Die samoanische Rugby-Union-Nationalmannschaft (; ) repräsentiert Samoa in der Sportart Rugby Union bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Mit Spitznamen nennen die Samoaner ihre Nationalmannschaft Manu Samoa. Die organisatorische Verantwortung trägt der 1924 gegründete Verband Rugby Samoa (). Samoa wird vom Weltverband World Rugby in die zweite Stärkeklasse (second tier) eingeteilt. Rugby Union gilt in Samoa als Nationalsport und der Inselstaat ist eines der wenigen Länder, in denen Rugby Union die beliebteste Sportart ist. Bisher wurden zwei samoanische Nationalspieler in die World Rugby Hall of Fame aufgenommen.
Das erste Test Match fand 1924 gegen Fidschi statt. Bis zur Namensänderung des Staates im Jahr 1997 trat die Mannschaft als Westsamoa an. Sie qualifizierte sich für zehn der bisher elf ausgetragenen Weltmeisterschaften und verpasste nur das Turnier 1987; bei den Austragungen 1991 und 1995 erreichte sie das Viertelfinale. Seit 2006 nimmt Samoa am jährlichen Pacific Nations Cup (bis 2005 am Pacific Tri-Nations) teil, wo es gegen Fidschi, Japan, Kanada, Tonga und die Vereinigten Staaten antritt. Vor jedem Spiel tanzen die Samoaner ihren traditionellen Siva Tau, um die gegnerische Mannschaft einzuschüchtern und sich selbst zu motivieren. Traditionell spielt Samoa in blauen Trikots mit weißen Farbakzenten, weißen Hosen und blauen Socken.
Organisation
Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Samoa ist der Verband Rugby Samoa, der auch unter der samoanischen Bezeichnung Lakapi Samoa auftritt. Er wurde 1924 gegründet und 1988 Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Rugby Samoa war außerdem im Jahr 2000 Gründungsmitglied des Kontinentalverbandes Federation of Oceania Rugby Unions (FORU; heute Oceania Rugby, OR).
Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft Rugby Samoa weitere Auswahlmannschaften zusammen. Samoa A bildet die zweite Mannschaft und nimmt an der World Rugby Pacific Challenge teil. Wie andere Rugbynationen verfügt Samoa über eine U-20-Nationalmannschaft, die an den entsprechenden Weltmeisterschaften teilnimmt. Hinzu kommt Samoa Sevens, die Nationalmannschaft für Siebener-Rugby. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung.
Im Rahmen der Pacific Islands Rugby Alliance organisierte der Verband ab 2004 sporadisch Spiele der Pacific Islanders, einer gemeinsamen Auswahlmannschaft der drei Pazifikstaaten Fidschi, Samoa und Tonga. 2009 kündete der samoanische Verband die Zusammenarbeit auf, da die Pacific Islanders die von den Mitgliedsverbänden erhofften finanziellen Vorteile nicht erbracht habe. Seit 2022 werden die Inseln im Stillen Ozean (faktisch die Cookinseln, Fidschi, Samoa und Tonga) in der internationalen Meisterschaft Super Rugby von der professionellen Mannschaft Moana Pasifika vertreten, die bei dem Turnier auf Mannschaften aus Australien, Neuseeland und einer aus Fidschi trifft.
Allgemeine Situation Samoa ist eines der wenigen Länder, in denen Rugby Union Nationalsport ist. Nur in den Cookinseln, Fidschi, Neuseeland, Tonga und Wales ist dieser Sport ähnlich beliebt. Bei fast 200.000 Einwohnern ist die Auswahl an verfügbaren talentierten Spielern im Vergleich zu anderen Ländern sehr klein, dennoch gehört Samoa konstant zu den fünfzehn besten Nationalmannschaften der Welt und ist durchaus konkurrenzfähig. Allerdings gehen dem Land zahlreiche Talente gleich wieder verloren, da sie meist in den Profiligen Australiens, Europas, Japans oder Neuseelands spielen und oft vom jeweiligen Zielland eingebürgert werden. Gemäß den Regeln von World Rugby genügt auch ein während fünf Jahren ununterbrochener Wohnsitz, um für die Nationalmannschaft eines anderen Landes spielberechtigt zu sein (bis Ende 2020 waren es sogar nur drei Jahre). Seit den 1970er Jahren zieht es besonders viele Samoaner nach Neuseeland. Die bekanntesten neuseeländischen Nationalspieler samoanischer Herkunft sind Jerry Collins, Michael Jones, Chris Masoe, Mils Muliaina, Isaia Toeava und Tana Umaga, während Manu Tuilagi für England spielt. Mit einer Bevölkerung von knapp über 200.000 ist Samoa eines der kleinsten Länder, das regelmäßig an Rugby-Weltmeisterschaften teilnimmt.
Die Verbände der pazifischen Staaten sind zu schwach, um den Abgang von Talenten aufhalten zu können. Bisweilen wird das systematische Abwerben ironisch mit dem Blackbirding im 19. Jahrhundert verglichen. Samoaner, die für ihr eigenes Land antreten, können zudem nicht immer frei eingesetzt werden, weil vor allem englische Vereine zögerlich bei der Gewährung von Freigaben für Länderspiele sind. Abhilfe schaffen soll die Profimannschaft Moana Pasifika, die seit der Saison 2022 in der internationalen Meisterschaft Super Rugby vertreten ist. Diesem in der neuseeländischen Stadt Auckland ansässigen Team gehören Samoaner und Tongaer sowie Neuseeländer polynesischer Herkunft an; angestrebt wird eine bewusst „pazifische“ Identität.
Das zum selben Archipel wie Samoa gehörende Amerikanisch-Samoa, ein Außengebiet der Vereinigten Staaten, verfügt über eine eigene Nationalmannschaft. Diese besitzt jedoch bei weitem nicht denselben Status und spielt nur sporadisch. In Amerikanisch-Samoa dominiert stattdessen eindeutig American Football; mehrere Dutzend Samoaner stehen in der National Football League unter Vertrag.
Geschichte
Bescheidener Beginn In Westsamoa war der in anderen Gegenden Ozeaniens bereits weit verbreitete Rugbysport während der deutschen Kolonialherrschaft wenig bekannt, örtliche Zeitungen berichteten im frühen 20. Jahrhundert nur gelegentlich über Rugbyspiele in der Hauptstadt Apia. Die Situation änderte sich 1914, als Neuseeland die Inselgruppe zu Beginn des Ersten Weltkrieges militärisch besetzte und zu verwalten begann (ab 1919 formell als Völkerbundmandat). Die katholische Ordensgemeinschaft der Maristen-Schulbrüder, die hier seit 1871 tätig war, führte ab 1920 an ihren Schulen angesichts des starken neuseeländischen Einflusses mehrere Sportarten britischer Herkunft ein. Rugby entwickelte sich rasch zu der mit Abstand beliebtesten Sportart und fand in weiten Bevölkerungskreisen Anklang. Robert F. Dewey, Historiker der DePauw University, führt dies darauf zurück, dass Rugby damals eine wichtige Rolle als Ausdruck des dörflichen Stolzes und der kriegerischen Männlichkeit gespielt habe. Da etliche traditionelle Rituale mit der Kolonialisierung verschwunden waren, galt Rugby als geeigneter Ersatz für die Pflege alter Rivalitäten. Außerdem hätten die benötigten athletischen Fähigkeiten hervorragend zu jenen der Einheimischen gepasst. Eine parallele Entwicklung dazu gab es in zwei weiteren Pazifikstaaten, Fidschi und Tonga.
1924 erfolgte die Gründung der Apia Rugby Football Union (der späteren Western Samoa Rugby Football Union und der heutigen Rugby Samoa), die in den ersten Jahren noch mit der New Zealand Rugby Football Union assoziiert war. Das erste Test Match fand am 18. August 1924 in Apia gegen Fidschi statt und endete mit einer 0:6-Niederlage. Der Legende nach soll sich auf der Mittellinie des Spielfelds ein großer Baum befunden haben, doch zeitgenössische Zeitungsberichte bestätigen nichts dergleichen. Anpfiff war um sieben Uhr morgens, damit die Samoaner rechtzeitig zur Arbeit erscheinen konnten. Im zweiten Test Match gegen Fidschi einen Monat später gelang ein 9:3-Sieg. Ende Juli 1926 war erstmals Tonga zu Gast. 1928 und 1932 weilten die pazifischen Nachbarn erneut in Samoa, doch dann dauerte es bis 1947, ehe die Samoaner wieder Besucher empfingen; dabei gelang der erste Sieg über Tonga.
Regelmäßige Partien gab es erst wieder ab 1955 und aufgrund der prekären finanziellen Lage des Verbandes ließen die ersten Auswärtsspiele bis 1956 auf sich warten, als die Samoaner nach Tonga reisten. 1960 weilten zum ersten Mal die New Zealand Māori, die Auswahl der neuseeländischen Ureinwohner, zu Besuch in Westsamoa. 1962 endete die neuseeländische Treuhandverwaltung und Westsamoa erlangte die Unabhängigkeit. 1963 fanden in Fidschis Hauptstadt Suva die ersten Südpazifikspiele statt, wobei Westsamoa alle vier Spiele des Rugbytunriers deutlich verlor und sich mit der Bronzemedaille zufriedengeben musste. Da die finanzielle Situation des Verbandes weiterhin sehr angespannt war, ruhte der internationale Spielbetrieb für die nächsten acht Jahre erneut.
Zunehmende internationale Kontakte Beim Rugbyturnier der Südpazifikspiele 1971 in Papeete (Französisch-Polynesien) traten die Rivalen aus Fidschi und Tonga nicht an. In der Gruppenphase setzte sich Westsamoa zunächst gegen die Cookinseln und Neukaledonien durch, im Halbfinale gegen Tahiti. Im Finale trafen die Samoaner erneut auf die Cookinseln und sicherten sich mit einem 23:9-Sieg den Turniersieg. 1972 empfingen sie Tonga zu vier Test Matches, die alle verloren gingen. Ein Jahr später hatte Westsamoa auch gegen die besuchenden New Zealand Māori keine Chance. Im Juni 1975 war Tonga erneut für vier Spiele zu Gast; dabei gelangen zwei Siege, die ersten über diesen Gegner seit fast drei Jahrzehnten.
Tupuola Efi, Verbandspräsident und Premierminister in einer Person, hatte sich zum Ziel gesetzt, den damals bescheidenen Status des samoanischen Rugbysports anzuheben. Dies war nur mit mehr Spielen gegen gleichwertige oder stärkere Gegner möglich. Aus diesem Grund organisierte er 1976 eine Spendenkampagne, um die erste Tour der Nationalmannschaft nach Neuseeland zu finanzieren. Die Kampagne übertraf ihr selbst gestecktes Ziel und dem Verband war es möglich, eine repräsentative Auswahl zusammenzustellen. Während der vier Wochen dauernden Tour trat sie gegen sechs regionale Auswahlteams der neuseeländischen Meisterschaft an und verlor fünfmal. In Test Matches gegen die New Zealand Māori kamen zwei weitere Niederlagen hinzu. Zwei Begleiter der Mannschaft setzten die Spendenkampagne bei der samoanischen Diaspora fort, womit sie die Grundlage für weitere Touren in der Zukunft und die Stärkung der Verbandsstrukturen schufen. Dass die in Neuseeland gewonnenen Erkenntnisse vor allem in taktischer Hinsicht noch nicht ausreichend waren, um international bestehen zu können, zeigte sich bei den Südpazifikspielen 1979. Nach dem zweiten Platz in der Gruppenphase mit Salomonen, Tonga und Tahiti, unterlag Westsamoa im Halbfinale dem Gastgeber Fidschi mit 13:16 und im Spiel um Platz drei überraschend Neukaledonien mit 8:9.
Der 1982 eingeführte, jährlich stattfindende Wettbewerb Pacific Tri-Nations schuf regelmäßigere Spielmöglichkeiten für die drei führenden Rugbynationen des Pazifiks und ersetzte die bisher sporadischen Touren untereinander. Westsamoa entschied die erste Austragung mit zwei Auswärtssiegen für sich, wobei der Erfolg gegen Fidschi der erste seit 1924 war. Die Südpazifikspiele 1983 fanden zuhause in Apia statt. Westsamoa setzte sich in der Gruppenphase des Rugbyturniers mit Siegen über Amerikanisch-Samoa, die Cookinseln, Papua-Neuguinea, Tokelau und Tonga durch. Nach dem Halbfinalsieg über Neukaledonien musste sich der Gastgeber im Finale jedoch Fidschi mit 10:18 geschlagen geben. Im März 1985 beschloss der International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby), der damals noch sehr exklusiv war und nur acht Mitglieder umfasste, die Einführung der Rugby-Union-Weltmeisterschaft. Bei der ersten Austragung 1987 sollten neun Startplätze durch Einladungen vergeben werden (IRFB-Mitglied Südafrika fehlte wegen des Apartheid-Boykotts). Während die ozeanischen Rivalen Fidschi und Tonga beide eine Einladung erhielten, wurde Westsamoa nicht berücksichtigt; ausschlaggebend dürfte die mangelnde Erfahrung gegen stärker eingestufte Nationalmannschaften gewesen sein. Westsamoa wurde aufgrund des Staatsstreiches in Fidschi zwei Wochen vor Turnierbeginn bzw. im Falle eines Rückzuges einer anderen Mannschaft als Ersatz erwogen, wozu es jedoch nicht kam. Bis heute ist es die einzige WM ohne Teilnahme Samoas.