Die Ortler-Alpen, auch Ortlergruppe, , sind eine Gebirgsgruppe der Ostalpen in Norditalien und der angrenzenden Schweiz. Anteil an den Ortler-Alpen haben Südtirol, das Trentino, die zur Lombardei gehörenden Provinzen Sondrio und Brescia sowie ein wenig der Schweizer Kanton Graubünden. Der Großteil der Gruppe liegt in Südtirol – so auch der höchste Gipfel, der Ortler, der mit einer Höhe von auch der höchste Berg der Region Tirol ist und die Gruppe zur zweithöchsten in den Ostalpen nach der Berninagruppe macht.
Begriffsgeschichte Die beiden Begriffe Ortler-Gruppe und Ortler-Alpen (jeweils auch ohne Bindestrich verwendet) werden seit dem 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum parallel nebeneinander gebraucht, teils als Synonyme, teils im Bedeutungsumfang variierend. Die 1924 veröffentlichte Gebirgsgruppeneinteilung von Josef Moriggl (Moriggl-Einteilung) verwendete die Bezeichnung Ortler-Gruppe für ein sehr großräumiges Gebiet. Die 1984 veröffentlichte Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE), der dieser Artikel folgt, löste diese Großgruppe auf und etablierte an ihrer Stelle die voneinander gesonderten Einheiten Ortler-Alpen und Sobretta-Gavia-Gruppe.
In der Literatur finden sich auch diverse weitere Abweichungen hinsichtlich des Umfangs der Ortler-Alpen/Ortler-Gruppe. Umstritten ist seit jeher die Zurechnung der in der Schweiz gelegenen Gebiete (Umbrailgruppe, Chavalatschkamm), die dort typischerweise den Bündner Alpen bzw. den Münstertaler Alpen zugeordnet werden. Vereinzelt hingegen als Teil der Ortler-Alpen/Ortler-Gruppe aufgefasst wird die Nonsberggruppe mit Laugen und Mendelkamm.
Lage mini|Ortlermassiv vom Fluchthorn, Piz Tasna vorn Die Ortler-Alpen werden tektonisch zwar den Zentralalpen zugeordnet, da sie nördlich der geologischen Störung der Tonalelinie liegen, im allgemein regionalgeographischen Sinne aber zu den südlichen Ostalpen (Südalpen) gezählt, weil sie sich südlich der Längstalfurche Veltlin (Adda) – Vinschgau (Etsch) befinden. Alpinistisch zählt der Ortler-Hauptkamm zu den südlichen Kalkalpen.Peter Holl: Alpenvereinsführer Ortleralpen Nach der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE) wird die Gruppe wie folgt begrenzt:Alpenvereinseinteilung der Ostalpen im Osten von der Nonsberggruppe durch die Linie Meran – Lana – Ultental – Einmündung Maraunbach in Valschauer – Hofmahd – Lederbach – Proveis – Val di Pescara – Lago di Santa Giustina – Malé; im Süden von der Brentagruppe und der Adamello-Presanella-Gruppe durch die Linie Malè – (tal) – Tonalepass – ; im Westen von der Sobretta-Gavia-Gruppe und den Livigno-Alpen durch die Linie – Gaviapass – Bormio – – – – Spöltal bis Einmündung Ova dal Fuorn – Ofenpass; und im Norden von der Sesvennagruppe und den Ötztaler Alpen durch die Linie Ofenpass – Val Müstair bis Einmündung Rambach in die Etsch – Etsch bis Meran (Vinschgau).
Mit Ausnahme der Umbrailgruppe und des Chavalatschkamms, die sich komplett oder teilweise in der Schweiz befinden, liegen die Ortler-Alpen zur Gänze auf italienischem Staatsgebiet.
Nach der Suddivisione orografica internazionale unificata del Sistema Alpino (SOIUSA) der französisch-italienischen Literatur zählen die gesamten Ortler-Alpen mit ihren westlichen, südlichen und nördlichen Nachbarn zu den Rätischen Alpen (Sezione 28 Alpi Retiche Meridionali).Sergio Marazzi: La “Suddivisione orografica internazionale unificata del Sistema Alpino” (SOIUSA). Club Alpino Italiano; bibliocai.it (PDF; 1,6 MB).
Gliederung Umbrailgruppe Die Umbrailgruppe liegt nordwestlich des Umbrailpasses. Die Gruppe wird selten besucht, öfter bestiegen wird nur der Piz Umbrail () in der Nähe des Passes.
Chavalatschkamm mini|Karte aus dem Jahre 1878 Der Chavalatschkamm (auch Costainaskamm oder Fallaschkamm genannt) trennt das Val Müstair im Westen vom Trafoital und unteren Suldental im Osten. Entlang des Kamms, vom Stilfser Joch ausgehend, verläuft die Grenze zwischen dem Kanton Graubünden und Südtirol. Öfter bestiegene Gipfel sind das Glurnser Köpfl, mit einer Höhe von der nördliche Abschluss gegen Glurns und den Vinschgau hin, sowie der Piz Chavalatsch und die Dreisprachenspitze.
Ortler-Hauptkamm mini|Luftaufnahme der Ortler-Alpen, mit Ortler (oben mittig), (rechts mittig) und (links, untere Mitte). Deutlich ist der Gegensatz zwischen den Karbonatgesteinen (grau) oben und den Kristallingesteinen (braun) erkennbar. Der Ortler-HauptkammDarstellung nach Hanspaul Menara, Josef Rampold: Südtiroler Bergtouren. Athesia, Bozen 1976, S. 114–125 (im nordwestlichen Teil auch Kristallkamm genannt) führt in einem weiten, nach Westen geöffneten Bogen vom Stilfser Joch zunächst nach Osten und biegt später (ab diesem Punkt auch Cevedale-Vioz-Kamm genannt) nach Süden und Südwesten ab, wo er am Gaviapass und Tonalepass ausläuft.
Der Ortler selbst befindet sich auf einem kurzen, nach Norden abzweigenden Seitenkamm, der das Trafoital und das Suldental voneinander trennt. Zu den bedeutendsten Gipfeln im Hauptkamm zählen die Trafoier Eiswand, die Thurwieserspitze, der Monte Zebrù, die Königspitze, die Zufallspitzen, der Cevedale, der Palòn de la Mare, der Monte Vioz und die Punta San Matteo.
Confinale-Kamm Der Confinale-Kamm, benannt nach dem Monte Confinale, löst sich an der Königspitze vom Hauptkamm und streicht in südwestliche Richtung.
Laaser Berge Die Laaser Berge (in Teilen auch Laas-Marteller Kamm genannt) zweigen bei der Suldenspitze am Ortler-Hauptkamm Richtung Norden ab und bilden eine bedeutende, in sich wiederum untergliederte Gruppe. Zunächst führt ein nur schwach vergletscherter Kamm, auf dem sich die Hintere Schöntaufspitze befindet, zur Schildspitze. Dort teilt sich der Kamm in zwei Äste, die das Laaser Tal, ein Seitental des Vinschgaus, umschließen. Die bedeutendsten Erhebungen des direkt nach Norden führenden Asts sind die Vertainspitze und der Hohe Angelus, während sich im nach Nordosten führenden, das Martelltal begrenzenden Ast die Mittlere Pederspitze und die Laaser Spitze.
Zufrittkamm Der Zufrittkamm ist nach der Zufrittspitze benannt und zweigt an den Zufallspitzen vom Ortler-Hauptkamm Richtung Nordosten ab. Auf einer Strecke von über 40 km trennt er zunächst das Martelltal vom Val di Peio und Val di Rabbi, später das Martelltal vom Ultental und zuletzt den Vinschgau vom Ultental, bis er in der Gegend von Meran ausläuft. Nach seinen Begrenzungstäler wird er daher streckenweise als Marteller-Ultener Kamm oder Vinschgau-Ultener Kamm benannt, der Abschnitt zwischen Fürkelescharte und Hasenöhrl wird auch als Marteller Hauptkamm bezeichnet. Bedeutende Gipfel im Zufrittkamm sind neben der Zufrittspitze die Veneziaspitzen, die Hintere Rotspitze, die Lorchenspitze, das Hasenöhrl, der Hohe Dieb und die Naturnser Hochwart.
Careser-Kamm An der Hinteren Rotspitze zweigt der Careser-Kamm vom Zufrittkamm Richtung Süden ab, der zum Val di Sole hin abfällt. Auf dieser Strecke trennt er das Val di Peio vom Val di Rabbi. Als bedeutendster Gipfel erhebt sich die Cima Careser.
Ilmenkamm Der Ilmenkamm ist nach der im mittleren Verlauf aufragenden Ilmenspitze benannt und zweigt bei der Lorchenspitze vom Zufrittkamm ab. Der Verlauf führt zunächst Richtung Südosten, später nach Osten und zuletzt gegen Nordosten. Nordseitig fällt der Ilmenkamm ins Ultental ab, südseitig ins Val di Rabbi, Valle di Bresimo und ins Nonstal ab. Höchster Gipfel des Kamms, der am Hofmahdjoch endet, ist die Hintere Eggenspitze im Ultner Talschluss.
Gipfel Der Hauptkamm trägt die mit Abstand höchsten und bekanntesten Gipfel der Gruppe, die das Suldental dominierenden Ortler und Königspitze, und den Monte Cevedale. Insgesamt gibt es in den Ortler-Alpen etwa 25 Gipfel über und mehr als 100 Dreitausender. Die meisten Gipfel werden im Alpenvereinsführer mit zwei verschiedenen Höhenangaben angeführt, eine nach der alten deutsch-österreichischen Vermessung (zumindest teilweise noch von 1854) und eine nach der neueren italienischen. Die beiden Höhenangaben unterscheiden sich um wenige Meter, die sich rein aus den unterschiedlichen Bezugssystemen nicht erklären lassen. mini| (3.360 m) vom mini|Zufrittspitze (3.439 m) aus dem Vinschgau mini|Madritschspitze (3.265 m) von der Zufallhütte
Gipfel (abweichende ital. Bezeichnung) italienische Vermessung deutsch-österreichische Vermessung schweizerische VermessungOrtler-Alpen 1:25.000. map.geo.admin.ch, Bundesamt für Landestopografie – swisstopo; abgerufen am 11. Januar 2021 Ortler () / / Königspitze () / / / / Thurwieserspitze ( Thurwieser) Trafoier Eiswand Vertainspitze () Hoher Angelus Schildspitze Tuckettspitze ( ) Hintere Eggenspitze () Zufrittspitze () Veneziaspitze () Tschenglser Hochwand () Hintere Rotspitze () Köllkuppe () Hintere Schöntaufspitze Laaser Spitze (auch Orgelspitze) Hasenöhrl () Piz Murtaröl Piz Tea Fondada Piz Schumbraida Monte Scorluzzo Piz Umbrail Rötlspitze Piz Daint Piz Turettas Jennwand Dreisprachenspitze Piz Chavalatsch Munt la Schera Glurnser Köpfl
Gletscher und Gewässer Gletscher mini|Zufallspitzen und Monte Cevedale (v. l. n. r.) mini|Veneziaspitze mit Schranferner, Ultenmarktferner und Hohenferner (v. l. n. r.)
Die Ortler-Alpen sind eine stark vergletscherte Alpengruppe, die stärksten Vergletscherungen weisen dabei der Kristallkamm nach Norden zum Stilfser Joch, der mit seinem Plateau und den Gletschern Richtung Martelltal sowie der Fornokessel Richtung Nordwesten auf. Insgesamt weist die Gruppe rund 100 Gletscher auf.
Der Fornokessel,Fornokessel. alpen-panoramen.de der sich in einem weiten Bogen über beinahe 20 km vom zum (und weiter zum ) zieht und das in seinem Norden umschließt, wird im Wesentlichen von einem einzigen Gletscher, dem Forni-Gletscher () gefüllt. Der Forni-Gletscher ist der größte Gletscher der Ortler-Alpen und einer der größten Gletscher der Ostalpen überhaupt. Auch er ist vom allgemeinen Rückgang der Gletscher seit der Mitte des 19. Jahrhunderts betroffen und ist mit Mikroplastik belastet. Pro Kilogramm Eis wurden 74 Plastikpartikel gefunden; hochgerechnet 131 bis 162 Millionen im ganzen Gletscher. Hauptursache sind die Funktionstextilien der Touristen.
Das Gletscherskigebiet südlich des Stilfser Jochs benutzt den Ebenferner () und die . Auf der Nordseite des Kristallkamms fließen noch folgende größere Gletscher:
Madatschferner () Nasenhornferner () Niederer und Oberer Ortlerferner ( und ) Suldenferner () auf der Ostseite von Ortler, Zebrù und Königspitze bis zum Eisseepass
Der Eispanzer des Cevedale und der Zufallspitzen wird durch die folgenden Gletscher gebildet:
nach Nordwesten Langenferner () Zufallferner () Fürkelferner () nach Südosten
Etwas isoliert von diesen großflächig vergletscherten Gebieten liegen die flache (Moosferner) südlich der Veneziaspitze und der Hinteren Rotspitze. An der Nordseite des hier ansetzenden Marteller-Hauptkamms gibt es noch einige kleinere Gletscher.
Der Laaser Ferner () liegt weitab in den Laaser Bergen.
Flüsse Die Ortler-Alpen werden durch die Flüsse Adda und Oglio im Westen und Süden, sowie durch die Etsch und ihren Nebenfluss Noce im Norden, Osten und Südosten entwässert. Die Adda und der Oglio fließen in den Po, die Etsch mündet direkt in die Adria. Somit bilden die Ortler-Alpen vom Stilfser Joch über den Kamm des Fornokessels bis zum Tonalepass die Wasserscheide zwischen Po und Etsch. Trafoier und Suldenbach, der Laaser Bach, im Martelltal die Plima und im Ultental der Falschauer entwässern die nordseitig gelegenen Täler in die Etsch.
Die Flüsse werden teilweise gestaut und für die Elektrizitätsgewinnung verwendet.
Seen Im kristallinen Teil der Ortler-Alpen gibt es immer wieder vereinzelt kleinere Seen. Allein im Ultental werden neben den oben erwähnten Stauseen noch etwa 10 weitere natürliche Seen als Wanderziele erwähnt.ultental-valdultimo.com Im oberen Saenttal unterhalb der Hinteren Eggenspitze liegen mehrere kleine, genannte Seen. und liegen im über der hütte, die beiden im Confinalekamm auf über 2900 Meter, am Gaviapass schließlich der .
Stauseen