Karl Neuhof (* 25. November 1891 in Friedberg (Hessen); † 15. November 1943 im KZ Sachsenhausen ermordet) war ein deutscher Getreidegroßhändler,Peter Neuhof: Eine Jugend im Schatten der Verfolgung. Zeitzeugen im Gespräch – Erfahrungen und Schicksale deutscher Juden im Nationalsozialismus (mit Video-Mitschnitt des Zeitzeugengesprächs vom 3. Dezember 2018); Jüdisches Museum Berlin, 2018. Kommunist und antifaschistischer Widerstandskämpfer.

Leben mini|Kaiser Wilhelm II. 1915 bei der Verleihung des Eisernen Kreuzes an Vizefeldwebel Karl Neuhof Neuhof kehrte aus dem Ersten Weltkrieg mit zwei Verwundungen und dem Eisernen Kreuz, das ihm Kaiser Wilhelm II. persönlich überreichte, als Kriegsgegner zurück. Doch zur Niederschlagung des Putsches von Kapp und Lüttwitz griff er nochmals zur Waffe, um sich aktiv an den Auseinandersetzungen im Ruhrgebiet zu beteiligen.Peter Neuhof: Als die Braunen kamen. Eine Berliner jüdische Familie im Widerstand. Bonn 2006, S. 17. Unmittelbar nach Kriegsende trat er aus dem Judentum aus. fragtuns.blogsport.de

1921 zog er von Friedberg nach Berlin. Er arbeitete als Großhändler für Getreide Ex- und Import bei der jüdischen Firma Neufeldt & Co. 1923 heiratete er Gertrud Jaffke (1901–1987). 1925 kam ihr Sohn Peter zur Welt. Seit 1926 gehörte er der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), der Roten Hilfe Deutschlands (RHD) und dem Arbeitersportverein „Fichte“ an. Er wohnte mit seiner Familie in Berlin-Frohnau und war Mitglied der KPD-Ortsgruppe Glienicke/Nordbahn. Zusammen mit seiner Ehefrau beteiligte er sich an einer Erwerbslosenküche.

Ab 1933 kam es bei Neuhofs zu Hausdurchsuchungen. Er wurde arbeitslos und arbeitete später als Hucker auf dem Bau. Zuletzt musste er Zwangsarbeit in der sogenannten 'Judenkolonne' der Farbenfabrik Warnecke und Böhm in Weißensee leisten.Peter Neuhof: Als die Braunen kamen. Eine Berliner jüdische Familie im Widerstand. Bonn 2006, S. 9.

mini|Familienfoto von Peter, Gertrud und Karl Neuhof im Jahre 1939

Im Spätherbst 1942 und am 13. Januar 1943 stand sein alter Freund Wilhelm Beuttel, Instrukteur des ZK der KPD, vor Neuhofs Wohnung in Berlin-Frohnau und suchte eine Unterkunft für seine illegale Arbeit in Deutschland. Das Ehepaar Neuhof gewährte ihm Unterschlupf, obwohl es selbst gefährdet war. Am 10. Februar 1943 wurden Wilhelm Beuttel und das Ehepaar Neuhof verhaftet. Bis zum 27. Mai 1943 saß Karl Neuhof im Polizeigefängnis Lehrter Straße, anschließend in der Untersuchungshaftanstalt Moabit.Peter Neuhof: Als die Braunen kamen. Eine Berliner jüdische Familie im Widerstand. Bonn 2006, S. 188. Mit einer Zwischenverlegung in das Polizeipräsidium AlexanderplatzPeter Neuhof: Als die Braunen kamen. Eine Berliner jüdische Familie im Widerstand. Bonn 2006, S. 206. wurde Neuhof im Oktober 1943 ins KZ Sachsenhausen eingeliefert und als Widerstandskämpfer jüdischer Abstammung ohne Urteil am 15. November 1943 erschossen. Gertrud Neuhof wurde ins KZ Ravensbrück eingeliefert. Sie überlebte in den Maitagen 1945 den Todesmarsch und wurde von der Roten Armee befreit.

Karl Neuhofs Schwester Antonie Maurer (1895–1945) starb im KZ Uckermark. Seine Mutter Helene Neuhof starb 1942 82-jährig im Konzentrationslager Theresienstadt.

Rezeption und Ehrungen mini|Stolperstein, Zeltinger Straße 65, in Berlin-Frohnau mini|alt=Gedenkstein für Karl Neuhof|Gedenkstein für Karl Neuhof Karl Neuhof war Namensgeber einer Polytechnischen Oberschule in Glienicke/Nordbahn von Dezember 1959 bis zur Wende. Der Gedenkstein vor dem Schulgebäude erinnert heute noch an den Widerstandskämpfer.

Am 8. November 2000 wurde eine Bronzetafel, u. a. mit dem Namen von Karl Neuhof zur Erinnerung an Juden in Frohnau, auf dem Vorplatz der Johanneskirche, Zeltinger Platz 17, errichtet. Sie trägt u. a. die Inschrift: „Jüdische Nachbarn / 1933–1945 / verfolgt / vertrieben / ermordet / vergessen?“

Am 17. März 2011 wurde vor dem Haus Zeltinger Str. 65 in Berlin-Reinickendorf ein Stolperstein für ihn verlegt.

Öffentliche Erwähnungen zur Geschichte von Karl Neuhof und seiner Familie finden sich unter anderem in der Gedenkstätte Stille Helden.

Der Nachlass von Karl Neuhof, in dem u. a. sein Gefängnistagebuch und der Briefwechsel mit und innerhalb seiner Familie enthalten sind, befindet sich als Schenkung seines Sohns Peter Neuhof im Archiv des Jüdischen Museums Berlin. Tagebuch und Briefwechsel wurden 2022 veröffentlicht.Peter Neuhof, Bernward Dörner (Hrsg.): Ich kämpfe gegen alles, was mich niederdrücken will. Das Tagebuch des jüdisch-kommunistischen Widerstandskämpfers Karl Neuhof und der Briefwechsel seiner Familie. Metropol Verlag, 2022. ISBN 978-3-86331-636-5.„Ich kämpfe gegen alles, was mich niederdrücken will.“ Das Tagebuch des jüdisch-kommunistischen Widerstandskämpfers Karl Neuhof und der Briefwechsel seiner Familie – Buchvorstellung (Video-Mitschnitt verfügbar). Jüdisches Museum Berlin, 11. April 2022.

Literatur Luise Kraushaar: Deutsche Widerstandskämpfer 1933 bis 1945. Biographien und Briefe. Herausgegeben vom Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED. Band 1, Dietz Verlag, Berlin (DDR) 1970, S. 532; . Hans-Joachim Fieber u. a.: Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933 bis 1945. herausgegeben von der Geschichtswerkstatt der Berliner Vereinigung ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener (BV VdN) e. V. Band 5: L bis O. trafo-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-89626-355-2, S. 273f.

Peter Neuhof: Als die Braunen kamen. Eine Berliner jüdische Familie im Widerstand. Pahl-Rugenstein, Bonn 2006, ISBN 3-89144-356-0. Hans-Rainer Sandvoß: Widerstand aus der Arbeiterbewegung in Berlin von 1933 bis 1945. Lukas-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-936872-94-1, S. 474–475. Hans-Rainer Sandvoß: Widerstand in Pankow und Reinickendorf. Hrsg.: Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Berlin 1992, S. 137–140 und S. 214 f. (= Widerstand 1933–1945, Heft 6);

Weblinks

Biografie Karl Neuhof Sammlungen des Jüdischen Museums Berlin zu Karl Neuhof

Einzelnachweise

Kategorie:Mitglied der Roten Hilfe Kategorie:KPD-Mitglied Kategorie:Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus) Kategorie:Todesopfer im KZ Sachsenhausen Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Person, für die im Bezirk Reinickendorf ein Stolperstein verlegt wurde Kategorie:Person der Knöchel-Seng-Gruppe Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Mann