Die Fuchshexe ist eine Sagengestalt, die überwiegend aus der Sagenwelt der Alpen, aber auch aus anderen deutschsprachigen Regionen bekannt ist. Der Unterschied zur fernöstlichen Fuchsfee besteht vor allem darin, dass sich in den europäischen Sagen eine Menschenfrau in einen Fuchs verwandelt, wohingegen in Japan, China und Korea ein Fuchsgeist die Gestalt einer Frau annimmt, um Erlösung zu erlangen.
Verwandlung Es handelt sich bei der Fuchshexe in erster Linie um eine Hexe, die sich in die Gestalt eines Fuchses verwandelt. Dahinter steckt meist die Absicht, Böses zu tun. In Gestalt eines Fuchses narrt sie oftmals den Jäger, doch wenn er das vermeintliche Tier mit seiner Waffe verletzt, wird die Hexe bisweilen dadurch identifiziert, dass sich bei der Frau eine Verletzung am gleichen Körperteil zeigt wie beim Fuchs.
Eine zweite Kategorie der „Fuchshexe“ ist eine Frau, die von einer Hexe in eine Füchsin verwandelt wurde. Sie wird in der Regel dadurch erlöst, dass ein Wanderer oder Jäger ein angebundenes Tier findet und sie befreit. Später dann trifft er eine Frau, die sich als die Verwandelte zu erkennen gibt und ihm ihren Dank bezeigt. Dieser Dank besteht meist in einer Vergütung oder einem Geschenk, manchmal aber kommt es auch zur Heirat.
Beispiele Nur sehr selten werden die Fuchshexen bei ihrem Namen genannt, was auf eine starke Tabuisierung hindeutet. In der Schweizer Sage Die Fuchshexe und der KummetbachJosef Müller: Sagen aus Uri (= Schriften der schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde. Band 18). Band 1. Basel 1926, S. 158 (). beobachteten zwei Knaben einen Fuchs, der durch das Kummettal in Richtung Regliberg hinaufschlich, um sich droben auf dem Sewli als Katharina Wyrsch zu entpuppen, die schon lange im Verdacht der Hexerei gestanden hatte. Bald darauf ließ ein Gewitter den Kummetbach stark anschwellen und bedrohte ganz Attinghausen.
Als „Fuchshexe“ könnte man auch Christiana Morhauptin, eine Hexe aus dem 17. Jahrhundert bezeichnen. Sie soll den Bürgermeister von Bamberg, Johannes Junius, zu einer Liebschaft und der Teilnahme an Hexensabbaten gezwungen haben, wobei er sie „Füchsin“ nennen musste.The Witch Persecution at Bamberg. In: George L. Burr (Hrsg.): The Witch Persecutions. In Translations and Reprints from the Original Sources of European History. 6 Vols. University of Pennsylvania History Department, Philadelphia 1898–1912, Vol. 3, Nr. 4, S. 23–28 (englisch; Volltext – Hanover Historical Texts Project. Über Christiana Morhauptin im Rahmen der Bamberger Hexenverfolgung).
Aus der deutschen Literatur ist durch die Erzählung Thrin Wulfen von Ernst Moritz Arndt (1769–1860) eine Fuchshexe bekannt, die sich dort vor den Augen einer „Pastorin“ (hier: Frau eines Pastors) in eine Füchsin verwandelt.Ernst Moritz Arndt: Thrin Wulfen. In: Ders.: Märchen und Sagen. In: Sammlung aus dem Projekt Gutenberg-DE. 2017;
Aus Japan ist Tamamo no Mae bekannt, die bisweilen auch als „Fuchshexe“ bezeichnet wird, was sie im hier definierten Sinn freilich nicht ist, sondern nur ihre magischen Fähigkeiten im Zusammenhang mit der Tatsache, dass sie eine Fuchsfee war, andeutet.
Quellen
Karl Bartsch: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg. 2 Bände. Wilhelm Braumüller, Wien 1879/80. [Nr.] 155. Hexe als Fuchs. Band 1, S. 132 (). [Nr.] 181. Der Fucsberg bei Dodow. Band 1, S. 146–147 (; alte Frau als Hexe; Schulmeister ihres Enkels wird durch Berührung eines Fuchsriemens in einen Fuchs verwandelt, der durch einen Schuss wiederum in den Schulmeister verwandelt wird; Ätiologie für den Namen „Fuchsberg“). ausführlicher erzählt in: Der Fuchsberg bei Dodow, unweit von Wittenburg. In: Mecklenburg’s Volkssagen: Gesammelt und hrsg. von A. Niederhöffer. Band 4. Heinrich Hübner, Leipzig 1862, S. 162–167 (). Sprachlich modernisiert in: Der Fuchsriemen. In: Adelheid Schwichtenberg: Der Räuber Papedönke und das Mädchen: Sagen rund um Brüsewitz. EDITION digital Pekrul & Sohn GbR, Pinnow 2021, ISBN 978-3-96521-298-5, S. 79–82 (). Richard Beitl: Im Sagenwald. Neue Sagen aus Vorarlberg. Montfort-Verlag Kreissl, Feldkirch 1953. (Reprint der Originalausgabe: [Archiv-Verlag], [Braunschweig] 2006, ). [Nr.] 87. Die drei Jungfern. S. 68–69 (sagen.at). [Nr.] 360. Geweihtes im Pulver. S. 206–207 (sagen.at; Jäger schießt auf einen Fuchs, der sich am Ende als – verletzte – Wirtsfrau herausstellt). K. A. Reiser, Hulda Eggart (Red.): Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus. Joseph Kösel, Kempten 1895. [Nr.] 207. Hexe als Fuchs. Band 1, S. 193–195 (). Christian Falkner: Sagen aus dem Ötztal. In: Ötztaler Buch (= Schlern-Schriften. Band 229). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1963, , S. 111–182. Wieder in: Schriftenreihe Ötztal-Archiv. Band 1: Sagen und Geschichten aus den Ötztaler Alpen. Edition Löwenzahn, Innsbruck 1997, , ISBN 3-7066-2157-6. Eine Hexe als Fuchs. 1963, S. 163 f. (sagen.at). Josef Haltrich: Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen. 3., vermehrte Auflage. Carl. Graeser, Wien 1882. [Nr.] 35. Die beiden Mädchen und die Hexe. (). Dietrich Jecklin, Kaspar Decurtins: Volksthümliches aus Graubünden. 3 Bände. Orell Füßli & Co., Zürich 1874. I. Theil: Die Tante als Hexe. S. 56 (). Der Jäger in Nöten. S. 57 (). Die verhexte Dame. S. 57 (). Die bestrafte Hexe. S. 66 (). Der Fuchs von Fulun. S. 72 (). II. Theil: Die Fuchsenjagd. S. 138 f. (). Die „Gotte“ als Hexe. S. 139 f. (). III. Theil: [Nr.] 4. Die Hexe in Scheid. S. 148 (). [Nr.] 13. Die seltsamen Füchse. S. 156–158 (). Jakob Kuoni: Sagen des Kantons St. Gallen. St. Gallen 1903. Der angebundene Fuchs, S. 119–120 (sagen.at). Der Hexentanz auf dem Gafarrabühl, S. 149 ff. (sagen.at). Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Zweites Buch, Schwerssche Buchhandlung, Kiel 1845. [Nr.] CCCXVI. Hexe als Fuchs. (Nr. 315, bei Neuausgaben Nr. 368), S. 230 (digitale-sammlungen.de MDZ München). Josef Müller: Sagen aus Uri. Band 1. Hrsg. von Hanns Bächtold-Stäubli. G. Krebs, Basel 1926. [Nr.] 229. Die angeschossene Fuchshexe. . [Nr.] 230. Die Fuchshexe und der Kummetbach. . [Nr.] 233. Das Füchslein in der Glattalp. . [Nr.] 234. Füchslein und Wirtstochter. . [Nr.] 235. Das geschonte Füchslein. . [Nr.] 236. Das Fuchsweib in Gurtnellen. . [Nr.] 237. Mädchen als Fuchs. . Band 3. Hrsg. von Robert Wildhaber. G. Krebs, Basel 1945: [Nr.] 1428. Das Ende der Fuchshexe. .
Verwandtes und Vermischtes: Adalbert Kuhn: Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen. Band 1. F. A. Brockhaus, Leipzig 1859. [Nr.] 211. Der Teufelsstein bei Hundesossen. S. 191–192 (Wette von Teufel und Fuchs – bzw. in anderer Version unter Austausch der Hauptfigur: Hexe –, wer am weitesten springen könnte; ). Nikolaus Gredt: Sagenschatz des Luxemburger Landes. 1. Neudruck. Band 1. Kremer-Muller & Cie, Esch/Alzette 1963, (Erstausgabe 1883). [Nr.] 1129. Die Burgfrau von Burglinster. C. (durch eine Hexe in einen Fuchs verwandeltes Kind).
Literatur The Witch Persecution at Bamberg. In: George L. Burr (Hrsg.): The Witch Persecutions. In Translations and Reprints from the Original Sources of European History. 6 Vols. University of Pennsylvania History Department, Philadelphia 1898–1912, Vol. 3, Nr. 4, S. 23–28 (englisch; Volltext – Hanover Historical Texts Project. Über Christiana Morhauptin im Rahmen der Bamberger Hexenverfolgung). Klaus Mailahn: Der Fuchs in Glaube und Mythos (= Religionswissenschaft. Band 11). Lit-Verlag, Berlin / Münster 2006, ISBN 3-8258-9483-5, S. 372–380. Klaus Mailahn: Göttin, Fuchs und Ostern (= Religionswissenschaft. Band 14). Lit-Verlag, Berlin / Münster 2007, ISBN 978-3-8258-0663-7, S. 78–81.
Weblinks The Lord of Vileyka and the Witch. In: the-ridges.net (englisch; Der Graf von Vileyka und die Hexe)
Einzelnachweise
Kategorie:Religionsethnologie Kategorie:Weibliches Fabelwesen Kategorie:Fuchs in Kunst und Literatur Kategorie:Deutsche Sagengestalt