten Baudenkmäler Österreichs aus dem Manierismus, der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock.

Baugeschichte Entstehung 1614 betraute Kaiser Ferdinand II seinen aus dem Tessin (oder aus Lodi bei Mailand) stammenden Hofkünstler Giovanni Pietro de Pomis (1569–1633) mit der Konzeption und der Ausführung dieses monumentalen Grabbaus, der erst hundert Jahre später vollendet war. Wenige Jahre zuvor hatte derselbe Künstler im Auftrag Ruprechts von Eggenberg in Ehrenhausen begonnen, ein monumentales Grabmal zu errichten. Es gilt als Vorbild für das Grazer Mausoleum.

Für seine und seiner Familie Grabstätte wählte der Kaiser einen Bauplatz neben dem Dom auf dem Areal des ehemaligen Friedhofs. Es wurde an der Stelle einer schon 1265 bestehenden, der hl Katharina geweihten romanischen Friedhofskapelle mit KarnerSchweigert: Graz, S. 24 neu errichtet. De Pomis übernahm als Maler, Architekt und Baumeister die Planung und Bauleitung der Gesamtanlage.

Konzeption Für die Anlage wurden zwei in Grundriss und Raumkonzept unterschiedliche sakrale Gebäude verbunden: eine der heiligen Katharina von Alexandrien geweihte Kirche und ein daran im Süden anschließender ovaler Zentralbau als Grabkapelle für Kaiser Ferdinand II. und seine Familie. Im Osten um die Apsis entstand eine umschließende Schalung um die Sakristei und die Mesnerwohnung, die durch einen schlanken Turm bekrönt wird.

Die Konzeption der Anlage zeigt die kirchlichen und dynastischen Repräsentationsabsichten des Bauherrn Ferdinand II.:Horst Schweigert, Das Mausoleum Kaiser Ferdinand II. (), Zugriff am 11. Januar 2015 Der kreuzförmige Grundriss der Katharinenkirche weist auf den christlichen Glauben hin, die ovale Form der Grabkapelle ist ein Symbol der Auferstehung. Die Bekrönungen der Kuppeln von Katharinenkirche und Grabkapelle in Form von Zepter und Reichsadler mit Reichsschwert und Reichsapfel symbolisieren die Habsburgerdynastie und ihren Machtanspruch im Reich. Bei der Katharinenkirche nimmt das Patrozinium der heiligen Katharina von Alexandrien nicht nur auf einen mittelalterlichen Vorgängerbau Bezug, sondern steht auch in Kontext mit der von Erzherzog Karl II. (dem Vater Ferdinands II.) 1585 gegründeten und vom Jesuitenorden geführten Universität Graz, die ebenfalls unter dem Patrozinium der heiligen Katharina von Alexandrien (als Patronin der Wissenschaften) stand. Die Sandsteinfiguren an der Westfassade – sie stellen die von zwei Engeln flankierte heilige Katharina und zwei von ihr zum christlichen Glauben bekehrte Personen dar – und die bemalten Kupfertafeln in den Nischen mit Darstellungen aus dem Leben der Heiligen bilden nicht nur ein auf die Titelheilige der Kirche und Universität bezogenes Programm, sondern zeigen im zum christlichen Glauben bekehrten Porphyrius und der Faustina auch einen gegenreformatorischen Aspekt.

Bauentwicklung Das unter der Leitung Giovanni Pietro de Pomis’ errichtete Bauwerk zeigt starke italienische Einflüsse am Gebäude. So ist der ovale Grundriss mit einer ovalen Kuppel der Grabkapelle der erste seiner Art außerhalb Italiens. Die mathematische Konstruktion einer Ellipse war Johannes Kepler als Erster gelungen, der 1594–1600 sogar in Graz lebte und an der evangelischen Stiftsschule Mathematik unterrichtete.

Nach 1619/20 erfolgten an der Anlage einige Veränderungen: Umbauten an der Westfassade mit der Einfügung von Segment- und Dreiecksgiebel, einem Motiv der Jesuitenkirche Il Gesu in Rom, eine Geschoßerhöhung an den beiden Seitenflügeln und ab 1622 Dachdeckerarbeiten. Nachdem Giovanni Pietro de Pomis 1633 vor der Vollendung des Werkes gestorben war, übernahm 1633 Pietro Valnegro die Bauleitung. 1636 wurde, unter Mitarbeit von Antonio Pozzo, der Turm in Form eines grazilen Campanile vollendet, 1637 das Dach.

Fertiggestellt wurde die Gesamtanlage erst nach dem Tod Ferdinands II. († 1637), da nach dessen Wahl zum Kaiser und der damit verbundenen Übersiedlung nach Wien die Bauarbeiten ins Stocken geraten waren. Die Weihe des Gruftaltars erfolgte 1640, danach wurden die Bauarbeiten vorläufig eingestellt. Erst nachdem der Rohbau vier Jahrzehnte unvollendet gestanden war, wurde 1686 die Fertigstellung des Baus gefordert. Ferdinands Enkel, Kaiser Leopold I., beauftragte 1687 den 31-jährigen, damals noch wenig bekannten Johann Bernhard Fischer mit der Innenausstattung, dem Altar der Katharinenkirche und mit der Stukkierung des Mausoleums. 1714, also erst hundert Jahre nach Baubeginn, wurden die Kirche und sechs Altäre geweiht.Schweigert: Graz, S. 25

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten sowohl Innen- als auch Außenrestaurierungen und Maßnahmen zur Instandsetzung der Kuppelbedachung. Zwischen 1960 und 2010 diente die Anlage als Grabstätte der Bischöfe der Diözese Graz-Seckau, ehe sie (wieder) in den Grazer Dom verlegt wurde.

Zwischen Frühjahr 2002 und Herbst 2003 wurden das Mausoleum und die Katharinenkirche einer gründlichen Innen- und Außenrenovierung unterzogen, bei dem besonders der Dachstuhl und das Kupferdach, aber auch das Mauerwerk, die Fresken und der Stuck im Inneren restauriert wurden.Mausoleum beim Grazer Dom frisch renoviert, in: Der Standard, 6. September 2003 (online), abgerufen am 17. September 2024 Für 2025 ist eine weitere Renovierung des Dachstuhls mit seiner Holzkonstruktion aus dem 17. Jahrhundert geplant.https://grazer.at/story/de/beauty-tipps-fuer-zu-hause-ganz-einfach-zum-selbst-uCVMEes7/?page=flow/de/kirche-investiert-1-million-beim-dach-des-grazer-i3tN0Y91/

Baubeschreibung Katharinenkirche Außenbau mini|hochkant|Der hintere Teil der Katharinenkirche mit Turm, der an der Burggasse liegt. Der dreigeschoßige Baukörper der Katharinenkirche besitzt einen kreuzförmigen Grundriss mit einer Tambour-Kuppel über der Vierung mit bekrönendem Kreuz und Engelsputten-Köpfen und Kartuschen unter dem Kranzgesims. Der Apsis sind in den Baukomplex einbezogene Raumteile, z. B. die Sakristei, im Halbkreis vorgelegt. Im Ost-Scheitel tritt ein kreisförmiger, siebengeschoßiger Turm vor, der durch ionischen Pilaster und Gurtgesimse gegliedert ist. Der Entwurf der Laterne wird Pietro Valnegro zugeschrieben; das Kuppeldach wird von einem vergoldeten Szepter bekrönt.

Über der Sockelzone steht ein zweigeschoßiges Hauptgeschoß mit ionischen Dreiviertelsäulen vor Pilastern; über dem Attikageschoß auf der Mittelachse findet sich ein Segmentgiebel mit einem eingeschriebenen Dreieckgiebel. In den Nischen der Seitenachsen sind ikonographische Darstellungen aus dem Leben der Hl. Katharina. Auf dem Giebel steht eine überlebensgroße Sandsteinfigur der Heiligen, seitlich daneben zwei Engel mit Märtyrerkronen in der Hand. Die Skulpturen werden Sebastian Erlacher zugeschrieben und stammen aus 1635/36. Das rechteckige Steinportal mit Dreieckgiebel hat blechbeschlagene Türflügel mit Beschlägen aus Schmiedeeisen (um 1714). Darüber ist eine Inschrift des Bauherren angebracht. Im Ostturm ist ein profiliertes Rundbogen-Steintor.

Der Bau der Katharinenkirche ist durch gebündelte ionische Pilaster gegliedert, im Gebälk des Hauptgesimses sind Symbole der Heiligen Messe und der heiligen Katharina, unter dem Kranzgesims Engelsputten-Köpfe und an den Pilastern des Attikageschoßes Relief-Kartuschen, wahrscheinlich ehemals mit Wappen bemalt, zu sehen.

Innenbau mini|hochkant|Hochaltar der Katharinenkirche mini|hochkant|Deckenfresko der Katharinenkirche Das einschiffige Langhaus besteht aus zwei Jochen und mit Tonnengewölben. Die Querarme sind ebenfalls tonnengewölbt. Die Vierung hat eine Tambourkuppel, getragen von gebündelten korinthischen Pilastern. Der Chor hat eine Apsis mit einer Halbkuppel. Das Gebälk kragt stark vor und ist über den Vierungspilastern verkröpft. Sowohl Lang- als auch Querhaus haben Rundbogenfenster. Als Kirchenausstattung befinden sich in der Katharinenkirche zwei Altäre, nämlich der als Hochaltar dienende Katharinenaltar sowie der als Seitenaltar dienende Marienaltar.

Die bemerkenswerten Stuckarbeiten in der Katharinenkirche wurden 1688–1694 von Josef Anton Serenio (Putti oberhalb des Gesimses lt. Dehio Graz urk. 1694), Girolamo Rossi und Antonio Quadrio ausgeführt. Die Entwürfe für die Stuckdekorationen der Gewölbe – jene in den Querhausgewölben ausgenommen – werden dem in Graz geborenen kaiserlichen Hofkünstler Johann Bernhard Fischer von Erlach zugeschrieben, der auch den Entwurf für den Katharinenaltar lieferte (1687). Die Skulpturen des Katharinenaltars schnitzte Marx Schokotnigg (1697–1699); vom selben Künstler stammen die Engelsfiguren des Marienaltars (1697–1701) sowie Personifikationen der christlichen Tugenden in der Grabkapelle für Kaiser Ferdinand II. Das Altarblatt des Marienaltars mit der Darstellung der „Maria Immaculata“ malte 1699 Antonio Bellucci.

Die gleichzeitig mit den Stuckdekorationen entstandenen Fresken im Langhaus mit der Apotheose des Hauses Habsburg malte vermutlich Franz Steinpichler. Das Hauptaugenmerk der Ausschmückung des Langhauses liegt auf den ruhmreichen Taten Kaiser Leopolds I. Im Zentrum dieser Fresken ist die Befreiung Wiens von den Türken 1683 dargestellt. Das Langhausgewölbe ist durch Blattstabrahmen in Felder unterteilt, das Vierungsgewölbe mit kartuschen- und kronenhaltenden Engelsputten und Kaiserbüsten von Herrschern aus dem Haus Habsburg geschmückt.Schweigert: Graz, S. 26

In der Westempore halten an der Brüstung Engelsputten Festons und eine Kartusche mit freskiertem Wappen der adeligen Familie Dietrichstein. An der Westwand sind Engelsputten mit einer Inschriften-Kartusche – datiert 1689 – zu sehen, die auf den Bauherren Kaiser Ferdinand II. und auf Kaiser Leopold I. Bezug nehmen. In der westlichen Schildbogenwand spannen Engelsputten eine Draperie, welche die Devise Kaiser Leopolds I. enthält: „consilio et industria“ (dt.: durch Rat und Fleiß [zum Ziel]).

2005 wurden für die Katharinenkirche fünf Glocken in der Gießerei Grassmayr in Innsbruck gegossen, welche klanglich auf das Geläute des benachbarten Domes abgestimmt sind.

Grabkapelle mini|Kuppel der Grabkapelle mini|Inneres der Grabkapelle mit dem Heiligen Grab (1768–1769) von Veit Königer mini|Decke des Gruftraums mini|Gruftraum mit Doppelsarkophag (für die Eltern Kaiser Ferdinands II.) und vier Sargwandnischen mini|Sargwandnische Kaiser Ferdinands II. mini|Sargwandnische der Maria Anna von Bayern (1574–1616) mini|Sargwandnische der Maria Theresia von Savoyen An den südlichen Querarm der Katharinenkirche schließt die ovale Grabkapelle mit dem Heiligen Grab (1768–1769) von Veit Königer sowie dem darunter liegenden Gruftraum an, welche die Grabstätten des Stifters und seiner Familie enthält.