Zur Star-Trek-Fan-Fiction zählen hauptsächlich filmische und literarische Werke, die im fiktiven Star-Trek-Universum handeln und in der Regel nichtkommerziell veröffentlicht wurden.
Druckerzeugnisse Allgemeine Entwicklung Die Fangemeinde der verschiedenen Serien und Kinofilme des Star-Trek-Franchise, die sich aus der Gemeinschaft der bereits organisierten Anhänger der Science-Fiction in den USA entwickelte, betreibt seit den späten 1960er Jahren eine umfangreiche Fan-Fiction-Kultur. Angestoßen wurde die Entwicklung offenbar durch den Umstand, dass Raumschiff Enterprise eine der ersten Science-Fiction-Produktionen war, für die sich auch ein bedeutender Teil des weiblichen Publikums begeistern konnte.John Tulloch und Jenkins Henry: „Science Fiction Audiences: Watching Doctor Who and Star Trek“. Nach: Boyd, Kelly Simca: „One index finger on the mouse scroll bar and the other on my clit“: slash writers' views on pornography, censorship, feminism and risk. Thesis (M.A.). Simon Fraser University, 2001. S. 10 Im Unterschied zum durchschnittlichen Science-Fiction-Fan waren diese Frauen eher an Figuren und deren Interaktion als an technischen Aspekten der Serie interessiert. Bedingt durch diesen UmstandBoyd, Kelly Simca: „One index finger on the mouse scroll bar and the other on my clit“: slash writers' views on pornography, censorship, feminism and risk. Thesis (M.A.). Simon Fraser University, 2001. S. 8f. erschien 1967, also noch zur Zeit der Erstausstrahlung von Raumschiff Enterprise, mit Spockanalia das erste Fanzine, welches bereits kurze, von Fans geschriebene, Geschichten enthielt.Inhaltsverzeichnis Bis weit in die 1990er Jahre hinein dominierten gedruckte Erzeugnisse den Bereich der Fan-Fiction, die die zahlreichen Fanclubs in vielen Ländern publizierten. Zunächst beschränkte sich das Phänomen auf die USA und andere angelsächsische Länder. Fanzines enthalten unter anderem Zeichnungen und teils sehr hochwertige Geschichten.„Star Trek-Fandom im Wandel der Zeit“. Interview mit Martin Stahl, dem ehemaligen Betreiber des „Final Frontier“-Fanclubs Auch Gedichte zählen zur Fan-Fiction. Ein anderer spezieller Aspekt der Fan-Fiction bzw. Fanart sind (neben den die Geschichten normalerweise ausschmückenden Collagen) auch Risszeichnungen der fiktiven Technik aus „Star Trek“. Fans produzierten außerdem Postkarten, Wandkalender und Ähnliches in Eigenregie.
Oft wurden auch Sonderausgaben publiziert, die ausschließlich solche Fan-Fiction enthielten („Storyzines“). Es entstand eine neue Subkultur innerhalb der Fangemeinde, in welcher gute Autoren und Zeichner ein hohes Ansehen genießen. Auch unter heute professionellen Schriftstellern finden sich frühere Fanzine-Schreiber wie Jean Lorrah, die in den 1970er Jahren einige (nicht jugendfreie) Fanromane verfasst hatte und später insgesamt vier Bücher zur Star-Trek-Reihe der Firma „Pocket Books“ beisteuerte. Marion Zimmer Bradley schrieb die Kurzgeschichte „The Immovable Object“ und das Gedicht „A Vulcan Valentine“, beide datieren auch auf das Ende der 1970er Jahre.„The immovable Object“ erschien im Fanzine „The Other Side of Paradise 2“, ein Nachdruck in „Computer Playback 3“. Die Schriftstellerin Sondra Marshak betätigte sich zu dieser Zeit als Herausgeberin solcher Amateurwerke. Weitere bekannte Autoren der Fanszene sind der Schauspieler Andrew Robinson, dessen Werk jedoch inzwischen kommerziell verlegt wird,„A Stitch in Time. Garak writes an Autobiography“ und Lorrahs Partnerin Jacqueline Lichtenberg. Die Chronistin Joan Marie Verba erfasste etwa 300 bedeutsame gedruckte Publikationen in den USA zwischen 1967 und 1987 (der Zeitraum bis zum Produktionsbeginn des ersten Fernsehsequels).
Subgenres Viele Abarten der allgemeinen Fan-Fiction, die heute geschrieben wird, gehen auf Entwicklungen der Autorenschaft der Star-Trek-Fangemeinde zurück. Besondere Blüten trieb die Star-Trek-Fan-Fiction schon ab 1974 mit dem Aufkommen von pornografischen Elementen, die schon bald im Subgenre der Slash-Geschichten endeten. Diese thematisieren wahlweise eine sexuelle Beziehung vor allem zwischen Kirk und Spock (→ Hauptartikel: K/S), zwischen Spock und Christine Chapel oder zwischen zwei oder mehr beliebigen anderen Figuren.
Ein anderes häufiges Szenario besteht in der Einführung einer prägnanten weiblichen Hauptperson, die eine Liebesbeziehung zu einer Star-Trek-Figur aufbaut und Heldentaten vollbringt. Die Liebesbeziehung wird zum Schluss der Geschichte beendet. Die Parodie auf Erzählungen dieser Art wurde 1973 im Fanzine „Menagerie 2“ veröffentlicht. Entsprechend dem Namen der weiblichen Hauptperson dieser Parodie bezeichnet man das Genre als „Mary Sue“.
Autorenschaft Frauen waren nicht nur zu Beginn an der Entwicklung von Star-Trek-Fan-Fiction entscheidend beteiligt. Die Autorenschaft der Star-Trek-Fan-Fiction stellen bis in die Gegenwart zu 80Mary Ellen Curtin: „80 Prozent der Autoren sind weiblich“ bis 90 Prozent Frauen. Besonders hoch ist deren Anteil im Slash-Bereich.Katyal, Sinia K.: Performance, property and the slashing of gender in fan fiction. Journal of gender, social policy and the law. Vol. 14:3 2006. S. 485 Auch Mary-Sue-Geschichten werden besonders häufig von Frauen geschrieben.
Als Hobbyautoren betätigen sich vor allem jüngere Menschen ab dem Teenageralter.
Entwicklung im deutschsprachigen Raum Ab Ende der 1970er Jahre, als der erste Film der Reihe in den Kinos lief, und verstärkt in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre begann sich diese Art der Fankultur auch in Deutschland auszubreiten.Thomas Kohlschmidt: „Star Trek: 40 Jahre wie im Flug!“ Zusammenfassung der Entwicklung der Star-Trek-Fangemeinde in Deutschland (archivierte Version) Die sehr wenigen Fanklubs, die ab etwa 1983 in Berlin, Hamburg und Augsburg gegründet worden waren, veröffentlichten Fan-Fiction für die noch sehr überschaubare organisierte Anhängerschaft. Auch wurden durch Privatpersonen die im englischsprachigen Raum vorher publizierten Magazine durch Fotokopie vervielfältigt und vertrieben. Wie auch in den USA stieg die Anzahl der organisierten Fans in einem nicht gekannten Tempo ab Beginn der 1990er Jahre, als Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert erstmals in Deutschland ausgestrahlt wurde. Bis dahin hatte es kaum mehr als ein Dutzend größerer Fanpublikationen pro Jahr im deutschen Sprachraum gegeben. Reguläre Veröffentlichungen waren „Warp“ und „Transwarp“ des „UFSTF“ aus Hamburg, „NCC“ und „Federation Report“ des „Star Fleet Command“ in Berlin sowie die „Trekworld“ des STCE in Augsburg.Torsten Stau: Star Trek Register 1980–1993. Fanzine über Fanpublikationen in Deutschland
In gleichem Maße wie die Vereinszahlen und deren Mitgliederregister wuchs in den folgenden Jahren auch die Menge der veröffentlichten Fan-Fiction. So konnten die großen Vereine durch Selektion die literarische und künstlerische Qualität der von ihnen gedruckten Geschichten und Zeichnungen stark erhöhen. Etwa 1995 war die Anzahl der Fanclubs und deren Veröffentlichungen alleine in Deutschland kaum noch überschaubar. Besonders gepflegt wurde die Fan-Fiction im Berliner Club „Star Trek Forum“, und auch der Hamburger Verein behielt diese Tradition bei.
Filme Als durch die Bedeutungszunahme des Internets die Kommunikation und die Veröffentlichung selbstgeschriebener Texte immer einfacher wurden und andererseits die technischen Möglichkeiten zur kostengünstigen Realisierung aufwendigerer Videoprojekte durch Amateure geschaffen waren, kam es um die Jahrtausendwende allmählich zu einem weitgehenden Niedergang der Fanzinekultur. Die deutschsprachige Anhängerschaft hatte zu diesem Zeitpunkt Fan-Fiction im Umfang etlicher tausend Seiten erzeugt, hinzu kommen auf Compact Cassette vertriebene Audiozines; die Menge der in weltweiten Fanpublikationen zu „Star Trek“ kann davon ausgehend nur grob auf eine sechsstellige Seitenzahl geschätzt werden. Von Fans verfasste Geschichten werden jedoch nach wie vor im Internet publik gemacht, in der Regel jedoch ohne Prüfung eines Lektors.Sammlung von geschriebener Star-Trek-Fan-Fiction (englisch)
Seit etwa Ende der 1990er Jahre sind durch die rasch fortschreitende digitale Videotechnik und das Internet als Verbreitungsbasis völlig neue Möglichkeiten entstanden. Vor allem im englischsprachigen Raum sind eine ganze Reihe von Fan-Produktionen im Umlauf, denen auch von angesehenen Kritikern (zum Beispiel der New York Times)Die „New York Times“ über die besten ST-Fan-Fiction-Projekte eine erstaunliche Qualität bescheinigt wird, die sich hinter professionellen Produktionen nicht (mehr) zu verstecken braucht.Bericht von 3sat-Kulturzeit
Nichtparodistische Werke Zu den wichtigsten Projekten gehören:„Variety“ über ST-Fan-Fiction (2008)
Star Trek: Hidden Frontier: Die bisher längste und am längsten laufende Fan-Produktion in sieben Staffeln mit 50 Episoden.LA Times vom 7. Juli 2007 Jede der zwischen 2000 und 2007 gedrehten Staffeln umfasst zwischen sechs und neun Episoden von jeweils zirka 25 Minuten Länge. Die Serie knüpft an den Film Star Trek: Der Aufstand an. Die Serie wird fast ausschließlich in der digitalen Green-Screen-Technik gedreht (also ohne Sets), was sie vor allem in den ersten Staffeln technisch etwas anspruchslos ausschauen lässt – worauf die Macher der Serie selbst hinweisen und sich dafür entschuldigen.Selbstkritik der ST:HF Crew In Fankreisen wird dagegen gelobt, dass sie interessante Charaktere biete, die differenziert auftreten, komplex interagieren und sich während des Fortschreitens der Serie auch entwickeln. Objektiv kann man festhalten, dass die technische Qualität der Folgen in den letzten Staffeln deutlich zunimmt. Hervorgehoben wird von Fans auch die Qualität der Drehbücher, die, ähnlich wie die schauspielerische Leistung, ein erstaunlich hohes Maß annehme.Kritikeraussagen zu Star Trek: Hidden Frontier Ein Teil der Hauptdarsteller wechselte nach dem Ende der Serie zum Nachfolger Star Trek: Odyssey (Start: 2007). 2008 sind drei weitere Ableger mit den Titeln Star Trek: The Helena Chronicles, Star Trek: Operation Beta Shield und Star Trek: Federation One gestartet. Mittlerweile (2015) hat sich das Team ganz auf die Produktion von Hörspielen verlegt. Star Trek: Odyssey: Im September 2007 gestartete Nachfolge-Serie zu Star Trek: Hidden Frontier, in der, ähnlich wie in Star Trek: Raumschiff Voyager, ein einzelnes Raumschiff der Sternenflotte weit entfernt der Heimat strandet, hier allerdings im Andromedanebel. Star Trek: The Helena Chronicles: Im Januar 2008 gestarteter Spin-off zu Star Trek: Hidden Frontier, der den Handlungsstrang der ersten Serie fortführt. Dabei spielt The Helena Chronicles – wie der Name schon vermuten lässt – größtenteils auf der U.S.S. Helena die in der letzten Folge der sechsten Staffel eingeführt wird. Starship Exeter: Online-Serie von Jimm und Joshua Johnson über die USS Exeter (NCC-1706) unter dem Kommando von Captain John Quincy Garrovick, der später auf der USS Farragut der erste Captain des jungen James T. Kirk war (vgl. die TOS-Folge „Tödliche Wolken (Obsession)“). Die Serie spielt damit ca. 15–20 Jahre vor der Zeit der Original-Serie Raumschiff Enterprise (TOS). Die Serie arbeitet mit ausgedehnten echten Schauplätzen und Requisiten und einer großen Zahl von Darstellern. Tricktechnik und schauspielerische Leistung vermitteln einen TOS-Effekt im 60er-Jahre-Design. Die „Serie“ besteht aus zwei Episoden, „The Savage Empire“ and „The Tressaurian Intersection.“