mini|Denkmalgeschützte Friedhofskapelle von etwa 1905 mini|Wartesaal von etwa 1925; ebenfalls denkmalgeschützt Der Friedhof Pankow III () ist ein landeseigener Friedhof im Berliner Bezirk Pankow. Er befindet sich im Ortsteil Niederschönhausen bzw. in der Ortslage Schönholz. Der 1905 eröffnete Friedhof ist mit einer Größe von 144.489 QuadratmeternListe der Friedhöfe in Berlin (PDF) der größte kommunale Friedhof im Bezirk. Friedhofskapelle, Wartesaal, Verwaltungsgebäude sowie die Grabmäler Butting, Lingner, Litten, Nipkow und Saefkow stehen unter Denkmalschutz.

Lage Der Friedhof liegt auf einer Fläche zwischen den Straßen Am Bürgerpark, Hermann-Hesse-Straße, Heinrich-Mann-Straße und Leonhard-Frank-Straße. Der Haupteingang befindet sich Am Bürgerpark 24. Nebeneingänge führen von der Hermann-Hesse-Straße und der Leonhard-Frank-Straße auf den Friedhof. Im Nordosten befindet sich in direkter Nachbarschaft der Volkspark Schönholzer Heide, im Südosten der Bürgerpark Pankow.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Friedhof mit den Buslinien 150 und 155 zu erreichen, die an der Haltestelle Hermann-Hesse-Straße direkt vor dem Nebeneingang der gleichnamigen Straße halten. Der S-Bahnhof Schönholz ist etwa 500 Meter vom Haupteingang entfernt.

Geschichte

mini|Gräberfeld der Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft mini|Gedenktafel vom Friedhof Pankow VIII mini|Kriegsgräber in der Schönholzer Heide (Pankow VI) mini|Der VdN-Ehrenhain auf Friedhof Pankow III mini|Blühende Kirschbäume auf dem Friedhof 1903 kaufte die Gemeinde Pankow die „Schönhauser Fichten“ als forstfiskalisches Gelände. Schützenhaus und ein parkartiger Wald in der Schönholzer Heide bestanden zu diesem Zeitpunkt bereits. Der erste Gemeindefriedhof Pankow und die Fläche an der Gaillardstraße (zweiter Gemeindefriedhof) genügten der wachsenden Gemeinde Pankow nicht mehr als Bestattungsflächen.

1905 wurde von der forstfiskalischen Fläche ein Teil westlich der Panke als Begräbnisfläche gewidmet und in geometrischem Muster mit Lindenalleen und Doppelwegen angelegt. Die ersten Beerdigungen fanden 1905 statt. Damals waren ausschließlich Erdbestattungen zugelassen. 1905 baute man nahe dem Haupteingang eine neugotische Friedhofskapelle mit roten Klinkern nach einem Entwurf von Carl Lubig, außerdem eine Leichenhalle und einen Sezierraum. Dem kreuzförmigen Grundriss ist eine offene Vorhalle mit einem Pultdach angeschlossen. Im Inneren steigt die fünfseitig geschlossene Apsis zu einem Spitztonnengewölbe mit Stichkappen. Außen ist die Klinkerfassade mit Putzflächen untergliedert, und die Knickbogenfenster unterstützen den gotischen Eindruck. Diese Fensterform wurde beim Verwaltergebäude in Backstein aufgenommen. Der rechteckige Klinkerbau mit Walmdach und abgesetztem Treppenhaus ist mit Kopfbändern in Zick-Zack-Linie verziert. Zwischen den Gemeinden Pankow und Niederschönhausen gab es Streitigkeiten zum Friedhof, als die Niederschönhauser feststellten, dass die Bahnhofstraße (nach 1950 Am Bürgerpark) keine Kanalisation hatte. Der Friedhofsverwalter Schnurstein war von der Gaillardstraße aus dem Armenhaus in das Inspektorenhaus des 3. Friedhofs umgezogen. Die fehlende Kanalisation zwang Schnurstein zum Umzug wieder ins Armenhaus und der Friedhofseingang Bahnhofstraße wurde geschlossen. Es verblieb nur der Zugang von der Bismarckstraße (→Hermann-Hesse-Straße) in Niederschönhausen. Erst mit der Pankebrücke von 1911 und gemeinsamer Übernahme von Bau- und Reinigungskosten fand eine Einigung statt. Der Friedhof Ⅲ wuchs beständig und die Friedhofsmauer an der Bahnhofstraße wurde mehrfach verlängert. 1915 wurde östlich der Halle ein Ehrenfriedhof für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Pankower vorgesehen. Dieser blieb ungenutzt; dort wurde 1923 ein Urnenhain angelegt. Die erste Urne wurde am 6. Oktober 1923 beigesetzt, die des Malers und ehemaligen Gemeindevertreters Emil Fengler.Carl Gießmann, Otto Jacobi (Hrsg.): Große Stadt aus kleinen Steinen. Ein Beitrag zur Geschichte des 19. Berliner Verwaltungsbezirkes (Pankow). Emil Protz Nachf., Berlin-Pankow 1936. Seite 4.

In den Jahren des Ersten Weltkrieges und den Nachkriegsjahren bis 1925 unterblieb eine weitere Gestaltung. Die gegenüberliegende Schönholzer Heide erhielt ab 1925 ihre Gestalt nach Plänen von Alexander Weiss. 1935 wurde das Urnenfeld mit Mauer und Treppen eingerichtet, das noch erhalten ist und über den Nebeneingang von der Hermann-Hesse-Straße zugänglich ist. 1925 folgte die Wartehalle für Trauergäste, deren Bauform an Lubigs Entwurf der Kapelle angepasst ist. Diese drei Gebäude samt dem Inspektorenhaus stehen als Baudenkmal unter Denkmalschutz. Der Haupteingang lag im Süden Süden an der Bahnhofstraße, von Norden her bestand in der (bis 1951) Bismarckstraße der Zugang mit der Straßenbahnhaltestelle. Beim Anlegen wurde ein Kinderfriedhof geschaffen, der in den 1930er Jahren eingeebnet und zum Urnenhain wurde. Die Vergrößerung in die Schönholzer Heide war ein Waldfriedhof.

Noch 1943 hatte der „3. Städtische Friedhof“ in Pankow nur etwa die Hälfte der späteren Fläche und erstreckte sich entlang der Bahnhofstraße (jetzt Am Bürgerpark) an der Bezirksgrenze zu Reinickendorf. Die zwei für das „Forstviertel“ in den Schönhauser Fichten geplanten Straßen auf diesem Gelände (Hartigstraße und Reußstraße) wurden Anfang der 1930er Jahre entwidmet. 1932 lag hier laut Adressbuch (Danckelmannstraße) nördlich von der Bahnhofstraße (seit 1950: Am Bürgerpark) ein städtisches Grundstück der „Natur“ Gemeinnützige Betriebsges. der Stadt Berlin, aber der Friedhof grenzte noch nicht an. Gegenüber befindet sich Forst an der Cottastraße. 1935 lag an dieser Stelle die Friedhofsgärtnerei und die Cottastraße ging noch über die Danckelmannstraße weiter. 1940 befand sich von der mittlerweile als Wahnschaffestraße benannten Danckelmannstraße der Zugang zum Friedhof von hier zwischen den Grundstücken 5 und 7.

1943/1944 wurde der Friedhof erweitert. Man brauchte Platz, um die Opfer der Luftangriffe auf Berlin, Luftwaffenhelfer und Soldaten aus den Bucher Lazaretten und Krankenhäusern zu bestatten. Der gegenüber gelegene Lunapark einschließlich eines großen Bereichs des Parkes in der Schönholzer Heide wurde in eine pietätsbefangene Fläche umgewidmet und 6. Städtischer Friedhof Pankow. Der Friedhof Schönholz wurde erweitert und als 5. Friedhof (später Friedhof Pankow V) dem Komplex angeschlossen. So entstand eine für Bestattungen freigegebene Gesamtfläche von nahezu 300.000 m² beiderseits der Hermann-Hesse-Straße.

Als der Flächenbedarf nach dem Kriegsende und dem sehr kalten Nachkriegswinter 1945/1946 zurückging, wurde der Volkspark Schönholzer Heide wieder teilweise (1946) und im Jahr 1981 nach der Schließung von Pankow VI für die Nutzung als Park zurückgegeben. Zuletzt hatte der Friedhof VI noch eine Fläche von 38 ha. Bis 2006 bestanden noch Grabstellen; für die zehnjährige Nachruhezeit der bestattungsrelevanten Flächen war dieser Parkteil noch eingezäunt und nicht öffentlich zugänglich.

Im Flächennutzungsplan 2004 ist der Friedhof VI als Friedhofsfläche verzeichnet mit der Absicht, eine Parkfläche anzulegen.Flächennutzungsplanung Berlin

Der Friedhof III liegt entlang der Grenze zum Bezirk Reinickendorf. Alle Pankower Friedhöfe gehörten zu Ost-Berlin, während der Bezirk Reinickendorf als Teil des französischen Sektors zu West-Berlin gehörte. Seit dem 13. August 1961 trennte die Berliner Mauer Ostberlin und Westberlin. Von September 1961 bis zum 11. Dezember 1961 flohen 28 Menschen durch einen Tunnel nach Westberlin. Der östliche Eingang des Tunnels lag hinter einem Grabstein. Er gilt als der erste dokumentierte Fluchttunnel aus der DDR überhaupt.ndr.de: DDR-Tunnelflucht: Die Frau, die in ein Grab stieg und verschwand

1961 wurde ein 50 Meter breiter Streifen Friedhofsfläche in die Zone der Berliner Mauer einbezogen. Entlang der Bahnhofstraße (Mauerstreifen, wieder als Straße: ab 1994 Am Bürgerpark) wurde er vormals durch eine repräsentative Einfriedung begrenzt. Der Eingang war im Stile der noch erhaltenen Gebäude (Inspektorenhaus) ansehnlich gestaltet. Beim Mauerbau wurde diese Friedhofsmauer entfernt, und es wurden ein Vorzaun und ein beleuchteter Sandstreifen (Kontrollstreifen zur Spurenfeststellung) gebaut. Der gegenüberliegende Nordeingang lag in Niederschönhausen. Seit dem Mauerbau war der Ost-Eingang der Haupteingang.

Da die Liegezeit für Erdstellen 25 Jahre und für Urnenstellen 20 Jahre betrug, waren aktive Grabstellen mit Nachbeisetzungsrecht in den Bereich der Postenzone gelangt.Stacheldrahtzaun Friedhof Pankow 1961 Grenznahe Grabstätten wurden tatsächlich als Ausgangspunkt für Fluchttunnel genutzt. In der Mitte der 1960er Jahre wurden die Grabstätten im grenznahen Randbereich ins Innere der Anlage verlegt. Dadurch sollten den Angehörigen die Grabstellen wieder zugänglich gemacht werden. Der an den Todesstreifen grenzende Haupteingang des Friedhofs war seit dem Mauerbau geschlossen. Nach der Wende wurde er wieder geöffnet. Auf dem Bild rechts ist das Verwaltungsgebäude, davor verläuft noch der Weg, gefolgt von der schneebedeckten Fläche zur Vorlandmauer, auf der noch einige nicht beräumte Stellen zu sehen sind. Dieser Streifen war zuvor Pietätsfläche. Erkennbar auch die Hinweisschilder auf den (Schuss-)Grenzstreifen hinter der Grenzmauer 75. Die vorherige Friedhofsmauer und der Haupteingang sind bereits entfernt. Nach Auskunft der um 2005/2008 noch anwesenden Friedhofsmitarbeiter war dieser Bereich an der Vorlandmauer nachts hell erleuchtet und wenn sie das Verwaltungsgebäude bei Dunkelheit zum Ersatzeingang (Hermann-Hesse-Straße) verließen, erregten sie die Aufmerksamkeit der Grenztruppen und wurden mit Scheinwerfern „angeleuchtet“., abgerufen am 30. Dezember 2012, die Bilder (Grenzmauer 75) sind mit Hinweis auf Lizenzrechte (teilweise) noch zugänglich. Wegen der Lage des Friedhofes war er in der Zeit der Mauer mehrfach Ausgangspunkt für Versuche, den Ostteil zu verlassen.Mauertod von Einsiedel (PDF)

Nach dem Abriss der Grenzbefestigungen 1990 wurde wieder das Friedhofsgelände eingerichtet. Seither verläuft die aktive Bestattungsfläche entlang dem jetzigen Weg am Zaun. Der Randstreifen zur Straße bleibt eine (pietätfreie) Grünfläche. Die Rasenfläche mit der Baumreihe japanischer Kirschen beiderseits des Zaunes markiert das vormalige Grenzgelände. Die Rasenflächen an der Straße vor dem Zaun blieben über 40 Jahre unbestattet. Die in die Grenzanlagen einbezogenen Bestattungsflächen waren beim Mauerbau entwidmet worden. Dieser Bereich ist „nicht pietätsbefangen“. Die vormalige Bestattungsfläche liegt innerhalb des Zaunes und gehört daher zur gewidmeten „pietätsbefangenen“ Friedhofsfläche.

Der landeseigene Friedhof Pankow III ist Ersatzfläche für die „geschlossenen Friedhöfe“ Pankow I, Pankow II und Pankow V. Das heißt, dass bei vorliegendem Wunsch von Angehörigen die Nachfolge von dortigen Grabflächen in Pankow III ausgeführt wird, die gegebenenfalls mit einer Umbettung verbunden ist.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs der Bedarf an Bestattungsflächen durch die zunehmende Bevölkerungszahl. Die Gemeinden Pankow und Niederschönhausen bekamen Zuwachs durch die Nähe zur preußischen Hauptstadt und insbesondere nach der Reichsgründung durch die neue Rolle Berlins. Seit Ende des 20. Jahrhunderts ist der Bedarf an Begräbnisflächen gesunken, weil mehr Menschen eine Feuerbestattung wählen. Durch die wachsende Anzahl an anonymen Bestattungen geht der Flächenbedarf für Friedhöfe in BerlinFriedhofsentwicklungsplan Bezirk Pankow (PDF; 854 kB) (PDF) und auch im Bezirk Pankow zurück. Für Pankow folgten nach der „nachkriegsbedingten“ Schließung des Friedhofes Ⅵ und der „mauerbedingten“ Schließung von Friedhof Ⅷ auch Friedhof I (1974), Friedhof II (2004) und Friedhof V (2007).