mini|Rheinschifffahrt bei Karlsruhe

Die Rheinschifffahrt hat aufgrund der verkehrsstrategisch günstigen Lage des Rheins an und zwischen wichtigen Wirtschafts- und Industriegebieten Europas – nicht nur in der Neuzeit – eine lange und bedeutende Tradition. Heute gehört der Rhein zwischen Basel und seiner Mündung in die Nordsee zu den am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt. Den Mittelrhein im Abschnitt zwischen Bingen und Sankt Goar passieren beispielsweise 50.000 Güterschiffe jährlich,Andreas Frey: Ohnmacht am Rhein. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21. August 2022, S. 53. am Niederrhein sind es noch mehr. Dementsprechend bestehen umfangreiche Bestimmungen und Abmachungen, die den Schiffsverkehr auf dem Rhein regeln, die durch die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt koordiniert werden.

Geschichte mini|Ursprünglicher Plan für die Rheinbegradigung

Der Rhein war schon in der Römerzeit eine bedeutende Wasser- und Handelsstraße. Der damalige Flusshandel verwendete dort einen Flusskahntyp, der etwa 30 m lang und 9 m breit war sowie einen Tiefgang von etwa 70 cm hatte. Ein solches Schiff, das sowohl gerudert als auch gesegelt wurde, konnte eine Fracht von 100 bis 150 Tonnen transportieren. Um 13 v. Chr. wurde am Rhein die Classis Germanica aufgestellt, einer der größten Flottenverbände des Römischen Reichs. Personen und Güter wurden bis zur Erfindung des Dampfschiffs auf dem Niederrhein durch flachkielige Segelschiffe befördert. In Köln (Niederländer Ufer / Oberländer Ufer) wurden sie auf kleinere Lastkähne umgeladen, die dann durch Pferde oder durch Menschenkraft an Seilen vom Leinpfad aus an beiden Ufern getreidelt wurden. Bevor der Strom durch Wasserbaumaßnahmen gebändigt und vertieft wurde, war das Treideln zu Berg nicht immer einfach. Oft mussten schwierige, felsige Stellen auch umgangen werden. Umgangen wurden auch gerne die von den Territorialherren errichteten Zollschranken (Rheinzölle). Die Hochrheinschifffahrt zwischen Schaffhausen und Basel erreichte zu Beginn der Neuzeit ihren Höhepunkt.

Heute ist der Rhein für Massengüter und Containerschiffe der bevorzugte (weil billigste) Transportweg.

Nach dem Wiener Kongress trat 1816 in Mainz eine Kommission (die spätere Zentralkommission für die Rheinschifffahrt) zusammen, um für die Rheinschifffahrt eine gemeinsame Übereinkunft der Rheinuferstaaten zu erarbeiten. Mit der Rheinschiffahrtsakte vom 31. März 1831 (Mainzer Akte) wurde die Freiheit der Schifffahrt bis in das offene Meer garantiert, das Stapelrecht in Köln und Mainz abgeschafft und die Uferanliegerstaaten wurden verpflichtet, Schifffahrtshindernisse zu beseitigen. Erhalten blieben allerdings noch Ein- und Ausgangszölle für Waren die in die Niederlande gingen bzw. von den Niederlanden kamen. Um den Rhein überhaupt vernünftig schiffbar zu machen, wurde der Oberrhein ab 1817 begradigt. Mit der revidierten Rheinschiffahrtsakte Mannheimer Akte vom 17. Oktober 1868 wurde die Schifffahrt unter anderem von Gebühren und Abgaben freigestellt, die sich lediglich auf die Tatsache der Beschiffung gründen. Auch Rheinschifffahrtsgerichte wurden eingerichtet. Es wurde festgelegt, dass alle Signatarstaaten – und dazu zählten alle Rheinanrainer sowie Großbritannien – dieselben Gesetze und dieselben Zulassungskriterien für Transportmittel anwenden, und dass die Befahrbarkeit des Rheins von Basel flussabwärts sichergestellt werden muss. Wer beispielsweise ein neues Elektrizitätswerk planen würde, müsste eine kostenlose Umfahrungsmöglichkeit herstellen.

Die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt ist seit 1920 im Palais du Rhin in Straßburg untergebracht. In ihr sind die Schweiz, Frankreich, Deutschland, die Niederlande und Belgien vertreten.

Auf dem schwierigen Fahrwasser der „Gebirgsstrecke“ von Sankt Goar bis Bingen am Rhein wurde bis in die 1980er Jahre jeweils ein ortskundiger Rheinlotse als Steuermann hinzugezogen. Es gab aber auch Lotsen zwischen Bingen und Mainz. Diese warteten in den Lotsenhäusern wie in BingenLotsenmuseum Bingen oder KaubLotsenmuseum Kaub, ruderten mit ihren Schaluppen zu den Schiffen und übernahmen das Steuer. Später wurden sie von Lotsenbooten zu den Schiffen gebracht und wieder abgeholt. Auf der Strecke Mannheim bis Schleuse Iffezheim wird heute noch zeitweise mit Lotsen gefahren.mini|Lotsenschaluppe im Lotsenmuseum Bingen

Im Februar 2024 begann auf dem Rhein in Deutschland die Einführung der ferngesteuerten kommerziellen Binnenschifffahrt.

Schiffbarkeit Von Breisach bis kurz vor Basel werden die Schifffahrt und der wesentliche Teil des Rheinwassers durch den vollständig auf französischem Gebiet liegenden Rheinseitenkanal geführt, der die Grenze bildende Restrhein hat für die Schifffahrt keine Bedeutung. Der Rhein ist auf Grund der baulichen Maßnahmen von Rotterdam bis Rheinfelden (dem im Aargau und dem in Baden-Württemberg) durchgängig problemfrei schiffbar. Oberhalb stehen an den Staustufen für die Kleinschifffahrt Slip- oder andere Umsetzungsanlagen, an den Kraftwerken Laufenburg und Eglisau Schleusen zur Verfügung für Fahrzeuge bis zu 2,20 m × 10 m, teilweise auch deutlich mehr. Unterhalb des Rheinfalls ab dem Rheinfallbecken bei Neuhausen ist der Hochrhein befahrbar. Oberhalb des Rheinfalls ist der Rhein bis zur Brücke bei Neuhausen am Rheinfall für jeden Schiffsverkehr gesperrt. Oberhalb der Rheinbrücke in Schaffhausen besteht in den Sommermonaten eine durchgehende Schiffsverbindung bis Konstanz. Das Stauwehr in Schaffhausen sorgt für einen gleichbleibenden Wasserstand bis Diessenhofen. Die Brücke bei Diessenhofen ist sehr niedrig, und manche Schiffe „versenken“ für die Durchfahrt die Führerkabine. Bis Stein am Rhein ist der Rhein nicht reguliert, daher nur je nach Wasserstand schiffbar. Auch der Bodensee ist schiffbar und bei Seglern sehr beliebt. Der Alpenrhein ist für die Schifffahrt gesperrt, der Alte Rhein ist aber auf zwei Kilometern von der Mündung bis Rheineck SG schiffbar.

In den 1950er und 1960er Jahren gab es Absichten, den Rhein bis nach Eglisau schiffbar zu machen, siehe Ideen zur Schiffbarmachung des Hochrheins im 20. Jahrhundert. In Anbetracht dieser Planungen baute die Migrol ein unterirdisches Tanklager im Gebiet „Tössriederen“. Die Schiffsanlegestelle wurde nie gebaut; und die Erdölprodukte wurden auf dem Straßenweg transportiert.

Häfen

Die wichtigsten kommerziellen Rheinhäfen am Ober-, Mittel- und am Niederrhein sind: Basel, Straßburg, Kehl, Karlsruhe, Wörth am Rhein, Germersheim, Speyer, Ludwigshafen, Mannheim, Worms, Gernsheim, Mainz, Lahnstein, Koblenz, Bendorf, Andernach, Godorf/Wesseling, Köln-Niehl, Leverkusen, Dormagen, Neuss, Düsseldorf, Krefeld, Duisburg-Ruhrort, Orsoy, Walsum, Rheinberg, Wesel, Emmerich am Rhein, Nijmegen, Dordrecht und Rotterdam.

Kanalverbindungen zu anderen Flüssen mini|Die Schifffahrtsroute Rotterdam–Constanța ist die kürzeste schiffbare Verbindung zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer über Rhein, Main, Main-Donau-Kanal, Donau und Donau-Schwarzmeer-Kanal Der Rhein hat über Kanäle Verbindungen zu anderen Flüssen: Der Rhein-Rhône-Kanal zweigt zwischen Kembs und Niffer vom Rheinseitenkanal ab. Seit Mitte der 1990er Jahre ist er von da bis Mülhausen für Europaschiffe befahrbar, dieser Abschnitt wird gelegentlich auch als Mühlhauser Kanal (Canal de Mulhouse) bezeichnet. Bis zu einer Umstrukturierung Anfang der 1960er Jahre bestanden auch Verbindungen nach Mülhausen über den Hüningen-Kanal ab dem gleichnamigen Ort sowie aus den Räumen Neu-Breisach und Straßburg. Diese sind mittlerweile in Teilstrecken stillgelegt. Soweit noch vorhanden sind sie nur noch für den Tourismus interessant. Der Rhein-Marne-Kanal (Canal de la Marne au Rhin) verbindet mit zwei Kanaltunneln über zwei Wasserscheiden Straßburg über Mosel und Marne mit der Seine bei Paris, nur noch für Sportboote und kleinere Schiffe geeignet Ab Duisburg verbindet der Rhein-Herne-Kanal und ab Wesel der Wesel-Datteln-Kanal den Rhein über weitere Kanal- und Flusssysteme mit Ems, Weser, Elbe und Oder. Die Maas bei Venlo sollte 1626 mit der Fossa Eugeniana ab Rheinberg und 1809 nach dem Willen Napoleons durch den Nordkanal ab Neuss angeschlossen werden. Beide Projekte wurden angefangen aber nicht fertiggestellt. In Nijmegen (km 887,1) zweigt der Maas-Waal-Kanal ab. Ab Tiel (km 913,5) verbindet der Amsterdam-Rhein-Kanal die Waal mit Amsterdam. Bei km 926,1 besteht über den Kanal von Sint Andries eine Verbindung zur Maas. Bei Woudrichem (km 925,5) ist die Zufahrt zur Afgedammte Maas. In Gorinchem (km 955,5) zweigt der Merwede-Kanal zum Amsterdam-Rhein-Kanal ab.

Pegel mini|Pegeluhr inEmmerich am Rhein

Die aktuellen Wasserstände werden regelmäßig an den Rhein-Pegeln abgerufen. Die Messwerte werden an die zuständigen Wasser- und Schifffahrtsämter und -direktionen sowie an die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz übertragen. Für jedermann zugänglich sind außerdem automatische Anrufbeantworter (in Deutschland: Ortsvorwahl plus 19429) bereitgestellt, über die Rheinschiffer und die Bevölkerung die Pegelstände und deren Tendenz erfahren können. Die Wasserstände und weitere Informationen bieten im Internet das elektronische Wasserstraßen-Informationssystem.Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes: Elektronisches Informationssystem für Binnenwasserstraßen ELWIS. und Pegelonline.pegelonline.wsv.de

Wasserstände Für die Beurteilung der Fahrrinnenverhältnisse gilt der Gleichwertige Wasserstand (GlW) an einer Reihe von Richtpegeln. Die gleichwertigen Wasserstände sind die Wasserstände, die bei als gleichwertig festgelegten Abflüssen längs einer Flussstrecke auftreten. Sie stellen einen Niedrigwasserstand dar, der im langjährigen Mittel an zwanzig eisfreien Tagen im Jahr an den jeweiligen Richtpegeln unterschritten wird. Wegen der natürlichen Strombettveränderungen (Ablagerungen oder Erosionen) wird der GlW alle zehn Jahre von der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) neu festgelegt. Zurzeit gelten die gleichwertigen Wasserstände von 2012. Die niederländischen Behörden bestimmen den GlW für ihre Pegel selbst in Absprache mit den deutschen Behörden.

Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes ist bestrebt, folgende auf den GlW 2012 bezogene Fahrrinnentiefen zu halten, wiederherzustellen oder sogar zu verbessern:ELWIS, 8. April 2019: Fahrrinnensituation auf dem Rhein ab Krefeld (km 763,0) zu Tal 2,80 m ab Krefeld zu Berg bis Koblenz (Moselmündung) (km 592,2) 2,50 m von Koblenz (Moselmündung) bis St. Goar (km 557,0) 2,10 m von St. Goar bis Budenheim-Niederwalluf (km 508,0) 1,90 m und von Budenheim-Niederwalluf bis Schleuse Iffezheim (km 334,0) 2,10 m

Gleichwertige Wasserstände 2012 [cm]Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest: Kompendium der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest. Organisatorische und technische Daten, Binnenschifffahrt, Aufgaben, Wasserstraßen. Eigenverlag, Mainz Juni 2007. an den Richtpegeln:

Pegel GlW2012 Basel-Rheinhalle (CH) 499 Maxau 369 Speyer 241 Mannheim 160 Worms 72 Mainz 168 Oestrich 87 Bingen 100 Kaub 78 Koblenz 78 Andernach 93 Bonn 141 Pegel GlW2012 Köln 139 Düsseldorf 97 Ruhrort 233 Wesel 177 Rees 120 Emmerich am Rhein 84 Lobith (NL) 739 Pannerdense Kop/Waal (NL) 713 Nijmegen/Waal (NL) 523 Tiel/Waal (NL) 258 IJsselkop/Nederrijn (NL) 694

Die wichtigsten Schifffahrtspegel am Rhein sind: Konstanz, Rheinfelden, Basel-Rheinhalle, Iffezheim, Maxau, Speyer, Mannheim, Worms, Mainz, Oestrich, Bingen, Kaub, Koblenz, Andernach, Oberwinter, Bonn, Köln, Düsseldorf, Duisburg-Ruhrort, Wesel, Rees, Emmerich am Rhein, Lobith, Pannerdense Kop, IJsselkop, Nijmegen Hafen, Tiel, Zaltbommel, Vuren, Krimpen, Dordrecht und Rotterdam.

mini|Pegel Kaub mit Pegelturm und Hochwassermarken