Der Kreis Pirna war ein Landkreis im Bezirk Dresden der DDR. Sein Gebiet liegt heute im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Der Sitz der Kreisverwaltung befand sich in Pirna.

Geografie Lage Im Süden des Bezirks Dresden gelegen, umfasste der Landkreis Pirna den größten Teil des Elbsandsteingebirges. Das Kreisgebiet grenzte südlich an die ČSSR. Im Nordwesten reichte es bis an die Stadtgrenze von Dresden.

Nachbarkreise Der Kreis Pirna grenzte im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die Kreise Dippoldiswalde, Freital, Stadtkreis Dresden, Dresden-Land und Sebnitz. Im Süden grenzte er an die Tschechoslowakei.

Naturraum Die Elbe durchfloss das Kreisgebiet von Südosten nach Nordwesten. Bis zur Stadt Pirna erstreckte sich beidseits des Flusses das Elbsandsteingebirge, auch „Sächsische Schweiz“ genannt, ein attraktives Wander- und Erholungsgebiet. Die höchste Erhebung war der Zschirnstein im Süden mit 561 m. Die ausgedehnten Hochflächen in Höhen zwischen 300 und 600 m ü. M. (vielfach Ackerland und Weiden) wurden von bewaldeten Tälern der nach Norden entwässernden Flüsse, z. B. Müglitz und Seidewitz, durchbrochen. Eine der höchsten Vollformen bildete die Landmarke Oelsener Höhe (644 m). Die für die Trinkwassergewinnung Pirnas wichtige Talsperre Gottleuba lag ebenfalls im Kreis Pirna.

Auf zahlreichen Lehrpfaden, wie dem „Flößersteig“ im Kirnitzschtal und dem Baumlehrpfad auf der Festung Königstein, wurde auf die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt hingewiesen. Die bekanntesten Ausflugsziele waren der Lichtenhainer Wasserfall und die Kuhstallhöhle (ein 11 m hohes und 17 m breites Felsentor) im Kirnitzschtal sowie die Schrammsteine östlich von Bad Schandau und die Bastei, die nahe dem Kurort Rathen um 200 m die Elbe überragte. Im Westen bildete das Tal der Gottleuba die Grenze zum Unteren Osterzgebirge, das sich mit vergleichsweise sanften Bergformen und ausgedehnten landwirtschaftlich genutzten Flächen von der Sächsischen Schweiz abhob. Westlich und südlich von Bad Gottleuba wurden in den Tälern zahlreicher Gebirgsbäche Rückhaltebecken angelegt. Sie sollten bei den häufig starken Regenfällen Hochwasserschutz gewähren. Bei Dohna und Heidenau fiel das Untere Osterzgebirge zur Dresdener Elbtalweitung ab. Bei Pirna trat die Elbe aus dem Elbsandsteingebirge in die weite, dicht besiedelte Tallandschaft.

Kulturraum Im Landkreis Pirna befanden sich das Schloss Weesenstein, das Schloss Kuckuckstein in Liebstadt, der Barockgarten Großsedlitz und die Festung Königstein. Mit den Kurorten Stadt Wehlen, Rathen, Bad Schandau und Gohrisch im Elbsandsteingebirge lag hier eine bedeutende Fremdenverkehrsregion in der DDR.

Von 1983 bis 1990 fanden sich zahlreiche Bürgermeister des Kreises Pirna zu einem „Bürgermeisterchor“ zusammen, der mit beachtlicher Qualität sang und sogar im DDR-Fernsehen in Gerd Poneskys Sendung „Alles singt“ auftrat.Heimat DDR. Erlebnisse. Betrachtungen. Erkenntnisse. Dokumente, darin Gabriele Parakeninks: „Der Bürgermeisterchor im Kreis Pirna“, Hrsg. Horst Jäkel, GNN-Verlag Schkeuditz 2015, S. 200, ISBN 978-3-89819-416-7

Wirtschaft und Verkehr Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung war seit Jahrhunderten die Lage an der Elbe. Bereits seit dem 10. Jahrhundert wurde der Fluss für die Schifffahrt genutzt. Wichtige Umschlagplätze waren Königstein und Schandau. Bis heute ist die Elbe wichtiger Transportweg geblieben. Für den Touristenverkehr dienten die Schiffe der „Weißen Flotte“. Die Frachtschifffahrt hatte für den Transitverkehr in die Tschechoslowakei einen bedeutenden Umfang angenommen. Im Elbtal verliefen die Straßen- und Schienenwege von Dresden nach Prag; Schmilka (Ortsteil von Bad Schandau) war der Grenzübergang zur Tschechoslowakei. Die F 172 verband Dresden mit Bad Schandau. Bahnseitig dienten die Müglitztalbahn von Heidenau nach Altenberg (Erzgebirge) sowie die international bedeutsame Dresden-Bodenbacher Eisenbahn für den Personen- und Güterverkehr. Die ehemals bedeutende Holzflößerei (besonders im Kirnitzschtal) wurde in den 1920er-Jahren eingestellt, und die früher zahlreichen Sandsteinbrüche wurden inzwischen fast alle stillgelegt. Dem Tourismus kam eine große wirtschaftliche Bedeutung zu. Die Städte Pirna, Heidenau und Dohna bildeten am Rand des Ballungsraumes „Oberes Elbtal“ das Industriezentrum des Landkreises. Wichtige Betriebe der Stadt Pirna waren der VEB Kunstseidenwerk „Siegfried Rädel“, Betriebe zur Herstellung von Zellstoff, Möbeln, Glas, Baustoffen, Fahrzeugelektrik (VEB Fahrzeugelektrik Pirna) und Strömungsmaschinen (Flugzeugbau/Strömungsmaschinenwerk). In Heidenau wurden Druckmaschinen, Maschinen für die Kakao- und Schokoladenindustrie und Elektromotoren gebaut, ferner erzeugte man hier Papier und Pappe, Reifen (Pneumant), Schuhe und Baustoffe. In Dohna waren Betriebe der chemischen Industrie ansässig, bei Königstein betrieb die SDAG Wismut Uranbergbau. Bis heute bekannt ist auch der Margon-Mineralbrunnen in Burkhardswalde.

Geschichte Der Kreis Pirna ging aus der am 1. Januar 1939 in „Landkreis Pirna“ umbenannten, 1874 gegründeten Amtshauptmannschaft Pirna hervor. Mit der Kreisreform der DDR am 25. Juli 1952 erfolgte die Bildung der Bezirke und eine Neugliederung der Kreise. Der alte Landkreis Pirna gab im Norden ungefähr ein Drittel seiner Gemeinden ab. Der Kreis wurde dem neugebildeten Bezirk Dresden zugeordnet, Kreissitz wurde Pirna. Im Einzelnen wurden folgende Gemeinden abgegeben: 4 Gemeinden an den neuen Kreis Bischofswerda: Bühlau, Lauterbach, Schmiedefeld und Seligstadt. 2 Gemeinden an den neuen Kreis Dresden-Land: Eschdorf und Fischbach. die Gemeinde Borthen an den neuen Kreis Freital 39 Gemeinden an den neuen Kreis Sebnitz: Altendorf, Berthelsdorf, Cunnersdorf b. Hohnstein, Dittersbach, Dobra, Dürrröhrsdorf, Ehrenberg, Elbersdorf, Goßdorf, Heeselicht, Helmsdorf b. Pirna, Hinterhermsdorf, Hohburkersdorf, Hohnstein, Krumhermsdorf, Langburkersdorf, Langenwolmsdorf, Lichtenhain, Lohmen, Lohsdorf, Mittelndorf, Neudörfel, Neustadt, Ottendorf b.Sebnitz, Polenz, Porschendorf, Rathewalde, Rennersdorf, Rückersdorf, Rugiswalde, Saupsdorf, Sebnitz, Stolpen, Stürza, Ulbersdorf, Uttewalde, Waitzdorf, Wilschdorf und Zeschnig.

Der neue Kreis Pirna wurde gebildet aus 72 Gemeinden des alten Landkreises Pirna: Bad Schandau, Bahra, Berggießhübel, Bielatal, Birkwitz, Bonnewitz, Borna, Burkhardswalde, Cotta b. Pirna, Cunnersdorf b. Königstein, Daube, Doberzeit, Dohma, Dohna, Dorf Wehlen, Ebenheit, Falkenhain, Friedrichswalde, Gersdorf, Goes, Gohrisch, Göppersdorf, Gorknitz, Gottleuba, Graupa, Großröhrsdorf, Heidenau, Hellendorf, Herbergen, Kleingießhübel, Kleinhennersdorf, Königstein, Köttewitz, Krebs, Krietzschwitz, Krippen, Langenhennersdorf, Leupoldishain, Liebethal, Liebstadt, Markersbach, Maxen, Meusegast, Mühlbach, Naundorf, Nentmannsdorf, Niederseidewitz, Obervogelgesang, Oelsen, Ottendorf b. Pirna, Papstdorf, Pfaffendorf, Pirna, Porschdorf, Pratzschwitz, Prossen, Rathen, Rathmannsdorf, Reinhardtsdorf, Röhrsdorf, Rosenthal, Schmilka, Schmorsdorf, Schöna, Seitenhain, Stadt Wehlen, Struppen, Thürmsdorf, Waltersdorf/Sächs. Schweiz, Weesenstein, Weißig und Wünschendorf sowie 5 Gemeinden aus dem alten Landkreis Dippoldiswalde: Berthelsdorf, Börnersdorf, Breitenau, Döbra und Waltersdorf

Durch Umgliederungen über Kreisgrenzen hinweg und Gemeindegebietsveränderungen sank die Zahl der Gemeinden von 72 auf 30 bei Auflösung des Kreises Ende Juli 1994: Datum TGS (1969) Gemeinde Änderung TGS (1969) aufnehmende Gemeinde 4. Dezember 1952 Daube Umgliederung 1215xx Daube,Kreis Sebnitz Doberzeit Umgliederung 1215xx Doberzeit,Kreis Sebnitz 1. Januar 1969 amtliche Einführung des TGS 1. Januar 1970 121329 Hellendorf Zusammenschluss zu 121376 Bahratal 121342 Markersbach 121334 Köttewitz Zusammenschluss zu 121334 Köttewitz-Krebs 121335 Krebs 121347 Nentmannsdorf Zusammenschluss zu 121347 Nentmannsdorf-Niederseidewitz 121348 Niederseidewitz 1. April 1970 121319 Friedrichswalde Zusammenschluss zu 121319 Friedrichswalde-Ottendorf 121351 Ottendorf 1. Juni 1971 121301 Bahra Eingliederung in 121338 Langenhennersdorf 121340 Liebethal Eingliederung in 121354 Pirna 1. Januar 1972 121307 Bonnewitz Eingliederung in 121326 Graupa 121306 Börnersdorf Zusammenschluss zu 121306 Börnersdorf-Breitenau 121309 Breitenau 1. Januar 1973 121308 Borna Zusammenschluss zu 121308 Borna-Gersdorf 121320 Gersdorf 121317 Ebenheit Eingliederung in 121369 Struppen 121364 Schmilka Eingliederung in 121363 Bad Schandau 121365 Schmorsdorf Eingliederung in 121343 Maxen 121330 Herbergen Eingliederung in 121341 Liebstadt 121367 Seitenhain 121374 Weißig Eingliederung in 121370 Thürmsdorf 121331 Kleingießhübel Zusammenschluss zu 121360 Reinhardtsdorf-Schöna 121360 Reinhardtsdorf 121366 Schöna 1. Mai 1973 121303 Berthelsdorf Eingliederung in 121341 Liebstadt 121305 Birkwitz Zusammenschluss zu 121305 Birkwitz-Pratzschwitz 121356 Pratzschwitz 1. Januar 1974 121318 Falkenhain Eingliederung in 121343 Maxen 1. April 1974 121332 Kleinhennersdorf Eingliederung in 121352 Papstdorf 121336 Krietzschwitz Eingliederung in 121354 Pirna 121349 Obervogelgesang 121371 Waltersdorf/Sächs. Schw. Eingliederung in 121355 Porschdorf 1. Juli 1990 121352 Kleinhennersdorf Ausgliederung in 121332 Kleinhennersdorf Am 17. Mai 1990 wurde der Kreis Pirna in Landkreis Pirna umbenannt.Durch Gesetz über die Selbstverwaltung der Gemeinden und Landkreise in der DDR (Kommunalverfassung) vom 17. Mai 1990, im Gesetzblatt der DDR 1990, Band I, S. 255, Online (PDF). Er wurde mit Wirkung vom 1. August 1994 aufgelöst (vgl.: Kreisreform Sachsen 1994/1996).

Politik

Landrat Bis 1990 entsprach diese Funktion dem Vorsitzenden des Rates des Kreises.

Von Mai 1991 bis zur Bildung des Landkreises Sächsische Schweiz war Hans-Jürgen Evers als Landrat tätig.

Bevölkerungsdaten der Städte und Gemeinden Bevölkerungsübersicht aller 52 Gemeinden des Kreises, die 1990 in das wiedergegründete Land Sachsen kamen.Regionalregister Sachsen

AGS Gemeinde Einwohner Fläche (ha) 3. Oktober 1990 31. Dezember 1990 14044760 Bahratal 894 891 2 047 14044020 Berggießhübel, Kurort, Stadt 1 794 1 787 1 265 14044040 Bielatal 990 996 745 14044050 Birkwitz-Pratzschwitz 871 860 664 14044060 Börnersdorf-Breitenau 552 542 1 911 14044080 Borna-Gersdorf 749 752 1 080 14044100 Burkhardswalde 532 535 652 14044110 Cotta 767 766 1 230 14044120 Cunnersdorf bei Königstein 569 569 1 694 14044130 Döbra 236 236 587 14044140 Dohma 635 638 465 14044150 Dohna, Stadt 3 034 2 988 385 14044160 Dorf Wehlen 701 702 778 14044190 Friedrichswalde-Ottendorf 600 596 907 14044210 Göppersdorf 252 250 918 14044220 Goes 289 285 261 14044230 Gohrisch, Kurort 828 816 451 14044240 Gorknitz 520 509 1 000 14044250 Bad Gottleuba, Kurort, Stadt 2 205 2 209 1 851 14044260 Graupa 2 734 2 743 982 14044270 Großröhrsdorf 338 333 1 147 14044280 Heidenau, Stadt 20 315 19 980 1 107 14044320 Kleinhennersdorf 281 280 459 14044330 Königstein/Sächs. Schw., Stadt 3 001 2 989 1 378 14044340 Köttewitz-Krebs 417 417 318 14044370 Krippen 817 817 245 14044380 Langenhennersdorf 1 049 1 050 1 031 14044390 Leupoldishain 284 271 843 14044410 Liebstadt, Stadt 879 869 1 556 14044430 Maxen 746 747 1 212 14044440 Meusegast 136 135 373 14044450 Mühlbach 518 516 197 14044460 Naundorf 375 369 348 14044470 Nentmannsdorf-Niederseidewitz 425 428 742 14044500 Oelsen 233 228 770 14044520 Papstdorf 573 576 872 14044530 Pfaffendorf 340 333 470 14044540 Pirna, Stadt 42 481 41 798 3 653 14044550 Porschdorf 910 901 932 14044570 Prossen 681 678 161 14044580 Rathen, Kurort 572 573 358 14044590 Rathmannsdorf 1 284 1 286 437 14044600 Reinhardtsdorf-Schöna 1 919 1 899 3 175 14044610 Röhrsdorf 234 233 275 14044620 Rosenthal 965 944 3 901 14044630 Bad Schandau, Stadt 3 397 3 387 3 339 14044680 Stadt Wehlen, Stadt 1 210 1 201 303 14044690 Struppen 1 396 1 389 1 193 14044700 Thürmsdorf 588 582 526 14044720 Waltersdorf b. Liebstadt 163 161 451 14044730 Weesenstein 264 265 39 14044750 Wünschendorf 333 332 412 14044