Die Südstadt ist einer von 23 Stadtteilen der nordhessischen Großstadt Kassel (Deutschland).
Lage Im Süden grenzt der Stadtteil entlang der Bahntrasse an Niederzwehren, im Westen an Wehlheiden und im Norden an Mitte. Östlich bildet die Fulda zwischen dem Rondell im Norden und der Eisenbahnbrücke südlich die Grenze zu den Stadtteilen Unterneustadt und Waldau. Einen Großteil des Stadtteils nimmt der Landschaftspark Karlsaue ein, der komplett in der Südstadt liegt.
Ortsbild In den Jahren der Industrialisierung blieb das Gebiet um die Frankfurter Straße von großflächigen Industrieansiedlungen weitgehend verschont, abgesehen von der Waggonfabrik der Gebrüder Credé und Berghöfer am Bahnhof Kassel-Niederzwehren. So entwickelte sich die südliche Vorstadt hauptsächlich zu einem reinen Wohnquartier. Entlang der Frankfurter Straße herrscht eine geschlossene Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern vor. Des Weiteren gibt es Wohnsiedlungen mit Ein- und Mehrfamilienhäusern (zum Beispiel das Auefeld).
Die Südstadt teilt sich in mehrere Wohn- und Gewerbegebiete. Die bekanntesten Viertel sind
der Philosophenweg, seit 1864 als älteste Straße der Südstadt bebaut und ab 1874 so genannt. das sogenannte „Beamtenviertel“ oder „Jugendstilviertel“ östlich der Frankfurter Straße, seit 1890 errichtet und die Wohn- und Geschäftsstraße Frankfurter Straße das Auefeld, seit 1956 gebaut das Behörden- und Gewerbezentrum Süd, mit der Wohn- und Gewerbestraße Heckerwiesenstraße, gehört zur Südstadt Hessische/Niedersächsische Allgemeine, Hotel La Strada, TÜV Hessen und Kommunales Gebietsrechenzentrum.
Geschichte Erste Bebauung 1704 ließ Landgraf Karl ein gewaltiges Stadttor vor der Oberen Neustadt errichten.
Landgraf Friedrich II ließ 1765 den steilen Weg den Weinberg hinunter ein wenig abtragen und durch eine Krümmung bequemer befahrbar machen. Unter Landgraf Wilhelm IX, dem späteren ersten Kurfürsten, wurde das Weinberger Tor abgerissen und verlegt, wesentlich verändert als nunmehr „Frankfurter Tor“, zur Friedrichstraße (1803). Wieder wurde das Straßenniveau gesenkt. Es entstand ein tiefer, heute noch vorhandener Einschnitt. 1866 fielen die Mittelpfeiler des Frankfurter Tores und 1880 wurde es ganz abgerissen. Von nun an lagen die Häuser und die Grundstücke südlich und westlich davon vor dem Frankfurter Tor, so dass nach fortschreitender Bebauung der Frankfurter Straße das Viertel den Namen „Frankfurter-Tor-Viertel“ erhielt (um 1900).
Frankfurter-Tor-Viertel mini|Historisches Gebäude der Jägerkaserne Eng verbunden mit dem Bau der Kasernen beginnend mit dem Standortlazarett (1885) und der Husarenkaserne (1889) (nach deren Zerstörung war dieser Platz bis 2017 Standort des Versorgungsamtes), wurde im Jahr 1863 beginnend der Philosophenweg und von dort weitergehend ab 1889 bis zum Ersten Weltkrieg entlang der Frankfurter Straße Geschäftshäuser und mehrstöckige Mietwohnbauten für Handwerker und Gewerbetreibende gebaut. 1905 waren alle wichtigen Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe vertreten und die Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern bis zur Heinrich-Heine-Straße abgeschlossen. 1873 hatte die Frankfurter Chaussee, wie sie bis 1900 bezeichnet wurde, nur 32 Hausnummern und im Aueweg, der heutigen Heinrich-Heine-Straße, nur vier Adressen, während es im Philosophenweg 26 Hausnummern gab. 1900 wurde die Frankfurter Straße, die vom Friedrichsplatz zum Frankfurter Tor führte, mit der Frankfurter Landstraße zusammengeführt und als Frankfurter Straße bezeichnet. Um 1900 war das „Beamtenviertel“ bis zur Landaustraße, die einen Bogen um die „Herrschaftliche Meierei“ machen musste, schon erbaut und in den Häusern der ehemaligen Meierei in der Frankfurter Straße 73 bis 77 wohnte der königliche Förster Lampmann, anschließend in 75 Oberamtmann Bartel und Oberschweizer Hert, in 77 Gärtnerei Röse. Es war abzusehen, wann die ehemalige „Domaine Meierei“, wie sie auch genannt wurde, für eine weitere Bebauung Platz machen musste. Die Gaststätte „Krokodil“ in Nr. 71 gehört auch zu dieser ersten Bauphase. In den Jahren 1907 und 1913 (Jägerkaserne) kamen weitere Kasernen hinzu, womit die Südstadt eine große Dichte im militärischen Bereich aufwies. In dem über der Südstadt liegenden Weinberg wurden im 19. Jahrhundert beliebte Ausflugsgaststätten gebaut, die den Weinberg für die „Kühlung“ der Getränke nutzten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschwanden diese Gaststätten und auf deren Gelände baute die Familie Henschel mehrere Wohngebäude. 1908 eröffnete der Neubau der Kasseler Kunstakademie in der Menzelstraße.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Gebäude des Stadtteils von Fliegerbomben beschädigt oder ganz zerstört. Am 4. April 1945 rollten die Truppen der US-Armee über die Frankfurter Straße in die vom Bombenkrieg verheerte „Festung Kassel“. Die Einwohnerzahl von 9033 (1939) hatte sich zum Kriegsende 3300 reduziert und sollte sich erst in den 1960ern wieder erholen. Es gab eine eigene „Südviertel-Kulturlandschaft“, die in zahlreichen Vereinen gelebt wurde, aber auch innerhalb der Gewerkschaftsbewegung und in den Parteien, die alle ihre Stammlokale hatten. Besonders hervorzuheben ist die Wohn- und Lebensgemeinschaft in den Häusern des Spar- und Bauvereins, die eine Hochburg für die soziale Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg darstellten und wo es auch eine intakte und fortschrittliche Jugendbewegung gab, die auch die Mädchenarbeit innerhalb der Organisation der Sozialistischen Arbeiterjugend forcierten und es gab hier auch die erste Kleinkindervorschule des Fröbelseminars. Nicht nur die Arbeiterschaft fühlte sich hier wohl und zu Hause, sondern auch die Beamten und Soldaten und die vielen selbständigen Kaufleute und Handwerksmeister, die hier eine sichere Existenz hatten. Die Weltwirtschaftskrise, der Nationalsozialismus und letztlich der Krieg vernichteten die Stadt und zerstörten auch die Identität des jungen Stadtteils „Frankfurter Tor Viertel“.
Der Wiederaufbau der Südstadt erfolgte in den 1950ern, wobei die Altbauten vielfach neuen Häusern weichen mussten. Durch die große Anzahl von Flüchtlingen, Aus- und Umsiedlern dringend benötigter Wohnraum für 700 Familien wurde mit dem Bau der Plansiedlung „Gartenstadt Auefeld“ geschaffen, deren Planung bereits in den Zwischenkriegsjahren begonnen worden war und 1955/66 vom Architekten Heinz Graaf realisiert wurde. 1961 lebten 12.838 Menschen in der Südstadt, 2008 nur 7038. Der SPD-Ortsverein brachte den Antrag in den Ortsbeirat ein, der diesen Antrag befürwortete und den Stadtgremien weiterleitete, so dass die Umbenennung 2003 erfolgen konnte. Der Stadtteil wurde im 19. Jahrhundert Frankfurter Tor und nach 1945 als Kassel Süd bezeichnet.
Henschelvilla Die Henschelvilla sollte eine Verbindung zur Bellevue haben und so sollte eine Eisenbrücke entstehen. 1873 entstand aber eine steinerne Brücke, sie hatte zunächst nur einen großen Bogen. Als Henschel dann eine neue große Villa baute, das "Haus Henschel" musste er als Bauauflage auch die Stützmauern (1903) errichten.
Ein zweiter Brückenbogen für den Passantengehweg entsteht 1926. Nach dem Ersten Weltkrieg zweigte man einen Geländestreifen der Aue ab und baute völlig getrennt vom Fahrverkehr, parallel zur Straße den Fußweg zum Weinberg hinaus, die im Volksmund „Beamtenlaufbahn“ genannt wurde, weil viele Beamte im Südviertel wohnten. Die Weinbergbrücke erhielt einen zweiten Bogen für den Passantenverkehr, 1926 war alles vollendet.
Politik Ortsbeiratswahl
Wahlen im Stadtteil Jahr WahlWbt. Linke Grüne SPD CDU AfDBSW FDP FW Sonst.2026Ortsbeirat57,218,935,723,016,4——6,0——Stadtverordnetenversammlung57,024,425,817,913,17,23,32,70,74,92025Bundestagswahl83,223,820,819,913,19,55,53,10,63,82024Europawahl66,79,423,516,713,17,55,23,91,019,72023Landtagswahl64,112,627,417,517,610,4—3,62,111,52021 Bundestagswahl76,1 11,2 29,8 25,8 11,1 4,9— 8,1 1,1 9,1 Ortsbeirat49,7 — 56,4 25,5 18,1 —— — — — Stadtverordnetenversammlung49,5 15,0 37,1 19,8 13,0 4,2— 4,1 2,8 4,112016 Ortsbeirat45,9 — 35,9 34,3 20,2 —— 2,2 7,3 —Stadtverordnetenversammlung46,011,822,3 29,517,59,2—3,63,62,512011 Ortsbeirat43,4 — 38,2 42,2 18,7 —— — — — Stadtverordnetenversammlung43,1 7,1 29,6 37,0 19,0 —— 1,5 1,4 4,432006 Ortsbeirat35,9 — 26,8 47,5 25,7 —— — — —2001 Ortsbeiratk. A. — 24,6 40,5 29,1 —— — — —
Fußnoten
1 2021: zusätzlich: Bienen: 2,4 %; PARTEI: 1,7 % 2 2016: zusätzlich: Piraten: 2,5 % 3 2011: zusätzlich: Piraten: 3,1 %; AUF-Kassel: 1,4 %
Bildungseinrichtungen Kindergärten Die Südstadt verfügt über Kindertagesstätten in der Menzelstraße und in der Landaustraße. Des Weiteren gibt es Kindergärten in der Frankfurter Straße und am Kühne-Brückner-Platz, in der Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde. Daneben gibt es weiterhin einen Montessoriekindergarten.
Grundschulen Auefeld-Schule Schon der Bürger- und Bezirksverein Südend hat am 3. Oktober 1908 beklagt, dass der Schulstandort Philosophenweg nicht kinderfreundlich sei. Mehrere Herren übten Kritik und verwiesen darauf, dass das Grundstück Ecke Hegelstraße und Philosophenweg, sich nicht für den Bau einer Doppelschule eignen würde Da infolge der tiefen Lage des Grundstücks und die unmittelbare Nähe des Weinbergs und der wachsenden Bebauung in der Umgebung der Schule durch Wohnhäuser, den Kindern das nötige Licht und die Luft entzogen würde. Sie beschlossen diesen Umstand der Stadtbehörde nochmals mitzuteilen und darauf hinzuwirken, dass der Schulhausbau an einem höheren gelegenen Ort im Auefeld erfolgen solle. Fast 50 Jahre später ist diese Anregung in Erfüllung gegangen. Die Auefeldschule entsteht auf dem Kamm des Auefeldes. Die Auefeldschule ist eine dreizügige Stadtschule im Grünen. Sie wurde 1956 erbaut, war zeitweilig eine Grund- und Hauptschule und ist seit den 70er Jahren wieder eine Grundschule mit einer Vorklasse und zur Zeit 272 Schülerinnen und Schüler (2003).
Weiterführende Schulen Friedrich-Wöhler-Schule Das alte Schulhaus am Weinberg ist eines der wenigen Schulgebäude in der Kasseler Innenstadt, das den Feuersturm des letzten Krieges einigermaßen unbeschadet überstanden hat. Am 1. April 1912 wurde der große Gebäudekomplex von der Bürgerschule 29 (Jungenschule) Philosophenweg und Bürgerschule 30 (Mädchenschule Tischbeinstraße) bezogen. Der gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen begann am 1. Mai 1946 im Gebäudeteil Tischbeinstraße, da der andere Gebäudeteil noch arge Kriegsschäden aufwies. Am 1. April 1960 bezog die Realschule „Friedrich-Wöhler-Schule“ das Haus an der Tischbeinstraße. Die Schule am Philosophenweg wurde Grund- und Hauptschule mit dem Namen „Landgraf-Karl-Schule“. Neun Jahre später wurden die Schulen zu einer Grund-, Haupt- und Realschule zusammengelegt, die den Namen der Realschule übernahm.
Sonstige Schulen 1950 wurde die Wilhelm-Lückert-Schule nach Plänen des Architekten Walter Grüning errichtet. Nach der erfolgten Sanierung im Jahr 1998 übernahm die August-Fricke-Schule für praktisch Bildbare (vormals am Luisenplatz) das Areal in der Adolfstraße von der Wilhelm-Lückert-Schule.
Kunsthochschule Am 18. Oktober 1777 wurde in Kassel eine Kunstakademie unter der Leitung des jungen Simon du Ry von dem damaligen Landgrafen Friedrich II. gegründet. Friedrich II. förderte nicht nur die Gründung und Weiterentwicklung der Akademie, die aus einer Maler- und Bildhauerabteilung bestand und bis zu diesem Zeitpunkt mit dem Collegium Carolinum vereint war. Bewährte Künstler sorgten für die inhaltliche Ausgestaltung der Akademie. So gehörte der Bildhauer Johann August Nahl, der Maler Johann Heinrich Tischbein und der Architekt und Leiter der Akademie Simon Louis du Ry zu den Künstlern der ersten Stunde. Die Kunstakademie war bis 1808 im Haus Bellevue Nr. 3 und ab 1877 im Bellevueschlößchen untergebracht. 1908 wurde das neue Gebäude in der Menzelstraße bezogen. Hier standen fünf Pavillons und das große Hauptgebäude zur Verfügung.
Heute ist die Kunstakademie ein Teil der Universität Kassel, als Hochschule für bildende Kunst.
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